Neurowissenschaft Hirnstimulation kann das Lernverhalten verändern

Aus Schaden oder Gelingen wird der Mensch klug. Neurowissenschaftlern ist es nun erstmals gelungen, die positiven Lernerfolge mit Magnetimpulsen zu verstärken.

Probieren geht über studieren, sagt der Volksmund. "Versuch und Irrtum" nennt sich das Verfahren aus wissenschaftlicher Sicht. Lebenslanges Lernen steht für das beharrliche Bemühen, aus Schaden wie aus erwünschten Ergebnissen früherer Handlungen, klug zu werden. Wir alle kennen Menschen, die sich eher auf die eine oder auf die andere der beiden Strategien verlassen. Die einen merken sich besonders gut, was sie in Zukunft lieber vermeiden sollten, die anderen sind besonders motiviert, zu wiederholen, was ein- oder mehrmals geklappt hat. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben es nun erstmals geschafft, die Akzentsetzung in diesem Punkt des Lernverhaltens durch gezielte Stimulation von Gehirnregionen mit einer Magnetspule zu verändern, wie sie in der aktuellen Online-Ausgabe des Fachblatts Neuroimage berichten.

Die Neurowissenschaftler um den Mediziner Derek Ott legten für ihre Studie 42 Versuchspersonen zwischen 20 und 30 Jahren eine Spule, die magnetische Impulse aussendet, an verschiedenen Stellen der Kopfoberfläche an. Auf diese Weise werden die Nervenzellen darunter liegender Hirnregionen angeregt, so dass sie vermehrt Impulse aussendeten. Im konkreten Fall wurde mit der Magnetstimulation entweder die rechte oder die linke Seite der präfrontalen, direkt an der Schläfe gelegenen Hirnrinde aktiviert. Bei einer Vergleichsgruppe wurde die Spule in der Mitte angelegt.

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Direkt nach der Stimulation machten sich die Teilnehmer, übrigens alle Rechtshänder, im "Hirnscanner", einem funktionellen Magnetresonanz-Tomografen, an ein Lernspiel. Sie bekamen sechs verschiedene Symbole in unterschiedlichen Paarungen präsentiert und sollten jeweils auf einen Sieger tippen. Der richtige Tipp wurde mit einem lachenden, der falsche mit einem zornigen Gesicht quittiert. Das Spiel war so angelegt, dass die Wahrscheinlichkeiten für eine Überlegenheit unter den Zeichen ungleich verteilt waren, was die Spieler nach und nach verstanden. Ergebnis: Nach der Lernphase driftete das Auswahlverhalten der beiden Gruppen deutlich auseinander. Während die an der linken Schläfe Stimulierten deutlich besser darin waren, das chancenreichste Symbol auszuwählen, hatten die rechts Stimulierten sich eher darin geübt, das Verlierer-Zeichen zu meiden. In der Kontrollgruppe kamen beide Strategien gleichmäßig zum Einsatz.

Während des Lernens, das im Hirnscanner stattfand, war die Aktivität verschiedener Hirnregionen erfasst worden. In der Links-Gruppe, deren Wahl vor allem durch vorangegangene Erfolge bestimmt wurde, kam es dabei zu erhöhter Aktivität im Bereich der Basalganglien, einem wichtigen Hirnareal. Dort wurde vor allem dann heftiger gefeuert, wenn die Ergebnisse mit einzelnen Symbolen besser ausfielen als von den Testpersonen erwartet. Eine mögliche Schlussfolgerung ist, dass die guten Symbole durch diese Hirnprozesse verstärkt wurden. 

Leser-Kommentare
  1. Also ich finde Magnetfelder blöd! Viel besser ist es sich ein Buch des Nachts unter das Kopfkissen zu legen.

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    • ludna
    • 05.07.2011 um 18:33 Uhr

    50 % der Lehrerstellen streichen. Dafür vor jede schule ein Gerät. Ok, aus Kostengründen sagen wir, für je 5 Schulen ein Gerät. Die Schüler müssen dann früh zu der Schule und eine obligatorische Stimulation erhalten. Schon sind wir Pisa Spitzenreiter !!

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  2. Das was man liest, hört sich ungefähr so an, als im Mittel-
    alter an den Leuten rumgedocktert wurde. Wenn das vorderste
    Hirnforschung sein soll, dann finanziert man wirklich nur
    nach Lobbyarbeit.

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  3. Was für eine Erkenntnis: Nämlich dass nichts erfolgreicher ist als der Erfolg oder dass dauernde Mißerfolge das Gegenteil bewirken.

  4. 5. heiß!

    man kann - ohne die Fakten zu kennen! - den Bericht auch folgendermaßen lesen:

    1. das genannte MPI in Leipzig gehört zu den höchstangesehenen Forschungsinstitutionen in dem Fachbereich weltweit

    2. das Institut hat einen (gar nicht üblen) Draht zur Presse

    3. die Studie wurde in NeuroImage veröffentlicht (nicht j. neurosci, neuron, nat neurosci, oder sogar science?)

    -> der Verdacht liegt nahe, dass der Befund nicht nicht so heiß ist, wie er serviert wurde. Interessant ist er sicherlich allemal. Aber die Fachzeitschriften (übrigens auch NeuroImage!) sind voll von relevanteren und aussagekräftigeren Studien.
    Schade, dass nur durch Prestige und Hype der Sprung in die öffentliche Presse gelingt...

  5. "Was für eine Erkenntnis: Nämlich dass nichts erfolgreicher ist als der Erfolg [...]"

    Es geht doch hier gar nicht so sehr um die Frage, ob diese oder andere Erkenntnisse neu sind oder nicht. Das meiste, was in diesem Artikel angesprochen wird, ist schon lange bekannt, was im Artikel aber auch gesagt wird. Die Studie hat, so wie ich das verstanden habe, ja auch auf dem bisherigen Wissensstand aufgebaut (der im Artikel noch mal erwähnt wird).

    Das eigentlich Interessante ist, dass man heute das Gehirn offenbar aktiv manipulieren kann und so gewisse Effekte erzielen kann. Vorher beschränkte sich Hirnforschung auf das Beobachten und Explorieren des Gehirns und der Hirnaktivität. Nun nimmt man gezielten Einfluss auf die Hirnaktivität. Das ist noch ziemlich neu und für sich genommen schon sensationell genug, um dem Thema einen Artikel zu widmen und erst recht, um an diesen Punkten weiterzuforschen.

    Ich finde es nebenbei bemerkt zum Heulen, wie in unserer hochtechnologisierten Gesellschaft das Interesse an Wissenschaft und Forschung bei den meisten Leuten auf Desinteresse oder gar Ablehnung stößt. Gerade die Hirnforschung ist ein Sujet, wo sich noch vieles entdecken und entwickeln ließe. Wenn Neurowissenschaftler wirklich eine so starke Lobby hätten, wie hier manche unterstellen, wäre man wahrscheinlich noch viel weiter. Grundlagenforschung jeder Art hat es doch heute genau im Gegenteil nicht sehr leicht, sich zu finanzieren. Jeder fragt ja gleich: "Way'n?" - so wie hier!

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