Präimplantationsdiagnostik : Bundestag erlaubt Embryonenauswahl im Labor

Der Bundestag hat einer begrenzten Präimplantationsdiagnostik zugestimmt. Eltern dürfen die Methode nutzen, wenn etwa eine Krankheit oder Totgeburt wahrscheinlich ist.
Eine Laborantin arbeitet mit Stammzellen. © Mauricio Lima/AFP/Getty Images

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) bleibt in Deutschland zugelassen. Der Bundestag beschloss mit Mehrheit, die Gentests an Embryonen in bestimmten Fällen zu erlauben. Bereits heute dürfen Ärzte die PID nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs durchführen.

Auf den Gesetzentwurf der FDP-Abgeordneten Ulrike Flach und anderer entfielen 326 Stimmen. Der Entwurf für ein Verbot erhielt 260 Stimmen. Acht Abgeordnete enthielten sich. Ein Kompromissentwurf war mit 58 Stimmen in zweiter Lesung gescheitert.

Mutig und wegweisend: Der Bundestag hat endlich Rechtssicherheit für die Embryonenauswahl im Labor geschaffen.

Paare dürfen die Methode laut dem erfolgreichen Entwurf künftig nutzen, wenn aufgrund ihrer genetischen Veranlagung eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende Erbkrankheit beim Kind oder für eine Tot- oder Fehlgeburt besteht.

Der Fraktionszwang war bei der Abstimmung aufgehoben worden, die Abgeordneten entschieden allein nach ihrem Gewissen. Zuvor hatten Befürworter und Gegner der PID in einer mehrstündigen Debatte nochmals für ihre Positionen zu den Embryonentests geworben.

Die PID ermöglicht es, Embryonen im Reagenzglas vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf genetische Krankheiten zu untersuchen. Vorbelastete oder überflüssige Embryonen werden in der Regel vernichtet.

Die Neuregelung zur PID wurde nötig, weil es bisher keine klare gesetzliche Vorgabe gibt und der Bundesgerichtshof (BGH) im vergangenen Jahr die Auswahl künstlich befruchteter Eizellen bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Genschäden erlaubt hatte.

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Kommentare

41 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Dieser Satz ist eine Zumutung

"Der Fraktionszwang war bei der Abstimmung aufgehoben worden, die Abgeordneten entschieden allein nach ihrem Gewissen."

Meines Wissens nach sollten laut Grundgesetz die Abgeordneten immer NUR nach ihrem Gewissen entscheiden. Der Fraktionszwang ist grundgesetzwidrig und daher offiziell natürlich gar nicht existent. Angesichts dieser Tatsache ist der obige Satz eine Zumutung für jeden Bürger dieses Landes.

Auch SIE müssten WISSEN,

dass "Fraktionszwang" die sicherste Möglichkeit für die jeweils Regierenden ist, die Mitglieder ihrer Fraktion bzw. Koalition -möglchst- vollzählig hinter sich und ihre Entscheidungen zu scharen!

Und wer nicht spurt, wird auf der Liste gar nicht oder so weit hinten plaziert, dass die Wahlchancen äusserst dürftig sind!

Abstimmungen OHNE "Fraktionszwang" sind die extreme Ausnahme, weil sie beweisen, dass es mit dem "Gewissen" der Abgeordneten nicht eben weit her sein darf! Die allermeisten Abgeordneten sind in erster Linie STIMMVIEH, und das braucht kein Gewissen!

Eine gute Entscheidung

Eine der wenigen Sternstunden unseres Parlaments.

Inhaltlich bin ich persönlich erleichtert, dass sich eine Mehrheit für diesen Gesetzesentwurf entschieden hat, nach einer ernsthaften, ehrlichen und fairen Debatte. Vor allem ohne weitere Wahlgänge nach in der 2. Lesung und einer dann doch deutlichen Mehrheit nach der 3. Lesung.

Formal hoffe ich, dass sich alle Abgeordneten an diese Debatte lange erinnern werden, hat sie doch gezeigt, wie dieses Parlament seiner Aufgabe auch (oder gerade) ohne Fraktionszwänge und parteipolitische Starrsinnigkeit seiner verantwortungsvollen Aufgabe gerecht werden kann.

Diagnostik

Da wir nicht allein auf dieser Welt sind und in anderen christlichen europ. Ländern sich die kirchliche Moral nicht durchsetzen lässt, ist dieses vielleicht ein Versuch, die Technologie doch noch in Deutschland zu halten und um die möglichen Eltern davon abzuhalten sich z.B. in Spanien die Untersuchungen machen zu lassen.
Wenn wir davon ausgehen, dass eine künstliche Befruchtung eh nicht der Regelfall ist und dass man dann eh eine Auswahl zwischen den Embryonen ( in der Regel ca. 8 ) treffen muss, warum dann nicht den auswählen mit den grössten Überlebenschancen.
Zum Designerbaby ist es ein sehr weiter Weg .

Wenigstens ein Anfang.

Inhaltlich ist es ein Schritt in die richtige Richtung.

Es hat mir aber auch gut getan, dass der Bundestag sich hier gegen Merkel, Kauder, Thierse u.v.a.m. entschieden hat. (Das ist mein Privatvergnügen, werden Sie einwenden. Korrekt. Nichtsdestoweniger ein Vergnügen.)

Herzlichst Crest