Die Erhöhung ihres Büchergeldes konnten sie nicht verhindern, jetzt reagieren Stipendiaten der Studienstiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft mit einer eigenen Förderinitiative. Mit ihrer Aktion "Stipendien spenden" rufen sie dazu auf, einen Teil des Büchergeldes von derzeit 150 Euro an Bildungsprojekte zu überweisen. "Wir möchten durch die Umverteilung an weniger Privilegierte die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland fördern", sagt Stipendiatin Ines Burckhardt.

Ein bisschen mehr Bafög, ein nationales Stipendiensystem und mehr Büchergeld für Stipendiaten. So hatte sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ihr Förderpaket vorgestellt. Es sollte mehr Kindern aus ärmeren Familien den Weg an die Uni ebnen, gleichzeitig aber Leistungsanreize bieten – unabhängig vom Einkommen der Eltern. Dass der Opposition der Bafögaufschlag nicht reichen und sie das Deutschlandstipendium als Eliteförderung ablehnen würde, war abzusehen. Aber der Protest der Studienstiftler im Frühjahr 2010 kam überraschend.

Zunächst sollte das Büchergeld sogar von 80 Euro auf 300 Euro erhöht werden, das erschien einer Gruppe von Geförderten unangemessen. Wie Studien über die Begabtenförderwerke zeigten, kämen die meisten aus privilegierten Familien , argumentierten sie. Um die soziale Schieflage im deutschen Bildungssystem zurechtzurücken, müssten jene gefördert werden, die aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt seien. Doch die Erhöhung kam, wenn auch zunächst nur auf 150 Euro; auf 300 Euro soll das Büchergeld nun bis 2013 steigen.

Jetzt schlagen Geförderte auf der Webseite www.stipendienspenden.de drei Projekte vor, an die nicht benötigtes Büchergeld gestiftet werden solle. Geworben wird für Arbeiterkind.de , das Schüler aus nichtakademischen Familien ermuntert, ein Studium aufzunehmen. Unterstützenswert sei auch "Rock your life" : Studierende unterstützen Hauptschüler bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Das dritte empfohlene Projekt ist " Plan MSA ", eine Kreuzberger Initiative, die Schülern aus sozial benachteiligen Familien, die vor dem Mittleren Schulabschluss stehen, Nachhilfe gibt. Über das Spendenaufkommen wollen die Stipendiaten quartalsweise auf ihrer Homepage berichten.

Tausende Stipendiaten unterschrieben im vorigen Jahr eine Petition gegen die Erhöhung des Büchergeldes. Doch die Studienstiftung betont, dass die Gegner in der Minderheit seien. Die meisten der 12.000 Stipendiaten begrüßten den Aufschlag, etwa weil sie weniger jobben müssen, sagt Sprecherin Cordula Avenarius.

Erschienen im Tagesspiegel