WeltraumschrottUS-Forschungssatellit ist auf Erde gestürzt

Teile des Satelliten UARS sind vermutlich in Kanada aufgeschlagen. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre sind jedoch bereits etwa 90 Prozent des busgroßen Geräts verglüht.

US-Satellit UARS wird vom Raumschiff Discovery aus ins All geschickt (14. September 1991)

US-Satellit UARS wird vom Raumschiff Discovery aus ins All geschickt (14. September 1991)  |  © Nasa

Der Satellit UARS – mit vollem Namen Upper Atmosphere Research Satellite – ist nach Angaben der Europäische Weltraumorganisation (Esa) gegen 6.20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit abgestürzt. Die US-Raumfahrtagentur Nasa hat bislang lediglich ein Zeitfenster zwischen 5.45 und 6.45 Uhr angegeben. Sie teilte mit, das sechs Tonnen schwere Gerät sei über dem Pazifischen Ozean in die Erdatmosphäre eingetreten und auseinander gebrochen. Die genaue Zeit und der Ort des Einschlags seien "noch nicht mit Sicherheit bekannt".

Der Esa zufolge ist Europa aber nicht betroffen. "Das Wahrscheinlichste ist jetzt wohl Nordamerika", sagte Esa-Sprecher Bernhard von Weyhe. Ohnehin seien wohl etwa 90 Prozent des Satelliten beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Weyhe schätzt, dass nur 20 bis 25 Fragmente des Satelliten übrig geblieben sind.

Während des Wiedereintritts habe UARS Kanada und Afrika sowie weite Teile des Pazifischen, Atlantischen und Indischen Ozeans passiert, teilte die Nasa mit. Im Internetkurznachrichtendienst Twitter schrieb sie mittlerweile sogar: "Wenn Teile auf Land getroffen sein sollten – und die Betonung liegt auf wenn –, dann wahrscheinlich auf kanadischem Territorium." Damit bestätigt die Raumfahrtbehörde die Vermutungen der Esa.

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"Extrem geringes" Risiko für Menschen

Der Satellit hatte einen Durchmesser von 4,5 Meter und war 10,6 Meter lang – etwa so groß wie ein Schulbus und tonnenschwer. Damit gehört UARS zu den größten Weltraumflugkörpern, die bislang unkontrolliert auf die Erde gestürzt sind. Ursprünglich hatten Experten den Absturz bereits für Freitag berechnet. Wegen des unkontrollierten Sinkfluges konnten sie Zeitpunkt und Absturzort jedoch nicht genau vorhersagen.

Die US-Raumfahrtbehörde hatte jedoch bereits im Vorfeld betont, dass es nur ein "extrem geringes" Risiko für Menschen gebe, von Satellitenteilen getroffen zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der sieben Milliarden Menschen auf der Erde von den Bruchstücken getroffen werde, liege bei 0,03 Prozent. Nach Angaben eines Nasa-Spezialisten wurde in mehr als 50 Jahren Raumfahrtgeschichte noch nie ein Mensch von herabstürzendem Weltraumschrott verletzt.

Der Satellit UARS war 1991 zur Erforschung der Ozonwerte und anderer Stoffe in der Atmosphäre vom US-Raumschiff Discovery in die Erdumlaufbahn gebracht worden. 2005 hatte er seine Arbeit abgeschlossen – deutlich später als ursprünglich geplant. Nachdem der Satellit deaktiviert war, senkte die Nasa seine Umlaufbahn ab, um den Wiedereintritt zu beschleunigen und das Risiko einer Kollision mit einem anderen Satelliten zu verringern.

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Leserkommentare
  1. NASA STATEMENT ON UARS: "[UARS] fell back to Earth between 11:23 p.m. EDT Friday, Sept. 23 and 1:09 a.m. EDT Sept. 24. The Joint Space Operations Center at Vandenberg Air Force Base in California said the satellite penetrated the atmosphere over the Pacific Ocean. The precise re-entry time and location are not yet known with certainty."
    Information von Spaceweather.com Heute 24.09 1330 Uhr

    • siar
    • 24. September 2011 15:30 Uhr

    Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 0,03 Prozent, dass ein Mensch getroffen wird. Was für eine Aussage, die Nasa wusste doch garnicht wo er genau runter kommt.
    Wenn so ein Teil über einem dicht besiedeltem Gebiet abstürzt, können sehr, sehr viele Menschen davon betroffen sein.
    Wenn man bedenkt welche Mengen an Weltraumschrott dort oben rumfliegt und wie hoch die Gefahr eines Zusammenstoßs mit einem aktiven Satelliten ist, wird sich die Gefahr in den nächsten Jahren extrem erhöhen.

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    ... dass ein trümmerteil in ein besiedeltes gebiet fällt und dann dort auch noch genau ein mensch steht, liegt bei 0.03%, da 90% der oberfläche der erde unbewohnt ist.
    im jahr treten 30-40 trümmerteile dieser größenordnung in die atmosphäre ein und laut der NASA wurd noch nie jemand getroffen. dass dieses ereignis überhaupt in die zeitung kommt, hat doch nur was mit der auflage zu tun. ist schließlich was aus dem weltraum, das uns töten kann! :D
    und wie man sieht, klappt dieses auflageprinzip sehr gut ;)

    • medwed
    • 24. September 2011 17:13 Uhr

    Die Gefahr erhöht sich extrem, so so. Vielleicht verdoppelt sie sich sogar. Von 0,03 auf 0,06 Prozent. Nur gut, dass ich meinen alten Motorradhelm nicht in den Müll geworfen habe. Der wird jetzt gleich aufgesetzt. Oder soll ich im Keller ein Lager aufschlagen? Meine Frau wird mir jedoch kaum abnehmen, dass dies wegen des Satellitenschrottes notwendig sei. Ich höre sie schon granteln, das sei ein doofe Ausrede, mir ginge es doch um die Weinflaschen...

  2. ... dass ein trümmerteil in ein besiedeltes gebiet fällt und dann dort auch noch genau ein mensch steht, liegt bei 0.03%, da 90% der oberfläche der erde unbewohnt ist.
    im jahr treten 30-40 trümmerteile dieser größenordnung in die atmosphäre ein und laut der NASA wurd noch nie jemand getroffen. dass dieses ereignis überhaupt in die zeitung kommt, hat doch nur was mit der auflage zu tun. ist schließlich was aus dem weltraum, das uns töten kann! :D
    und wie man sieht, klappt dieses auflageprinzip sehr gut ;)

    Antwort auf "Milchmädchenrechnung"
    • keibe
    • 24. September 2011 16:42 Uhr

    Menschen einfach nicht ernst.

    Als sich abzeichnete, dass der Satellit UARS unkontrolliert abstürzen würde, traf ich sofort gewisse Vorkehrungen. Schließlich rechnete ich wie jeder besonnen und verantwortlich denkende Mensch, dass dieses Omnibus-große Teil den Rollrasen meines Vorgartens erheblich beschädigen würde.

    • medwed
    • 24. September 2011 17:13 Uhr

    Die Gefahr erhöht sich extrem, so so. Vielleicht verdoppelt sie sich sogar. Von 0,03 auf 0,06 Prozent. Nur gut, dass ich meinen alten Motorradhelm nicht in den Müll geworfen habe. Der wird jetzt gleich aufgesetzt. Oder soll ich im Keller ein Lager aufschlagen? Meine Frau wird mir jedoch kaum abnehmen, dass dies wegen des Satellitenschrottes notwendig sei. Ich höre sie schon granteln, das sei ein doofe Ausrede, mir ginge es doch um die Weinflaschen...

    Antwort auf "Milchmädchenrechnung"
    • ztc77
    • 24. September 2011 17:39 Uhr

    ..hat er nicht beschädigt. Aber mein Maulwurf kam raus & hat ganz schön bös geguckt! So was aber auch !!

    • OIKOS
    • 25. September 2011 0:18 Uhr

    Das unkontrollierte Abstürzen von Satelliten ist nicht akzeptabel. Ich finde das potentielle Risiko nicht zumutbar. Die Tatsache, daß in 53 Jahren Raumflug noch kein Mensch von Schrott getroffen wurde, ist kein Freibrief für die Zukunft! Satelliten müssen kontrolliert über unbewohntem Gebiet zum Absturz gebracht werden. Rußland hat mit der Raumstation MIR gezeigt, daß dies möglich ist.

  3. Das sind genau 210 Menschen, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Wie bedeutsam das ist, kommt darauf an, wo diese Menschen leben, die es dann trifft. Sind es beispielsweise in New York lebende Amerikaner, gibt es auf jahrzehnte Trauerveranstaltungen mit Gedenktafel und Präsident und Frau, die sich pünktlich und sichtbar an der Stelle, wo das Loch ist, umarmen. Werden irgendwelche Afrikaner getroffen, passiert gar nichts.

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    • PGMN
    • 26. September 2011 9:48 Uhr

    0,03% von 7 Mrd sind 2,1 Mio. Außerdem haben Sie, schätze ich, diese Wahrscheinlichkeitsangabe missverstanden. Ich weiß zwar, ehrlich gesagt, nicht, woher diese 0,03% kommen (ich würde die Wahrscheinlichkeit niedriger einschätzen), aber sie gibt mit Sicherheit nicht die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein bestimmter Mensch von Trümmerteilen getroffen wird (das haben Sie ausgerechnet) sondern die, mit der überhaupt ein Mensch getroffen wird. Die Grundgesamtheit der Statistik ist also nicht die Zahl der Menschen, sondern die Erdoberfläche und die 0,03% sind die Wahrscheinlichkeit, mit der auf der Fläche, auf der ein Stück aufschlägt, zufällig gerade überhaupt ein Mensch steht, nicht die, mit der dort ein bestimmter Mensch steht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Nasa | Twitter | Kanada | Afrika | Europa | Nordamerika
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