Der Satellit UARS – mit vollem Namen Upper Atmosphere Research Satellite – ist nach Angaben der Europäische Weltraumorganisation (Esa) gegen 6.20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit abgestürzt. Die US-Raumfahrtagentur Nasa hat bislang lediglich ein Zeitfenster zwischen 5.45 und 6.45 Uhr angegeben. Sie teilte mit, das sechs Tonnen schwere Gerät sei über dem Pazifischen Ozean in die Erdatmosphäre eingetreten und auseinander gebrochen. Die genaue Zeit und der Ort des Einschlags seien "noch nicht mit Sicherheit bekannt".

Der Esa zufolge ist Europa aber nicht betroffen. "Das Wahrscheinlichste ist jetzt wohl Nordamerika", sagte Esa-Sprecher Bernhard von Weyhe. Ohnehin seien wohl etwa 90 Prozent des Satelliten beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Weyhe schätzt, dass nur 20 bis 25 Fragmente des Satelliten übrig geblieben sind.

Während des Wiedereintritts habe UARS Kanada und Afrika sowie weite Teile des Pazifischen, Atlantischen und Indischen Ozeans passiert, teilte die Nasa mit. Im Internetkurznachrichtendienst Twitter schrieb sie mittlerweile sogar: "Wenn Teile auf Land getroffen sein sollten – und die Betonung liegt auf wenn –, dann wahrscheinlich auf kanadischem Territorium." Damit bestätigt die Raumfahrtbehörde die Vermutungen der Esa.

"Extrem geringes" Risiko für Menschen

Der Satellit hatte einen Durchmesser von 4,5 Meter und war 10,6 Meter lang – etwa so groß wie ein Schulbus und tonnenschwer. Damit gehört UARS zu den größten Weltraumflugkörpern, die bislang unkontrolliert auf die Erde gestürzt sind. Ursprünglich hatten Experten den Absturz bereits für Freitag berechnet. Wegen des unkontrollierten Sinkfluges konnten sie Zeitpunkt und Absturzort jedoch nicht genau vorhersagen.

Die US-Raumfahrtbehörde hatte jedoch bereits im Vorfeld betont, dass es nur ein "extrem geringes" Risiko für Menschen gebe, von Satellitenteilen getroffen zu werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der sieben Milliarden Menschen auf der Erde von den Bruchstücken getroffen werde, liege bei 0,03 Prozent. Nach Angaben eines Nasa-Spezialisten wurde in mehr als 50 Jahren Raumfahrtgeschichte noch nie ein Mensch von herabstürzendem Weltraumschrott verletzt.

Der Satellit UARS war 1991 zur Erforschung der Ozonwerte und anderer Stoffe in der Atmosphäre vom US-Raumschiff Discovery in die Erdumlaufbahn gebracht worden. 2005 hatte er seine Arbeit abgeschlossen – deutlich später als ursprünglich geplant. Nachdem der Satellit deaktiviert war, senkte die Nasa seine Umlaufbahn ab, um den Wiedereintritt zu beschleunigen und das Risiko einer Kollision mit einem anderen Satelliten zu verringern.