Raumfahrt China schießt Raummodul ins All
Chinesische Wissenschaftler haben erfolgreich das Raummodul "Tiangong 1" ins All geschickt. Es ist der erste Schritt für die Entwicklung einer bemannten Raumstation.
© Lintao Zhang/Getty Images

Eine Rakete vom Typ Langer Marsch 2FT1 hebt mit dem Modul "Tiangong 1" ab.
Auf dem Weg zur Entwicklung einer bemannten Raumstation hat China ein Versuchsmodul ins All geschossen. Eine Rakete vom Typ Langer Marsch 2FT1 hob erfolgreich vom Raumfahrtzentrum in Jiuquan in der Provinz Gansu in Nordwestchina ab. Tiangong 1, übersetzt Himmelspalast, soll zwei Jahre lang die Erde umkreisen. Das Modul wird unter anderem für Andockmanöver und zu Tests für die Entwicklung einer eigenen chinesischen Raumstation genutzt.
Rund 20 Minuten nach dem Start meldete das Raumfahrtzentrum, dass Tiangong 1 seine vorbestimmte Umlaufbahn in rund 350 Kilometer Höhe erreicht habe und die Sonnensegel ausgeklappt worden seien. Der Kommandeur des Raumfahrtprogramms, Chang Wanquan, verkündete unter großem Beifall den "kompletten Erfolg" des Starts. Anfang November wird das unbemannte Raumschiff Shenzhou 8 folgen. Es soll ferngesteuerte Andockmanöver üben.
Der Start von Tiangong 1 war ursprünglich für Anfang des Monats geplant, wurde aber verschoben, da am 18. August eine Rakete des ähnlichen Typs abgestürzt war.
Die 8,5 Tonnen schwere, 10,4 Meter lange und 3,35 Meter breite Testplattform wird nächstes Jahr auch von Astronauten angeflogen und als Mini-Raumlabor genutzt werden. Zwei weitere Flüge mit Shenzhou-Raumschiffen sind geplant. Erstmals könnte mit Shenzhou 10 auch eine chinesische Astronautin fliegen. Tiangong 1 soll nach zwei Jahren kontrolliert ins Meer stürzen.
Tiangong 1 besteht aus einem Versorgungsteil und einer Versuchseinheit. Mit 15 Kubikmetern Volumen hätten drei Astronauten Platz zum Wohnen und Arbeiten, sagte die Sprecherin des Programms, Wu Ping. Zwei Missionen mit weiteren Tiangong-Modulen sind geplant. Dabei soll die Wasser- und Sauerstoff-Aufbereitung getestet und 2015 ein Raumlabor gebildet werden.
Um 2020 soll dann eine richtige Raumstation gebaut werden, für die noch ein Name gesucht wird. Mit 60 Tonnen wird sie eher leicht ausfallen. Zum Vergleich: Die Internationale Raumstation ISS bringt rund 400 Tonnen auf die Waage. Da das internationale Projekt bis dahin auslaufen wird, wäre China das einzige Land mit einem bemannten Außenposten im All.
"Chinas größtes Problem ist der Mangel an Erfahrung mit Andockmanövern", sagte Dean Cheng, Experte der US-amerikanischen Heritage Foundation. "Es hat noch nie zwei Raumschiffe miteinander verkoppelt. Die Risiken sind enorm."
Der Start des Raummoduls nur zwei Tage vor dem Nationalfeiertag ist ein prestigeträchtiger Schritt für China. Staats- und Parteichef Hu Jintao verfolgte den Start im Raumfahrtzentrum in Peking, Regierungschef Wen Jiabao von der Raumfahrtbahnhof Jiuquan.
China betreibt ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm. Es baut ein Satellitennetz für ein eigenes globales Navigationssystem und plant Flüge in die Tiefen des Weltraums. In zwei Jahren ist eine unbemannte Mondlandung geplant. Für seine Pläne entwickelt China leistungsstärkere Raketen, die eine bis zu 25 Tonnen schwere Nutzlast transportieren können. Auf der südchinesischen Insel Hainan wird ein dritter chinesischer Raumfahrtbahnhof gebaut, auch weil die Nähe zum Äquator für Raumflüge besser geeignet ist. Dort soll 2014 erstmals eine solche, größere Rakete vom Typ Langer Marsch 5 starten.
- Datum 29.09.2011 - 18:04 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 13
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Die Chinesen machen das schon.
Es ist gut zu wissen, dass eine weitere Nation den Schritt wagt. Erst recht nachdem die Amerikaner quasi ausgestiegen sind und so einiges an Entwicklung verpennt haben. Die Chinesen werden relativ schnell technologisch aufschließen und mit Sicherheit kein Halt machen! Und das ist gut so.
Mal sehen wessen Flagge zuerst auf dem Mars weht.
"Chinas größtes Problem ist der Mangel an Erfahrung mit Andockmanövern", sagte Dean Cheng, Experte der US-amerikanischen Heritage Foundation. "Es hat noch nie zwei Raumschiffe miteinander verkoppelt. Die Risiken sind enorm."
Die Amerikaner haben es gelernt, die Russen haben es gelernt und die Chinesen werden es ebenfalls lernen.
Kurzum: dieses "größte" Problem wird nicht lange das "größte Problem" bleiben.
Herzlichst Crest
Mann, mann, mann... haben wir ein Glück, dass die führenden deutschen Raumfahrer ihre Einschätzung der Sachlage hier in diesem Forum mit uns teilen. Was man für einen ungeheuren Sachverstand haben muss, um solche technologischen Entwicklungen vorhersehen zu können. Also ich würde mich das nicht trauen... Beeindruckend! VIELEN, VIELEN DANK!!!
:-) Crest
:-) Crest
heißen sie, wenn man nicht generisch Raumfahrer sagen will. Aber mit dem Begriff Astronauten dürften sich die Chinesen eher nicht identifizieren...
Chinesen nennen ihre Raumfahrer "Yuhang Yuan".
"Taikonaut" ist kein offiziell sanktionierter Begriff der Chinesen oder des chinesischen Staates.
Mit "Astronaut" kommen sie auch recht gut klar.
Mit dem Begriff "Taikonaut" eher nicht, da es eher eine seltsame Erfindung der westlichen Presse ist, ohne das große zutun der Chinesen.
Chinesen nennen ihre Raumfahrer "Yuhang Yuan".
"Taikonaut" ist kein offiziell sanktionierter Begriff der Chinesen oder des chinesischen Staates.
Mit "Astronaut" kommen sie auch recht gut klar.
Mit dem Begriff "Taikonaut" eher nicht, da es eher eine seltsame Erfindung der westlichen Presse ist, ohne das große zutun der Chinesen.
:-) Crest
ich muss sagen, es erfüllt mich mit freude, dass china diese abenteuer unternimmt! immerhin ist china china - eines der zivilisatorischen kristallisationspunkte auf diesem planeten! probleme mögen sie haben, aber hätten/haben wir die, hier im westen, nicht auch? ich wünsche den chinesen auf jeden fall viel glück!
nykoi palaiologos
... dass Europa auch hier wieder, in seine seiner selbst gewählten Tatenlosigkeit verharrend, zusehen muss, wie eine andere Nation seine ersten technologischen Schritte in einer neuen Welt macht. Europa, die größte Volkswirtschaft des Planeten, Deutschland, die Viertgrößte, Frankreich und Großbritannien, die folgenden beiden, können es gemeinsam technologisch nicht mit China aufnehmen? Wie man es dreht und wendet, Raumfahrt ist eine Technologiesparte, die, unter Anderem, in Zukunft schlicht unerlässlich sein wird und Europa, das in seiner Angewohnheit, seine Astronauten von Amerikanern und Russen mitnehmen zu lassen, langsam an einen hornbebrillten, alternativen Intellektuellen erinnert*, der aus gewissensgründen kein Auto besitzt und daher immer den Handwerker nebenan um einen lift bittet, wird für seinen inzwischen über vierzig Jahre betragenden Rückstand irgendwann teuer bezahlen müssen.
In der Zwischenzeit beglückwünsche ich die chinesischen Ingenieure für ihren Erfolg und hoffe auf weiterhin gutes Gelingen.
* Kein Angriff auf hornbebrillte Intellektuelle, ich halte mich selbst für einen.
heißt bei W. I.
Wie sagte Prof. Jiao Weixin am Abend in ZDF-heute: "Der Vorsitzende Mao Tse-Tung hat gesagt, dass China einen großen Beitrag für die Menschheit leisten soll, deshalb werden wir ab 2020 eine bemannte Raumstation in den Weltraum schicken...."
Zur Anmerkung PGMN.
Da haben Sie recht. Damals haben die Amis abgelehnt, die Chinesen in ISS-Projekt aufzunehmen. Wäre in vieler Hinsicht besser gewesen.
heißt bei W. I.
Wie sagte Prof. Jiao Weixin am Abend in ZDF-heute: "Der Vorsitzende Mao Tse-Tung hat gesagt, dass China einen großen Beitrag für die Menschheit leisten soll, deshalb werden wir ab 2020 eine bemannte Raumstation in den Weltraum schicken...."
Zur Anmerkung PGMN.
Da haben Sie recht. Damals haben die Amis abgelehnt, die Chinesen in ISS-Projekt aufzunehmen. Wäre in vieler Hinsicht besser gewesen.
Chinesen nennen ihre Raumfahrer "Yuhang Yuan".
"Taikonaut" ist kein offiziell sanktionierter Begriff der Chinesen oder des chinesischen Staates.
Mit "Astronaut" kommen sie auch recht gut klar.
Mit dem Begriff "Taikonaut" eher nicht, da es eher eine seltsame Erfindung der westlichen Presse ist, ohne das große zutun der Chinesen.
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