Indigene australische Kinder feiern auf einem traditionellen Festival in Alice Springs (Archivfoto). © Matt Turner/Getty Images

Die Aborigines könnten das älteste Volk außerhalb Afrikas sein. Die Vorfahren der australischen Ureinwohner sind wohl früher aufgebrochen als die Ahnen aller anderer heute lebenden Menschen. Dass der Homo sapiens und damit die heutige Menschheit ursprünglich seinen Weg über die Welt von Afrika aus auf sich nahm, wissen Forscher schon länger. Doch wie sich der Mensch von dort aus bis in den Pazifik verbreitet hat, ist strittig .

Nun haben Wissenschaftler zum ersten Mal das Erbgut eines Aborigines untersucht und darin wichtige Hinweise auf dessen Wanderwege gefunden. Die detaillierte Analyse zwingt sie, die bisherige Theorie über die Menschheitsgeschichte zu überdenken, schreiben sie im Magazin Science .

Bislang gingen Anthropologen grob davon aus, dass alle modernen Menschen außerhalb Afrikas auf eine einzige Migrationswelle aus Afrika zurückgehen. Anschließend teilten sie sich auf: Erst spalteten sich die Europäer ab und danach wanderten die Urahnen der Menschheit nach Asien, um sich erneut zu trennen und weiter bis nach Australien zu gelangen.

Eine einzelne Haarlocke bringt diese Theorie nun ins Wanken. Aus ihr sequenzierte ein internationales Forscherteam um den Dänen Morten Rasmussen die Bausteine des Erbguts. Die Locke stammt von einem Aborigine, der sie Anfang des 20. Jahrhunderts einem britischen Forscher überließ. Die nun isolierte DNA zeigt keinerlei Charakteristika heutiger europäischer Australier. Daher schlussfolgerten die Forscher, dass das australische Urvolk als erstes vor 70.000 Jahren Afrika verließ, als sich Europäer und Asiaten noch nicht getrennt weiterentwickelt hatten.

Erst 24.000 Jahre später migrierten die ersten Menschen nach Europa und Asien. Dort vermischten sich zudem eine Zeit lang die Populationen der Asiaten mit denen auf dem Weg zurückgebliebener Aborigines.

Die Karte zeigt, wie sich die Menschen von Afrika aus verbreitet haben. Der neuen Theorie zufolge, brachen zuerst die Aborigines (roter Pfeil) aus Afrika auf. In einer späteren Migrationswelle verließen Europäer und Asiaten Afrika (schwarze Pfeile). © Science/AAAS

Die Ergebnisse des Forscherteams belegen, dass die Aborigines die Bevölkerungsgruppe sind, die kontinuierlich außerhalb von Afrika lebte, seit sie vor 50.000 Jahren Australien besiedelten. Sie haben damit den längsten Bezug zu dem Land, auf dem sie noch heute leben.

"Das war wahrlich eine beeindruckende Reise – durch unbekanntes Terrain in Asien und schließlich die Überquerung des Meeres nach Australien – die außergewöhnliche Überlebensfähigkeit und Mut erfordert hat", sagt Eske Willerslev, einer der Autoren der Studie und Direktor des Zentrums für Geogenetik der Universität Kopenhagen .

Auch für künftige Forschungsprojekte ist die Forschungsarbeit wertvoll: Die verwendete Haarlocke war nicht speziell konserviert worden – etwa durch Einfrieren –, dennoch konnten ihr die Wissenschaftler genügend Material für eine DNA-Analyse entnehmen. Zudem war die Haarlocke nur sehr gering mit fremdem Erbgut kontaminiert. Nun denken die Forscher darüber nach, unter anderem Museumsexponate zu untersuchen, um die genetische Geschichte weiterer indigener Völker nachzeichnen zu können.

Der dritte Absatz des Artikel wurde nachträglich konkretisiert.