AstronomieEin Planet – zwei Sonnen

Im Sternbild Schwan haben Astronomen mit dem Weltraumteleskop "Kepler" den ersten Exoplaneten entdeckt, der zwei Sonnen umkreist.

Diese Illustration zeigt den Exoplaneten Kepler-16b und die beiden Sterne, die er umkreist.

Diese Illustration zeigt den Exoplaneten Kepler-16b und die beiden Sterne, die er umkreist.

So ist das in der Wissenschaft: Den Lohn für Pionier-Arbeit können die Forscher oftmals erst Jahrzehnte später einfahren. So geht es jetzt Forschern aus Wien, als sie von der Entdeckung des Planeten Kepler-16b erfuhren. Dieser Exoplanet im Sternbild Schwan umkreist nicht einen, sondern gleich zwei Sterne. Das ist in etwa ungefähr so, als hätte unsere Sonne einen Begleiter, und beide würden sich in elliptischen Bahnen um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen. 200 Lichtjahre von der Erde entfernt gibt es eine solche Welt, mit zwei Sternen, die beide kleiner sind als unsere Sonne.

Schon vor mehr als 30 Jahren – zu einem Zeitpunkt, als noch keine Planeten außerhalb unseres Sonnensystems bekannt waren – hatten Himmelsmechaniker vom Institut für Astronomie der Universität Wien solche Modelle durchgespielt. Damit der Orbit des Planeten stabil ist, müsse er "entweder nahe an einem der beiden Sterne oder weit von beiden entfernt sein", sagt Florian Freistetter. Der Astronom forschte damals in Wien und arbeitet heute in Jena. "Bisher hatten wir noch nie einen solchen Fall im All entdeckt."

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Das war 1980. Heute haben exosolare Planeten Hochkonjunktur. Je besser die Untersuchungsmethoden und die Weltraumteleskope werden, desto mehr Exoplaneten werden entdeckt. Allein in dieser Woche ist ihre Zahl um 50 auf mehr als 600 gestiegen. Der jetzt im Magazin Science vorgestellte Planet mit zwei Sonnen ist da eine echte Überraschung.

Die Animation zeigt den Exoplaneten Kepler-16b in seiner Umlaufbahn um zwei Sterne. Quelle: T. Pyle/Nasa/JPL-Caltech

Das Weltraumteleskop Kepler1 hat das Doppelsternsystem beobachtet und festgestellt, dass das Licht beider Sterne in regelmäßigen Abständen gedimmt wird. Das ließe sich dadurch erklären, dass sich die Sterne, während sie umeinander kreisen, zwischenzeitlich bedecken. Die US-Astronomen fanden aber zusätzlich einen regelmäßigen Helligkeitsabfall von 1,7 Prozent für beide Sterne, was auf einen weiteren "Schattenwerfer" schließen lässt. "Für zwei relativ kleine Sterne ist dies eine Menge", sagt Laurance Doyle vom Seti-Institut im kalifornischen Mountain View . "Also mussten wir herausfinden, ob es sich bei dem dritten, bedeckenden Objekt um einen weiteren Stern oder einen Planeten handelt."

Seti steht für "Search for Extra Terrestrial Intelligence". Die Forscher dort suchen nach Leben im All. Und dafür sind Exoplaneten eine gute Grundlage. Denn weil das dritte Objekt nur so eine schwache Anziehung auf die beiden Sterne ausübt, kann es sich dabei nicht um ein Tripel-Stern-System handeln. "Wir haben damit den ersten Planeten entdeckt, der zwei Sterne umrundet", sagt Doyle.

Berechnung der Masse

Um die Masse der fernen Himmelskörper zu bestimmen, nutzen die Astronomen die "Radialgeschwindigkeitsmethode". Kreist ein Exoplanet um seinen Mutterstern, dann hat das Tandem einen Rotationspunkt, der nicht mit dem Mittelpunkt des Sterns identisch ist.

Deshalb scheint der Stern für einen Beobachter auf der Erde zu taumeln. Kommt er uns näher, werden die von ihm ausgesendeten Lichtwellen gestaucht, entfernt er sich, werden sie gestreckt. Diese Veränderungen können gemessen und daraus die Masse des Exoplaneten berechnet werden.

Das funktioniert aber nur für Himmelskörper, die größer als unsere Erde sind.

Größe und Dichte

Die Größe der fernen Objekte wird mithilfe der "Transitmethode" ermittelt. Sie basiert auf der minimalen Verdunklung, die eintritt, wenn sich Exoplaneten zwischen ihren Mutterstern und einen Beobachter schieben. Letztere sind oft Weltraumteleskope wie Corot oder Kepler. Während Corot maximal ein halbes Jahr in die gleiche Richtung schaut und dabei eher Planeten mit kurzen Umlaufzeiten aufspürt, blickt Kepler bis zu vier Jahre in ein und dieselbe Himmelsregion und findet so auch Planeten mit längeren Umlaufzeiten.

Aber auch dieses Verfahren hat seine Grenzen. Ein Planet wie Jupiter würde das Licht eines sonnengroßen Sterns um nur ein Prozent verdunkeln. Der Effekt eines erdgroßen Planeten wäre noch hundertmal kleiner.

Aus der Masse und der Größe der Exoplaneten kann die Dichte berechnet werden. Die wiederum gibt Hinweise darauf, ob der ferne Himmelskörper aus Gas, Eis oder Fels besteht. (nes)

Im Sternsystem Kepler-16b gibt es einen orangefarbenen Stern, etwas kleiner als unsere Sonne, der um den Schwerpunkt des gesamten Systems kreist. Der zweite Stern – nur ungefähr ein Fünftel so groß wie die Sonne und tiefrot – umrundet den Schwerpunkt des Systems ebenfalls, allerdings auf einer gestreckteren Bahn. Alle 41 Tage umkreisen sich beide Sterne somit gegenseitig. Weiter draußen zieht der Exoplanet Kepler-16b von der Größe Saturns seine Runden in einem nahezu kreisförmigen Orbit, der ihn einmal alle 229 Tage um seine beiden Sterne herumführt.

Die Forscher vermuten, dass die Sterne und der Planet gleichzeitig aus derselben Gas- und Staubscheibe entstanden sind. Völlig unbeantwortet ist die Frage, wie ein Tag oder ein Jahr in dieser exotischen Welt aussieht. Je nach der Eigendrehung des Planeten, ist vorstellbar, dass es auf einer seiner Seiten niemals dunkel wird. Auch wenn Kepler-16b ähnlich weit von seinen Zentralgestirnen entfernt ist wie unsere Erde von der Sonne, dürfte der Planet weniger Licht abbekommen: Denn seine Sonnen haben weniger Masse.

Florian Freistetter rechnet damit, dass in Zukunft noch weitere Doppelsternsysteme gefunden werden, in denen Planeten ihre Bahnen ziehen.


 

 
Leserkommentare
  1. ...zu erfahren was es "da draußen" alles noch gibt oder zumindest mathematisch so erscheint.

    Sehr schade nur, dass wir das alles wohl nie näher sehen oder erkunden können :-(.

    2 Leserempfehlungen
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    wir noch erleben... im Schnitt vervierfacht sich die Leistungsfähigkeit von Großteleskopen alle 10 Jahre, ... angeblich. Interessant wäre, neben einem direkten Foto, auch ein Spektrum der Atmosphäre dieser Welt. Wer weiss, vielleicht finden wir Sauerstoff oder sogar Chlorophyll. Ich freue mich schon drauf.

    Versprächen Sie sich von neuen Erkundigungen,
    Da der Erde Sein nicht wird verlassen werden können?
    Welch Fahrzeug brächte mit Lichtgeschwindigkeit den
    Schwindelerregten Menschen weg zu neuen Planeten
    Bei unbekannten Sonnen?Was denn versprechen Sie sich
    Von bloßen Erkundigungen ausserhalb unseres Sonnensystems,
    Da dieses doch enden,untergehen wird?Komisch,oder?

    wir noch erleben... im Schnitt vervierfacht sich die Leistungsfähigkeit von Großteleskopen alle 10 Jahre, ... angeblich. Interessant wäre, neben einem direkten Foto, auch ein Spektrum der Atmosphäre dieser Welt. Wer weiss, vielleicht finden wir Sauerstoff oder sogar Chlorophyll. Ich freue mich schon drauf.

    Versprächen Sie sich von neuen Erkundigungen,
    Da der Erde Sein nicht wird verlassen werden können?
    Welch Fahrzeug brächte mit Lichtgeschwindigkeit den
    Schwindelerregten Menschen weg zu neuen Planeten
    Bei unbekannten Sonnen?Was denn versprechen Sie sich
    Von bloßen Erkundigungen ausserhalb unseres Sonnensystems,
    Da dieses doch enden,untergehen wird?Komisch,oder?

  2. ...ganz interessant zu wissen, das man diesen Planeten wohl inoffiziell Tatooine nennt. Ich finds großartig!

    http://www.crackajack.de/...

    3 Leserempfehlungen
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    ... mir kam eigentlich zuerst Solaris in den Sinn.

    ... mir kam eigentlich zuerst Solaris in den Sinn.

  3. wir noch erleben... im Schnitt vervierfacht sich die Leistungsfähigkeit von Großteleskopen alle 10 Jahre, ... angeblich. Interessant wäre, neben einem direkten Foto, auch ein Spektrum der Atmosphäre dieser Welt. Wer weiss, vielleicht finden wir Sauerstoff oder sogar Chlorophyll. Ich freue mich schon drauf.

    Antwort auf "faszinierend..."
  4. 4. Hm...

    ... mir kam eigentlich zuerst Solaris in den Sinn.

  5. bis zum Ende den Beitrag zu lesen,um zu wissen,dass ohnehin nichts Neues auf mich zukommen wird.Die letzten Nachrichten über die erschütterten,darniederliegenden Marsflieger-Kosmonauten in Russland genügten schon.Der Mensch spähet zwar wohl aus nach neuen Lebensräumen-fängt an,nach Wegen,diese Erde verlassen und neue Lebensräume erkunden zu können:Mir scheinet nunmehr,-eben nach der russischen Niederlage der Mars-Visitation-der Ausweg aussichtslos,da doch ja das Ende des Alls beschlossen wurde.Wohin fliegen und mit welcher Lichtgeschwindigkeit,o Mensch?Milliarden an Jahren gehören dem Menschen-und wir scheinen erst wenige Jahrtausende alt zu sein.
    Der Gang(Flug)zum Monde scheint ein emporkommender Anfang gewesen zu sein für künftige Raumfahrten:Selbst die kühnsten Entdeckungen neuer Planeten bei Sonnen scheinen mir in der Unerreichbarkeit zu ersticken:Denn weswegen suchen wir neue Planeten?Weil das Leben auf Erden enden wird.Das ist so ausgemacht und klar,wie ...wie es ohne Wasser keine Möglichkeit gibt,den Durst zu stillen etc.

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    Wird doch in guter und bester Hoffnung entkommen diese sterbliche Menschheit dem Geschicke des Todes dieser unserer Sonne?O Je,keiner kann so weit voraus denken,keiner weiß nicht einmal,was in tausend Jahren sein wird:Wie je sollte er erahnen können,was in Millionen Jahren in der Zukunft liegen wird?Astronomische Dimensionen erschütterten von je-aus der Vergangenheit in die fernste Zukunft.O Mensch-wo lieget dein Sein?--in der Zukunft?Was wird werden dir?

    Wird doch in guter und bester Hoffnung entkommen diese sterbliche Menschheit dem Geschicke des Todes dieser unserer Sonne?O Je,keiner kann so weit voraus denken,keiner weiß nicht einmal,was in tausend Jahren sein wird:Wie je sollte er erahnen können,was in Millionen Jahren in der Zukunft liegen wird?Astronomische Dimensionen erschütterten von je-aus der Vergangenheit in die fernste Zukunft.O Mensch-wo lieget dein Sein?--in der Zukunft?Was wird werden dir?

  6. Wird doch in guter und bester Hoffnung entkommen diese sterbliche Menschheit dem Geschicke des Todes dieser unserer Sonne?O Je,keiner kann so weit voraus denken,keiner weiß nicht einmal,was in tausend Jahren sein wird:Wie je sollte er erahnen können,was in Millionen Jahren in der Zukunft liegen wird?Astronomische Dimensionen erschütterten von je-aus der Vergangenheit in die fernste Zukunft.O Mensch-wo lieget dein Sein?--in der Zukunft?Was wird werden dir?

    Antwort auf "Brauche gar nicht"
  7. Versprächen Sie sich von neuen Erkundigungen,
    Da der Erde Sein nicht wird verlassen werden können?
    Welch Fahrzeug brächte mit Lichtgeschwindigkeit den
    Schwindelerregten Menschen weg zu neuen Planeten
    Bei unbekannten Sonnen?Was denn versprechen Sie sich
    Von bloßen Erkundigungen ausserhalb unseres Sonnensystems,
    Da dieses doch enden,untergehen wird?Komisch,oder?

    Antwort auf "faszinierend..."
  8. Wundert mich,dass Viele auf neue Entdeckungen im All aus sind.Daraus mache ich mir nichts-denn was da Neues kommen könnte,kannten wir längst-Und was an Neuestem erspäht wurde,scheint nur das Längstbekannte zu bezeugen-oder auch nicht.Denn die neuesten Entdeckungen aus dem All scheinen lediglich immer neu zu bestätigen:Seiender ist.Abermals:Was wird sein der verlorene Mensch im All,wenn die Sonne nicht mehr scheinen wird?Sich darum keine Sorgen zu machen,scheint gelegen.Sich darum Sorgen zu machen,scheint ungelegen jenen,die damit nichts verdienen.Milliarde an Jahren:Wen scherets?Dreitausend Jahre Menschengeschichte hinter uns:Wer kennet sie?Urdunkel aus der Zeit davor-war erhellet vom UR:Der Kommende stehet vor uns-Aber sein Abgrund erhellte ins Jevonurhergekommensein.Wer schaute dies mit Freuden vom Urher?--Des Alls Zukunft bleibet unbakannt den Jetztigen.

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    • eklipz
    • 17.09.2011 um 2:56 Uhr

    einen guten Wissenschaftler macht aus, dass sehr seinen Gegenstand in einem Satze erklären kann, einem nur geringfügig hypotaktischen.

    Also falls Sie feedback wünschen, sollten sie ihre Anschauungen (Wie soll ich es nennen?) komprimierter darlegen - und auf den Punkt kommen.

    • eklipz
    • 17.09.2011 um 2:56 Uhr

    einen guten Wissenschaftler macht aus, dass sehr seinen Gegenstand in einem Satze erklären kann, einem nur geringfügig hypotaktischen.

    Also falls Sie feedback wünschen, sollten sie ihre Anschauungen (Wie soll ich es nennen?) komprimierter darlegen - und auf den Punkt kommen.

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