Eine afrikanische Riesenhamsterratte lernt in einem Labor, Tuberkulose zu wittern. Sie soll helfen, die Krankheit zu diagnostizieren. © YASUYOSHI CHIBA/AFP/Getty Images

Ratten haben ein eher schwieriges Image. Völlig zu Unrecht allerdings. Immerhin sind sie ziemlich schlau, sozial und neugierig, geradezu menschlich also. Weswegen wir auch tatsächlich viele der Dinge, die wir über uns und unser Zusammenleben wissen, nur wissen, weil wir Ratten beobachten.

Na gut, Ratten und Mäuse stellen den größten Teil der Versuchstiere in den Laboren der Welt. Ungezählte letztlich tödliche Experimente lassen sie jedes Jahr klaglos über sich ergehen, viele davon zum Schrecken von Tierschützern. Wobei Ratten allerdings eine besondere Aufgabe zukommt. Sie dienten vielen Psychologen als billiger und leicht zu haltender Menschenersatz.

Der amerikanische Verhaltensforscher und Psychologe Burrhus Frederic Skinner zum Beispiel wurde berühmt, weil er Ratten in einen leeren Käfig setzte und zusah, wie sie lernten, beim Aufleuchten einer Lampe einen Hebel zu drücken, um an Futter zu kommen.

Wie Belohnung und ihr Aufschub funktionieren, wie Strafe wirkt, ja wie wir überhaupt Verhaltensweisen erlernen und verlernen – wir wissen es dank der namenlosen Ratten in der bis heute sogenannten "Skinner-Box".

Verhaltensforscher wie Skinner, im Englischen Behavioristen genannt, hielten Ratten überhaupt für gute Substitute menschlichen Handelns. John Broadus Watson beschäftigte sich in seinem 1914 erschienenen Buch Behavior: An Introduction to Comparative Psychology ausführlich mit ihnen und ihrem Lernverhalten und leitete daraus ab, wie Menschen sich Dinge aneignen.

Noch ein Beispiel? William McDougall ließ in den zwanziger Jahren Ratten durch Labyrinthe laufen. Und stellte dabei fest, dass sie das schneller schafften, wenn Artgenossen bereits hindurch gerannt waren. Offensichtlich hatten sie einen Weg, Wissen weiterzugeben. Wie genau, das konnte McDougall nicht klären. Die Beobachtung aber motivierte andere, das Thema weiter zu bearbeiten.