HPVImpfung zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bewährt sich

Die Zahl der Fälle von Gebärmutterhalskrebs ist durch die HPV-Impfung gesunken. Frauen, die schon daran erkrankt sind, werden oft schlecht beraten. von 

Nahaufnahme von Krebszellen in der Gebärmutter

Nahaufnahme von Krebszellen in der Gebärmutter  |  © Getty Images

Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission eine Impfung für zwölf- bis 17-jährige Mädchen: Die Spritze soll vor den humanen Papilloma-Viren (HPV) schützen, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Nach den Debatten um den Nutzen der von den Krankenkassen bezahlten Impfung im Jahr 2008, ist es still geworden um HPV. Jedenfalls in der Öffentlichkeit. In der HPV-Forschung hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Noch bis zum 22. September tauschen sich 2.000 Wissenschaftler aus 90 Ländern im Berliner Kongresszentrum ICC bei der 27. Internationalen Papillomavirus-Konferenz darüber aus.

Präsentiert werden zum Beispiel erste Auswertungen des flächendeckenden Impfprogramms für Mädchen in Australien, das mit einer "catch-up"-Aktion für junge Frauen bis 26 Jahre begann. "Bereits drei Jahre nach Beginn der Impfkampagne ist die Zahl der behandlungsbedürftigen Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs um die Hälfte zurückgegangen", sagte Lutz Gissmann, Leiter der Abteilung Genomveränderungen und Karzinogenese des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg , zum Auftakt der internationalen Tagung.

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Auch auf das Vorkommen von Warzen im Genitalbereich, die von den Virustypen 6 und 11 hervorgerufen werden, habe die Impfung erkennbaren Einfluss: "Während sich bei älteren, nicht geimpften Frauen nichts verändert hat, sind sie bei den Geimpften um 60 Prozent zurückgegangen." Für Gissmann sind diese Ergebnisse ein Beweis dafür, dass die Impfung wirkt: "Es sind weniger Viren im Umlauf, solche messbaren Erfolge werden wir aber nur bei ordentlichen Impfraten sehen."

Andreas Kaufmann, Leiter des Labors für Gynäkologische Tumorimmunologie der Berliner Charité , berichtete über Forschungsprojekte, mit denen die Effektivität der Impfung gesteigert werden soll: Eine Strategie besteht darin, bei einem der beiden verfügbaren Präparate den Impfschutz auszubauen. Es würde dann nicht mehr nur vier HPV-Typen abdecken sondern neun. "Studien müssen allerdings belegen, dass der Schutz dann nicht durch Überlastung des Immunsystems abnimmt", sagt Kaufmann.

Eine zweite Strategie: Das Eiweiß aus der Virushülle, das dem Immunsystem als Angriffspunkt präsentiert wird, austauschen oder den neuen Eiweißkandidaten L2 mit dem bisher verwendeten L1 kombinieren. Im Laborversuch habe sich gezeigt, "dass ein solcher Impfstoff auch breite Kreuzreaktionen mit anderen HPV-Typen entfaltet", sagt Kaufmann. L2 könne zudem in Bakterien billiger hergestellt werden als L1, für das eine Zellkultur nötig ist. Nicht zuletzt der hohe Preis des Dreifachimpfstoffs hatte in den letzten Jahren Kritik hervorgerufen.

Eine niederländische Arbeitsgruppe um Cornelis Melief von der Universität Leiden testet inzwischen auch einen "therapeutischen" Impfstoff mit künstlich hergestellten Abschnitten von HPV-Eiweißen. Er soll bei Frauen, die bereits Vorstufen von Krebs haben, das Immunsystem aktivieren. Erste Ergebnisse an 20 Frauen mit Krebs an den äußeren Geschlechtsorganen sind vielversprechend. "Bei fünf von ihnen gingen die Veränderungen vollständig zurück, bei insgesamt zwölf zeigte sich eine Verbesserung der Symptome", berichtete Kaufmann. Eine Alternative zur echten Schutzimpfung stelle das aber auch im besten Fall nicht dar, warnen die Experten.

Derzeit erkranken in Deutschland in jedem Jahr rund 6.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Jede fünfte ist jünger als 40. Viele dieser jungen Frauen wünschen sich nicht nur, gesund zu werden. Sie möchten auch ihre Fruchtbarkeit nicht verlieren. An der Klinik für Gynäkologie der Charité kann einigen von ihnen mit einer Operationsmethode geholfen werden, die in den 90er Jahren vom französischen Gynäkologen Daniel Dargent entwickelt wurde. Dafür werden nur etwa zwei Drittel des Gebärmutterhalses entfernt. "Die Chancen für eine Schwangerschaft sind danach praktisch gleich", sagt Klinikleiter Achim Schneider.

Durch die Verkürzung des Gebärmutterhalses komme es aber häufiger zu Frühgeburten. In Deutschland werde der komplizierte Eingriff derzeit nur an der Charité angeboten, in Frankreich in drei Kliniken. Schneider findet es sinnvoll, ihn nur auf einige wenige Zentren zu beschränken, aber alle Patientinnen, für die die Methode in Frage kommt, darüber zu informieren. "Das wird leider immer noch versäumt", kritisiert er.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. ... kaum wird im amerikanischen vorwahlkampf ein thema ideologisierend hervorvorgezerrt (Michele Bachmann's eigenwillige Aussage HPV Impfungen seien fuer geistige Behinderungen [mental retardation] verantwortlich), schon findet man das Thema auch in der deutschen Presse. Ob der Kongress zu diesem wichtigen thema Ansonsten die gleiche Aufmerksamkeit in der deutschen Medienlandschaft gefundn haette ist fraglich? Ein bisschen Aufklaerung also in Deutschland, dank Michele Bachman.

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    • hanni5
    • 19. September 2011 19:58 Uhr

    Der Grund für den Artikel ist wohl nicht irgendeine unsachliche Meinungsäußerung einer Möchtegern-Präsidentin ;-) sondern der gerade stattfindende HPV-Kongress

  2. Liebe Autoren der Zeit. Ich weiß nicht inwiefern sie Wissenschaftliche Grundlagen analysieren. Mir ist es auch egal ob sie hier Werbung für oder gegen HPV Impfung machen wollen. Aber eines kann ich Ihnen definitiv nicht abkaufen, die Behauptung, jetzt schon sei Messbar das die Gebärmutterkrebsrate zurück ginge. Krebs wird durch HPV nicht unmittelbar ausgelöst, dafür müssen noch weitere Mutationen hinzukommen, nur die Wahrscheinlichkeit sollte gesenkt werden. Sprich die Zeitdauer bis zur Krebsentstehung im Vergleich zum Beginn der "Massenimpfung" ist noch viel zu Kurz um wirkliche Aussagen zutreffen. Nach ungefähr einer Dekade können sie das tun. Andere Faktoren die die HPV Infektion senken können, die durch Lebenswandel einhergehen oder die Abnnahme von potentiellen Mutagenen Stoffen in Nahrung, Kleidung bzw. Umwelt müssen auch berücksichtigt werden.Oft dauert es 10-20 Jahre bis nach einer erhöhten Kontakt von Mutagenen/(auch Viren) ein Mensch an Krebs erkrannken kann.Für die Überschrift "Impfung zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs bewährt sich" ist es also noch zu früh liebe Zeit.de .

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    • hanni5
    • 19. September 2011 20:08 Uhr

    Aller Unkenrufe zum Trotz bestätigt sich, die von den Studien her bekannte Wirksamkeit der Impfung. Auch wenn sie recht haben und noch keine Aussagen über den Rückgang der Rate an Gebärmutterhalskrebs getroffen werden kann, ist doch die Wirksamkeit gegen Krebsvorstufen, die ansonsten behandelt werden MÜSSTEN jetzt auch in der geimpften Bevölkerung nachweisbar. Hätten Sie mit der Freigabe des Impfstoffes gewartet bis die Studien einen Rückgang der Gebärmutterhalskrebsrate zeigen (10-20 Jahre)?

    • hanni5
    • 19. September 2011 19:58 Uhr

    Der Grund für den Artikel ist wohl nicht irgendeine unsachliche Meinungsäußerung einer Möchtegern-Präsidentin ;-) sondern der gerade stattfindende HPV-Kongress

    Antwort auf "Erstaunlich,"
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    ist der Anlass, nicht aber unbedingt der Grund. Ueber wie viele andere (medizinische) Kongresse wird denn, und warum, bzw. warum nicht berichtet, die ggf. auch der Aufmerksamkeit beduerften?.... Daneben nimmt der Grund ja dem Anlass nichts, und der thematisch behandelten SAche nicht zwangslaeufig die die Wichtigkeit, wie die hier in den weiteren Kommentaren ja belegt wird.

    • hanni5
    • 19. September 2011 20:08 Uhr

    Aller Unkenrufe zum Trotz bestätigt sich, die von den Studien her bekannte Wirksamkeit der Impfung. Auch wenn sie recht haben und noch keine Aussagen über den Rückgang der Rate an Gebärmutterhalskrebs getroffen werden kann, ist doch die Wirksamkeit gegen Krebsvorstufen, die ansonsten behandelt werden MÜSSTEN jetzt auch in der geimpften Bevölkerung nachweisbar. Hätten Sie mit der Freigabe des Impfstoffes gewartet bis die Studien einen Rückgang der Gebärmutterhalskrebsrate zeigen (10-20 Jahre)?

    • hygieia
    • 20. September 2011 0:57 Uhr

    Bei den Frauen und Mädchen, die _vor der Impfung_ mit den HPV-Typen infiziert sind, die im Impfstoff enthalten sind, erhöht die Impfung das Risiko von Krebsvorstufen um 44,6 Prozent.
    http://www.fda.gov/ohrms/dockets/dockets/07p0210/07p-0210-ccp0001-01-vol... Seite 56

    Leider wird der Test auf HPV nicht durchgeführt bevor geimpft wird. Und so werden Mädchen und Frauen einem hohen Risiko ausgesetzt.

    In den USA, wo die Weitergabe von unerwünschten Impfreaktionen an die zentrale Meldestelle besser läuft als in Deutschland - jedoch auch nur 1 bis 10 Prozent der tatsächlichen Fälle erfasst werden - waren bis Juli 2011 mehr als 22 000 Impfschäden gemeldet worden. Einschließlich Fehlgeburten, Behinderungen und Todesfälle.
    http://healthimpactnews.com/2011/governor-rick-perrys-gardasil-vaccine-%...

    Mütter, die darüber nachdenken ihre Töchter impfen zu lassen, sind gut beraten, sich _aus verschiedenen Quellen_ ausführlich zu informieren,
    zum Beispiel hier
    http://www.individuelle-impfentscheidung.de/index.php?option=com_content...

    wie hoch das Risiko wirklich ist, dass nach mehreren positiven Tests auf HPV über eine längere Zeit eine Krebsvorstufe sichtbar wird, welche Risikofaktoren für Gebärmutterhalskrebs viel gefährlicher sind als Papillomaviren und wie sich eine Ansteckung vermeiden lässt.

    Dass ein Test auf HP-Viren wichtig ist, muss wohl nicht nochmals betont werden.

    Eine Leserempfehlung
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    • hanni5
    • 20. September 2011 10:15 Uhr

    Danke für die Verlinkung...allerdings ist dort nur ein Zitat angegeben...die Originaldaten befinden sich hier:

    www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/06/briefing/2006-4222B3.pdf

    Allerdings wird dort auch erklärt (ab Seite 13) das es sich vermutlich um eine problembehaftete Untergruppenanalyse dieser einen Teilstudie handelt. Andere Studien finden dieses erhöhte Risiko nicht und die Gesamtanalyse zeigt keinen Unterschied in Placebo und Impfgruppe. Natürlich verdeutlichen diese Daten die fehlende therapeutische Wirksamkeit...deshalb sollen ja auch junge Mädchen geimpft werden- vor der ersten Infektion mit HPV.

    • hanni5
    • 20. September 2011 10:15 Uhr

    Danke für die Verlinkung...allerdings ist dort nur ein Zitat angegeben...die Originaldaten befinden sich hier:

    www.fda.gov/ohrms/dockets/ac/06/briefing/2006-4222B3.pdf

    Allerdings wird dort auch erklärt (ab Seite 13) das es sich vermutlich um eine problembehaftete Untergruppenanalyse dieser einen Teilstudie handelt. Andere Studien finden dieses erhöhte Risiko nicht und die Gesamtanalyse zeigt keinen Unterschied in Placebo und Impfgruppe. Natürlich verdeutlichen diese Daten die fehlende therapeutische Wirksamkeit...deshalb sollen ja auch junge Mädchen geimpft werden- vor der ersten Infektion mit HPV.

  3. ist der Anlass, nicht aber unbedingt der Grund. Ueber wie viele andere (medizinische) Kongresse wird denn, und warum, bzw. warum nicht berichtet, die ggf. auch der Aufmerksamkeit beduerften?.... Daneben nimmt der Grund ja dem Anlass nichts, und der thematisch behandelten SAche nicht zwangslaeufig die die Wichtigkeit, wie die hier in den weiteren Kommentaren ja belegt wird.

    Antwort auf "HPV Kongress"
  4. Es ist ja schon großartig, zu diesem Thema überhaupt mal einen Bericht zu sehen - nachdem sich in seinem Leben mendestens jeder zweite mit HPV infiziert und es sich damit um die wohl am meisten verbreitete Krankheit über Sexualkontakt handelt.

    Es wird allerdings auch hier komplett ausgeblendet, daß sich das sowohl auf den weiblichen als auch auf den männlichen Teil der Bevölkerung bezieht. Nur - für die Jungen gibt es keine Impfung und sie dienen damit weiter als Überträger des Viruses.

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