MedizinnobelpreisNobelpreisträger stirbt kurz vor der Ehrung

Nach der Verkündung des Medizinnobelpreises für die Immunologen Bruce Beutler, Jules Hoffmann und Ralph Steinman wurde bekannt, dass Steinman am Freitag gestorben war.

Diese mikroskopische Aufnahme zeigt T-Zellen (rot) auf einer Dendritischen Zelle.

Diese mikroskopische Aufnahme zeigt T-Zellen (rot) auf einer Dendritischen Zelle.

Die diesjährige Bekanntgabe des Medizinnobelpreises steht unter dem Schatten des Todes eines der Geehrten: Erst nach der Bekanntgabe der Preisträger 2011 wurde öffentlich, dass Ralph Steinman – der Entdecker der Dendritischen Zelle – bereits am 30. September, drei Tage vor der Nobelpreisverkündung, gestorben war. Das teilte sein Arbeitgeber, die New Yorker Rockefeller-Universität, am Nachmittag mit. Das Nobelkomitee wusste zum Zeitpunkt der Auswahl offenbar noch nichts vom Tod des Forschers.

Nach Ansicht des früheren Nobelkomitee-Sekretärs Anders Baranyi müsse die Preisvergabe an Steinman annulliert werden. Zur Begründung sagte er, dass die Regeln für die Nobelpreise die Vergabe an einen Toten ausschließen. Dem Forscher den einmal verkündeten Nobelpreis posthum abzuerkennen, könnte für die Juroren in Stockholm allerdings eine Blamage werden. Das Preisgeld könnte trotz Steinmans Tod seiner Bestimmung zukommen: Mehrere Arbeitsgruppen führen die Arbeit des Forschers fort.

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Der Tod des Biologen und Chemikers ändert nichts an der Bedeutung seiner Arbeit: Zu verstehen, wie die Immunabwehr des Menschen funktioniert, ist eine der großen Errungenschaften der Medizin. Viele Therapien beruhen darauf, dass wir heute wissen, wie die körpereigene Abwehr Eindringlingen wie Bakterien oder Viren begegnet. Auch für die Krebsforschung bilden die Erkenntnisse über Immunantworten eine wichtige Basis.

Die beiden weiteren Preisträger, Bruce Beutler und Jules Hoffmann, haben Rezeptor-Proteine entdeckt, die Fremdkörper erkennen und die Immunantwort des Körpers in Gang setzen. Dafür werden auch sie in diesem Jahr mit dem Nobelpreis in Medizin geehrt. Sie erhalten die Hälfte des Preisgeldes, das insgesamt umgerechnet gut eine Million Euro beträgt. Die zweite Hälfte des Nobelpreises sah das Nobelkomitee für Ralph Steinman vor. Die von ihm entdeckten Dendritischen Zellen spielen eine Schlüsselrolle in der Immunabwehr in dem Stadium, in dem Mikroorganismen gezielt aus dem Körper abtransportiert werden.

Die Nobelpreise
Klicken Sie auf das Bild für Berichte rund um den Nobelpreis.

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Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte: Der Erfinder des Dynamits konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde.

Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben".

Alfred Nobel war engagierter Pazifist und sprach mehrere Sprachen fließend. Zudem verfasste er Theaterstücke und Gedichte.

Verleihung und Dotierung
Ihr Weg zur Medaille
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Die Preise werden seit 1901 vergeben. Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 schwedische Kronen in den vergangenen Jahren auf 10 Millionen Kronen (rund 1 Million Euro). Ab 2012 reduziert sich die Summe allerdings um 20 Prozent, um auch künftig die Aufgaben der Stiftung finanzieren zu können. Damit ist der Preis nun mit 8 Millionen Kronen dotiert, umgerechnet rund 940.000 Euro.

Bis zu drei Menschen können sich einen wissenschaftlichen Preis teilen. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen.

Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.

Preisregen

Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt.

Die Friedenspreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.

Beutler und Hoffmann entdeckten den Mechanismus der angeborenen Immunabwehr: Von Geburt an verfügt jeder Mensch über bestimmte Rezeptoren, die Krankheitserreger erkennen und ihr Eindringen in den Körper verhindern. Schafft es eine Mikrobe trotzdem in den Körper, treten weitere Rezeptoren auf den Plan. Eine Entzündungsreaktion läuft ab, mit dem Ziel, den Krankheitserreger unschädlich zu machen und aus dem Körper zu befördern. Wie das funktioniert, konnten Beutler und Hoffmann in Tierversuchen herausfinden. Steinmans Arbeit knüpft daran an: Er befasste sich mit der spezifischen Immunantwort.

Auf der Grundlage der Forschung von Beutler, Hoffmann und Steinman lassen sich auch Autoimmunerkrankungen und Allergien besser verstehen. Dabei richtet sich die körpereigene Abwehr gegen körpereigene Zellen oder reagiert zu heftig auf Fremdkörper. Auch für die Krebsforschung und die Entwicklung von Therapien gegen Aids sind die Erkenntnisse der Immunologie entscheidend.

Ralph Steinman

Ralph Steinman (1943-2011), der aus Kanada stammte, hatte sich mit dem spezifischen Immunsystem beschäftigt: Wie viele andere Lebewesen kann sich der Mensch gezielt an neue Krankheitserreger anpassen. War er einmal mit einer Infektionskrankheit infiziert, erkennt das Immunsystem die Oberflächenstruktur der Eindringlinge wieder. Bei einer erneuten Infektion mit demselben Erreger ist der Organismus dann besser geschützt. Auf diesem Prinzip beruhen auch Impfungen. Steinmann entdeckte 1973 die Dendritischen Zellen und fand heraus, dass sie T-Zellen aktivieren können. T-Zellen sind in der Lage, spezifische Fremdkörper zu erkennen. Der Biologe und Chemiker forschte an der Rockefeller-Universität in New York . Am 30. September starb er an den Folgen einer schweren Krebserkrankung. Steinman wurde 68 Jahre alt. Er selbst hatte von einer Immuntherapie profitiert, die auf der Grundlage seiner Forschung entwickelt wurde: Mit der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs lebte er noch vier Jahre.

Jules Hoffmann

Jules Hoffmann (Jahrgang 1941) stammt aus Luxemburg. Der Zellbiologe entdeckte 1996 zusammen mit seinem Forscherteam an Fliegen der Gattung Drosophila eine Genmutation, die für das Funktionieren der angeborenen Immunabwehr entscheidend ist. Hoffmann studierte an der Universität Marburg und ging nach der Ausbildung nach Straßburg. Offiziell seit 2009 emeritiert, leitet er an der Universität Straßburg weiterhin eine Arbeitsgruppe , die Immunreaktionen an Drosophila-Fliegen untersucht. Das Gen, an dem Hoffmann seine bahnbrechenden Entdeckungen machte, wurde bereits von der deutschen Wissenschaftlerin Christiane Nüsslein-Volhard im Zusammenhang mit der Embryonalentwicklung erforscht. Sie hatte 1995 den Medizinnobelpreis erhalten.

Bruce Beutler

Der in Chicago geborene Bruce Beutler (Jahrgang 1957) fand im Tierversuch an Mäusen einen Rezeptor, der bei einem septischen Schock die zentrale Rolle spielt. Dieser Rezeptor ähnelte dem Protein, das Hoffmann bei den Taufliegen gefunden hatte. Fliegen und Säugetiere verfügen also über eine ähnlich aufgebaute angeborene Immunabwehr. Beutler ist Immunologe und Genetiker. Derzeit forscht er am Scripps Research Institute im kalifornischen La Jolla.

Die Forschung von Hoffmann, Beutler und Steinman habe "unsere Kenntnisse über die Immunologie revolutioniert“, heißt es in der Begründung des Nobelkomitees.

Im vergangenen Jahr erhielt der 86-jährige Robert Edwards die höchste wissenschaftliche Auszeichnung in der Kategorie Medizin. Der Brite begründete mit dem inzwischen verstorbenen Gynäkologen Patrick Steptoe das Verfahren der künstlichen Befruchtung . Mit der von ihnen entwickelten Methode schenkten Reproduktionsmediziner bis heute geschätzten vier Millionen Menschen das Leben. Das Nobelkomitee würdigte Edwards 2010 dafür, unfruchtbaren Paaren den Wunsch nach eigenen Kindern erfüllt zu haben.

Am 4. Oktober ab 11.45 Uhr verkündet das Nobelkomitee in Stockholm den oder die Preisträger in der Kategorie Physik. Die Bekanntgabe können Sie auf ZEIT ONLINE live verfolgen.

 
Leserkommentare
  1. Solche Menschen gehören öfter in die Medien.Sie bringen die Menschheit voran.

    In die Bildung und Forschung sollten die Regierungen investieren,dann haben ALLE was davon!

    3 Leserempfehlungen
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    Glückwunsch an die Preisträger.

    Bei dieser Gelegenheit sollte man aber auch auf die dunkle Seite der Immunologie schauen.
    In keinem anderen Fach werden Ergebnisse dermaßen geschönt, manipuliert und gefälscht wie in der Immunologie. In keinem anderen Fach werden mehr Tiere gequält ('verbraucht') für schlecht konzipierte (wissenschaftlich wertlose) Experimente.

    Glückwunsch an die Preisträger.

    Bei dieser Gelegenheit sollte man aber auch auf die dunkle Seite der Immunologie schauen.
    In keinem anderen Fach werden Ergebnisse dermaßen geschönt, manipuliert und gefälscht wie in der Immunologie. In keinem anderen Fach werden mehr Tiere gequält ('verbraucht') für schlecht konzipierte (wissenschaftlich wertlose) Experimente.

  2. Glückwunsch an die Preisträger.

    Bei dieser Gelegenheit sollte man aber auch auf die dunkle Seite der Immunologie schauen.
    In keinem anderen Fach werden Ergebnisse dermaßen geschönt, manipuliert und gefälscht wie in der Immunologie. In keinem anderen Fach werden mehr Tiere gequält ('verbraucht') für schlecht konzipierte (wissenschaftlich wertlose) Experimente.

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  3. 3. Belege

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  4. Redaktion

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

  5. von heute morgen weggelassen

  6. "Dem Forscher den einmal verkündeten Nobelpreis posthum abzuerkennen, könnte für die Juroren in Stockholm allerdings eine Blamage werden."

    Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Obama zeigt doch, dass dem Nobelkomitee nichts peinlich ist.

    3 Leserempfehlungen
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    • leon1
    • 03.10.2011 um 17:21 Uhr

    wuerde er den Friedensnobelpreis von sich aus zurueckgeben.
    Mit dem Hinweis er konnte die Erwartungen leider nicht erfuellen.

    Das Nobelkommittee des Karolinska Institutet hat mit Obama oder dem Friedensnobelpreis rein garnichts zu tun. Dafür sind ganz allein die Trottel im norwegischen Parlament verantwortlich.

    • leon1
    • 03.10.2011 um 17:21 Uhr

    wuerde er den Friedensnobelpreis von sich aus zurueckgeben.
    Mit dem Hinweis er konnte die Erwartungen leider nicht erfuellen.

    Das Nobelkommittee des Karolinska Institutet hat mit Obama oder dem Friedensnobelpreis rein garnichts zu tun. Dafür sind ganz allein die Trottel im norwegischen Parlament verantwortlich.

  7. Die (Wissenschafts-)Nobelpreise sind in der Regel die Würdigung für eine herausragende Einzelleistung oder ein ebenso herausragendess Lebenswerk. Beides wirkt gemeinhin auch über den Tod des Geehrten hinaus.
    Ein klares und unmissverständliches Ja zum Nobelpreis auch für Ralph Steinman!

    2 Leserempfehlungen
    • leon1
    • 03.10.2011 um 17:21 Uhr

    wuerde er den Friedensnobelpreis von sich aus zurueckgeben.
    Mit dem Hinweis er konnte die Erwartungen leider nicht erfuellen.

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