Rosat-Absturz Harte Landung eines ausgedienten Satelliten
Der deutsche Satellit "Rosat" soll in den nächsten Tagen auf der Erde einschlagen. Wo genau, können auch Forscher nur sehr grob berechnen.
© Nasa

Der Röntgensatellit "Rosat" wurde 1990 mit der Einwegrakete Delta II von Cape Canaveral aus ins All geschossen.
Der Röntgensatellit Rosat kehrt zur Erde zurück. Seit zwölf Jahren dreht der Blechkamerad ohne Steuerung seine Runden im All. Das ist zunächst kein Grund zur Besorgnis, Rosat ist beileibe nicht der einzige Schrotthaufen im Orbit. Doch er verliert zunehmend an Höhe, voraussichtlich zwischen dem 21. und dem 27. Oktober wird er auf der Erde einschlagen. Wo genau, das lässt sich nicht vorhersagen. Nicht einmal wenige Minuten vor dem Aufprall.
Schaut man sich die Erdoberfläche genauer an, wird rasch klar: Es ist viel wahrscheinlicher, dass er irgendwo in der Landschaft oder im Meer einschlägt als in bewohntem Gebiet. Das Risiko, dass ein Trümmer einen Menschen trifft, beträgt 1 zu 2.500, haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgerechnet. Die Gefahr ist sehr klein, aber eben doch vorhanden.
Acht Jahre erfasste der Satellit Röntgenstrahlung aus dem All
Die Geschichte von Rosat war zunächst eine echte Erfolgsstory: Im Juni 1990 wurde das deutsch-britisch-amerikanische Gemeinschaftswerk ins All geschossen, um dort systematisch nach Quellen für Röntgenstrahlung zu suchen. 18 Monate sollte die eigentliche Mission dauern, doch die Teleskoptechnik hielt fast acht Jahre durch und zeigte den Astronomen mehr als 100.000 bislang unbekannte Röntgenquellen im Kosmos. Insgesamt schwirrte der Satellit gut 20 Jahre durchs All.
Rosat hat aber auch das Leben vieler Brillenträger vereinfacht. "Die Gleitsichtbrille ist ein 'Abfallprodukt' der Entwicklung des Satelliten", sagte Johann-Dietrich Wörner, Chef des DLR, kürzlich vor Journalisten. Das Schleifverfahren für den Spiegel wurde in der Augenoptik übernommen.
Genau dieser Spiegel wird nun zum Problem. Er besteht aus Zerodur, einer extrem robusten Glaskeramik. Sie ist hitzebeständig, so dass ihr der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nur wenig anhaben kann. Im schlimmsten Fall, könnte ein 1,6 Tonnen schweres Einzelteil auf der Erde einschlagen, zeigen Simulationen. Vielleicht verglüht aber auch mehr von dem insgesamt 2,5 Tonnen schweren Satelliten. Die Forscher wissen es nicht genau. "Während heute beim Satellitenbau auch schon an das Ende der Mission gedacht wird und umfangreiche Tests dazu gemacht werden, war das früher kaum üblich", sagt Manuel Metz, Fachmann für Wiedereintritte beim DLR.
Die Simulationen für Rosat sind mit großen Unsicherheiten behaftet, weil eben viele Tests nicht gemacht wurden, das aerodynamische Verhalten unklar ist. Keiner weiß, ob und in wie viele Teile der Satellit zerrissen wird. Bis zu 30 könnten es sein. Ebenso bleibt unklar, wie stark die Trümmer von der Atmosphäre gebremst werden, das heißt: zu welchem Zeitpunkt und wo sie aufschlagen. Selbst einen Tag vor dem Wiedereintritt beträgt die Unsicherheit der Einschlagsprognose noch rund zehn Stunden.
Bedenkt man, dass Rosat für eine Erdumrundung 90 Minuten braucht, kann man sich ausrechnen, wie groß der potenzielle Absturzkorridor ist. Da sich die Erde unter dem Satelliten hinwegdreht, beschreibt er bei jedem Umlauf eine andere Route auf dem Globus. Die Gefahrenzone gleicht damit einem Zehntausende Kilometer langen Band, das sich schleifenförmig mehrfach um die Erde wickelt.
Evakuierungen am Boden oder Luftraumsperrungen stehen in keinem Verhältnis zu dem Risiko eines Einschlags. Praktisch ausgeschlossen ist es für alle, die nördlich von Hamburg oder von Neubrandenburg leben. Denn die Umlaufbahn des Satelliten ist um 53 Grad gegenüber dem Äquator geneigt. Er überfliegt also ein Gebiet, das sich zwischen dem 53. Breitengrad Nord beziehungsweise Süd befindet. Das Äquatorgebiet wird dabei rasch gequert, im Norden und Süden bleibt er relativ lange Zeit. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, dass deutsches Territorium getroffen wird, verhältnismäßig groß mit 1 zu 600.
Dass die harte Landung ernste Folgen hat, hierzulande oder anderswo, ist dennoch unwahrscheinlich. "Im vergangenen Jahr gab es fast 400 Wiedereintritte von registrierten Objekten mit einer Gesamtmasse von 60 Tonnen", berichtet Metz. Nur dass davon kaum jemand Notiz nimmt. "Oder wussten Sie, dass am 28. September und am 10. Oktober zwei Raketenoberstufen zurückgekommen sind?" Insofern war der medienwirksame Wiedereintritt des US-Forschungssatelliten UARS im September eher eine Ausnahme als die Regel.
Raumfahrttrümmer werden auf der Erde selten gefunden
Bis heute gibt es keinen belegten Fall, dass jemand von einem herabfallenden Raumfahrttrümmer getroffen wurde. Von den Bruchstücken, die die heiße Rückkehr durchgestanden haben, sind die meisten unbemerkt irgendwo eingeschlagen. "Nur rund 250 wurden überhaupt gefunden", sagt Metz.
Sollte Rosat dennoch Schaden anrichten, würden gemäß Weltraumrecht die Startstaaten dafür haften, erläutert Bernhard Schmidt-Tedd, Jurist beim DLR. "Die USA, Deutschland und Großbritannien müssten sich dann untereinander einigen, wer welchen Anteil aufbringt."
Das steht im Moment aber nicht zur Diskussion. Gebannt beobachten die Wissenschaftler den Abstieg, der vom US-Weltraumüberwachungssystem Space Surveillance Network verfolgt wird, später auch von der Großradaranlage "Tira" (Tracking and Imaging Radar) in Wachtberg bei Bonn. Je näher der Satellit der Erde kommt, umso präziser sind die Vorhersagen zum Termin des Einschlags.
- Datum 20.10.2011 - 12:17 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Harte Landung eines ausgedienten Satelliten
Der deutsche Satellit "Rosat" soll in den nächsten Tagen auf der Erde einschlagen."
Ich möchte da nicht kleinlich sein, aber die harte Landung eines Flugzeugs ist vergleichsweise auch nicht identisch mit dem Zerschellen desselben am Boden.
Als 'Harte Landung' bezeichnet man das un- bzw. nur wenig gebremste Aufschlagen einer Sonde auf einem Himmelskörper. Insofern ist die Bezeichnung richtig.
Als 'Harte Landung' bezeichnet man das un- bzw. nur wenig gebremste Aufschlagen einer Sonde auf einem Himmelskörper. Insofern ist die Bezeichnung richtig.
... sportlich!
Die Potenzierung zweier Restrisiken wäre, wenn Rosat-Trümmer in einem AKW einschlagen würden.
Höchst unwahrscheinlich, aber...
Wenn die Zahl stimmen würde, würde ich gleich mal anfangen zu buddeln.
Im Artikel der DLR steht aber etwas von "Die Gefahr, dass jemand in Deutschland zu Schaden kommt, liegt etwa bei 1:700.000"
Ich nehme an, diese Einschätzung stimmt eher.
Bei 8 Mrd Menschen würde es Millionen Tote geben. ;)
Blöde Statistik. Da fehlen noch ein paar Vorassetzungen...
dass überhaupt ein Mensch getroffen wird liegt bei ca. 1 zu 2500. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Mensch getroffen wird, ist wesentlich geringer. Ohne groß nach zurechnen würde ich dieses Risiko auf grob 1 zu 20 Billionen schätzen.
Bei 8 Mrd Menschen würde es Millionen Tote geben. ;)
Blöde Statistik. Da fehlen noch ein paar Vorassetzungen...
dass überhaupt ein Mensch getroffen wird liegt bei ca. 1 zu 2500. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmter Mensch getroffen wird, ist wesentlich geringer. Ohne groß nach zurechnen würde ich dieses Risiko auf grob 1 zu 20 Billionen schätzen.
Wunder zustande. Da kann sich jetzt jeder seinen eigenen Reim darauf machen ;-)
beträgt 1 zu 2.500.
Was heißt hier 1 zu 2.500 ?
Wenn 2.500 Menschen beieinander stehen trifft es einen ?
oder wenn 2.500 Raketen / Trümmer / Teile abstürzen trifft es einen ? Oder alle 2.500 Jahre trifft es einen ? Oder, oder ?
Bitte um Aufklärung, Danke !
Bei 8 Mrd Menschen würde es Millionen Tote geben. ;)
Blöde Statistik. Da fehlen noch ein paar Vorassetzungen...
Das ist genau wie beim Tag des absoluten Crashes unseres entfesselten FInanzsystems. Den kann man auch nicht genau vorhersagen nur das er passieren wird,so sicher wie dieser Satellit auf die Erde knallt.
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