Alternative Energien : Streit um die Forschungsförderung der Kernfusion

Ein Solarforscher fordert, die Kernfusion aus dem staatlichen Fördertopf für Energieforschung zu streichen. Denn mit der Technik wird bis heute keine Energie erzeugt.
Modell des Forschungsreaktors Iter in Cadarache, Südfrankreich

Seit Jahren gibt es bei der Erforschung der Kernfusion kaum Fortschritte. Gleichzeitig sind die Kosten für den Forschungsreaktor Iter drastisch gestiegen. Nun gerät die bisher nicht funktionierende Energietechnik erneut in die Kritik. Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg, fordert, die Förderung aus den bundesweiten Energieforschungsprogrammen auszugliedern. Somit würden mehr Mittel für die Entwicklung erneuerbarer Energien frei, sagte er zum Auftakt einer Fachtagung in Berlin. "Es bleibt unklar, ob die Kernfusion jemals relevant für die Energieversorgung werden wird. Sie sollte daher aus den Töpfen der Energieforschung herausgenommen und auf anderen Wegen finanziert werden."

Im letzten Jahr unterstützte die Bundesregierung die Fusionsforschung mit 131 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen es 144 Millionen sein, für 2012 sind Ausgaben von 158 Millionen Euro geplant. Dies entspricht jeweils gut einem Fünftel der Gesamtausgaben für die staatliche Energieforschung. Die erneuerbaren Energien, für die sich Weber stark macht, erhalten etwa ein Zehntel des Gesamtbudgets.

Vor allem wegen der hohen Kosten und der ungewissen Erfolgsaussichten wird das Potenzial der Kernfusion immer wieder infrage gestellt . Deutschland verfügt über eigene Forschungen vor allem in Garching und Greifswald und ist zudem am internationalen Großprojekt Iter beteiligt. Dabei geht es um ein Kraftwerk in Frankreich, dessen Kosten sich bereits vor Baubeginn auf 15 Milliarden Euro verdreifacht haben. Mehr als eine Milliarde soll der deutsche Staat beisteuern. Fachleute schätzen, dass frühestens in der Mitte des Jahrhunderts die erste Kilowattstunde aus einem derartigen Kraftwerk ins Netz eingespeist werden kann.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften "Leopoldina" hatte dagegen vor wenigen Monaten ihre Empfehlung bekräftigt , wonach "die Fusionsforschung als internationale Gemeinschaftsaufgabe mit dem Potential zu sehr großen Beiträgen für die Energieversorgung" weiterverfolgt werden sollte.

Erschienen im Tagesspiegel

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

43 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Da möchte wohl jemand mehr Geld haben, ...

... für seine eigene Forschung. Dies aber zu lasten einer anderen Forschungsrichtung zu fordern ist unterste Schublade. Herr Weber sollte als Forscher eigentlich wissen, dass Forschung oft ein langer steiniger Weg ist und mit einem Nutzen erst viele Jahrzehnte später zu rechnen ist (Tendenz steigend).
Abgesehen davon ist die Solartechnik auch weit davon entfernt effizient zu sein.

"Abgesehen davon ist die Solartechnik auch weit davon

entfernt effizient zu sein."

Nun, immerhin ist die Kreislaufwirtschaft der Erde in der Lage die energetischen Prozesse, die von der Sonne gespeist werden, seit Milliarden Jahren aufrecht zu erhalten. Das spricht schon für eine gewisse Effizienz.

Egal, ob Kernkraft oder fossile Energie, dem Menschen ist das bisher mit anderen vorgeblich effizienten Energieumsetzungsmethoden noch nicht viel länger als ein paar Jahrzehnte gelungen. Am erfolgreichsten war bisher Holz. Witzigerweise liegt Holz der solaren Energie am nächsten.

Nachdem der Mensch Aufforstung betrieb, konnte sich sogar eine nachhaltige Nutzung einstellen.

Bei der Fusion, weiß man noch nicht mal, wo der Brennstoff herkommen soll, und wie die Fusionskraftwerkswände vor der Versprödung geschützt werden soll, wenn denn mal ein Reaktor erfunden ist, der tatsächlich mehr Energie erzeugt als er schluckt.

Forschung wofür

Die Forschung geht jetzt aber schon 60 Jahre! Und sie verschlingt Unmengen. Nun sollte man definieren: Forschung für Wissensgewinn (wie Weltraumforschung) oder wollen wir damit ein Energieproblem lösen? Letzteres werden mit der Fusion selbst meine Kinder nicht erleben.
Energieforschung zu betreiben und die Aussichtsloseste an vorderster Stelle zu packen erscheint irgendwie fehlgeleitet.

Schon der erste Satz ist Schwachsinn

"Seit Jahren gibt es bei der Erforschung der Kernfusion kaum Fortschritte."

Wie soll man denn bitte ein Experiment durchfuehren wenn das Labor dazu noch nicht fertig ist? Man kann wohl mit gutem Gewissen den Bau des Labors auch unter der Definition Experiment fuehren denn das Labor ist eine notwendige Bedingung fuer das eigentliche Experiment.

Ergo: es gibt Fortschritte in der Erforschung der Kernfusion da an Iter, dem Labor, gebaut wird.

Anstatt hier eine Spaltung der Gesellschaft zu initiieren sollte man doch lieber darueber nachdenken ob Deutschland und Europa Drohnen und andere Militaertechnologien benoetigt und ob die Banken wirklich gerettet werden muessen.

Darueber sollte Herr Eicke Weber auch mal nachdenken anstatt nur an seine eigenen Pfruende zu denken.

Und der zweite ganz bestimmt!

Seit 50 Jahren wird an der Kernfusion herumgeforscht. Milliarden sind dabei drauf gegangen. Jetzt hört man wieder einmal, wie alle 10 Jahre, es werde noch 50 Jahre dauern, bis Strom eventuell fliest.

Der "Iter" ist da nur wieder die in Zementgegossenen Verpflichtung, weiter Steuergelder hineinzustecken, man kann doch so einen Reaktor nicht einfach schließen.

In der Erforschung der Solarenergiegeinnung sind unsere Gelder mit Sicherheit besser angelegt und bringen kurzfristig Profit für alle.

Falls die Kernfusion wirklich erfolgversprechend wäre, würden Banken sofort die Finanzierung übernehmen.

Ich sehe aber keine die die Absicht hat.

Darum geht es ihm vielleicht gar nicht.

So wie ich es verstehe, ist es Herrn Weber egal, ob die Forschungsausgaben für die Kernfusion generell gekürzt werden oder nicht. Nur, dass sie nicht aus dem Energietopf genommen werden, da, trotz sicherlich vorhandener Fortschritte in der Technik, die Nutzung zur Energieerzeugung seit 50 Jahren unverändert in weiter Ferne zu sein scheint.

Woher also die Ausgaben nehmen, eine Möglichkeit wäre dann aus dem angesprochenem Militärhaushalt.
Dann würde auch dieses verlogene Werben um Gelder aufhören, was Kernfusion mit sauberer Energie assozieren soll und nicht etwa mit militärischer Nutzung.

Es ist ein Unding, dass die Konzerne hier quasi null Anteil

haben, was die Forschung angeht. Kernfusion wäre ein immenser Schritt für die Menschheit und symbolisiert faktisch "freie Energie".
Aber da hat man als Energiekonzern natürlich kein Interesse. Gäbe es plötzlich Energie im Überfluss, wo kämen wir denn da hin? Selbst mit Preisabsprachen und Entwicklungskostenumlage in der Anfangszeit würde der Strompreis drastisch einbrechen. Wer will schon sowas?

Langfristige Investition über 50Jahre

Zitat: "Es ist ein Unding, dass die Konzerne hier quasi null Anteil haben, ..."

Sagen wir es mal so.
Kernfusion wirft keine "schnelle" Rendite ab.
Es generiert keinen schnellen Profit!
Was interessiert die Investoren langfristige Nachhaltigkeit?
Man möchte doch zu Lebzeiten die Puppen tanzen lassen :)
Lassen wir doch die mühevolle Vorarbeit die dummen Idealisten machen.
Evtl. kann man später immernoch einsteigen um Geld zu machen.
Wozu sollte jemand "privat" investieren?
Finanzkräftige Konzerne denken auch nur von Quartal zu Quartal.
Also bleibt am Ende nur noch der Staat und seine Ideale.
Solche öffentliche Phantastereien haben sogar Menschen auf den Mond gebracht.

Und was ist mit dem Rest?

Aus dem Artikel: "Fusionsforschung mit 131 Millionen Euro[...] Dies entspricht jeweils gut einem Fünftel der Gesamtausgaben für die staatliche Energieforschung. Die erneuerbaren Energien, für die sich Weber stark macht, erhalten etwa ein Zehntel des Gesamtbudgets."

also gehen insgesamt 30% der staatlichen Ausgaben für Energierforschung in Fusion und erneuerbare Energien. Was ist mit dem Rest bzw. wie ist die Definition von "Energieforschung"? Den Text im Artikel könnte man so lesen, als ginge mehr als die Hälfte der öffentlichen Forschungsgelder in Forschung an Verbrenungskraftwerken. Oder sind damit auch Netze, Netzteile usw. gemeint?

@walljumper: Vielleicht tun Sie dem Mann unrecht, denn er hat ja keine Einstellung der Fusionsforschung gefordert sondern, dass sie "aus den Töpfen der Energieforschung herausgenommen und auf anderen Wegen finanziert" wird. Wenn das darauf hinauslaufen sollte, dass Kernfusion zunächst als Grundlagenforschung gefördert wird, habe ich damit kein Problem.