Studienstiftung Aus Stipendiaten wurden Terroristen
Die Studienstiftung des Deutschen Volkes förderte einst Gudrun Ensslin und andere spätere RAF-Größen. Jetzt arbeitet sie ihre Geschichte auf
© Getty Images

Gudrun Ensslin, späteres RAF-Mitglied, war Stipendiatin der Studienstiftung
Von Intuition bestimmt sei sie, auch und vor allem ein emotionaler Mensch, "Konflikte mit Autoritäten sind vorprogrammiert". So hat ein Stuttgarter Psychologe einst Gudrun Ensslin beurteilt. Seine Einschätzung stammt aus einer Zeit lange vor den Brandanschlägen und Banküberfällen, an denen die Pfarrerstochter später als RAF-Mitglied beteiligt war. Heute wirkt der Satz euphemistisch.
Ensslin studierte und wollte sich von der Studienstiftung des Deutschen Volkes fördern lassen. Auch ihr damaliger Lebensgefährte Bernward Vesper sowie Ulrike Meinhof und Horst Mahler wollten eine Förderung und bekamen sie auch. Nun wurden diese besonderen Stipendiaten und ihr Verhältnis zur Studienstiftung zum ersten Mal genauer untersucht.
Der Historiker Alexander Gallus von der Universität Rostock hat Einblick in jene Akten bekommen, die bislang weitgehend Anwälten und Stiftungsmitarbeitern vorbehalten waren. Anlässlich der Verabschiedung des langjährigen Stiftungspräsidenten Gerhard Roth stellte Gallus jetzt erste Ergebnisse vor.
"Vor allem bei Ensslin ergibt sich ein abweichendes Bild gegenüber bisherigen Darstellungen. Statt als kalter Racheengel wird sie als gefühlsbetonter Mensch beschrieben, da muss es später einen Bruch gegeben haben", sagt Gallus. Die Aussagen stützen sich überwiegend auf schriftlich fixierte Beurteilungen von Vertrauensdozenten. Diese sollten die Stipendienanwärter auf ihre geistige und emotionale Tauglichkeit testen. Die politische Gesinnung wurde nicht nicht geprüft.
Ensslin bildet noch aus einem anderen Grund einen Sonderfall in der prominenten Gruppe: Sie brauchte für die Aufnahme gleich drei Anläufe. Attestierten ihr einige Dozenten, sie habe "kein logisches Denkvermögen", lobten andere ihre "phrasenlose Echtheit" und "Authentizität". Ensslin studierte Anglistik, Germanistik und Pädagogik in Tübingen, später Germanistik in Berlin, zwischendurch ließ sie sich zur Grundschullehrerin ausbilden. Dass ihre Studien letztlich scheiterten, wertet Gallus als entscheidenden Einfluss auf ihre Persönlichkeit, er spricht von einer "enormen Misserfolgsbelastung".
Insgesamt zeichnet der Bericht das Bild von frühreifen, getriebenen, hochintelligenten jungen Menschen. Sie erscheinen als leistungsbereite Nonkonformisten, die auf der Suche nach sich selbst die Gesellschaft in Sippenhaft nahmen. Hat die Studienstiftung bei der Auswahl versagt, hätte man die extremistischen Tendenzen bemerken können? "Wir müssen das Risiko ertragen, wenn wir nicht nur angepasste Leute haben wollen. Man konnte es schlicht nicht wissen", verteidigt der scheidende Stiftungspräsident Roth die damalige Auswahl. Dass aus einigen Studienstiftlern Terroristen wurden, hätte sich für spätere Bewerber kaum ausgewirkt, sagt auch Gallus.
Allenfalls seien "danach schon mehr Zweifel gekommen, wenn jemand einen bekannten Querkopf vorgeschlagen hat". Es gehört wohl zur Ironie dieser Geschichte, dass ausgerechnet Horst Mahler den Auswahlgremien damals als der am wenigsten auffällige Bewerber vorgekommen war. "Vielseitig begabt", mit einem "guten Gespür fürs Wesentliche". So wird der spätere Links-Rechts-Extremist beschrieben. Als Einziger der jetzt Untersuchten schaffte er einen regulären Universitätsabschluss in Jura.
Das Märchen, wonach RAF-Größen aus wohlbehüteten Familien stammten, hat die moderne Geschichtsschreibung schon lange widerlegt. Auch die Protokolle der Studienstiftung zeigen eher zerrüttete Verhältnisse. Horst Mahlers Vater starb, als er 13 war, Ensslin hatte einen depressiven Bruder, der sich später das Leben nahm. Die urteilenden Professoren waren von jungen Bewerbern fast durchweg angetan. Am radikalsten empfanden sie noch Bernward Vespers Lebensentwurf, am Ende war er der einzige der vier, der kein bekennender Extremist wurde. Doch auch Vesper, Sohn eines bekannten NS-Dichters, Autor des legendären 68er-Romans Die Reise und erfolgloser Verleger, beendete sein Leben mit einem Selbstmord.
Gallus benutzt mehrfach das Wort "Giftschrank", wenn er von den Akten der prominenten Alumni spricht. Wenn der Historiker im kommenden Jahr seine Studie als Buch präsentiert, könnte er sich neben Autoren wie Gerd Koenen positionieren. Dessen detaillierte Recherche "Vesper, Ensslin, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus" diente gerade als Basis für den Kinofilm Wer, wenn nicht wir, in dem die Geschichte von Ensslins und Vespers Liebe und Radikalisierung erzählt wird. An deren Ende befreien Ensslin, Meinhof und andere Andreas Baader – es ist die Geburtsstunde der RAF.
- Datum 05.10.2011 - 11:35 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
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sind weniger in Verdacht als durch den Nationalsozialismus belastete Familien!
H.
Was hat denn die politische Entwicklung von Stipendiaten einer sich selbst als ideologisch neutral verstehenden Stiftung mit der Geschichte dieser Stiftung zu tun?
Hat die Studienstiftung eigentlich ihre eigenen Verwicklungen während der Restauration zur Adenauerzeit aufgearbeitet? Sind Zahlen vorgelegt, wie viele Stipendiaten Eltern mit NSDAP-Vergangenheit oder tragender Funktion während der Hitlerzeit hatten? Das wäre eine viel wichtigere Aufarbeitung und ein wesentlicher Beitrag zur Debatte um den Erhalt der deutschen Eliten über alle ideologischen Wenden.
Die Herkunftsfrage sollte wichtiger sein bei der Aufarbeitung der Geschichte als die Beleuchtung der politischen Entwicklung der Stipendiaten.
Ich glaube ich bin im falschen Film. Die Studienstiftung soll ihre "Geschichte aufarbeiten", weil sie Leute gefördert hat, die später Extremisten wurden? Was soll denn das bitte?
Ich bin selbst Studienstiftler gewesen, Anfang der 80er Jahre, deshalb folgendes zur Aufklärung:
Der Standardweg in die Studienstiftung war der Schulvorschlag. Da musste man unter den besten 5 - 10 eines Jahrgangs sein. Dann folgte ein Test (sprachlich + mathematisch/naturwissenschaftlich). Das beste Drittel wurde dann zu einem Seminar eingeladen. Man musste einen Vortrag ausarbeiten und in Diskussionen und in Einzelgesprächen seine Eignung unter Beweis stellen. Im Endeffekt wurde 1 von 100 Abiturienten in die Studienstiftung aufgenommen. Auch die Bundessieger im Bundeswettbewerb Mathematik wurden aufgenommen, aber das waren nur wenige. Die zweite große Gruppe war die, die im Laufe der Studiums (meist mit hervorragenden Vordiplomsnoten) auf Empfehlung eines Hochschullehrers vorgeschlagen wurden.
Dieses Verfahren war und ist im großen und ganzen in Ordnung. "Aufzuarbeiten" gibt es da nichts. Wir hatten Leute dabei, die später Top-Manager, Wissenschaftler oder Leher wurden. Es gab Leute, die der DKP nahe standen und in den Ferien nach Albanien gefahren sind aber die meisten waren unpolitisch. Die Leistung zählte und nicht die Gesinnung und das war völlig okay. Wie verkommen ist dieses Land eigenlich? Soll hier eine neue Mc. Carthy Ära eingeläutet werden? Nein Danke!!!
Sie schreiben es doch selber:"Der Standardweg in die Studienstiftung war der Schulvorschlag." Und selbiger kam allermeist nur durch engagierten Elternhinweis an den Schuldirektion in die Gänge. Ergo: Gut bürgerliche Ziehsöhne- und Töchter trafen sich zum Studienstiftungsstelldichein.
Nun kann keiner was für seine Herkunft: Aber das Boot war schon besetzt, bevor überhaupt gesichtet werden konnte, wer in seinem Studienfach was taugt...weil man ja Stiftler war schon durch die Schulleistung.
Will keinem Stiftler seine Tauglichkeit absprechen, aber fair und leistungsadäquat ist anders.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Äußerungen. Danke. Die Redaktion/wg
MIt dem Land ist alles okay - es sind die Propagandamedien, die immer mehr verkommen: 95% der Print/Onlinemedien (ZEIT natürlich ausgenommen -schleim-), ein großer Teil des Sachbuchmarktes, TV komplett.
Sie schreiben es doch selber:"Der Standardweg in die Studienstiftung war der Schulvorschlag." Und selbiger kam allermeist nur durch engagierten Elternhinweis an den Schuldirektion in die Gänge. Ergo: Gut bürgerliche Ziehsöhne- und Töchter trafen sich zum Studienstiftungsstelldichein.
Nun kann keiner was für seine Herkunft: Aber das Boot war schon besetzt, bevor überhaupt gesichtet werden konnte, wer in seinem Studienfach was taugt...weil man ja Stiftler war schon durch die Schulleistung.
Will keinem Stiftler seine Tauglichkeit absprechen, aber fair und leistungsadäquat ist anders.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Äußerungen. Danke. Die Redaktion/wg
MIt dem Land ist alles okay - es sind die Propagandamedien, die immer mehr verkommen: 95% der Print/Onlinemedien (ZEIT natürlich ausgenommen -schleim-), ein großer Teil des Sachbuchmarktes, TV komplett.
Erstaunlich, wofür Steuergelder so zum Fenster hinausgeworfen werden. Haben die Krankenhäuser, in denen Terroristen oder andere Straftäter geboren wurden, das schon aufgearbeitet?
Sie schreiben es doch selber:"Der Standardweg in die Studienstiftung war der Schulvorschlag." Und selbiger kam allermeist nur durch engagierten Elternhinweis an den Schuldirektion in die Gänge. Ergo: Gut bürgerliche Ziehsöhne- und Töchter trafen sich zum Studienstiftungsstelldichein.
Nun kann keiner was für seine Herkunft: Aber das Boot war schon besetzt, bevor überhaupt gesichtet werden konnte, wer in seinem Studienfach was taugt...weil man ja Stiftler war schon durch die Schulleistung.
Will keinem Stiftler seine Tauglichkeit absprechen, aber fair und leistungsadäquat ist anders.
>> "Der Standardweg in die Studienstiftung war der Schulvorschlag." Und selbiger kam allermeist nur durch engagierten Elternhinweis an den Schuldirektion in die Gänge. <<
Koennen Sie das auch belegen, oder denken Sie sich das mal schnell aus?
Das Auswahlverfahren ist so objektiv wie möglich: Noten + Auswahltest + Vorstellung. Bei dieser Staffelung ist Mauschelei sehr schwer bis unmöglich. Außerdem ist eine Auswahl nach der Zehntelnote im Abiturschnitt noch schlechter.
Das im Gymnasium die Kinder des Bildungsbürgertums überdurchschnittlich vertreten sind, ist nicht zu leugnen. Das ist aber kein Problem der Studienstiftung. Die Förderung muss viel früher ansetzen. Und da liegt viel im argen. Ich gebe ein Beispiel: Elternabend. Die Deutschlehrerin stellt sich vor. Ich als Elternvertreter frage sie: Es wäre doch schön, wenn sie den Kindern vielleicht einige Bücher als Literatur empfehlen können. Nicht direkt für den Schulunterricht sondern damit die jungen Leute in ihrer Freizeit gute Bücher lesen. Um den Schreibstil zu verbessern, für die Allgemeinbildung, etc. etc. Antwort: Dafür habe ich keine Zeit. Wenn die Lehrer, die ja die Ansprechpartner für Kinder aus bildungsfernen Familien sind, in derart eklatanter Weise versagen, dann führt das zur Bildungssegregation.
>> "Der Standardweg in die Studienstiftung war der Schulvorschlag." Und selbiger kam allermeist nur durch engagierten Elternhinweis an den Schuldirektion in die Gänge. <<
Koennen Sie das auch belegen, oder denken Sie sich das mal schnell aus?
Das Auswahlverfahren ist so objektiv wie möglich: Noten + Auswahltest + Vorstellung. Bei dieser Staffelung ist Mauschelei sehr schwer bis unmöglich. Außerdem ist eine Auswahl nach der Zehntelnote im Abiturschnitt noch schlechter.
Das im Gymnasium die Kinder des Bildungsbürgertums überdurchschnittlich vertreten sind, ist nicht zu leugnen. Das ist aber kein Problem der Studienstiftung. Die Förderung muss viel früher ansetzen. Und da liegt viel im argen. Ich gebe ein Beispiel: Elternabend. Die Deutschlehrerin stellt sich vor. Ich als Elternvertreter frage sie: Es wäre doch schön, wenn sie den Kindern vielleicht einige Bücher als Literatur empfehlen können. Nicht direkt für den Schulunterricht sondern damit die jungen Leute in ihrer Freizeit gute Bücher lesen. Um den Schreibstil zu verbessern, für die Allgemeinbildung, etc. etc. Antwort: Dafür habe ich keine Zeit. Wenn die Lehrer, die ja die Ansprechpartner für Kinder aus bildungsfernen Familien sind, in derart eklatanter Weise versagen, dann führt das zur Bildungssegregation.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Äußerungen. Danke. Die Redaktion/wg
Hier haben wir wieder ein Beispiel, wo Vergangenheitsbewältigung keinen Erkenntnisgewinn erwarten läßt.
>> "Der Standardweg in die Studienstiftung war der Schulvorschlag." Und selbiger kam allermeist nur durch engagierten Elternhinweis an den Schuldirektion in die Gänge. <<
Koennen Sie das auch belegen, oder denken Sie sich das mal schnell aus?
...und weiß, was für Leute sich da die Klinken geben in die Hand. Seit weniger Zeit ändert sich das offenbar...gab mal nen Artikel hier dazu, dass die Stiftung selber festgestellt hat, dass sie überdurchschnittlich viele Pennäler von Bestverdienenden unterstützt (die`s gar nicht brauchten), weil der Nachwuchs von Nicht-Akademikern nicht geschult ist im Fach "Selbstdarstellung"...und oft keine Ahnung und Unterstützung vom Elternhaus hat, wie der Aufstieg ins akademische Netzwerken funktioniert..
...und weiß, was für Leute sich da die Klinken geben in die Hand. Seit weniger Zeit ändert sich das offenbar...gab mal nen Artikel hier dazu, dass die Stiftung selber festgestellt hat, dass sie überdurchschnittlich viele Pennäler von Bestverdienenden unterstützt (die`s gar nicht brauchten), weil der Nachwuchs von Nicht-Akademikern nicht geschult ist im Fach "Selbstdarstellung"...und oft keine Ahnung und Unterstützung vom Elternhaus hat, wie der Aufstieg ins akademische Netzwerken funktioniert..
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