1976 eroberten zwei Wikinger den Mars. Sie waren Pioniere der Forschung – doch ihre Mission blieb unvollendet. Denn die beiden Raumschiffe Viking 1 und 2 sandten zwar Bilder von der Oberfläche des Roten Planeten. Doch Hinweise auf Leben fanden sie nicht. Ihre aufwendige Suche nach Wasser, Mikroben und Spuren von Photosynthese lieferte keine eindeutigen Ergebnisse.

"Dennoch ist jede Marsmission ein kleiner Schritt auf der Suche nach außerirdischem Leben", sagt der Mikrobiologe Andrew Steele vom Carnegie-Institut in Washington . Die Wissenschaftler vor 30 Jahren hätten schlicht deutlich weniger über den Mars gewusst, als heute bekannt ist. "Für manches war es noch zu früh."

Mittlerweile ist dank der Informationen, die mehrere Sonden zur Erde schickten, bewiesen, dass es einst flüssiges Wasser, eventuell Salzwasser , auf dem Mars gegeben haben muss. Zudem haben die Flugkörper Eis auf dem Himmelskörper gefunden . Interessante Forschungsregionen könnten nun gezielt angesteuert werden. Auch weiß man heute, dass mikrobielle Lebewesen, wie Bakterien, auf der Erde ohne Sauerstoff überleben können. Daraus folgt, dass wir unter dem Begriff "Leben" heute weit mehr fassen als zu Zeiten der Viking -Missionen. Und vielleicht gibt es ja doch Mikroben, die unter den lebensfeindlich erscheinenden Bedingungen auf dem Mars existieren können?

Nicht zuletzt sind auch die Analysemethoden, mit denen sich Proben vom Mars untersuchen lassen, heute vielseitiger und feiner.

So soll der Marsrover Curiosity vollenden, was mit Viking begann. Das Mars Science Laboratory (MSL), an dem der Mikrobiologe Steele mitgetüftelt hat, ist die erste astrobiologische Mission seit den Raumsonden in den 1970er Jahren. Gleich zehn Instrumente an Bord – darunter zwei Chemielabore – sollen helfen, dem Mars seine Geheimnisse zu entlocken. Wie hat sich der Planet in den vergangenen Jahrmillionen verändert? Welche Rolle spielt Wasser auf dem Mars? Gab es dort je Leben? Und könnten Menschen den Roten Planeten besiedeln?

Nach jahrelanger Arbeit und rund 1,7 Milliarden Euro Investitionen wird die Sonde nun an Bord einer Atlas-Rakete von Cape Canaveral in Florida aus ins All geschickt. Mehr als sechs Monate wird sie, wenn alles klappt, unterwegs sein, bis sie schließlich im August 2012 auf dem Roten Planeten landen und mit der intensiven Forschung beginnen soll.

Das Landemanöver ist neuartig – und gefährlich. Während des Eintritts in die Atmosphäre, dem Sinkflug und der Landung zerfällt das Labor in vier Teile. Eine gut 730 Kilogramm schwere Kapsel mit Hitzeschild ist das einzige, was den Rover während des Eintritts in die Marsatmosphäre schützt. Erst nachdem ein Fallschirm die Kapsel im unteren Teil der Atmosphäre abgebremst hat, wird das Innere des Labors freigegeben: der Rover und der SkyCrane ("Himmelskran"), welcher das Fahrzeug aus 15 Metern Höhe auf dem Boden gezielt absetzen soll.

"Solch eine Landung ist heikel und wurde so noch nicht durchgeführt", sagt Steele. Curiositys Arbeit könnte somit beendet sein, bevor sie begonnen hat. Schon während der Landung werden Antennen erste Daten zur Erde übertragen – mögen es nicht zugleich die letzten sein.

Wenn das Manöver gelingt, erwarten den Rover im Gale-Krater im Osten des Planeten perfekte Forschungsbedingungen. "Wir haben uns für diesen Ort entschieden, weil er das größte Forschungspotenzial bietet", sagt MSL-Projektmitarbeiter und Geophysiker Ashwin Vasavada . In der Mitte des Kraters erhebe sich ein fünf Kilometer hoher Berg, der aus unterschiedlichen Materialschichten bestehe. Zudem soll hier einst fließendes Wasser Kanäle geformt haben.