Autonome MaschinenWann steht der erste Roboter vor Gericht?

Pflegeroboter, Militär-Drohnen, Autos, die selbst einparken: Maschinen übernehmen wichtige Aufgaben. Doch wer ihre Fehler verantwortet, ist juristisch ungeklärt. von Tobias Kurfer

Bis vor Kurzem war PR2 ein geschicktes aber ziemlich unselbstständiges Wesen. Der Roboter konnte Socken falten, Kekse backen und auf Partys Getränke servieren. So etwas wie einen eigenen Kopf besaß er nicht. Das hat sich nun geändert. Bittet man PR2 heute um ein Sandwich, nimmt der rollende Humanoide an, dass er wohl im Kühlschrank fündig werden könnte. Ist dort kein Sandwich zu finden, fährt PR2 kurzerhand einkaufen. Die notwendigen Schlussfolgerungen zieht die Maschine selbst; PR2 wird ohne menschlichen Impuls aktiv.

Glaubt man Rechtswissenschaftlern der Universität Würzburg, liegt genau darin ein Problem. Denn es ist juristisch ungeklärt, wer für Fehler von Maschinen wie PR2 haftet, wenn sie etwa auf dem Weg zum Laden einen Unfall verursachen.

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"Das Recht ist auf die rasanten Entwicklungen in der Robotik nicht hinreichend vorbereitet", sagt Eric Hilgendorf. Der 50-jährige Jurist ist Leiter einer weltweit vermutlich einzigartigen Forschungseinrichtung: An der Forschungsstelle Robotrecht versucht ein Team aus Juristen und Informatikern, juristische Fragen rund um den Einsatz von teil- oder vollautonom handelnden Maschinen zu klären. Die Wissenschaftler sehen dringenden Handlungsbedarf: Die unklare Rechtslage wirke bereits jetzt als Innovationsbremse, sagt Hilgendorf. "Wir behandeln Fragen, die der Industrie auf den Nägeln brennen."

Eric Hilgendorf
Eric Hilgendorf

Eric Hilgendorf leitet den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtstheorie, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Universität Würzburg. Der promovierte Jurist und Rechtsphilosoph hat die Bundesregierung unter anderem in Fragen der Internetkriminalität beraten.

Noch mag so manche Überlegung aus dem Würzburger Labor wie Science-Fiction klingen. Doch die Szenarien könnten schon bald Realität werden: In Japan sollen in wenigen Jahren Pflegeroboter Dienst tun, die Patienten selbstständig waschen oder aus dem Rollstuhl heben und ins Bett legen . Hierzulande arbeiten Forscher an einem intelligenten Rollstuhl, der Senioren eigenhändig fährt. Doch wer haftet, wenn die Maschinen Patienten fallen lassen? Der Hersteller, der Programmierer oder der behinderte Fahrer? Neben Problemen der zivil- und strafrechtlichen Haftung geht es den Wissenschaftlern bei ihrer Grundlagenforschung auch um Versicherungsrecht und um neue Sicherheitsregelungen.

Das Projekt erfährt Unterstützung von hoher Stelle: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Arbeit des Würzburger Teams mit 200.000 Euro; aktuell arbeitet die Gruppe im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums für ein Robotik-Förderprojekt .

Immer wieder stoßen die Forscher auch auf aktuelle Fälle, für die es bislang an Regeln und Richtlinien fehlt. Zum Beispiel Hirnschrittmacher. Die Mini-Computer werden in den Kopf von Parkinson-Patienten eingesetzt, um elektrische Signale ins Gehirn zu senden und so die Leiden der Betroffenen zu mindern. Doch mitunter kommt es zu einem unerwünschten Nebeneffekt, die Maschinen steigern den Sexualtrieb. Wer verantwortlich ist, wenn es in der Folge zu einer sexuellen Nötigung kommt, ist juristisch ungeklärt. Ähnliche Probleme sind auch bei Fehlern von automatischen Armprothesen denkbar.

Leserkommentare
    • Pyra77
    • 19. November 2011 13:44 Uhr

    Der Unterschied vom Hirnschrittmacher zur Einnahme von 15 Viagras ist, dass der Hirnschrittmacher die Symptome von Parkinson heilt - soll man nun Patienten verbieten, sich diesen einsetzen zu lassen, nur weil dadurch vielleicht Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit entstehen? Einfach von Schuldunfähigkeit auszugehen ist allerdings auch nicht möglich - denn der Patient kannte eben das Risiko, als er sich für den Hirnschrittmacher entschieden hat.
    Insofern besteht also doch ein deutlicher Unterschied...

    • Pyra77
    • 19. November 2011 13:46 Uhr

    Der Unterschied bei Robotern mit KI ist, dass diese im Laufe der Zeit in einer derart komplexen Weise neue Dinge dazu lernen, dass nicht mehr feststellbar ist, ob der Roboter falsch programmiert wurde oder etwas falsches (durch den Nutzer) dazu gelernt hat. Das ist schon heute so. Und genau das unterscheidet Roboter massiv von herkömmlichen Maschinen...

    Antwort auf "doch so einfach."
    • Pyra77
    • 19. November 2011 13:50 Uhr

    ...unabhängig von den inhaltlichen fehlerhaften Aussagen - meinen Sie, dass sich dann sowohl die Medien, als auch die doch recht renommierte DFG und die das Projekt fördernden Ministerien alle irren und man eigentlich nur schauen müsste, wie das bei Rolltreppen geregelt ist?
    Oder man informiert sich doch vielleicht einbischen genauer, bevor man sich gleich so aufregt - nicht dass man noch selbst irgendwann einen Hirnschrittmacher braucht? ;-)

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