Natur : Der grüne Alleskönner

Der Wald ist viel mehr als ein schnöder Holzlieferant. Er schützt uns vor Sandstürmen und Hochwasser. Und nicht zu unterschätzen: seine beruhigende Wirkung auf Menschen.
Schwarzdornknick © Nabu

Wer durch Schleswig-Holstein fährt, der kommt an ihnen im wortwörtlichen Sinne nicht vorbei: an den Knicks. Knick ist ein anderes Wort für Wallhecke. Insgesamt durchziehen rund 45.000 Kilometer davon das Bundesland. Auf dem etwa einen Meter hohen Erdwällen wachsen dort neben Sträuchern Eichen, Zierpappeln, Haseln und Schlehen.

Die lang gezogenen Knicks sorgen dafür, dass sich in der flachen Landschaft Norddeutschlands ein anderes Mikroklima bildet. Der Wind hat weniger Spielraum, die Knicks bremsen ihn aus. So trocknet der Boden nicht so leicht aus und die wertvolle Krume wird nicht weggeblasen. Knicks reduzieren also die Bodenerosion. Das ist selbst der Politik wichtig, Knicks stehen unter Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes.

Im Winter 2010/2011 zeigte wieder einmal die Bedeutung von Knicks und Wallhecken: In Schleswig-Holstein kam es teilweise zu chaotischen Zuständen auf den Straßen, weil Schneewehen den Verkehr lahm legten. Doch "Schneeverwehungen sind in Landschaften mit höherem Wald- und Knickanteil eher schwächer ausgeprägt", sagt Ingo Ludwichowski vom Naturschutz Schleswig-Holstein.

Dagegen führten die offenen Flächen im Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern im Frühjahr zu einer Verkehrskatastrophe . Auf der Autobahn A19 bei Rostock kam es zu einer Massenkarambolage, bei der acht Menschen starben, weil in einem Sandsturm mehr als 40 Autos wegen schlechter Sicht ineinander rasten. Wissenschaftler des Innovationsnetzwerks Klimaanpassung Brandenburg Berlin (Inka BB) kamen zu dem Schluss, dass ein fataler Mix von Trockenheit, starkem Wind und offenen Böden die Verkehrsunfälle ausgelöst hatte: "Geringe oder vernachlässigte Windschutzhecken und zum Teil übergroße Ackerflächen führen dazu, dass Sand und Staub aufwirbelt und verweht", sagt Geologe Carsten Hoffmann von Inka BB.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Danke

Für diesen Artikel, ich habe ihn noch nicht ganz durchgelesen (ist doch etwas lang), habe ihn aber abgespeichert und werde das Lesen später noch einmal nachholen.

Ich muss in dem Punkt auch zustimmen, dass der Wald wohl einer der schönsten Landschaftsarten ist. Ich mag ihn, bin mit ihm aufgewachsen (NRW, Bergische Wälder) und bin immer etwas traurig, wenn irgendwo Bäume gefällt werden.
Ich möchte ihn schützen.

erklärung

Weil die FSC-Zertifizierungsanforderungen in jedem Land von Vertretern des Volkes (aus Wirtschaft, Gesellschaft und Naturschutz) in einem Bottom-up Ansatz ausgearbeitet werden. Diese Menschen machen sich in der Regel auch Gedanken. Da großflächige Kahlschläge in anderen europäischen Länder viel näher an den natürlichen Gegebenheiten liegen (Waldbrand) als bei uns, sind Kahlschläge dort auch ökologisch nicht unbedingt nachteilig zu bewerten. Leider wird das hier oft in den falschen Zusammenhang gestellt und mangels Kenntnis kritisiert.
MfG

Das forstliche Unwort Kahlschlag

....."Da großflächige Kahlschläge in anderen europäischen Länder viel näher an den natürlichen Gegebenheiten liegen (Waldbrand) als bei uns, sind Kahlschläge dort auch ökologisch nicht unbedingt nachteilig zu bewerten" ......

Das halte ich für eine etwas großzügige Interpretation pro FSC.
Na ja was solls, ich finde sowieso, dass der Kahlschlag bei uns fast zu sehr verteufelt wird - und damit meine ich nun keine Großkahlschläge. Irgendwann kommen die ersten Forderungen nach wieder mehr Kahlschlag in Deutschland und zwar nicht von der Holzwirtschaft, sondern vom Naturschutz, eben weil viele Pflanzen- und Tierarten auch lichte, sonnige Plätze im Wald benötigen. Nur "Dunkel" ist dogmatisch.

da haben sie recht

Haben Sie natürlich nicht ganz unrecht. Es ist aus diversen Gründen nicht unbedingt der Natur zuträglich. Aber die Kritik am FSC wird in der Regel von wenig informierten Menschen forciert. Da schwingt dann eben mit, dass man hiesige Verhältnisse eins zu eins auf Länder überträgt, wo eben beispielsweise Waldbrände ohnehin große Areale vernichten. Die Liste wäre fortführbar, verdeutlicht aber schon mit diesem Beispiel die Arroganz des Örtlichen (als Person):
"Wie kommt es, daß bei unseren östlichen Nachbarn Wälder gerodet werden dürfen (FSC-zertifiziert), was bei uns als Umweltsünde gelten würde?"
Zumindest wenn wir dieser Frage Rhetorik unterstellen (was das Video vermuten lässt)! Die eigene Waldwirtschaft wird verklärt, die anderen machen alles falsch. Um das zu überprüfen haben viele ein Leben lang studiert&geforscht. Aber die ARD (der verlinkte Clip) deckt das in 5 min auf.
Mir wird Angst und Bange, wenn ich mich da in manchen "Fachgebieten" selbst reflektiere...