Trotz intensiver Rettungsversuche hat die Europäische Raumfahrtbehörde Esa die fehlgeleitete russische Sonde Phobos-Grunt nach 24 Tagen aufgegeben. "Wir ziehen jetzt einen Schlussstrich", sagte der Leiter der Esa-Vertretung in Moskau, René Pischel. Der Abbruch erfolge in Absprache mit der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, die ihrerseits noch Rettungsversuche unternehmen wolle.

Nach Berichten Moskauer Medien hat allerdings auch Roskosmos die am 9. November gestartete Marsmond-Sonde praktisch aufgegeben und strebt ihren kontrollierten Absturz an. Damit würde die erste interplanetare Mission Russlands seit 15 Jahren endgültig scheitern. Die auf ihre Raumfahrttradition stolze Nation hatte nach vielen Rückschlägen auch international wieder Eindruck machen wollen.

In den Tanks der 120 Millionen Euro teuren und fast 13,5 Tonnen schweren Raumsonde befinden sich die hochgiftigen Stoffe Hydrazin und Stickstofftetroxid. Fachleute wie der russische Experte Valeri Djadjutschenko gehen davon aus, dass der krebserregende Stoff beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. US-Wissenschaftler dagegen bezeichnen Phobos-Grunt als "giftigsten Satelliten aller Zeiten", weil sich in Messgeräten an Bord auch radioaktives Kobalt befindet.

Raumsonde kam nicht über Erdumlaufbahn hinaus

Die Raumsonde sollte Proben vom Marsmond Phobos zur Erde bringen, kam aber wegen Triebwerksproblemen nicht über die Erdumlaufbahn hinaus. Zunächst war es der Esa und Roskosmos gelungen, Kontakt zu dem Apparat aufzunehmen. Nach einigen Tagen kam keine Antwort mehr.

"Nach den wenigen empfangenen Signalen haben wir weiter nur bruchstückhafte Vorstellungen, wie es an Bord aussieht", sagte Pischel. Die Esa benötige ihre Bodenstation im westaustralischen Perth für andere Aufgaben. "Wir können es uns nicht länger leisten, andere Missionen zur Seite zu schieben."

Der Schritt ist ein heftiger Schlag für Russland, das nicht über ein weltweites Netz von Bodenstationen verfügt. Experten vermuten, dass Phobos-Grunt beim Senden und Empfangen von Signalen wegen leerer Batterien auf Solarenergie angewiesen ist. Beim Überfliegen russischer Stationen empfängt die Raumsonde aber kaum Sonnenlicht.

Für Russland war der Fehlstart der Sonde ein weiterer Rückschlag nach einer Pannenserie mit abgestürzten Satelliten und fehlgezündeten Raketen. Die USA hatten dagegen jüngst eine Mars-Mission erfolgreich gestartet. Die hochmoderne Raumsonde Curiosity soll im August 2012 auf dem Roten Planeten landen und dort nach Spuren von organischen Materialien suchen.