WissenschaftsförderungLeibniz-Preise ehren Forschung von Arabistik bis Verkehrsplanung

Elf Wissenschaftler erhalten den wichtigsten deutschen Förderpreis. Die mit 2,5 Millionen Euro dotierte Auszeichnung geht an Forscher aus unterschiedlichsten Bereichen. von Tagesspiegel

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die diesjährigen Träger des wichtigsten deutschen Forschungsförderungspreises benannt. Neun Wissenschaftler erhalten den mit je 2,5 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis in diesem Jahr, zwei weitere erhalten je 1,25 Millionen. Das Geld müssen die Gewinner komplett in Forschungsarbeiten investieren. Verliehen werden die Preise im Februar in Berlin.

Unter den Preisträgern sind vor allem Naturwissenschaftler, wie Michael Brecht vom Bernstein-Zentrum für Computational Neuroscience an der Berliner Humboldt-Universität. Der Neurophysiologe geht einer grundsätzlichen Frage der modernen Hirnforschung nach: Wie beeinflussen Nervenzellen Verhalten? "Wir wollen die Sprache der Neuronen verstehen", hat Brecht sein Forschungsziel einmal im Tagesspiegel umrissen. Um darauf eine Antwort zu finden, hat Brecht eine revolutionäre Technik entwickelt. Sie kann die Aktivität einzelner Nervenzellen im Gehirn aufzeichnen, ohne dass die Tiere dazu starr fixiert werden müssen. Versuchstiere können sich dadurch frei bewegen. Während seiner Messungen stellte der Biologe fest, dass es schon genügt, eine einzelne Nervenzelle anzuregen, um das Verhalten zu beeinflussen.

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Mit dem Frankfurter Philosophen Rainer Forst werde der "wichtigste deutsche politische Philosoph der Generation 'unter 50’ geehrt", wie die DFG mitteilte. Der Wissenschaftler führt die deutsche politische Philosophie von Jürgen Habermas und Axel Honneth fort, bringt diese in kritischer Auseinandersetzung mit amerikanischen Vertretern wie John Rawls zusammen. Diese dreht sich vor allem um die Grundbegriffe "Gerechtigkeit", "Toleranz" und "Rechtfertigung". Forst formulierte die Erkenntnis, dass der Mensch schon immer in verschiedene "Rechtfertigungspraktiken" eingebettet ist. Sie bedingen, dass letztlich alle Handlungen nach eigenen Logiken der Moral, des Rechts und anderer Diskurse legitimiert werden müssen. Unsere praktische Vernunft ist so nichts anderes als das Vermögen, diese Logiken zu erkennen und anzuerkennen.

Die Ursprünge der arabischen Revolutionen

Sehr aktuell ist das Forschungsgebiet der Marburgerin Friederike Pannewick – der ersten Arabistin überhaupt, die die Auszeichnung erhält. Pannewick erforscht, wie die arabische Gegenwartsliteratur Bürgerkriegserfahrungen und Rebellionen behandelt. Sie habe es geschafft, die Grundlagen der Revolutionen in der arabischen Welt schon vor deren Ausbruch zu analysieren, hebt die Jury hervor. Bedeutende wissenschaftliche Themen im Mittleren und Nahen Osten habe sie frühzeitig identifiziert.

Gemeinsam geehrt werden die beiden Bonner Immunologen Gunther Hartmann und Christian Kurts für ihre Aufklärung, wie körpereigene Abwehrsysteme wirken. Hartmanns Erkenntnisse tragen nicht nur zum besseren Verständnis von körpereigenen Mechanismen bei, sondern sind auch hilfreich, um etwa neue Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln. Christian Kurts Forschungsthemen sind breit und fächerübergreifend angelegt. So versucht er zu ergründen, wie verschiedene Zellen des Immunsystems beim Aufbau einer Immunantwort und der Entstehung von Entzündungen zusammenspielen.

Nikolaus Rajewsky, der zweite Berliner Leibniz-Preisträger will verstehen, wie die Gesamtheit eines biologischen Systems funktioniert, etwa eine Zelle oder ein kompletter Organismus. Um diese Aufgabe zu lösen, bedarf es nicht nur der Biologie und Chemie, sondern auch der Mathematik und Physik. Große Datenmengen müssen verarbeitet werden, um die komplexen Lebensprozesse einer Zelle zu registrieren und zu verstehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Rajewsky seine Wurzeln in der Mathematik und Physik hat.

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