Das US-Gesundheitsministerium hat nun offiziell appelliert , Forschungsergebnisse über ein im Labor entwickeltes Supervirus unter Verschluss zu halten . Es ist das erste Mal, das so etwas geschieht. Das Wissenschaftsmagazin Science , das die Arbeiten veröffentlichen will, bestätigte den Vorgang.

Größtes Argument gegen eine Publikation sei, dass die Bauanleitung für das hochansteckende Virus in die Hände von Bioterroristen fallen könnte. ZEIT ONLINE berichtete bereits Ende November über zwei Forscherteams um Ron Fouchier und Yoshihiro Kawaoka, denen es gelungen war, das gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 ähnlich ansteckend zu machen wie das Schweinegrippe-Virus H1N1.

Das amerikanische Gremium für Biosicherheit (National Science Advisory Board for Biosecurity, NSABB) hatte dem Magazin Science nun schriftlich empfohlen, nur die Schlussfolgerungen der Ergebnisse zu veröffentlichen. Das exakte methodische Vorgehen der Forscher sowie die genauen Mutationen des neuen Erregers sollen verschwiegen werden. Stattdessen fordert das NSABB die Wissenschaftler auf, das genaue Ziel ihrer Arbeit zu beschreiben und darzulegen, welche Vorteile sich daraus ergeben für die medizinische Forschung und die Gesundheitsvorsorge. Außerdem sollen sie erläutern, welche Risikovorkehrungen sie getroffen haben. Darüber hinaus sei es die Verantwortung der Wissenschaftler, Fragen der Biosicherheit zu berücksichtigen, schreibt das NSABB.

Normalerweise ist es üblich und essentiell, publizierte Forschungsergebnisse genau zu beschreiben. Nur so können etwa Wissenschaftler desselben Fachgebiets, die Arbeiten nachvollziehen, reproduzieren, überprüfen und weiterentwickeln. Das neu erschaffene Virus lasse sich zudem mit bekannten Anti-Virus-Medikamenten und einigen Impfstoff-Kandidaten bekämpfen, sagt Bruce Alberts, der Chefredakteur des Magazins Science . Daher seien die Details der Arbeit vor allem für die Weiterentwicklung von Impfstoffen wichtig.

Das weitere Vorgehen ist noch offen

Science nehme das Anliegen der NSABB sehr ernst und könne die Sicherheitsbedenken nachvollziehen, sagt Alberts. Andererseits habe das Magazin Bedenken, die für die Influenza-Forschung wichtigen Ergebnisse der Fachwelt vorzuenthalten. Viele Forscher in diesem Bereich hätten ein berechtigtes Interesse an den Ergebnissen, um etwa verwandte Virus-Arten genauer zu untersuchen und deren Gefährlichkeit besser einzuschätzen.

Es müsse daher ein transparenter Mechanismus gefunden werden, der die kritischen Daten den verantwortlichen Influenza-Forschern in der ganzen Welt zugänglich macht, sagt Alberts. Gleichzeitig müsse gewährleistet sein, dass diese Informationen nicht in die falschen Hände fallen. Man warte mit einer endgültigen Entscheidung über die Art der Veröffentlichung ab, bis die Regierung einen solchen Plan entwickelt hat. Die aktuelle Empfehlung des NSABB erwähnt eine solche Regelung aber nicht.

Das Biosicherheits-Gremium berät auch die zuständigen Behörden der Regierung, wie die National Institutes of Health (NIH) des US-Gesundheitsministeriums mitteilten. Die NIH hatten die Studien finanziert, um die Infektionsgefahr des H5N1-Virus besser einschätzen zu können, um sich auf eine künftig mögliche Erkrankungswelle vorzubereiten. Beide Arbeiten hätten gezeigt, dass das Infektionspotenzial des Virus für Säugetiere, Menschen eingeschlossen, deutlich größer ist als bisher angenommen, teilten die NIH mit.

Der Forscher Ron Fouchier habe seine Studie bereits überarbeitet und kritische Daten herausgenommen, bestätigte das Magazin Science der Nachrichtenagentur dpa. Das zweite Forscherteam von Yosgihiro Kawaoka will seine Ergebnisse im britischen Magazin Nature veröffentlichen. Dessen Chefredakteur Philip Campbell teilte mit, dass er derzeit mit dem NSABB darüber verhandele.