Debatte über Virusforschung US-Gremium erwägt Moratorium für Influenza-Studien

Studien über künstlich erschaffene, hoch ansteckende Vogelgrippeviren sollen zukünftig unter einem Moratorium stehen. Das erwägt das US-Gremium für Biosicherheit.

Ein gefährliches Vogelgrippevirus, das Forscher im Labor erzeugt haben, führt weiter zu Diskussionen. Der Beraterausschuss für Biosicherheit (NSABB) im US-Gesundheitsministerium hatte bereits empfohlen, die Forschungsarbeit nicht in voller Länge zu publizieren, um Terroristen keine Bauanleitung für eine Biowaffe zu bieten. Nun berichtet der Science Insider, dass das Gremium auch ein Moratorium für die Veröffentlichung ähnlicher Studien erwägt.

Der Plan: Forscher sollen Ergebnisse zur Übertragbarkeit von H5N1-Viren in Säugetieren für eine gewisse Zeit weder veröffentlichen noch auf wissenschaftlichen Konferenzen präsentieren. Die Auszeit würde es Experten erlauben, Risiken und Nutzen dieser Forschung international zu diskutieren, sagte Paul Keim. Der Forscher leitet den NSABB-Ausschuss.

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Die Vogelgrippe H5N1 infiziert selten Menschen und breitet sich kaum von Mensch zu Mensch aus. Infektionen führen aber in 60 Prozent der Fälle zum Tod. Forscher in den Niederlanden und den USA hatten den Erreger so verändert, dass er sich über die Luft von Frettchen zu Frettchen ausbreitet. Frettchen gelten als das beste Tiermodell für Influenzainfektionen beim Menschen.

Das Experiment

Mit ihren Experimenten wollten Wissenschaftler um Ron Fouchier herausfinden, ob das Vogelgrippe-Virus H5N1 das Potenzial hat, eine Pandemie wie das Schweinegrippe-Virus H1N1 auszulösen. Die Studie stellten die Forscher in Auszügen auf der Influenza-Konferenz in Malta im September 2011 vor.

Die Wissenschaftler verwendeten für ihre Arbeit einen Stamm, dem sie drei gezielte Mutationen verpassten, die dem Virus ermöglichen sollten, sich auch in Säugetieren zu reproduzieren. Frettchen, die mit dem mutierten Virus infiziert wurden, starben. Eine Übertragung unter den Tieren erfolgte zunächst nicht. Die Forscher isolierten daraufhin die Virus-Varianten der erkrankten Tiere und infizierten damit gesunde Tiere. Sobald diese ebenfalls erkrankten, wiederholten die Forscher das Prozedere.

Zehn Wiederholungen waren erforderlich, dann war das Virus von allein fähig, gesunde Tiere in anderen Käfigen zu infizieren – ohne Körperkontakt zwischen ihnen, allein über Tröpfchen-Infektion durch die Luft. Insgesamt fünf Mutationen sind laut den Wissenschaftlern erforderlich, damit ein tödliches Virus wie das Vogelgrippe-Virus H5N1 so ansteckend wird wie das Schweinegrippe-Virus H1N1.

Im Gegensatz zu Fouchier, manipulierten Forscher um Yoshihiro Kawaoka den Vogelgrippe-Erreger gezielt. Sie nahmen das Oberflächenprotein Hämagglutinin H5 des Virus und schleusten ihn in das für Menschen hoch ansteckende Schweinegrippevirus H1N1. In Frettchen übertrug sich der neue Keim leicht, tötete die Tiere jedoch nicht. Allerdings konnte der Erreger mit aktuellen Impfstoffen und antiviralen Mitteln bekämpft werden

Viren

Das Schweinegrippe-Virus (H1N1) löste im Jahr 2009 eine weltweite Pandemie aus. Doch obwohl das Virus hoch ansteckend war, war es nur für wenige tödlich: Nur einer unter zehntausend Infizierten starb an dem Virus.

Bei dem Virus der Vogelgrippe (H5N1) war das genau umgekehrt: Das Virus war nicht von Mensch zu Mensch übertragbar, weshalb nur wenige mit dem Krankheitserreger infiziert wurden. Eine Infektion endete jedoch in mehr als der Hälfte der Fälle tödlich.

Eine Kombination der beiden Viren galt bislang sowohl in der Natur als auch im Labor als unwahrscheinlich.

Übertragbarkeit

Frettchen gelten in der Virologie und in der Influenza-Forschung als Modellorganismen, weil ihr Immunsystem ähnlich auf Erreger reagiert wie das des Menschen. Ob sich die Ergebnisse der Studie direkt auf den Menschen übertragen lassen, weiß niemand.

"Frettchen sind keine Menschen", sagt Peter Palese, ein Influenza-Experte am Mount Sinai Medical Center in New York City, dem New Scientist. "H5N1 kursierte eine lange Zeit und mutierte währenddessen nicht in eine Form, in der es von Mensch zu Mensch übertragbar gewesen wäre."

Weitere Forscher kritisieren im Science Insider, dass das Vogelgrippevirus H5N1 keine Pandemie unter Menschen auslösen kann, weil sich das Virus in einem menschlichen Wirt nicht reproduzieren kann.

Andere Forscher halten es jedoch nicht für ausgeschlossen, dass sich das Virus an den Mensch anpassen könnte, indem es einen Zwischenwirt findet, der sowohl menschliche Viren als auch das Vogelgrippevirus beherbergen könnten. So ein Zwischenwirt könnten etwa ein Schwein sein.

Veröffentlichungsprozess

Wissenschaftliche Veröffentlichungen werden der Fachwelt und der Öffentlichkeit erst zugänglich, wenn sie in einem entsprechenden Fachmagazin veröffentlicht sind. Angedacht ist, dass die Forscher darin – neben den Ergebnissen – offenlegen, wie sie ihre Experimente durchgeführt haben – und zwar so detailliert, dass andere Forscher die Experimente wiederholen können.

Für eine Veröffentlichung müssen Wissenschaftler zunächst die Studie so verfassen, dass sie den Veröffentlichungsauflagen des jeweiligen Fachmagazins entspricht. Nach der Einreichung wird die Studie (anonymisiert) an andere Wissenschaftler weitergereicht, die Experten auf dem untersuchten Themengebiet sind. Sie sollen beurteilen, ob die Studie plausibel ist oder auszubessernde Mängel aufweist.

Erst wenn diese sogenannten Reviewer mit der Studie einverstanden sind, kann diese veröffentlicht werden.

Sowohl die Studie von Ron Fouchier als auch die von Yoshihiro Kawaoka wurden zur Veröffentlichung zugelassen, schreibt das Magazin Science Insider. Das amerikanischen Gremium für Biosicherheit (NSABB) hat die Ergebnisse begutachtet und empfiehlt, sie nicht in voller Länge zu veröffentlichen. Es erwägt nun außerdem ein Moratorium für ähnliche Fälle. Das NSABB wurde bisher in Einzelfällen von Wissenschaftlern oder Magazinen darum gebeten, Studien zu begutachten, die mögliche Interessenskonflikte beinhalten könnten.

Die Nationalen Gesundheitsforschungsinstitute (NIH) der USA in Bethesda hatten die Studien finanziert, um die Infektionsgefahr des H5N1-Virus besser einschätzen und Vorbeugung treffen zu können. Beide Arbeiten hätten gezeigt, dass das Infektionspotenzial des Virus für Säugetiere – Menschen eingeschlossen – deutlich größer ist als bisher angenommen, teilten die NIH jetzt mit.

Offenbar waren schon fünf Veränderungen im Viruserbgut ausreichend, um das Virus so gefährlich zu machen. Welche Mutationen genau es waren, soll nach den Wünschen des NSABB ein Geheimnis bleiben. Viele Forscher kritisieren, das Vorgehen verstoße gegen jegliche wissenschaftliche Praxis.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Zum Glück weiß nicht schon in drei Wochen jeder, der die Nature lesen kann, wie man aus dem für den Menschen ungefährlichen Vogelgrippevirus einen modernen "schwarzen Tod" konstruieren kann.

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    • tobmat
    • 28.12.2011 um 12:24 Uhr

    Da brauchen sie keine Angst haben. 99,9% der Menscheit kann den Bauplan eh nicht lesen und von dem Rest hat nur ein Bruchteil die Ausrüstung um ihn nachzubauen. Das können in der Regel nur Staaten. Terroristen fehlt dazu einfach die Infrastruktur.

    • tobmat
    • 28.12.2011 um 12:24 Uhr

    Da brauchen sie keine Angst haben. 99,9% der Menscheit kann den Bauplan eh nicht lesen und von dem Rest hat nur ein Bruchteil die Ausrüstung um ihn nachzubauen. Das können in der Regel nur Staaten. Terroristen fehlt dazu einfach die Infrastruktur.

  2. und nicht in die Richtung gehen, wie kann man dem Menschen den größten Schaden zufügen!

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    Mit ungefährlichen Viren kann man nichts anfangen, denen hat man schnell den Garaus gemacht. Neue Erkenntnisse darüber, wie man gefährliche, mutierte Viren bekämpft, bekommt man nur durch eben diese.

    Mit ungefährlichen Viren kann man nichts anfangen, denen hat man schnell den Garaus gemacht. Neue Erkenntnisse darüber, wie man gefährliche, mutierte Viren bekämpft, bekommt man nur durch eben diese.

  3. Mit ungefährlichen Viren kann man nichts anfangen, denen hat man schnell den Garaus gemacht. Neue Erkenntnisse darüber, wie man gefährliche, mutierte Viren bekämpft, bekommt man nur durch eben diese.

  4. Es muss wohl heissen: "ein Moratorium der Veröffentlichung".
    Die Studien werden weiter gehen, nur die Presse soll das Maul halten.

    • tobmat
    • 28.12.2011 um 12:24 Uhr

    Da brauchen sie keine Angst haben. 99,9% der Menscheit kann den Bauplan eh nicht lesen und von dem Rest hat nur ein Bruchteil die Ausrüstung um ihn nachzubauen. Das können in der Regel nur Staaten. Terroristen fehlt dazu einfach die Infrastruktur.

    Antwort auf "Publikationsverbot gut"
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    staaten so wie nordkorea, oder der iran. auch weiss keiner was in entsprechnd ausgestatteten labord rund um den globus wirklich gemacht wird.

    Es ist viel einfacher, als Sie denken. Dazu braucht man kein hochgerüstetes Labor modernster Art. Natürlich nicht in der heimischen Küche zu machen, aber die erforderlichen Protokolle um Viren zu erzeugen und zu amplifizieren finden Sie unkompliziert in der Fachliteratur. Für jeden zugänglich.

    Wenn das Virus hochinfektiös ist, benötigen Sie keine großen Mengen an intakten Viren, lediglich eine kleine Menge richtig assemblierte genügen im ungünstigsten Fall dann, um die Krankheitsverbreitung zu starten.

    staaten so wie nordkorea, oder der iran. auch weiss keiner was in entsprechnd ausgestatteten labord rund um den globus wirklich gemacht wird.

    Es ist viel einfacher, als Sie denken. Dazu braucht man kein hochgerüstetes Labor modernster Art. Natürlich nicht in der heimischen Küche zu machen, aber die erforderlichen Protokolle um Viren zu erzeugen und zu amplifizieren finden Sie unkompliziert in der Fachliteratur. Für jeden zugänglich.

    Wenn das Virus hochinfektiös ist, benötigen Sie keine großen Mengen an intakten Viren, lediglich eine kleine Menge richtig assemblierte genügen im ungünstigsten Fall dann, um die Krankheitsverbreitung zu starten.

  5. staaten so wie nordkorea, oder der iran. auch weiss keiner was in entsprechnd ausgestatteten labord rund um den globus wirklich gemacht wird.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Bauanleitung"
  6. Es ist viel einfacher, als Sie denken. Dazu braucht man kein hochgerüstetes Labor modernster Art. Natürlich nicht in der heimischen Küche zu machen, aber die erforderlichen Protokolle um Viren zu erzeugen und zu amplifizieren finden Sie unkompliziert in der Fachliteratur. Für jeden zugänglich.

    Wenn das Virus hochinfektiös ist, benötigen Sie keine großen Mengen an intakten Viren, lediglich eine kleine Menge richtig assemblierte genügen im ungünstigsten Fall dann, um die Krankheitsverbreitung zu starten.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Bauanleitung"
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    • tobmat
    • 28.12.2011 um 16:40 Uhr

    "Dazu braucht man kein hochgerüstetes Labor modernster Art." Nö aber ein funktionierendes und gut ausgestattetes Labor benötigen sie schon und das bekommen sie halt nicht im nächsten Baumarkt. Das kostet schon so einiges und die Geräte sind auch nicht gerade Massenware. Besonders wenn sie mit tödlichen Viren arbeiten und das auch selbst überleben wollen.

    "finden Sie unkompliziert in der Fachliteratur. Für jeden zugänglich"
    Zugänglich ist das schon, aber wieviel Menschen verstehen denn auch was da steht und haben das Wissen und die Erfahrung es anzuwenden? Mal ganz abgesehen vom Zugang zu den notwendigen Rohstoffen.

    "Wenn das Virus hochinfektiös ist, benötigen Sie keine großen Mengen an intakten Viren"

    Bis zu dem Punkt müssen sie das Virus aber erstmal bringen und natürlich auch testen. Man will ja wissen ob man da wirklich einen Killer hat. Dazu brauchen sie ja auch noch Reserven für mögliche Fehlschläge. Und Viren sind auch nicht ganz so simpel zu transportieren und erst Recht nicht "haltbar" zu machen.

    • tobmat
    • 28.12.2011 um 16:40 Uhr

    "Dazu braucht man kein hochgerüstetes Labor modernster Art." Nö aber ein funktionierendes und gut ausgestattetes Labor benötigen sie schon und das bekommen sie halt nicht im nächsten Baumarkt. Das kostet schon so einiges und die Geräte sind auch nicht gerade Massenware. Besonders wenn sie mit tödlichen Viren arbeiten und das auch selbst überleben wollen.

    "finden Sie unkompliziert in der Fachliteratur. Für jeden zugänglich"
    Zugänglich ist das schon, aber wieviel Menschen verstehen denn auch was da steht und haben das Wissen und die Erfahrung es anzuwenden? Mal ganz abgesehen vom Zugang zu den notwendigen Rohstoffen.

    "Wenn das Virus hochinfektiös ist, benötigen Sie keine großen Mengen an intakten Viren"

    Bis zu dem Punkt müssen sie das Virus aber erstmal bringen und natürlich auch testen. Man will ja wissen ob man da wirklich einen Killer hat. Dazu brauchen sie ja auch noch Reserven für mögliche Fehlschläge. Und Viren sind auch nicht ganz so simpel zu transportieren und erst Recht nicht "haltbar" zu machen.

    • tobmat
    • 28.12.2011 um 16:40 Uhr

    "Dazu braucht man kein hochgerüstetes Labor modernster Art." Nö aber ein funktionierendes und gut ausgestattetes Labor benötigen sie schon und das bekommen sie halt nicht im nächsten Baumarkt. Das kostet schon so einiges und die Geräte sind auch nicht gerade Massenware. Besonders wenn sie mit tödlichen Viren arbeiten und das auch selbst überleben wollen.

    "finden Sie unkompliziert in der Fachliteratur. Für jeden zugänglich"
    Zugänglich ist das schon, aber wieviel Menschen verstehen denn auch was da steht und haben das Wissen und die Erfahrung es anzuwenden? Mal ganz abgesehen vom Zugang zu den notwendigen Rohstoffen.

    "Wenn das Virus hochinfektiös ist, benötigen Sie keine großen Mengen an intakten Viren"

    Bis zu dem Punkt müssen sie das Virus aber erstmal bringen und natürlich auch testen. Man will ja wissen ob man da wirklich einen Killer hat. Dazu brauchen sie ja auch noch Reserven für mögliche Fehlschläge. Und Viren sind auch nicht ganz so simpel zu transportieren und erst Recht nicht "haltbar" zu machen.

    Antwort auf "Das stimmt nicht."
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    Die Erforschung von neuen Viren sollte einfach nur besonders sicher sein. Doch die Forschung sollte doch für die isolierung der Viren sein, oder doch nicht? Warum erforscht man ein "Supervirus" das Millionen von Menschen töten könnte?
    Wenn man ein höchinfiziöses Virus oder Bakterium züchten will brauchte man schon ein modernes SK4-Labor, zur Sicherheit und vermeidung der selbtsinfektion. Dann braucht man ein Virenstamm den man motiert und viel mehr.
    Das wichtigste dabei ist, dass man Ahnung hatt was man macht!

    Die Erforschung von neuen Viren sollte einfach nur besonders sicher sein. Doch die Forschung sollte doch für die isolierung der Viren sein, oder doch nicht? Warum erforscht man ein "Supervirus" das Millionen von Menschen töten könnte?
    Wenn man ein höchinfiziöses Virus oder Bakterium züchten will brauchte man schon ein modernes SK4-Labor, zur Sicherheit und vermeidung der selbtsinfektion. Dann braucht man ein Virenstamm den man motiert und viel mehr.
    Das wichtigste dabei ist, dass man Ahnung hatt was man macht!

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