Hochschulen in Ostdeutschland haben einen guten Ruf – bei ihren Studierenden und bei Personalverantwortlichen in Unternehmen. Gleichauf liegen Unis und Fachhochschulen in Ost- und Westdeutschland bei Studienbedingungen, Ausstattung und Berufsvorbereitung. Doch Absolventen ostdeutscher Hochschulen sind zufriedener mit ihrem Studium. Das ergab eine jetzt veröffentlichte Studie von DIW econ, dem Consulting-Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin. Im Auftrag der Hochschulinitiative Neue Bundesländer befragten die Forscher im November 2011 gut 500 Absolventen ost- und westdeutscher Hochschulen sowie Personalverantwortliche von 505 Unternehmen in Deutschland mit mindestens 100 Beschäftigten.

Die Studierbarkeit bewerteten Absolventen ostdeutscher Hochschulen zu 73 Prozent als "exzellent oder sehr gut", bei den westdeutschen waren es 65 Prozent. Bei der Studierbarkeit geht es zum Beispiel darum, ob das Studium gut organisiert und die Prüfungslast erträglich ist. Mit der Betreuung waren 62 Prozent der ostdeutschen und 51 Prozent der westdeutschen Absolventen zufrieden. Und 87 Prozent derjenigen, die in Ostdeutschland studiert haben, würden sich wieder für ein Studium an derselben Hochschule entscheiden, bei den Absolventen westdeutscher Unis und FHs sind es nur 82 Prozent.

Berufseinstieg fällt Absolventen im Osten schwerer

Personalverantwortliche schätzten die Qualität der Berufsausbildung an Hochschulen in Ost- und Westdeutschland "als weitgehend gleichwertig" ein, heißt es. Aber auch hier würden die ostdeutschen vor den westdeutschen Hochschulen gesehen: So hielten 28 Prozent der Personaler Ausstattung und Infrastruktur im Osten für besser, nur zehn Prozent hielten sie für schlechter. Ähnliches gilt für die Qualität der Lehrenden. Zudem seien die Absolventen aus Ostdeutschland "etwas motivierter und eigenständiger".

Kritisch gesehen werde die Vernetzung der ostdeutschen Hochschulen mit der Wirtschaft; 25 Prozent der Personalverantwortlichen schätzten sie als schlechter ein. Hochschulabsolventen in den neuen Ländern brauchten auch etwas länger, um den Berufseinstieg zu schaffen.

Erschienen im Tagesspiegel