TierseucheSchmallenberg-Virus breitet sich in Europa aus

Das Schmallenberg-Virus hat mittlerweile Schafe, Ziegen und Rinder in fünf europäischen Ländern befallen. Für Menschen gilt der Erreger als ungefährlich. von dpa

Nachdem bei Tieren in Deutschland, Belgien , Großbritannien und den Niederlanden das Schmallenbergvirus nachgewiesen wurde, sind jetzt auch Fälle aus Frankreich bekannt geworden. Der Erreger ist offenbar für Schafe, Ziegen und Rinder gefährlich . Zwar fehlt noch der letzte wissenschaftliche Nachweis dafür, dass das Virus die Ursache für die beobachteten Missbildungen bei jetzt geborenen Lämmern ist. Doch Veterinäre gehen davon inzwischen aus. Bereits im vergangenen Jahr waren Symptome wie Fieber und Durchfall bei Paarhufern beobachtet worden, die jetzt auf den Erreger zurückgeführt werden können.

Wie das französische Landwirtschaftsministerium mitteilte , sind inzwischen auch sechs französische Departements nahe der deutschen, luxemburgischen und belgischen Grenze betroffen: Haute-Marne, Meurthe-et-Moselle, Moselle, Pas-de-Calais, Seine-Maritime und Somme. Das Virus wurde dort in verschiedenen Betrieben bei Schafen nachgewiesen.

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In Deutschland ist die neue Virus-Variante nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI) bislang in 106 Betrieben bei Paarhufern festgestellt worden. Infizierte Tiere fand man in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen , Niedersachsen , Hessen , Schleswig-Holstein , Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg . Mehr als die Hälfte der Fälle wurde aus Nordrhein-Westfalen bekannt – allein dort gibt es rund 10.000 Schafhalter mit fast 400.000 Tieren. Die Tierseuche tritt derzeit vor allem bei Schafen zutage, da die Ablammzeit begonnen hat. Erstmals isoliert wurde das neue Virus von einer Kuh aus einem Betrieb in der Kleinstadt Schmallenberg, die auf diese Weise zum Namensgeber für den neuen Erreger wurde.

Der Virus könnte die Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Ein Forscherteam des FLI hat inzwischen eine Studie vorab veröffentlicht, die in der Märzausgabe des Fachmagazins Emerging Infectious Diseases erscheinen wird. Das Schmallenbergvirus wurde im November 2011 entdeckt. Die Forscher gehen davon aus, dass der Erreger durch Gnitzen übertragen wird. Trächtige Schafe, die sich im vergangenen Sommer oder Herbst infiziert hatten, haben nun tote oder missgebildete Lämmer zur Welt gebracht. Typisch für die Fehlbildungen, die das Virus im Mutterleib anrichtet, sind steif gewordene Gliedmaßen, ein fehlendes Kleinhirn und ein verbogener Hals.

Wie das Westfalen-Blatt berichtet, werden derzeit weniger Schafe als in den Vorjahren geboren. Vermutlich beeinträchtigt das Virus die Fruchtbarkeit der Tiere generell. Da auch Rinder mit dem Virus infiziert sind, erwarten Landwirte ähnlich viele Missbildungen unter Kälbern, wie sie jetzt bei den Lämmern beobachtet werden. Die Abkalbsaison beginnt Ende Februar.

Um das mögliche Ausmaß der neuen Tierkrankheit einschätzen zu können, werden in Deutschland jeweils 60 Blutproben von Rindern und Schafen je Bundesland untersucht. Die Bluttests werden beim FLI durchgeführt. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Nach Einschätzung der EU- Seuchenkontrollbehörde ECDC geht von dem neuen Erreger, der eng verwandt ist mit anderen für den Menschen harmlosen Orthobunyaviren, keine Gefahr für die Bevölkerung aus. Ganz ausschließen können Wissenschaftler dieses Risiko bei neuen Erregern aber nie. In erster Linie ist das Virus ein Problem für Landwirte und kann in den Betrieben großen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

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Leserkommentare
    • Gerry10
    • 30. Januar 2012 15:53 Uhr

    "In erster Linie ist das Virus ein Problem für Landwirte..."
    In erster Linie ist es in Problem für die Tiere, denn die sind krank, liebe ZEIT.
    Ein bischen Respekt vor Leben, egal ob zwei oder vierbeinig...

    7 Leserempfehlungen
  1. 2. Nunja

    Wenn man sich die Entwicklung bei Vogelgrippe und Schweinepest so ansieht sollte man eher schreiben "Für Menschen gilt der Erreger als NOCH ungefährlich.".

    • yequana
    • 30. Januar 2012 16:40 Uhr
    3. Adorno

    Ein krankes oder totes Tier ist also ein "wirtschaftlicher Schaden."

    "Rassismus beginnt da, wo einer im Schlachthaus steht und denkt:'Es sind ja nur Tiere'."

    Es ist ja nur ein "wirtschaftlicher Schaden."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Selbstverständlich ist ein krankes oder totes Tier ein wirtschaftlicher Schaden. Die Landwirte halten die Tiere nicht aus Spaß an der Freude, sondern erwirtschaften mit diesen ihren Lebensunterhalt. Dass ein krankes oder totes Tier einem Landwirt auch Leid tut, ist dadurch nicht ausgeschlossen.

    Nicht jedes Zitat ist auch zutreffend!

  2. Selbstverständlich ist ein krankes oder totes Tier ein wirtschaftlicher Schaden. Die Landwirte halten die Tiere nicht aus Spaß an der Freude, sondern erwirtschaften mit diesen ihren Lebensunterhalt. Dass ein krankes oder totes Tier einem Landwirt auch Leid tut, ist dadurch nicht ausgeschlossen.

    Nicht jedes Zitat ist auch zutreffend!

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Adorno"
  3. Ich denke, dass die Tierhalter gut beraten sind, wenn sie unabhängig von der Hypothese 'Virenbefall' in ihren Medikamentenbüchern nachschauen, ob und wann sie ihre trächtigen Tiere mit Medikamenten, z.B. gegen die Gnitzen, behandelt haben. Möglicherweise ist eins der in Europa vielverwendeten Medikamente extrem terratogen ( embryoschädigend)?

    Die Missbildungen erinnern mich an Thalomid ( Contergan ).

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Falcom
    • 31. Januar 2012 4:37 Uhr

    Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen dass Landwirte ihre Tiere gegen Mücken/Gnitzen medikamentös behandeln. Noch dazu sind die meisten Medikamente schon längere Zeit im Gebrauch, sodass ein Seuchenartiges auftreten von Mißbildungen doch eher unwarscheinlich ist.

    Echt lesenswert ist der verlinkte Artikel http://www.zeit.de/wissen...

    Wenn man sich vorstellt wie lange es früher gedauert hat Krankheiten zu erkennen und zu verhindern(Impfung).
    Heutzutage:
    Sommer 2011 - Ansteckung
    November 2011 - Nachweis des Virus
    Sommer 2012 - Impfung?

    Echt toll was die Wissenschaftler in "ihrem Elfenbeinturm" "fernab der Realität" so draufhaben.

    • Falcom
    • 31. Januar 2012 4:37 Uhr

    Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen dass Landwirte ihre Tiere gegen Mücken/Gnitzen medikamentös behandeln. Noch dazu sind die meisten Medikamente schon längere Zeit im Gebrauch, sodass ein Seuchenartiges auftreten von Mißbildungen doch eher unwarscheinlich ist.

    Echt lesenswert ist der verlinkte Artikel http://www.zeit.de/wissen...

    Wenn man sich vorstellt wie lange es früher gedauert hat Krankheiten zu erkennen und zu verhindern(Impfung).
    Heutzutage:
    Sommer 2011 - Ansteckung
    November 2011 - Nachweis des Virus
    Sommer 2012 - Impfung?

    Echt toll was die Wissenschaftler in "ihrem Elfenbeinturm" "fernab der Realität" so draufhaben.

    Eine Leserempfehlung
  4. Erkrankung übertragen, haben sie zuerst Blut eines erkrankten Tieres gesogen. Wo liegt die Ursache für die Erkrankung des ersten Schafes? Haltung? Künstliche Befruchtung? Überzüchtung? Jetzt sollten nicht die Mücken bekämpft, sondern die Erkrankungsursache gefunden werden. Sonst züchten wir uns nur noch kräftigere Mücken, die dann auch den Menschen infizieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Europa | Fruchtbarkeit | Missbildung | Rind | Tier | Tierkrankheit
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