Wenn Stephen Hawking etwas sagt, dann hören ihm Menschen auf der ganzen Welt zu. Seit Jahren kann sich der schwer kranke Astrophysiker nur noch über einen Sprachcomputer mitteilen. Doch für die meisten sind seine Themen ohnehin kaum in Worte zu fassen: Gibt es einen Gott? Warum sind wir Menschen auf der Welt? Ist da noch anderes Leben in den Weiten des Universums – und wenn ja, sollten wir Kontakt aufnehmen? Was auch immer Hawking dazu meint, wird beachtet, diskutiert und scheint gar die Lebenseinstellung Tausender Menschen zu beeinflussen.

Seine Ärzte prognostizierten ihm bereits vor Jahren den Tod – Hawking leidet seit seiner Jugend an amyotropher Lateralsklerose (ALS). Die Erkrankung zerstört sein Nervensystem und zwang ihn in den Rollstuhl. Nun wird der Astrophysiker, emeritierte Professor und gefeierte Buchautor 70 Jahre alt.

"Ich bin der Ansicht, dass wir alle, nicht nur die theoretischen Physiker, gern wissen wollen, woher wir kommen", kommentierte Hawking schon 1988 den Erfolg seines Bestsellers Eine kurze Geschichte der Zeit im Magazin Spiegel. Das Buch, in dem er physikalische Theorien zur Entwicklung des Universums beschreibt, machte ihn weltberühmt. Seither betrachten viele Menschen Hawking als Genie, weil es ihm gelang, noch so komplexe Theorien über den Kosmos auch den Laien verständlich zu machen. "Ich weiß, dass es ein Medien-Hype ist. Sie brauchen eine Einstein-ähnliche Figur, die sie anrufen können", kommentierte Hawking schon früh seinen Erfolg bei den Massen, und fügte hinzu: "Wahrscheinlich hat meine Behinderung zum Verkaufserfolg des Buches beigetragen. Wenn dem so ist, finde ich das bedauerlich."

Der Archetypus eines behinderten Genies

Was Hawking so faszinierend macht, ist wohl nicht nur seine Schwäche für die großen Fragen der Menschheit und der Wunsch seiner Zeit, für sämtliche Phänomene eine naturwissenschaftlich fundierte Erklärung zu bekommen. Es scheint tatsächlich auch die Symbolik zu sein, die bei seinen Auftritten mitschwingt: Er sitzt im Rollstuhl, in seinem Körper gefangen, er kann nicht ohne Hilfe schreiben, nicht sprechen – sein Geist aber reist zu den Sternen.

"Ich bin der Archetypus eines behinderten Genies", beschrieb Hawking dieses Phänomen einmal in einem Interview mit der BBC. "Die Menschen sind fasziniert von dem Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmaßen des Universums, mit dem ich mich beschäftige."

Doch auch unter Wissenschaftlern findet seine Arbeit große Anerkennung – 30 Jahre lang hatte Hawking den berühmten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Cambridge inne. Sein berühmtester Vorgänger auf diesem Posten war einst der Brite Isaac Newton, der mit seinen Theorien zur Erdanziehung Ende des 17. Jahrhunderts eine der Grundfesten der modernen Physik schuf – die Lehre von der Mechanik.

Zu den größten Erfolgen Stephen Hawkings zählt, dass er Anfang der 1970er Jahre voraussagte, dass Schwarze Löcher – riesige, extrem massereiche Objekte im Kosmos – unter bestimmten Umständen Energie verlieren. In Anlehnung an die Arbeiten Albert Einsteins sucht Hawking zudem seit Jahren nach einer Formel, mit der sich die widerstreitenden Theorien über Relativität und Quantenphysik zusammenfügen lassen.