Stephen Hawking wird 70Der Geist, der zu den Sternen reist

Kaum jemand hat die Rätsel des Kosmos wohl besser vermittelt als Stephen Hawking. Seine Gedanken faszinieren die Menschen. Am 8. Januar wird der Astrophysiker 70. von Britta Gürke

Der schwerkranke Astrophysiker Stephen Hawking hält im Januar 2010 im kalifornischen Pasadena einen Vortrag.

Der schwerkranke Astrophysiker Stephen Hawking hält im Januar 2010 im kalifornischen Pasadena einen Vortrag.  |  © Frederick M. Brown/Getty Images

Wenn Stephen Hawking etwas sagt, dann hören ihm Menschen auf der ganzen Welt zu. Seit Jahren kann sich der schwer kranke Astrophysiker nur noch über einen Sprachcomputer mitteilen. Doch für die meisten sind seine Themen ohnehin kaum in Worte zu fassen: Gibt es einen Gott? Warum sind wir Menschen auf der Welt? Ist da noch anderes Leben in den Weiten des Universums – und wenn ja, sollten wir Kontakt aufnehmen? Was auch immer Hawking dazu meint, wird beachtet, diskutiert und scheint gar die Lebenseinstellung Tausender Menschen zu beeinflussen.

Seine Ärzte prognostizierten ihm bereits vor Jahren den Tod – Hawking leidet seit seiner Jugend an amyotropher Lateralsklerose (ALS). Die Erkrankung zerstört sein Nervensystem und zwang ihn in den Rollstuhl. Nun wird der Astrophysiker, emeritierte Professor und gefeierte Buchautor 70 Jahre alt.

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"Ich bin der Ansicht, dass wir alle, nicht nur die theoretischen Physiker, gern wissen wollen, woher wir kommen", kommentierte Hawking schon 1988 den Erfolg seines Bestsellers Eine kurze Geschichte der Zeit im Magazin Spiegel. Das Buch, in dem er physikalische Theorien zur Entwicklung des Universums beschreibt, machte ihn weltberühmt. Seither betrachten viele Menschen Hawking als Genie, weil es ihm gelang, noch so komplexe Theorien über den Kosmos auch den Laien verständlich zu machen. "Ich weiß, dass es ein Medien-Hype ist. Sie brauchen eine Einstein-ähnliche Figur, die sie anrufen können", kommentierte Hawking schon früh seinen Erfolg bei den Massen, und fügte hinzu: "Wahrscheinlich hat meine Behinderung zum Verkaufserfolg des Buches beigetragen. Wenn dem so ist, finde ich das bedauerlich."

Der Archetypus eines behinderten Genies

Was Hawking so faszinierend macht, ist wohl nicht nur seine Schwäche für die großen Fragen der Menschheit und der Wunsch seiner Zeit, für sämtliche Phänomene eine naturwissenschaftlich fundierte Erklärung zu bekommen. Es scheint tatsächlich auch die Symbolik zu sein, die bei seinen Auftritten mitschwingt: Er sitzt im Rollstuhl, in seinem Körper gefangen, er kann nicht ohne Hilfe schreiben, nicht sprechen – sein Geist aber reist zu den Sternen.

"Ich bin der Archetypus eines behinderten Genies", beschrieb Hawking dieses Phänomen einmal in einem Interview mit der BBC. "Die Menschen sind fasziniert von dem Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmaßen des Universums, mit dem ich mich beschäftige."

Doch auch unter Wissenschaftlern findet seine Arbeit große Anerkennung – 30 Jahre lang hatte Hawking den berühmten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Universität Cambridge inne. Sein berühmtester Vorgänger auf diesem Posten war einst der Brite Isaac Newton, der mit seinen Theorien zur Erdanziehung Ende des 17. Jahrhunderts eine der Grundfesten der modernen Physik schuf – die Lehre von der Mechanik.

Zu den größten Erfolgen Stephen Hawkings zählt, dass er Anfang der 1970er Jahre voraussagte, dass Schwarze Löcher – riesige, extrem massereiche Objekte im Kosmos – unter bestimmten Umständen Energie verlieren. In Anlehnung an die Arbeiten Albert Einsteins sucht Hawking zudem seit Jahren nach einer Formel, mit der sich die widerstreitenden Theorien über Relativität und Quantenphysik zusammenfügen lassen.

Leserkommentare
  1. ...tja, gut zu wissen das selbst Genies da an ihre Grenzen stoßen.
    Happy Birthday...

  2. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß Stephen Hawking recht häufige und humorige Gastauftritte bei Matt Groenings "Futurama" hat.

    http://theinfosphere.org/...

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  3. "Es gibt kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer; das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben."

    Das erinnert mich an einen Spruch, den ein Student auf einen Tisch in seiner Uni eingeritzt hatte: "Gott ist tot - Nietzsche"
    Ein anderer Student ritzte darunter: "Nietzsche ist tot - Gott"

    Bei allem Respekt vor der Leistung Hawkins: Wenn er schon die Gehirne als Computer verstehen will: Computer sind nicht kreativ. Der Schöpfungakt sehr wohl.

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    Das erinnert mich an einen Spruch, den ein Student auf einen Tisch in seiner Uni eingeritzt hatte: "Gott ist tot - Nietzsche"
    Ein anderer Student ritzte darunter: "Nietzsche ist tot - Gott"

    1.) Der Witz war schon alt, als Nietzsche noch nicht mal ganz erkaltet war. Unglaublich wie oft das "einem Freund", "einem Kommilitonen" oder "dem Bruder eines Bekannten dessen Freund einen Menschen kennt, der gehört haben soll, dass jemand das so gerüchteweise vermutet".

    2) Was soll denn an der Entwicklung der Welt kreativ sein? Ein Schöpfungsakt setzt einen kreativen Schöpfer voraus. Und auch dieser muss irgendwie entstandens ein, entweder durch einen weiteren Schöpfer oder er hat sich selbst entwickelt. Ersteres führt die Reihe der Schöpfungen ad infintum und erklärt gar nichts und Letzteres ist ein Entwicklungsprozess, den man auch ohne einen Schöpfer heranziehen kann, um die Welt zu erklären. Wozu einen Zwischenschritt machen, der ein gewisses Maß an Ignoranz benötigt?

    3) Gehirne sind auch für Hawking keine Computer, da das Gehirn wesentlich komplexer ist, als ein PC jemals sein kann. Das weiß Hawking besser als so manch anderer. Er benutzte daher ein sprachliches Bild, um seine Gedanken besser mitteilen zu können. Sapere Aude...

    • TomFynn
    • 08. Januar 2012 11:21 Uhr

    nämlich der Ausspruch von Django: Tote reden nicht.

    Nein, wir *sind* Computer, Maschinen, entstanden durch einen Milliarden Jahre lange Prozess von Versuch und Irrtum der irgendwann einmal mit Aminosäuren begonnen hat. Physikalisch ein weit vom Gleichgewicht entferntes System, welches nur durch ständige Zufuhr und die Umsetzung von chemischer Energie aufrecht erhalten werden kann.

    Und wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

    Mehr nicht.

    Aber auch nicht weniger.

    letzten Endes sind unsere Gehirne aber nichts anderes als Bio-computer. Es mag sein, dass diese Erkenntnis den einen oder anderen desillusioniert. Aber genau die sind es, die Hawking mit "Menschen, die Angst im Dunkeln haben" gemeint hat.

  4. "Mit einem Leben nach dem Tod rechne er nicht.."
    - Was heißt "Leben"? Was heißt "Tod"? Wenn man beides jenseits der (nach dem momentanen Stand der Wissenschaft definierten) Definition ansiedelt, kann man es ebenso als selbstverständlich sehen, dass es ein "Leben nach dem Tod" wohl gibt, dass alles andere unlogisch ist.
    Aber er hat diese einfache (verfälschte) Frage lediglich adequat einfach (verfälscht) beantwortet (weil sie ihn vermutlich nervt).

  5. 5. So alt

    Das erinnert mich an einen Spruch, den ein Student auf einen Tisch in seiner Uni eingeritzt hatte: "Gott ist tot - Nietzsche"
    Ein anderer Student ritzte darunter: "Nietzsche ist tot - Gott"

    1.) Der Witz war schon alt, als Nietzsche noch nicht mal ganz erkaltet war. Unglaublich wie oft das "einem Freund", "einem Kommilitonen" oder "dem Bruder eines Bekannten dessen Freund einen Menschen kennt, der gehört haben soll, dass jemand das so gerüchteweise vermutet".

    2) Was soll denn an der Entwicklung der Welt kreativ sein? Ein Schöpfungsakt setzt einen kreativen Schöpfer voraus. Und auch dieser muss irgendwie entstandens ein, entweder durch einen weiteren Schöpfer oder er hat sich selbst entwickelt. Ersteres führt die Reihe der Schöpfungen ad infintum und erklärt gar nichts und Letzteres ist ein Entwicklungsprozess, den man auch ohne einen Schöpfer heranziehen kann, um die Welt zu erklären. Wozu einen Zwischenschritt machen, der ein gewisses Maß an Ignoranz benötigt?

    3) Gehirne sind auch für Hawking keine Computer, da das Gehirn wesentlich komplexer ist, als ein PC jemals sein kann. Das weiß Hawking besser als so manch anderer. Er benutzte daher ein sprachliches Bild, um seine Gedanken besser mitteilen zu können. Sapere Aude...

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    @TardisHQ

    1 - Verstehe nicht, was dieser Punkt sagen soll.

    2 - Dieser Punkt unterstellt, dass der Kosmos einer linearen Entwicklung unterliegt. Es ist aber nur das Gehirn (zumindest das vieler Menschen), das linear denkt.
    Dabei ist das Gehirn selbst Teil des Kosmos, den es zu beschreiben versucht.
    Der Tropfen im Ozean, hat keine Möglichkeit, den Ozean zu verstehen. Trotzdem wirkt der Ozean in diesem Tropfen.

    3 - Dann ist das ein schlechtes sprechendes Bild. Nicht alles was hinkt, eignet sich als Vergleich.

    "Er benutzte daher ein sprachliches Bild, um seine Gedanken besser mitteilen zu können."

    Ein sprachliches Bild, welches falsch ist?

    Wenn das Gehirn prinzipiell nicht mit dem Computer vergleichbar ist, wie zb Roger Penrose explizit in "Computerdenken" nachwies,
    und auch Hawking das nicht glaubt, wie sie betonen,
    so hat er schlicht nicht nur ein falsches, sondern ein über die Maßen törichtes Bild gebracht.

    Da aber die Bilder zu den einer greift, seine Befindlichkeit wiedergeben, ist es wahrscheinlich, dass Hawking als letzthinniger Determinist, der er ist, tatzsächlich glaubt, der Mensch sei ein Algorithmus.

    • hmber
    • 08. Januar 2012 11:15 Uhr

    Uneingeschränkt! Aber, man muss mit seinen Theorien nicht immer einverstanden sein, um ihm eine grosse Lebensleistung zu bescheinigen. Meiner Meinung nach liegt sein überagendes Verdienst nicht in seiner wissenschaftlichen Arbeit, obwohl auch diese Grandios ist. Ich sehe dies in der Symbiose des gotterbärmlich behinderten Menschen und des nie rastenden Denkers. Ihm blieb nur das Denken. Er hat es genutzt, vollkommen! Darin bewundern wir ihn. Irgendwie ist er so wie wir uns gerne selbst sehen möchten. Nicht die Behinderung, die Kraft fasziniert uns. Er hätte alle Entschuldigungen dieser Welt anführen können. Es wäre verständlich. Er aber nahm den Kampf auf, den Kampf gegen seine Krankheit. Dafür bewundern wir ihn hauptsächlich. Damit verdient er unserer aller Respekt!

    • TomFynn
    • 08. Januar 2012 11:21 Uhr

    nämlich der Ausspruch von Django: Tote reden nicht.

    Nein, wir *sind* Computer, Maschinen, entstanden durch einen Milliarden Jahre lange Prozess von Versuch und Irrtum der irgendwann einmal mit Aminosäuren begonnen hat. Physikalisch ein weit vom Gleichgewicht entferntes System, welches nur durch ständige Zufuhr und die Umsetzung von chemischer Energie aufrecht erhalten werden kann.

    Und wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

    Mehr nicht.

    Aber auch nicht weniger.

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    Im Sinne der Aufklärung sind Menschen gerade KEINE Maschinen. Wieso nicht?

    Eine Maschine ist ein WERKZEUG, d.h. ein MITTEL zu einem bestimmten ZWECK. (Vgl. Wikipedie: Maschine(entlehnt aus frz. machine, von lat. machina, dieses von gr. μηχανή mechané "Werkzeug, künstliche Vorrichtung, Mittel") ist ein Gerät mit durch ein Antriebssystem bewegten Teilen. Maschinen werden als technische Arbeitsmittel vor allem für mechanische Einwirkung verwendet.)

    Ein Mensch ist hingegen ein ZWECK an sich selbst, der im Sinne einer aufgeklärten Moral niemals missbräuchlich als MITTEL für einen anderen Zweck angesehen werden darf.

    Das hat zumindest Immanuel Kant in seiner Rolle als geistiger Schirmherr der Aufklärung behauptet: "Die Wesen, deren Dasein zwar nicht auf unserem Willen, sondern der Natur beruht, haben dennoch, wenn sie vernunftlose Wesen sind, nur einen relativen Werth, als Mittel, und heißen daher Sachen, dagegen vernünftige Wesen Personen genannt werden, weil ihre Natur sie schon als Zwecke an sich selbst, d. i. als etwas, das nicht bloß als Mittel gebraucht werden darf, auszeichnet, mithin so fern alle Willkür einschränkt (und ein Gegenstand der Achtung ist)."

    Auf diesem Grundgedanken basiert übrigens auch die Idee einer universellen Menschenwürde. Wer von Menschen als Mittel zum zweck spricht spricht, relativiert die Vorstellung vom Menschen als Zweck an sich selbst und damit genau jene Aufklärung, in deren Namen er sich zu einem unaufgeklärten Materialismus bekennt.

  6. @TardisHQ

    1 - Verstehe nicht, was dieser Punkt sagen soll.

    2 - Dieser Punkt unterstellt, dass der Kosmos einer linearen Entwicklung unterliegt. Es ist aber nur das Gehirn (zumindest das vieler Menschen), das linear denkt.
    Dabei ist das Gehirn selbst Teil des Kosmos, den es zu beschreiben versucht.
    Der Tropfen im Ozean, hat keine Möglichkeit, den Ozean zu verstehen. Trotzdem wirkt der Ozean in diesem Tropfen.

    3 - Dann ist das ein schlechtes sprechendes Bild. Nicht alles was hinkt, eignet sich als Vergleich.

    Antwort auf "So alt"

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte Stephen Hawking | BBC | Fernsehserie | Hardware | Isaac Newton | Kosmologie
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