Das Foto eines Monitors zeigt die erste hoch-energetische Kollision, die im Rahmen des CMS-Experiments 2010 am Cern beobachtet worden ist. © Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Ein fehlerhafter Kabelanschluss hat möglicherweise die Messungen des Atomforschungszentrums Cern bei Genf mit ultraleichten Teilchen verfälscht, die vor einem halben Jahr die Relativitätstheorie von Albert Einstein infrage gestellt hatten . Wie das Cern mitteilte, sind die im September 2011 ermittelten Daten vermutlich das Ergebnis eines simplen Messfehlers. Kabelanschlüsse seien als mutmaßliche Fehlerquellen identifiziert worden.

Das Genfer Forschungslabor für Teilchenphysik hatte herausgefunden, dass sich winzige Elementarteilchen namens Neutrino möglicherweise schneller fortbewegen als Licht. Das wäre eine Revolution in der Teilchenphysik , denn ihr liegt die von Einstein 1905 veröffentlichte Spezielle Relativitätstheorie zugrunde, nach der die Lichtgeschwindigkeit die oberste Geschwindigkeitsgrenze im Universum ist. Sie wurde noch in keinem Experiment eindeutig durchbrochen.

Den damals veröffentlichten Messungen zufolge legten die Teilchen die 730 Kilometer lange Strecke zwischen dem Cern und einen unterirdischen Forschungslabor im italienischen Gran Sasso mit einer Geschwindigkeit zurück, die um 60 Nanosekunden über der des Lichtes lag. Neutrinos sind elektrisch neutrale Partikel. Sie sind so winzig, dass erst kürzlich entdeckt wurde, dass sie überhaupt über Masse verfügen.

Zwei mögliche Fehlerquellen

Das Cern nannte nun zwei mögliche Fehlerquellen: Zum einen könnte ein Kabel, das ein externes GPS-Signal an eine Kontrolluhr weitergibt, zu Fehlern bei der Geschwindigkeitsmessung geführt haben. Als andere potentielle Fehlerquelle nannte die Forschungseinrichtung einen Oszillator, der zur Synchronisierung der GPS-Signale dient.

Die Forscher des Cern versicherten, sie hätten die Messungen sechs Monate lang immer wieder überprüft, bevor sie im September veröffentlicht wurden. Zugleich riefen sie die internationale Forschergemeinde zu einer Diskussion über das Ergebnis auf. Es sei eine neue, weiterreichende Testreihe im Mai geplant, kündigte ein Sprecher des Forschungsinstituts an. "Wir wollen sehen, ob es eine leichte Diskrepanz gab."

Am Cern wird physikalische Grundlagenforschung betrieben , vor allem mithilfe großer Teilchenbeschleuniger. An dem weltweit größten Zentrum für Teilchenphysik mit rund 3.150 Mitarbeitern beteiligen sich 20 Staaten.