Lieber Alexander,

Ich wette, dass 2040 ein entscheidendes Jahr für die Zukunft des Wissens sein wird. Aber diese Wette wirst Du für mich einlösen müssen. Denn im Jahr 2040 wird die letzte Zeitung aus der letzten Druckpresse kommen – zumindest nach den heutigen Abwärtstrend-Berechnungen der amerikanischen Nachrichtenindustrie.

Ja, die letzte Druckpresse. Schon heute machen die Geräte, die wir Drucker nennen, viel mehr, als dass sie bloß Tinte auf Papier drücken. Sie nutzen Düsen, um präzise ein Material auf das andere zu schichten. Damit wird nicht nur Text produziert, sondern es werden Bausteine, Schokolade, sogar Betongebäude hergestellt – und vielleicht bald menschliche Organe.Im Jahr 2040 sind ungefähr fünf Jahrzehnte seit der Erfindung des World Wide Web durch Sir Tim Berners-Lee vergangen. Das ist ein wichtiges Datum. Die führende Gutenberg-Forscherin, Elisabeth Eisenstein, sagt, dass das Buch einst fünfzig Jahre brauchte, um eine neue Form anzunehmen und sich von seinen handschriftlichen Wurzeln zu lösen. Zunächst wurde der Buchdruck nämlich nur als "automatisches Schreiben" verstanden.

 Während ich dies schreibe, haben sich die Produkte der Druckerpresse, die Bücher, Magazine und Zeitungen, noch nicht von ihrer Vergangenheit gelöst, um die Vorteile ihres digitalen Schicksals zu nutzen – so, wie sich einst der Buchdruck von der Handschrift löste. Ich hoffe, das wird sich ändern. Vielleicht fragst Du Dich ja sogar gerade: "Was ist ein Buch?"

Wenn Du diesen Brief liest, hoffe ich, dass sich das Wissen aus der Gefangenschaft in bestimmten Medien befreit hat und neue Wege und Formen findet.