Zukunftsforschung: Warum wir das Unmögliche wagen
Alexander Geseke wurde im Februar geboren. Was wird er in 20 Jahren essen, wie in 40 Jahren leben? ZEIT ONLINE wirft in der Themenwoche Geboren 2012 den Blick nach vorn.
Drei Anrufe: "Wie werden wir in vierzig Jahren leben?"
"Das kann ich Ihnen sagen", antwortet der Stadtplaner. "Was genau wollen Sie wissen?"
"Einige Ideen haben wir da schon", sagt der Bildungsforscher. "Obwohl es ja immer schwierig ist, in die Zukunft zu schauen."
"Wie soll ich das wissen? Ich weiß ja noch nicht einmal, was in drei Monaten sein wird", stöhnt der Politiker.
- Geboren 2012 - Die Themenwoche
Wenig fasziniert Menschen so sehr wie die Zukunft. Wie werden wir morgen leben? Wie werden sich unsere Umwelt und unsere Gesellschaft verändern? ZEIT ONLINE wagt den Blick voraus. In zehn Folgen einer Themenwoche fragen wir: Was für ein Leben wird ein Mensch haben, wenn er 2012 geboren wird? Wie wird er lernen, essen, kommunizieren, arbeiten, wie wohnen, lieben, krank werden, regiert werden? Wie wird es schließlich sein, wenn er selbst Kinder bekommt?
Die Antworten, die diese Serie gibt, sind keine allgemeinen. Denn Alexander Geseke, der Held der einzelnen Geschichten, wurde tatsächlich am 3. Februar in Hamburg geboren. Ein echter Mensch also, am Anfang seines Lebens. Geboren 2012 erzählt, was Alexander in seinem Leben begegnen könnte. Allerdings: Alexander ist nicht der richtige Name der Hauptperson. Auch die Namen seiner Eltern wurden geändert, Bilder und Videos der Familie sind nicht mit ihren wirklichen Namen verbunden.- Die Folgen der Serie
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Bisher erschienen:
Zukunftsforschung: Warum wir das Unmögliche wagen
Geboren 2012: Alexanders Zukunft beginnt mit 3.690 Gramm
Lernen 2022: Hausaufgaben sind archaischer Unsinn
Politik 2030: Scheitert die Energiewende an einer Eiche?
Essen 2032: Da sagt der Kühlschrank etwas anderes
Kommunizieren 2037: Ein Holo für den Hemdenschneider
Arbeiten 2042: Gleitzeit für immer
Wohnen 2047: Tomaten aus dem Parkhaus
Lieben 2048: Und ewig lockt das Netzwerk
Im Krankenhaus 2050: Alexander wird durchsichtig
Eltern werden 2052: Was ist ein Baby?
Demografie-Rechner: Wo stehen Sie im Gruppenbild unserer Gesellschaft?
- ALS E-BOOK
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Alle Artikel und Videos der beliebten Serie "Geboren 2012" stehen Ihnen gebündelt in einem E-Book im EPUB- und mobi-Format zur Verfügung.
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Die Zukunft ist eine schwierige Angelegenheit. Je weiter wir vorausschauen, desto leichter verlieren wir uns in mehr oder weniger begründbaren Wahrscheinlichkeiten. Sie speisen sich aus den großen Trends unserer Zeit: Klima- und demografischer Wandel, Energiekrise, Globalisierung und Kapitalismuskritik. Was davon wird Wirklichkeit, was wird sich als Trugbild erweisen? "Nichts", schrieb Elisabeth von Thadden in der ZEIT, "scheint gegenwärtig gewisser zu sein als eine umfassende Ungewissheit, was werden soll."
Sollten wir uns also lieber gar nicht mit dem Kommenden beschäftigen, wo die Gegenwart schon Mühen genug zu bieten hat? Ganz und gar nicht. Denn die Zukunft ist weit mehr als trüber Nebel am Morgen. Sie ist der Hort unserer Hoffnungen.
Seit die westliche Zivilisation ihre Fortschrittsidee entwickelte, ist das Morgen zum Ziel alles Heutigen geworden. Zugleich betrachtet, wer auf das Zukünftige blickt, immer das Gestern und Heute, sein Entstehen, seine Chancen, auch seine Gefahren und Missverständnisse. Denn wenn wir eine Welt beschreiben, die es noch nicht gibt, können wir sie uns nicht anders vorstellen als in der Kategorie dessen, was schon ist.
Zukunft als Mode
Ein Beispiel: In den gesellschaftsutopischen Entwürfen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden, von Aldous Huxleys Schöne neue Welt bis zu George Orwells 1984, schloss sich die Zukunft unmittelbar an die autoritär geprägten politischen Erfahrungen der damaligen Gegenwart an. Technischer und politischer Fortschritt, so schien es, mussten sich totalitär verbinden, Technik würde zwangsläufig zum Mittel der Repression werden.

Karsten Polke-Majewski ist stellvertretender Chefredakteur von ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.
Unsere heutige Erfahrung lehrt dagegen, dass das so sein kann, wenn beispielsweise im Iran oder in China gewaltige Überwachungsapparate aufgebaut werden. Gleichzeitig wissen wir aber, dass die modernen Kommunikationstechniken demokratische Umbrüche, sogar Revolutionen beflügeln können, wie wir sie im arabischen Frühling erlebten. Huxleys und Orwells Entwürfe bleiben also mögliche Szenarien – unter anderen.
Richtig in Mode kam die Zukunft in den fünfziger und sechziger Jahren. Forscher unterschiedlichster Disziplinen prognostizierten damals mit größter Gewissheit, was die kommenden Jahre bringen würden. Viele ihrer Ideen erscheinen uns heute naiv: fliegende Autos, atomar betriebene Meerwasserentsalzungsanlagen, perfekte Übersetzungsroboter, die menschliche Besiedelung des Mars. Wunderbarer Unsinn, der die Phantasie anregt, aber eben auch belegt, was alle schon wussten: Der Haken an der Zukunft bleibt, dass wir sie nicht kennen.







Ein an sich interessanter Artikel mit einem kleinen Denkfehler: wenn Zukunftsforscher sich mit der Frage beschäftigen, was ist möglich mit welcher Wahrscheinlichkeit, dann sind die wenigen, die mit ihrer Prognose nachwievor richtig liegen der Club of Rome.
"...Club of Rome: Die Überbevölkerung bedrohe die Erde, fossile Energieträger gingen zu Ende, die Umwelt werde unwiederbringlich zerstört, das Ende des Wachstums werde innerhalb von hundert Jahren erreicht sein, der Planet steuere auf einen Kollaps zu..."
Klimawandel und Demografie sind Folge dieser Probleme, nicht eigenständige Probleme, die Probleme mit der Demografie in Deutschland, Japan oder China sind sogar Teil der Lösungen für die damals angesprochenen Probleme.
Zukunft denken heute heisst also heute wieder auch die Folgen der Lösungsmöglichkeiten zu akzeptieren und mit ihnen leben zu lernen.
sollten sie die Vergangenheit und Gegenwart richtig stellen.
1. Brave New World fragt vorallem nach den neuen Göttern unserer Gesellschaft: Effizienz und Stabilität, oder besser passend zu ihrem Artikel, die Berechenbarkeit zukünftiger Ereignisse. Die politische Macht ist zentral und deshalb totalitär, eine folge aus Effizienz und Stabilität. Tendenzen, die auch heute gültig sind, vielleicht sogar noch eher als damals und das die Welt nicht dezentraler wird, gerade wegen globaler Herausforderungen, sollte auch jedem klar werden. Wie lange wird es denn noch ein Europa aus Nationalstaaten geben?
2. wenn sie die Aufrüstung von Überwachungsapparaten in China erwähnen, sollten sie dies auch in einem Atemzug mit westlichen Ländern wie USA (fast dreistellige zahl an Geheimdiensten, Fingerabdrucknahme bei einreise) tun. Auch wenn die Anwendung noch unterschiedlich ist, die Voraussetzungen sind auch im Westen erfüllt.
3. Es ist ein Mythos, dass facebook den arabischen Frühling ausgelöst hat, es war Hunger und facebook nur ein mittel, nicht Urasache
Vorhersagen sind bekanntlich immer unsicher; was die Zukunft betrifft, muss man wohl unterscheiden. Es gibt Teile der Zukunft, die schon heute angelegt sind und sich mit großer Wahrscheinlichkeit verwirklichen werden. Dass die Erde sich noch morgen drehen wird oder dass ich am Ende des Monats kein Geld mehr auf dem Konto habe, ist sehr wahrscheinlich. Andere Teile sind nicht oder weniger festgelegt und schon aus diesem Grund nicht vom heutigen Tag aus vorhersehbar - denn das würde ja voraussetzen, dass sie zwangsläufig gerade so eintreten müssten. Dazu gehört u.a. fast der gesamte Bereich der technischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder persönlichen Entwicklung. Dass wir in weniger als 30 Tagen einen neuen Bundespräsidenten haben, ist ziemlich wahrscheinlich, dass der nächste Kanzler Merkel heisst, schon weniger (möglich ist natürlich alles) und wer in dreißig Jahren Kanzler sein könnte - wenn es das Amt noch gibt - weiss keiner. Der Bereich dessen, was völlig ungewiss scheint, ist eigentlich der interessantere, denn das ist der Bereich, den wir mutmasslich am ehesten gestalten und beeinflussen können. Die Ungewissheit sollte uns daher keine Angst machen, sondern beflügeln und die Hoffnung stützen, dass wir hier alles erreichen könnten.
Wenn Alex 20 ist, wird es Technologien geben, die wir uns heute nicht vorstellen können. Vor 40 Jahren, war es unvorstellbar für den normalen Menschen, dass ein Netzwerk von Computern uns bis in den Kühlschrank verfolgen wird.
Computer werden nicht mehr in der Ecke stehen und laut vor sich hin surren. Es werden viele kleine Computer die Arbeit machen, die heutzutage noch ein einzges Gerät im Wohnzimmer macht. Die Tendenz ist jetzt schon da. Zeitungen werden als Folien gekauft, diese Folien werden sich, je nach Abo, die neusten Nachrichten aus der "Cloud" ziehen.
Wir werden eine glasklar durchleuchtete Gesellschaft sein, die von der Industrie begleitet und geleitet wird. Personalisierte Werbung mit Hilfe von neuen Ausweisen, RFID wird dann Geschichte sein, werden die Menschen in jedem Schaufenster sehen.
Wenn Alex mit 40 seinen Job verliert, wird er seinen DNA-Ausweis einfach dem Jobvermittler übergeben, der dann die nächsten Schritte einleuten wird.
Wir werden über Maschienen mit den eigenen Freunden kommunizieren und wir werden mit Maschienen reden müssen, wie mit eigenen Freunden.
Es werden kleine Fliegende Robotter durch die Städte fliegen, die von der Polizei für Recht und Ordnung sorgen. Zu unser eigenen Sicherheit.
Damit unser Experiment funktioniert, ist noch eine wichtige Grundannahme nötig: Wir entwerfen keine Zukunft, die auf völlig unerwarteten Ereignissen basiert. Es werden also keine sogenannten Schwarze Schwäne vorkommen, [...]
Schade. Gerade die finde ich sehr spannend. Der Unfall in Fukushima war einer dieser schwarzen Schwäne. Nicht schön, aber notwendig. Ohne grandioses Scheitern entwickelt sich der Mensch nicht weiter. Ich fände es höchst unzufriedenstellend, wenn wir ungefähr dort stehen bleiben würden, wo wir jetzt sind. Wahrscheinlicher ist das die Menschen in den nächsten 20-30 Jahren noch sehr gravierende Umbrüche zu erwarten haben. Wenn ich auf die Veränderungen in den letzten 20 Jahren zurückblicke, dann wird mir schwindelig, wenn ich versuche mir vorzustellen, was in den nächsten 20 Jahren noch alles kommt. Bei exponentiellem Wachstum tut sich der Mensch mit seiner Vorstellungskraft sehr schwer. Nicht alles wächst exponentiell, aber vieles beginnt mit exponentiellem Wachstum und es ist schwer abschätzbar, wann das Ende erreicht ist. Ende der 1990er Jahre beispielsweise sagte jemand bei Intel, dass Prozessoren mit mehr als 2 GHz Taktfrequenz physikalisch nicht machbar sind. Mittlerweile gibt es Prozessoren, die ohne spezielle Kühlmaßnahmen im Regelbetrieb bis zu 4 GHz erreichen. Das Beispiel zeigt, dass die Zukunft stets ungewiss bleibt, insbesondere auch dann (oder vielleicht gerade deswegen), wenn sie mit Hilfe bestehender Kenntnisse prognostiziert wurde.
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