Super-ErdeNeuer Planet ist bester Kandidat für außerirdisches Leben

Astronomen haben einen noch namenlosen Himmelskörper entdeckt, der unserer Erde ähneln könnte. Der Planet bietet die bislang besten Bedingungen für weiteres Leben im All.

Eine Animation zeigt den namenlosen Planeten, der um den rötlichen Stern rechts außen kreist.

Eine Animation zeigt den namenlosen Planeten, der um den rötlichen Stern rechts außen kreist.

Einen Himmelskörper wie eben jenen, der den Zwergstern GJ 667C umkreist, nennen Astronomen umgangssprachlich auch Super-Erde. Seine Masse entspricht 4,5-mal der Masse der Erde. Das allein macht ihn nicht unbedingt hochinteressant für Wissenschaftler. Wohl aber die Tatsache, dass der Planet ohne Namen in einer Entfernung Runden um seinen Stern zieht, die flüssiges Wasser auf ihm ermöglicht.

"Natürlich kann man nicht sagen, ob es dort Leben gibt. Aber im Moment ist er unser bester Kandidat dafür", sagt der Hauptautor Guillem Anglada-Escudé von der Carnegie-Institution in Washington, der inzwischen an der Universität Göttingen arbeitet. Nach den Berechnungen seiner Entdecker könnte es auf dem Himmelskörper nämlich zwischen null und hundert Grad Celsius warm sein, wie sie im Magazin The Astrophysical Journal Letters schreiben.

Anzeige

Zwar umrundet der Planet seinen Stern in nur 28 Tagen, ist ihm also viel näher als die Erde der Sonne. Doch da GJ 667C kleiner ist und weniger energiereich, könnte der Planet ähnlich viel Wärme abbekommen wie die Erde. Einiges an ihrem neu aufgespürten Planeten wunderte die Forscher allerdings. Er scheint tatsächlich aus Gestein zu sein, und das, obwohl sein Zentralgestirn kaum höhere Elemente als Bausteine bietet. Unsere Sonne enthält etwa viel mehr Eisen und Kohlenstoff, als GJ 667C. "Dieser Stern wurde als ziemlich unwahrscheinliche Heimat für Planeten angesehen", erläutert Koautor Steven Vogt von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz.

Wenn sich sogar in solch einer Umgebung ein solider Planet bilden könne, gebe es wohl noch viel mehr Planeten als bisher gedacht, die potenziell Raum für Leben bieten. Denn M-Klasse-Zwerge wie GJ 667C gehören zu den häufigsten Sternen in der Milchstraße. "Die Entdeckung dieses Planeten, so nah und so früh, legt nahe, dass es in unserer Galaxie nur so wimmelt von Milliarden potenziell bewohnbaren Gesteinsplaneten."

Wie Vogt liebt auch sein Kollege Anglada-Escudé die Jagd nach erdähnlichen Himmelskörpern: "Das Spannendste auf der Suche nach bewohnbaren Planeten ist: Sie zeigen uns, wie einzigartig wir wirklich sind." Und wir – oder unser Sonnensystem – scheinen weniger einzigartig zu sein, als lange Zeit angenommen wurde. Anglada-Escudé ist grundsätzlich optimistisch, dass es Leben außerhalb der Erde gibt, wenn nicht auf seiner Neuentdeckung, dann anderswo: "Wenn man die Erde anschaut, sieht man, dass es unter extremen Bedingungen Leben gibt. Es sieht so aus, als würde dort, wo es möglich ist, auch Leben entstehen."

Berechnung der Masse

Um die Masse der fernen Himmelskörper zu bestimmen, nutzen die Astronomen die "Radialgeschwindigkeitsmethode". Kreist ein Exoplanet um seinen Mutterstern, dann hat das Tandem einen Rotationspunkt, der nicht mit dem Mittelpunkt des Sterns identisch ist.

Deshalb scheint der Stern für einen Beobachter auf der Erde zu taumeln. Kommt er uns näher, werden die von ihm ausgesendeten Lichtwellen gestaucht, entfernt er sich, werden sie gestreckt. Diese Veränderungen können gemessen und daraus die Masse des Exoplaneten berechnet werden.

Das funktioniert aber nur für Himmelskörper, die größer als unsere Erde sind.

Größe und Dichte

Die Größe der fernen Objekte wird mithilfe der "Transitmethode" ermittelt. Sie basiert auf der minimalen Verdunklung, die eintritt, wenn sich Exoplaneten zwischen ihren Mutterstern und einen Beobachter schieben. Letztere sind oft Weltraumteleskope wie Corot oder Kepler. Während Corot maximal ein halbes Jahr in die gleiche Richtung schaut und dabei eher Planeten mit kurzen Umlaufzeiten aufspürt, blickt Kepler bis zu vier Jahre in ein und dieselbe Himmelsregion und findet so auch Planeten mit längeren Umlaufzeiten.

Aber auch dieses Verfahren hat seine Grenzen. Ein Planet wie Jupiter würde das Licht eines sonnengroßen Sterns um nur ein Prozent verdunkeln. Der Effekt eines erdgroßen Planeten wäre noch hundertmal kleiner.

Aus der Masse und der Größe der Exoplaneten kann die Dichte berechnet werden. Die wiederum gibt Hinweise darauf, ob der ferne Himmelskörper aus Gas, Eis oder Fels besteht. (nes)

Der neu entdeckte Planet ist 22 Lichtjahre von der Erde entfernt – und wahrscheinlich nicht allein. Nach Analysen der Forscher gibt es noch mindestens einen weiteren, der den Stern GJ 667C umrundet: in nur 7,2 Tagen. Das heißt, dass dieser zu heiß wäre für Leben. Möglicherweise besitzt der Stern sogar noch eine weitere Super-Erde sowie einen großen Gasplaneten, die ihn in größerem Abstand umkreisen. Letztlich gehört GJ 667C sogar einem System aus insgesamt drei Sternen an. Entdecken können Forscher die Planeten des Gestirns dank eines Tricks. So taumelt ein Zwergstern regelmäßig hin und her, wenn die Schwerkraft seiner ihn begleitenden Planeten an ihm zerrt.

Der Astronom Anglada-Escudé hofft nun, künftig einen Planeten zu finden, der an seinem Stern so vorbeizieht, dass er ihn teilweise verdeckt. Aus der Messung des Lichtes könnte dann die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre ermittelt werden – dann wüsste man viel genauer, wie wahrscheinlich Leben dort wäre.

 
Leserkommentare
  1. Für Interessierte und auch etwas weniger populistisch:

    http://www.scienceblogs.d...

    Einer der bekanntesten Blogs bei scienceblogs von dem Astronomen Florian Freistetter

  2. vor der menschlichen Rasse beschützen, die sich in ihrer Hybis auch noch evoloutionäres Wunder nennt...

    Jeder Planet hat besseres verdient als durch menschliche Wesen (und ich betone das explizit) intelligent zu Grunde gerichtet zu werden...

  3. Mir ist kein seriöser Wert der Wahrscheinlichkeit außerirdischen Lebens bekannt. Ich tippe, es ist ein sagenhaft geringer. Ich denke, zumal was intelligente Aliens angeht, dass sich alles auch ohne diese Filmhelden gut erklären und verstehen lässt. Es sind keine Außerirdischen, sondern äußerste Irdische, die sich im übrigen Weltall umtun, und zwar zusehends forcierter. Was wir ständig beobachten können, ist der unsere Erde in den Himmel wachsen lassende wissenschaftlich-technische Fortschritt: unsere Terrarisierung des Universums. Die Suche und das Finden von immer erdähnlicheren Exoplaneten spielt sich voll in diesen Kontext ab.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Korrekturen: "äußerst Irdische", "in diesem Kontext"

    Korrekturen: "äußerst Irdische", "in diesem Kontext"

  4. Korrekturen: "äußerst Irdische", "in diesem Kontext"

    Antwort auf "Die Erde wächst"
  5. Haben die Göttinger kein Google?
    Der erdähnliche Planet, der Gliese 667c umkreist, wurde bereits vor 2 Jahren entdeckt:
    http://julius-hensel.com/...

    Was ist an der Wiederentdeckung durch die Göttinger so spannend?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service