Gesponserte ForschungStreit um Kooperation der TU Berlin mit BASF

Der Asta der TU Berlin will Klarheit über die Zusammenarbeit der Uni mit dem Chemiekonzern BASF. Die Uni-Leitung weist den Vorwurf der Geheimniskrämerei zurück. von Amory Burchard und Anja Kühne

Studierendenvertreter der TU Berlin kritisieren eine Kooperation der Universität mit dem Chemieunternehmen BASF. Lehre und Forschung drohten "vom Bedarf privater Unternehmen" abhängig zu werden, erklärt der Asta. Die Geheimhaltung von vertraglich vereinbarten Details erzeuge zusätzliches Misstrauen.

Laut TU will das TU-Exzellenzcluster UniCat mit BASF ein 900 Quadratmeter großes Gemeinschaftslabor gründen. Dort sollten katalytische Prozesse für den Rohstoffwandel erprobt werden. Gesucht werde nach Alternativen zum Erdöl bei der Herstellung von Kunststoffen. BASF werde 6,4 Millionen Euro im Laufe der ersten fünf Jahren investieren, das Gesamtvolumen betrage 13 Millionen Euro.

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Die Kritik des Astas wies TU-Präsident Jörg Steinbach am gestrigen Donnerstag zurück. Alle grundlegenden Aspekte der Kooperation seien im Akademischen Senat und im Kuratorium beschrieben worden. "Von Geheimniskrämerei kann daher keine Rede sein", heißt es in einer Mitteilung. Der Vertrag enthalte neben finanziellen Zusagen "allgemein übliche und ausgewogene Regelungen zu Vertraulichkeit, Veröffentlichungen und Rechten an Arbeitsergebnissen, Haftungsbeschränkungen sowie die bei Verträgen der TU Berlin mit Unternehmen zwingende Zivilklausel". Privatrechtliche Verträge seien nicht dazu bestimmt, "einer breiten Öffentlichkeit unkontrolliert zugänglich gemacht zu werden".

Im Sommer wolle das Präsidium mit dem Akademischen Senat diskutieren, welche Richtlinien für Kooperationen mit Unternehmen gelten müssten.

Zuletzt gab es in Berlin Diskussionen um ein ehemals von der Deutschen Bank gesponsertes Institut mit zwei Stiftungsprofessuren an der TU und der HU Berlin. Kritisiert wurden hier Vertragsbedingungen, nach denen sich die Bank unter anderem vorbehielt, Forschungsergebnisse vor der Weitergabe an Dritte einzusehen. Die Unis erklärten im Mai 2011, die Bank habe von ihren Mitspracherechten nie Gebrauch gemacht und die Kooperation sei ohnedies bereits beendet.

An der Kölner Universität wird über die Offenlegung eines Kooperationsvertrags mit dem Pharmaunternehmen Bayer gestritten . Auch dort befürchten Kritiker, Bayer könne über die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen entscheiden. Sie haben beim Verwaltungsgericht geklagt.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Kein Unternehmen investiert 13 Millionen in die Forschung ohne Aussicht auf Return on Investment. Die für das Produkt relevanten Forschungsergebnisse können nicht veröffentlicht werden. Wieso durch ein Forschungsprojekt mit der Industrie die Lehre vom Bedarf privater Unternehmen abhängig werden soll, ist überhaupt nicht schlüssig.
    Das gerade die Spitzenforschung stark abhängig von der Industrie ist, ist natürlich richtig. Ist das denn in irgendeinem Staat der Welt anders? Könnte daran liegen das die Ressourcen jedes Staates begrenzt sind. Aha. Ich geh mal davon aus das die Studenten wollen das Deutschland ein Hochtechnologieland bleibt - sonst sieht es schlecht aus mit dem späteren Job.

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    Wer sagt, dass die Studierenden wollen, dass Deutschland ein Hochtechnologieland bleibt? Ist das Hauptziel der Studierenden die Jobaussicht?
    Wieso kann die Forschung, wenn sie denn gesellschaftlich relavant ist, nicht aus öffentlicher Hand finanziert werden? Warum können die Forschungsergebnisse nicht veröffentlicht werden, wenn es doch Spitzenforschung ist, die doch die Gesellschaft voran bringen sollte?
    Warum bringen sie keine Argumente außer nichtssagende Vergleiche mit anderen Staaten?
    Kann es sein, dass ihre Ausbildung/Studium sie nicht zu kritischem Denken befähigt hat? Und kann es sein, dass genau diese Tendenz der Kern der Kritik des AStA der TU ist?

    Fragen über Fragen...

    1. Sieht es für heutige Studenten nicht schlecht mit einem Job aus in Zukunft, sondern entweder schlecht mit einem Praktikum bzw. mehreren Praktika oder schlecht mit einem Billigjob an der Uni und/oder im Unternehmen. Das gilt inzwischen auch für Ingenieure und den Gral namens MINT.
    2. Sind private Investitionen in eine Uni bzw. in die Forschung eben der Öffentlichkeit auch nicht vorzuenthalten, da es eine öffentliche Institution ist. Wenn man privat Forschungsergebnisse haben will, dann investiert man woanders (was natürlich bissi was mehr kostet). Die lumpigen 13 Mil Investitionen sind ein Fliegenpups im Vergleich zu dem, was die öffentliche Hand über Jahrzehnte in die Uni gesteckt hat, was die Voraussetzung dafür geschaffen hat, dass ein Privatinvestor da was investieren kann.
    3. Wenn Sie nicht verstehen, wieso die Bezahlung eines Lehrstuhls aus privaten Mitteln zu anderen Effekten führt wie die Bezahlung aus öffentlichen Mitteln, frage ich mich, warum Sie hier überhaupt mitdiskutieren. Das ist Grundlagenwissen "Korruption und Abhängigkeit", das man ddefinitiv haben sollte, wenn man über unser Bildungs- und insbesondere Forschungswesen reden will.

  2. 2. [...]

    für einen irreparablen schaden anrichten....ich kenne die chmie an der TU zufällig aus erster Hand. Die Uni ist besonders in der Chemie (aufgrund des UNICAT Clusters) sehr gut besetzt (mit Forschern), woran es jedoch krankt ist natürlich das geld, da berlin chronisch pleite ist...mit der BASF hätte man endlich einen hochkarätigen partner, welcher noch die ein oder andere million reinbuttert...außerdem kommt eine enge kooperation ebenfalls den studenten zugute, denn es ist nunmal nicht von nachteil wenn der weltgrößte chemie konzern sich an einem labor an der eignene uni beteiligt...man man man echt die ganzen ASTA chaoten müssen endlich mal in die schranken gewiesen werden, denn sie richten rießen großen schaden an...was kommt als nächstes? ein menschenrecht auf das bestehen eines akademischen studiums? unglaublich

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

  3. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und verfassen sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

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    Entfernt. Kritik nehmen wir gerne entgegen. Dennoch bitten wir Sie, diese an community@zeit.de zu richten. Danke. Die Redaktion/vn

  4. 4. [...]

    Entfernt. Kritik nehmen wir gerne entgegen. Dennoch bitten wir Sie, diese an community@zeit.de zu richten. Danke. Die Redaktion/vn

    Antwort auf "[...]"
  5. Wer sagt, dass die Studierenden wollen, dass Deutschland ein Hochtechnologieland bleibt? Ist das Hauptziel der Studierenden die Jobaussicht?
    Wieso kann die Forschung, wenn sie denn gesellschaftlich relavant ist, nicht aus öffentlicher Hand finanziert werden? Warum können die Forschungsergebnisse nicht veröffentlicht werden, wenn es doch Spitzenforschung ist, die doch die Gesellschaft voran bringen sollte?
    Warum bringen sie keine Argumente außer nichtssagende Vergleiche mit anderen Staaten?
    Kann es sein, dass ihre Ausbildung/Studium sie nicht zu kritischem Denken befähigt hat? Und kann es sein, dass genau diese Tendenz der Kern der Kritik des AStA der TU ist?

    Fragen über Fragen...

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    • Falcom
    • 04. Februar 2012 13:23 Uhr

    Lehre und Forschung drohten "vom Bedarf privater Unternehmen" abhängig zu werden, erklärt der Asta.

    Dem halte ich entgegen: »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«.

    Besser so als gar keine Musik.

  6. diese Meldung passt doch Vorzüglich in das Bild,
    das ZAPP in der Sendung (01.02.12) zum Bildungministerium aufgezeigt hat.(diplomatisch)

    http://tinyurl.com/7qzov3v

    das ist Sehenswert, so Ungeheuerlich! - Sehenswert, besoners die zusätzlichen Interwiev´s
    und zum ungezählten mal: "was ist los in diesem Land?"
    (wie kann derart dritt klassiges, entscheiden?)

    Wie?
    Privatwirtschaft investiert in die Forschung an UNI´s,
    das ist doch Lobbyismus,
    Universitäten müssten nur über die "öffentliche Hand" finanziert werden, es kann doch nicht sein, das eine kleine Minderheit aus dieser vorgegebenen Schiene des Bildungsministerium ausbricht
    und womöglich auf Vorzügliche Forschungsvorraussetzungen zugreifen könnte, um ein Studium zu absolvieren,
    das dem Namen auch gerecht wird? - also das geht nicht.

    bringt diesen ganzen 'Plan' (JahresPlan) des Bildungsministerium Durcheinander!
    und wo bleibt die gleichheit?

    Bildungsministerium?
    Ministerium Arbeit & Soziales?
    Gesundheitsministerium?
    drei der wichtigsten 'Regulatoren',
    einer Gesellschaft 'STAMM' der (Bewust) ausgehöhlt, die wenigen Äste nicht mehr tragen kann,
    von Blüten und blühen, gar nicht erst zu reden!

    • Falcom
    • 04. Februar 2012 13:23 Uhr

    Lehre und Forschung drohten "vom Bedarf privater Unternehmen" abhängig zu werden, erklärt der Asta.

    Dem halte ich entgegen: »Wes Brot ich ess, des Lied ich sing«.

    Besser so als gar keine Musik.

  7. 1. Sieht es für heutige Studenten nicht schlecht mit einem Job aus in Zukunft, sondern entweder schlecht mit einem Praktikum bzw. mehreren Praktika oder schlecht mit einem Billigjob an der Uni und/oder im Unternehmen. Das gilt inzwischen auch für Ingenieure und den Gral namens MINT.
    2. Sind private Investitionen in eine Uni bzw. in die Forschung eben der Öffentlichkeit auch nicht vorzuenthalten, da es eine öffentliche Institution ist. Wenn man privat Forschungsergebnisse haben will, dann investiert man woanders (was natürlich bissi was mehr kostet). Die lumpigen 13 Mil Investitionen sind ein Fliegenpups im Vergleich zu dem, was die öffentliche Hand über Jahrzehnte in die Uni gesteckt hat, was die Voraussetzung dafür geschaffen hat, dass ein Privatinvestor da was investieren kann.
    3. Wenn Sie nicht verstehen, wieso die Bezahlung eines Lehrstuhls aus privaten Mitteln zu anderen Effekten führt wie die Bezahlung aus öffentlichen Mitteln, frage ich mich, warum Sie hier überhaupt mitdiskutieren. Das ist Grundlagenwissen "Korruption und Abhängigkeit", das man ddefinitiv haben sollte, wenn man über unser Bildungs- und insbesondere Forschungswesen reden will.

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    zeigen sie mir mal bitte die chemieker welche von einem praktikum ins nächste geschoben werden!? fakt ist, dass mehr als 90% der chemieker ihr studium mit der promotion abschließen! warum soll ich mit meinem steuergeld die TU ständig subventionieren, wenn es private geldgber gibt....außerdem ist der akademische betrieb kein wunschkonzert, sprich eine verzahnung zwischen wissenschaft und wirtschaft ist an deutschen unis (am besten nach amerikanischen vorbild) zwingenst notwendig! nur so kann man endlich klasse statt masse produzieren! fakt ist, dass der ASTA der TU Berlin einen katastrophalen job macht, denn er verbaut leistungswilligen studenten große chancen...man muss bedenken, dass die TU Berlin nur mit der finanziellen Unterstützung der Deutschen Bank in der Lage war die Qualität der Instituts für Mathematik auf Exellence niveau anzuheben....Die Möglichkeiten, welche sich durch eine Kooperation mit der BASF ergeben würden, wären ähnlich wenn nicht sogar um ein vielfaches Größer....problematisch ist, dass diese ganzen linken studentenvertrettungen welche im falle der TU berlin ihre legitimation aus einer wahl mit einer wahlbeteiligung von ca 40% ziehen, lieber klassenkampf betreiben anstatt etwas vernünftiges zu machen!

    Bitte äußern Sie Kritik respektvoll. Danke, die Redaktion/mk

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  • Schlagworte Erdöl | Euro | Forschung | Kunststoff | Tagesspiegel | Unternehmen
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