Private RaumfahrtpläneAuf Asteroiden nach Platin schürfen

Google-Chef Larry Page und Titanic-Regisseur James Cameron unterstützen wahnwitzige Pläne, um Asteroiden zu plündern. Die Brocken im All beherbergen wertvolle Rohstoffe. von Thomas Jahn

Ehe die Ausbeutung der Asteroiden starten kann, sollen Raumsonden Daten über die Brocken im All sammeln.

Ehe die Ausbeutung der Asteroiden starten kann, sollen Raumsonden Daten über die Brocken im All sammeln.  |  © Planetary Resources

Der Grund für die Ortswahl ist offensichtlich: In einer Halle des Museum of Lights in Seattle steht eine Caproni Ca 20, das erste einflügelige Kampfflugzeug, in der nächsten die erste jemals geflogene Boeing 747. In dem Luftfahrtmuseum verkündet am Dienstagabend das Unternehmen Planetary Resources eine weitere Pioniertat: Die Firma will Rohstoffe wie Gold oder Platin von Asteroiden abbauen.

Die Idee hört sich verrückt an, aber die Pläne von Planetary Resources sind weniger überdreht, als man denkt. Hinter dem zwei Jahre alten Unternehmen stecken Peter Diamandis und Eric Anderson. Beide kennen sich in der Weltraumfahrt aus. Anderson gründete Space Adventures, das zahlreiche Millionäre für zehn Tage zur internationalen Weltraumstation beförderte.

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Diamandis erdachte 1996 den berühmten X-Prize: Wer zuerst einen privaten und bemannten suborbitalen Raumflug schafft, erhält zehn Millionen Dollar. Das Ziel erreichte das Space Ship One 2004. "Ganz ehrlich – ich glaube nicht, dass es eine verrückte Idee ist", schreibt Phil Plait, ein früherer Astronom, der das Hubble-Teleskop mitentwickelte, in seinem sonst sehr skeptischen Blog "Bad Astronomy". 

Ein Billionen-Dollar-Geschäft?

Auch die Geldgeber von Planetary Resources sind keineswegs grün hinter den Ohren. Neben Google-Gründer Larry Page und Chairman Eric Schmid finanziert Charles Simonyi das Unternehmen, der frühere Chefsoftwarearchitekt von Microsoft . Mit Ross Perot Jr. steht ein weiterer Milliardär hinter Planetary Resources. Und Titanic-Regisseur James Cameron zählt zu den Beratern. Kein Wunder, denn Asteroiden sind fliegende Geldbörsen.

Himmelskörper: Asteroid

Asteroiden sind kleine Gesteinsobjekte, die sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne bewegen. Ihr Name – astēr ("Stern") mit der Endung eides ("ähnlich") –  umschreibt, dass sie wie Sterne erscheinen, weil sie so klein wirken.

Zusammen mit den Meteoroiden und Kometen zählen die Asteroiden zu den Kleinkörpern des Sonnensystems. Kleinkörper umkreisen die Sonne, besitzen aber keine Kugelgestalt. Ihre Masse und Gravitation ist zu gering, um diese Form zu bilden.

Der Großteil der Asteroiden unseres Sonnensystems befindet sich im sogenannten Asteroidengürtel, einer Ansammlung von Asteroiden und Zwergplaneten zwischen den Planetenbahnen von Mars und Jupiter.

Meteoroid

Kleinkörper, die ein paar Millimeter bis hin zu mehreren Metern groß sind, werden als Meteoroiden bezeichnet. 

Sie sind zwar kleiner als Asteroiden, aber eine klare Unterscheidung – etwa über die chemische Zusammensetzung oder die Größe – gibt es nicht.

Sie können auf unterschiedlichen Wegen entstehen: Entweder löst sie die Gravitation von Planeten aus einem Asteroidengürtel oder der Sonnenwind schlägt sie aus Kometenkernen heraus. Außerdem können Meteoroiden durch den Zusammenprall von zwei Asteroiden beziehungsweise durch den Aufprall eines Asteroiden auf einem Planeten entstehen.

Meteor

Sobald sie in die Erdatmosphäre eindringen, nennt man Meteoroide Meteore oder im Volksmund Sternschnuppen.

Generell umfasst der Begriff alle Leucht- und Wettererscheinungen in der Erdatmosphäre. Die Meteorkunde befasst sich mit Meteoren; nicht zu verwechseln mit Meteorologie, die sich der Beobachtung und Beschreibung von Wetter und Klima widmet.

Meteore sind zudem all jene Meteoroiden, die in die Erdatmosphäre eindringen, aber nicht auf der Erde aufschlagen. Das Leuchten der Meteore entsteht durch die Aufladung der Luftteilchen, wenn der Meteoroid durch die Atmosphäre rast.

Meteorit

Wenn ein Meteoroid auf die Erde prallt – statt nur die Erdamosphäre zu durchqueren – wird er als Meteorit bezeichnet.

Meteoriten sind aus verschiedenen Mineralen zusammengesetzt und werden zu den Gesteinen gezählt.

Chondrite bilden die größte Klasse an Meteoriten und sind nach den kleinen Silikatkügelchen in ihrem Inneren, den Chondren, benannt. Außerdem bestehen sie aus den Mineralen Olivin, Pyroxen und Plagioklas.

Altersbestimmungen haben ergeben, dass sie bereits in der Frühzeit des Sonnensystems entstanden sind, vor 4,5 Milliarden Jahren. Damit sind sie die ältesten Steine des Sonnensystems. Weil ihre Zusammensetzung außerdem weitestgehend der des ursprünglichen solaren Nebels entspricht, werden sie auch undifferenzierte Meteoriten genannt.

Komet

Schweifsterne oder Kometen sind Kleinkörper in unserem Sonnensystem. Ihre Zusammensetzung unterscheidet sie von Asteroiden. Während die aus Gestein bestehen, sind Kometen zusätzlich aus gefrorenem Gasen und Wasser zusammengesetzt, weswegen sie auch "schmutzige Schneebälle" genannt werden.

Kometen sind zeitgleich mit dem übrigen Sonnensystem entstanden und umkreisen die Sonne in der Oortschen Wolke oder im Kuiper-Gürtel. Durch die Anziehungskraft vorbeiziehender Sterne oder großer Planeten werden vereinzelt Eis-Gesteins-Brocken aus ihrer eigentlichen Bahn gerissen und in das Innere des Planetensystems gelenkt.

Je näher der Eisbrocken dabei der Sonne kommt, geht das Eis vom gefrorenen Zustand direkt in den gasförmigen Zustand über, ohne sich zwischendurch zu verflüssigen. Dabei werden die zuvor im Eis gefangenen Partikel frei und bilden mit dem entstandenen Gas eine rund 100.000 Kilometer große Wolkeum den Brocken – die so genannte Koma. Durch den Sonnenwind wird die Wolke in die Länge gezogen, sodass ein Kometenschweif von bis zu 100 Millionen Kilometern Länge entsteht.

Planet

Planeten unterscheiden sich von Sternen dadurch, dass sie selbst kein Licht erzeugen, sondern nur das von anderen Sternen – wie etwa der Sonne – reflektieren. Wie Asteroiden auch umkreisen Planeten die Sonne und haben aufgrund ihrer höheren Masse aber die Gestalt einer Kugel ausgebildet.

Außerdem sind Planeten die einzigen Objekte auf ihrer Umlaufbahn, weil sie sie durch ihre Gravitation freigeräumt haben.

Stern

Sterne sind kugelige Gasriesen, die von sich aus Licht aussenden. In ihrem Inneren sind Temperatur und Druck hoch genug, dass über längere Zeit eine Kernfusion stattfinden kann. Dabei verschmelzen Wasserstoffatome zu Helium, wobei unheimlich viel Energie frei wird.

In einer sternklaren Nacht kann das menschliche Auge rund 5.500 Sterne erkennen. Sie haben unterschiedliche Größe, Temperatur, Leuchtkraft und Lebensdauer.

Ein Billionen-Dollar-Geschäft könne der Asteroiden-Abbau werden, glauben die Planetary Resources-Manager. Die jährliche weltweite Wirtschaftsleistung könne um mehrere zehn Milliarden Dollar zulegen dank der im All gewonnen Rohstoffe. Die Brocken beherbergen wertvolle Metalle wie Platin, Palladium oder Gold. Laut Diamandis könnte ein Meteorit mit einem Durchmesser von 30 Metern Platin im Wert von insgesamt 38 Milliarden Euro in sich bergen.

Brad Blair, Berater der Weltraumbehörde Nasa, schätzt die Zahl geringer ein. Doch auch laut seiner Studie aus dem Jahr 2000 könnte man Platin im Wert von knapp fünf Milliarden Dollar aus einem Meteoriten mit einem Durchmesser von 700 Meter abtragen. Blair prognostizierte damals: Bis 2020 wird außerirdisches Edelmetall auf der Erde verkauft.

Leserkommentare
    • Hermez
    • 25. April 2012 19:07 Uhr

    ...klingt diese Idee für mich keineswegs.
    Dann mal los....:)

  1. vor Jahren las ich von einem Asteroiden der vermutlich aus fast reinem Gold bestand. OK, die Bergung würde die Preise auf der Erde versauen, aber wo kann ich Aktien erwerben.

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    Asteroiden aus reinem Gold sind Blödsinn. Sowas existiert nicht, kann gar nicht existieren. Entgegen dem, was viele anzunehmen scheinen, haben wir unser Sonnensystem recht gut verstanden.

    Der Grund warum man derzeit darüber nachdenkt, Asteroiden abzubauen ist ja genau dass man sie einigermassen versteht. Aus dem gleichen Grund halten die meisten echten Experten, und da schließe ich mich durchaus mit ein, für ein Windei.

    Was sich lohnen könnte ist, wenn man einen reinen Eisen-Asteroiden findet, also ein Bruchstück eines alten planetaren Kerns. Dort, und nur dort, sind die Gehalte hoch genug, dass sich das lohnen würde.

  2. Asteroiden aus reinem Gold sind Blödsinn. Sowas existiert nicht, kann gar nicht existieren. Entgegen dem, was viele anzunehmen scheinen, haben wir unser Sonnensystem recht gut verstanden.

    Der Grund warum man derzeit darüber nachdenkt, Asteroiden abzubauen ist ja genau dass man sie einigermassen versteht. Aus dem gleichen Grund halten die meisten echten Experten, und da schließe ich mich durchaus mit ein, für ein Windei.

    Was sich lohnen könnte ist, wenn man einen reinen Eisen-Asteroiden findet, also ein Bruchstück eines alten planetaren Kerns. Dort, und nur dort, sind die Gehalte hoch genug, dass sich das lohnen würde.

    Antwort auf "Wieso wahnwitzig,"
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    ist die forschung und entwicklung in eine richtung die dies möglich machen würde durchaus zu begrüßen
    schon allein der versuch etwas derartiges in einen rentablen rahmen zu bringen könnte den resourcenverbrauch(und damit die kosten) für die raumfahrt efektiv senken
    also fleissig mit ins horn stoßen statt die realität erwähnen
    wofürs gut ist wird man sehen
    ich hätte nichts gegen 2 wochen mond statt spanien einzuwenden ;)

  3. Über "Wahnwitz" mag man noch streiten können, angesichts der sich vor einem solchen Projekt auftürmenden Probleme; es ist zumindest mutig, so etwas ernsthaft ins Auge zu fassen. Aber warum "plündern"? Wem würde man damit widerrechtlich etwas wegnehmen, wie diese Wortwahl suggeriert?

    Eine Leserempfehlung
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    die so ihre Kolonien mit Rohstoffen versorgen. Wir riskieren somit einen intergalaktischen Krieg :-)

  4. ist die forschung und entwicklung in eine richtung die dies möglich machen würde durchaus zu begrüßen
    schon allein der versuch etwas derartiges in einen rentablen rahmen zu bringen könnte den resourcenverbrauch(und damit die kosten) für die raumfahrt efektiv senken
    also fleissig mit ins horn stoßen statt die realität erwähnen
    wofürs gut ist wird man sehen
    ich hätte nichts gegen 2 wochen mond statt spanien einzuwenden ;)

  5. Von außen zugeführte Mengen an Rohstoffen haben durchaus verändernde Kräfteverhältnisse zwischen Erde und Mond zur Folge. Es ist nicht zu erwarten, daß äquivalente Massen von der Erde abtransportiert werden.
    Hier tut sich ein vollkommen neues Feld von Umweltschutz auf, auch wenn es noch jahrzehnte oder länger dauert bis das wirkt. Vorsicht Kameraden und Kameräder!

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    Verändertes Kräfteverhältnis Erde/Mond?

    Das sind doch ganz andere Dimensionen, ganz andere Größenordnungen. Da können sie ne ganze Menge Material auf den Planeten bringen, bis sich die Masse so verändert dass es das Erde/Mond Gleichgewicht beeinflusst.

  6. Rohstoffasteroiden. Wir tun so als würden übermorgen abwechseld Edelmetalle, und fossile Brennstoffe in Form von Kometen zum greifen Nahe an unserer Erde vorbei fliegen.

    Würde uns ein intelligentes Volk von einem fernen Stern beobachten die würden glatt denken: "Die Spinnen! Setzen alles daran ihre Rohstoffe schnellstmöglich in Müll zu verwandeln oder zu verbrennen und investieren tatsächlich Zeit und Energie, die dadurch entstehenden Versorgungslücken mit Asteroidenstaub zu füllen"

    Als gesamte Menschheit betrachtet geben wir ne verdammt lustig ne Monty Python Nummer ab.

  7. die so ihre Kolonien mit Rohstoffen versorgen. Wir riskieren somit einen intergalaktischen Krieg :-)

    Antwort auf "Unangemessene Wortwahl"
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    ;-)

    Die Meldung mit dem Asteroiden aus reinem Gold stand in einer seriösen deutschen Zeitung (wer würde es wagen an den Medien zu zweifeln).Aber wer sagt, dass dieses Bruchstück aus diesem System gestammt hat. Es könnte sich doch auch um ein Kernbruchstück aus einem anderen System gehandelt haben. Oder?

    Wärhrend hier das Ganze als Utopie belächelt wird sollte man doch bedenken, dass es bestimmt nur noch wenige Jahrzehnte dauert, bis man in der Lage ist sich selbst reproduzierende Roboter zu fertigen. Letzlich müßte nur einer mit Sonnensegeln ins All geschickt und 100 Jahre später gäbe es keine Rohstoffprobleme mehr. Das ist noch nicht mal Utopie, das ist nur Serien-Fiction.

    Vielleicht werden wir von Außerirdischen nur deshalb in Ruhe gelassen, weil Landungen auf Planeten viel zu Aufwendig sind, es einfach viel ökonomischer ist Himmelskörper mit geringer Gravitation auszubeuten, als sich mit irgendwelchen dusseligen Planetenbewohnern herumzuärgern.

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