RaumfahrtEuropäischer Satellit Envisat funkt nicht mehr

Der Umweltsatellit Envisat sendet plötzlich keine Daten mehr zur Bodenstation. Bis die Nachfolgemission der Esa startet, dauert es noch einige Jahre. von dpa

Der europäische Erdbeobachtungssatellit Envisat im Weltall

Der europäische Erdbeobachtungssatellit Envisat im Weltall  |  © ESA/dpa

Europas größter Erdbeobachtungssatellit Envisat sendet nach zehn Jahren im Dienst plötzlich keine Daten mehr zu Erde. Der Kontakt sei abgebrochen, teilte die europäische Raumfahrtorganisation Esa in Paris mit. Am Beheben des Problems werde gearbeitet.

Einen letzten Kontakt habe es am vergangenen Sonntag gegeben, seitdem sind keine Messergebnisse mehr auf der Bodenstation im schwedischen Kiruna eingetroffen. Auch andere Bodenstationen konnten keinen Kontakt zu Envisat herstellen.

Infografik zu Envisat
Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zum Umweltsatelliten Envisat zu sehen.

Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zum Umweltsatelliten Envisat zu sehen.  |  © Mirko Bosse

Der Satellit hat bisher etwa 52.000 Erdumrundungen absolviert. Envisat sammelte wichtige Daten etwa zu Klimawandel und Umweltverschmutzung. Er lieferte Bilder von Vulkanausbrüchen, zur Ölpest im Golf von Mexiko und beobachtete das Ozonloch über der Antarktis . Etwa 4.000 Forschungsprojekte in 70 Ländern haben bereits die Daten von Envisat verwendet. Der 8,2 Tonnen schwere Satellit war am 1. März 2002 von einer Ariane-5-Rakete ins All gebracht worden .

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Das Besondere an dem Erdbeobachter ist, dass er die Daten mehrerer Instrumente gleichzeitig auswerten kann. Einen ähnlich komplexen Nachfolger will die Esa vorerst nicht mehr bauen. Denn heutzutage erscheint den Ingenieuren das Risiko eines Fehlstarts im Verhältnis zu dem großen Aufwand, derart viele Instrumente zu kombinieren, als zu groß. Stattdessen werden viele kleine Umweltsatelliten die Erde ausspähen: Die Mission Sentinel startet kommendes Jahr.

Envisat war bereits doppelt so lange im Einsatz , wie ursprünglich geplant. Die Mission des Satelliten sollte bis 2007 gehen. Da er vom Treibstoff her durchaus bis 2014 im All bleiben kann, war bisher ein nahtloser Übergang zu den Sentinel -Nachfolgesatelliten für möglich gehalten worden.

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Leserkommentare
  1. ... wäre doch mal was.

    • c2j2
    • 13. April 2012 6:28 Uhr

    weil er nach 10 Jahren und einem Monat den Geist augegeben hat ;)

  2. ...und die Gefahren, die dabei für aktive Satelliten entstehen. Wäre gut möglich, dass Envisat von einem Trümmerteil von 1mm (!) Größe außer Gefecht gesetzt wurde.

    Habe in der Sendung gestern Bilder gesehen von Einschlägen 1mm großer Teile, das sieht aus wie ein Schrapnell-Einschlag oder Bombensplitter, weil die mit Geschwindigkeiten von bis zu 50.000 km/h unterwegs sind.

    Auch Envisat war schonmal ganz konkret gefährdet: http://www.3sat.de/page/?...

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    • xpeten
    • 13. April 2012 10:37 Uhr

    wird der Schrott sicherlich noch Jahrzehnte lang einfach ausgeklinkt bzw. ausgediente Satelliten und Raketenteile einfach sich selbst überlassen.

    Erinnert stark an den Rhein der 60er - Jahre und an den bedauernswerten Zustand der Weltmeere - aber nicht an eine Sphäre, die unter dem Einfluss zivilisierter Gesellschaften stehen.

    Irgendwie sind in all diesen Technikfragen die falschen Leute am Drücker.

    • xpeten
    • 13. April 2012 10:37 Uhr

    wird der Schrott sicherlich noch Jahrzehnte lang einfach ausgeklinkt bzw. ausgediente Satelliten und Raketenteile einfach sich selbst überlassen.

    Erinnert stark an den Rhein der 60er - Jahre und an den bedauernswerten Zustand der Weltmeere - aber nicht an eine Sphäre, die unter dem Einfluss zivilisierter Gesellschaften stehen.

    Irgendwie sind in all diesen Technikfragen die falschen Leute am Drücker.

  3. Als ich die Nachricht las, wonach der europäische Forschungssatellit Envisat sich "nicht mehr meldet" bzw. kaum noch steuerbar ist, hat es mich insofern umgehauen als ich genau dies neulich in einem Roman gelesen habe (Armin Weber: Der Zehnte Planet). Mitunter ist es ja so, dass die Wirklichkeit der Fiktion vorausgeht, hier ist es aber eindeutig umgekehrt: Da geht doch glatt die Fiktion der Wirklichkeit voraus. Denn das Muster, wie der Satellit sich allmählich verabschiedet und schließlich verschwindet, ist dort auf beklemmende Weise "vorhergesagt". Und was dann folgt, ist noch gruseliger. Hoffen wir, dass im Blick darauf die Fiktion auch Fiktion bleibt!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Golf | Klimawandel | Ozonloch | Umweltverschmutzung | Ölpest | Mexiko
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