Hedonismus: "Lebensfreude bedeutet nicht Verschwendungssucht"
Wer nach Glück, Genuss und Lust strebt, handelt durchaus philosophisch, sagt Bernulf Kanitscheider. Hedonist ist, wer mit der Welt sorgsam umgeht und Chancen nutzt.
Frage: Herr Kanitscheider, Sie sind Philosoph und haben ein hedonistisches Manifest verfasst. Was ist eigentlich Hedonismus?
Bernulf Kanitscheider: Da gilt es erst mal ein Missverständnis aufzuklären. Im Alltag versteht man unter einem Hedonisten jemand, der nicht gerne arbeitet, der andere für sich schaffen lässt und sich gemütlich zurücklehnt – aber nicht jemand, der das gelungene Leben sucht. Letzteres ist das philosophische Verständnis des Hedonismus. Im Mittelpunkt steht das Glück, vor allem angesichts der Tatsache, dass dieses Leben nur eine endliche Zeitspanne währt. Das haben schon die alten Griechen erkannt.
Frage: Von den antiken Philosophen lässt sich etwas lernen?
Kanitscheider: Schon im vierten vorchristlichen Jahrhundert haben einige Denker darauf hingewiesen, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist und nichts darauf hinweist, dass es so etwas wie ein Weiterleben nach dem Tod und eine unsterbliche Seele gibt. Damit standen diese Philosophen natürlich im Widerspruch zu Platon, nach dessen Vorstellung die Seele nach dem Tod in ein Schattenreich eintaucht und geläutert wird, um dann in irgendeinem höheren Bereich die Unsterblichkeit zu erfahren. Im Gegensatz zu Platons Idealismus sind die Hedonisten empiristisch orientiert, sie betonen die Bedeutung des Diesseits. Danach sind wir Menschen ein Stück Natur, wir leben eine Zeit lang und wir haben die Bestimmung, dieses Lebensintervall optimal zu gestalten.
Frage: Was hat man sich darunter vorzustellen?

lehrte Philosophie der Naturwissenschaft an der Universität Gießen und ist Buchautor. Zuletzt erschien Das hedonistische Manifest (Hirzel-Verlag).
Kanitscheider: Wenn man 85 ist und sein Leben Revue passieren lässt, sollte man zu dem Schluss kommen: Ich habe im Wesentlichen meine Möglichkeiten genutzt und mein Leben nicht verschwendet, ich habe Sinnvolles getan und das, was mir die Natur an Talenten und Möglichkeiten zugestanden hat, habe ich ausgenützt. Das ist die essenzielle Idee des Hedonismus.
Frage: Wer waren die Hauptvertreter dieser philosophischen Richtung?
Kanitscheider: Zunächst einmal Aristippos von Kyrene, ein Zeitgenosse von Sokrates, in dessen Seminar Aristippos gesessen und mit ihm diskutiert hat. Besser bekannt ist Epikur von Athen. In der römischen Zeit ist Lukrez der Hauptvertreter, der für sein großes Lehrgedicht "De rerum natura" berühmt geworden ist. Der Bezug auf die Endlichkeit, ein von der realen Natur geprägtes materialistisches Denken, die Skepsis in Bezug auf die Götter und Religionskritik, all das kennzeichnet das antike hedonistische Denken. Es ist deshalb kein Wunder, dass später in christlicher Zeit Epikur und seine ganze Denkrichtung abgelehnt wurden. Das Christentum stört sich wesensmäßig wenig an einem entbehrungsreichen Leben, da dieses erst im Jenseits seine Erfüllung findet. Es geht darum, am Jüngsten Tag zu bestehen – ein klarer Gegenentwurf zur Diesseitsorientierung des Hedonisten.
Frage: Trotzdem glauben viele Menschen an ein Leben nach dem Tod.
Kanitscheider: Schon Epikur, in der Neuzeit dann der Aufklärer Julien Offray de La Mettrie und im 20. Jahrhundert Bertrand Russell sind dieser Vorstellung entgegengetreten. Sie argumentierten, dass eine Unsterblichkeit der Seele unglaubwürdig ist, weil es keine Abkopplung der Seelensubstanz von ihrem materiellen Träger geben kann. Bis heute hat kein Verteidiger der Unsterblichkeit eine Idee, wie sich die Ablösung der Seele vom Leib vollziehen könnte. Übrigens teilte Aristoteles diese Meinung, auch wenn er ansonsten kein typischer Hedonist war. Die moderne Neurobiologie hat dann die epikureisch-aristotelische Auffassung voll bestätigt. Das hat natürlich Rückwirkungen auf unser moralisches Verhalten, auf unsere Ethik. Wenn eine Seelenwanderung oder eine Wiederverkörperung unglaubwürdig sind, dann müssen wir eben aus diesem einen Leben das Beste machen.
Frage: Wie kommt es, dass ein Philosoph, der sich mit Naturwissenschaft auseinandersetzt, ein Buch über den Hedonismus schreibt?
Kanitscheider: Wenn man sich als Philosoph mit Physik, Mathematik und anderen Wissenschaften beschäftigt und eine naturalistische Position vertritt – also die Auffassung, dass es auf der Welt mit rechten Dingen zugeht und alles naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten folgt – dann wird man oft mit der These konfrontiert: Sie können damit ja nicht erklären, dass es Werte gibt! Ethische und ästhetische Werte können Sie mit Ihrem Materialismus nicht auffangen!
Frage: Ein gerechtfertigter Einwand.
Kanitscheider: Gemach! Man sollte sich fragen, wie ein Bewusstsein für moralische Werte überhaupt entsteht und wo diese in uns verankert sind. Evolutionsbiologie und Hirnforschung geben uns da wichtige Hinweise. Es sind die emotiven Zentren im Gehirn, die die Bewertungen vornehmen. Wenn man diesen Ansatz weiterverfolgt, dann stößt man auf entsprechende ethische Systeme – und eines von diesen ist der Hedonismus. Der Hedonismus ist der Vorläufer moderner utilitaristischer Wertesysteme, die auf vernünftigen, auf rationalen Prinzipien beruhen und mit den Befunden der Hirnforschung harmonieren. In der Analytischen Philosophie ist der Utilitarismus die führende Richtung.







Schön zu lesen, dass ich mit meiner Denkweise doch nicht so allein da stehe wie ich immer dachte!
Mir scheint, Ihr begeht hier zahlreiche Fehler. Ich möchte an Hand einiger Beispiele deutlich machen, woran dieser Hedonismus krankt bzw. welche Zustände nach dessen Prinzip unproblematisch wären. Die Absurdität werde ich im Einzelnen nicht erklären, die spricht für sich. Aber es zeigt, denke ich, sehr anschaulich, wie flach diese Religion, der Hedonismus, eigentlich ist. Und es zeigt, warum es eine Entwicklung in der Moralphilosophie gegeben hat und zusätzlich, dass selbst aus dem gleichen Lager bereits angemessenere Moralkonzepte entstanden sind. Der Hedonismus ist nur deswegen so angesehen, weil er der Gedankenlosigkeit Raum gibt und das Gewissen beruhigt. Das ist nur eines: egoistisch. Er ist eine Ethik für Schwache. Eine Ethik für Egoisten. Keine Ethik für eine Gemeinschaft.
Der Reihe nach:
Ein Hedonist lebt für sich und dafür, was ihm Freude bereitet. Die Frage ist aber, was dieses ist und was dieses Streben für andere bedeutet. Nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch gibt die moderne Welt mit all Ihren Beziehungen Auskunft darüber, wie zerstörerisch eine solche Mentalität, wenn auch mittelbar über viele Stufen und Interaktionen, wirkt. Auf andere Menschen und Tiere.
Ein Hedonist wertet auch stark. Er stellt etwas (ein Gut) heraus über andere Güter und behauptet dessen Vorrang. Das gibt der alte Philosoph ja auch zu. Aber was hier untergeht ist das:
Wenn man so etwas tut, so ist man, gerade mit dem so herausgestellten Status als rationaler Mensch und auch als Philosoph dazu aufgefordert, die bestmögliche Begründung für die Grundlagen der Ethik zu finden, denn Philosophie ist die Suche nach Weisheit, Wahrhaftigkeit und nichts Bequemes. Der Punkt ist nämlich, dass es bessere Ethiken gibt, die den Beziehungen der Menschen in der Welt eher gerecht werden und die auch noch andere Perspektiven mit einbeziehen, was der Hedonismus gar nicht tut oder falls doch dann nur instrumentell, also im Sinne des Nutzens für das diese Lebensweise verwirklichende Individuum. Er ist somit eine Philosophie der Macht und der Gewalt und Manipulation. Keine Philosophie der Tiefe. Keine Sichtweise, die Qualitäten wie Freundschaft und Liebe integrieren kann, nur als Funktionen. Also eine arme Philosophie, die vereinfacht und die Qualität von Erleben und Gemeinschaft nicht versteht oder leugnet.
Der Hedonismus hat auch kein Problem mit Ungleichheit, ja sogar mit Ausbeutung, denn das eigene Glück und die Manipulation oder Ausbeutung anderer gehen in mancher Hinsicht Hand in Hand.
Der Hedonismus allein ist nicht universell, wenn dann überhaupt nur in dem schwachen Sinne, dass ein jeder nach seinem eigenen Glück streben sollte und dies allen zugestanden wird (wo ist die Versicherung?). Aber eine wahrhaftig universelle Ethik verpflichtet das Selbst aus dem Selbst, das man ist, zu abstrahieren und andere (materielle wie immaterielle) Güter und Wesen mit zu betrachten. Sie basiert auch auf der Erkenntnis, dass es aus einer objektiven Perspektive keinen qualitativen Unterschied zwischen einem und jenen gibt und dass der Wert des Lebens, welches man führt, Bedeutung dadurch erlangt, was man an und mit anderen tut. Und was man unterlässt. Der Hedonismus hat hier nichts aufzubieten, er versteht dies nicht einmal! Denn nach dem Hedonismus gibt es keinen Wert außer dem guten Gefühl des Selbst, das als Glück bekannt ist. Wohin das führen kann? Ein Blick ins Werk des Marquis de Sade gibt Aufschluss.
Es stimmt aber, der Hedonismus passt wunderbar in unser Zeitalter. Und das ist ein Gütezeichen negativer Art über unsere Gesellschaften. Denn wir mögen technisch-wissenschaftlich Fortschritte erzielen, moralisch sind wir unterentwickelt. Und es geht scheinbar immer noch bergab. Dafür haben wir der materialistischen Weltsicht zu danken. Der dunklen Seite der Aufklärung. Er ist die Ethik des Marktes, auf dem man sich Gefühle beschafft und seine Bedürfnisse befriedigt. Aber er unterstützt die Atomisierung der Gesellschaft. Und wird an Ihrem Untergang teilhaben.
Wenn wenigstens Leid mit in die Rechnung käme. Wenn wenigstens die Summe von Schmerz und Leid aller Menschen betrachtet würde und dann wiederum eine Konzeption von Gleichheit als Korrektiv fungieren würde, könnte diese Ethik etwas taugen. Denn Leid ist etwas, das, egal bei welchem Wesen es auftritt, objektiv schlecht ist und dessen Ignoranz schlecht ist. Siehe hierzu T. Nagel. Das ist übrigens ein richtiger Philosoph.
Der Hedonismus ist der Freifahrtschein für gedankenloses Nehmen. Für ein abstoßen von Schwere, von allem was Unlust bereitet. Er lässt keine tiefen Bindungen zu. Es ist kein Zufall, dass die Zahl der Kinder insgesamt abgenommen, aber die derjenigen, die nur bei einem Elternteil aufwachsen, über die Jahrzehnte so zugenommen hat. Gleichwohl bin ich mir im Klaren darüber, dass damit noch längst nicht alles über diese Vorgänge gesagt ist.
Zuletzt möchte ich noch kurz anklagen: Der Hedonismus ist verwandt mit dem Sozialdarwinismus kann ganz schnell in eine Ethik des Stärkeren umschlagen, da manche viel mehr Ressourcen oder viel mehr Talent haben, Ihre Bedürfnisse nicht nur zu befriedigen, sondern sie auf Kosten anderer zu steigern. Denen bleibt dann das Glück versagt, das dieser akkumuliert. Das ist nicht nu ein theoretischer Einwand. Macht einfach im großen wie kleinen Maßstab die Augen auf.
Das Schwächste an diesem Philosophen ist, dass er es nicht versteht oder geflissentlich unterschlägt, was für Gegenargumente gegen seine „ETHIK“ erbracht wurden, um Sie dann mit besseren Gegenargumenten zu bezwingen. Ich vermute, das liegt daran, dass diese Argumente, von denen ich eine Auswahl sehr vereinfacht und in Eile angeschnitten habe, seinen Hedonismus beerdigen würden.
Mehr Zeit habe ich nicht, um die grundlegenden Schwierigkeiten, die Hintergrundannahmen dieser Philosophie offen zu legen und die Widersprüche zwischen einer Gleichsetzung des guten Lebens und der Maximierung des eigenen Glückes darzulegen und auch nicht, um die Frage zu beantworten, worin begründet liegt, dass der Hedonismus allein und ohne Korrektiv zerstörerisch wirken muss. Und ich komme auch nicht dazu, die Frage diesseits jenseits zu besprechen. Aber eines noch: Warum soll aus dem Faktum, das Diesseits als Wichtigstes zu nehmen, eine Ethik des Hedonismus und nicht eine der Fürsorge folgen? Da haben Sie keine Antwort.
Mir scheint, Ihr begeht hier zahlreiche Fehler. Ich möchte an Hand einiger Beispiele deutlich machen, woran dieser Hedonismus krankt bzw. welche Zustände nach dessen Prinzip unproblematisch wären. Die Absurdität werde ich im Einzelnen nicht erklären, die spricht für sich. Aber es zeigt, denke ich, sehr anschaulich, wie flach diese Religion, der Hedonismus, eigentlich ist. Und es zeigt, warum es eine Entwicklung in der Moralphilosophie gegeben hat und zusätzlich, dass selbst aus dem gleichen Lager bereits angemessenere Moralkonzepte entstanden sind. Der Hedonismus ist nur deswegen so angesehen, weil er der Gedankenlosigkeit Raum gibt und das Gewissen beruhigt. Das ist nur eines: egoistisch. Er ist eine Ethik für Schwache. Eine Ethik für Egoisten. Keine Ethik für eine Gemeinschaft.
Der Reihe nach:
Ein Hedonist lebt für sich und dafür, was ihm Freude bereitet. Die Frage ist aber, was dieses ist und was dieses Streben für andere bedeutet. Nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch gibt die moderne Welt mit all Ihren Beziehungen Auskunft darüber, wie zerstörerisch eine solche Mentalität, wenn auch mittelbar über viele Stufen und Interaktionen, wirkt. Auf andere Menschen und Tiere.
Ein Hedonist wertet auch stark. Er stellt etwas (ein Gut) heraus über andere Güter und behauptet dessen Vorrang. Das gibt der alte Philosoph ja auch zu. Aber was hier untergeht ist das:
Wenn man so etwas tut, so ist man, gerade mit dem so herausgestellten Status als rationaler Mensch und auch als Philosoph dazu aufgefordert, die bestmögliche Begründung für die Grundlagen der Ethik zu finden, denn Philosophie ist die Suche nach Weisheit, Wahrhaftigkeit und nichts Bequemes. Der Punkt ist nämlich, dass es bessere Ethiken gibt, die den Beziehungen der Menschen in der Welt eher gerecht werden und die auch noch andere Perspektiven mit einbeziehen, was der Hedonismus gar nicht tut oder falls doch dann nur instrumentell, also im Sinne des Nutzens für das diese Lebensweise verwirklichende Individuum. Er ist somit eine Philosophie der Macht und der Gewalt und Manipulation. Keine Philosophie der Tiefe. Keine Sichtweise, die Qualitäten wie Freundschaft und Liebe integrieren kann, nur als Funktionen. Also eine arme Philosophie, die vereinfacht und die Qualität von Erleben und Gemeinschaft nicht versteht oder leugnet.
Der Hedonismus hat auch kein Problem mit Ungleichheit, ja sogar mit Ausbeutung, denn das eigene Glück und die Manipulation oder Ausbeutung anderer gehen in mancher Hinsicht Hand in Hand.
Der Hedonismus allein ist nicht universell, wenn dann überhaupt nur in dem schwachen Sinne, dass ein jeder nach seinem eigenen Glück streben sollte und dies allen zugestanden wird (wo ist die Versicherung?). Aber eine wahrhaftig universelle Ethik verpflichtet das Selbst aus dem Selbst, das man ist, zu abstrahieren und andere (materielle wie immaterielle) Güter und Wesen mit zu betrachten. Sie basiert auch auf der Erkenntnis, dass es aus einer objektiven Perspektive keinen qualitativen Unterschied zwischen einem und jenen gibt und dass der Wert des Lebens, welches man führt, Bedeutung dadurch erlangt, was man an und mit anderen tut. Und was man unterlässt. Der Hedonismus hat hier nichts aufzubieten, er versteht dies nicht einmal! Denn nach dem Hedonismus gibt es keinen Wert außer dem guten Gefühl des Selbst, das als Glück bekannt ist. Wohin das führen kann? Ein Blick ins Werk des Marquis de Sade gibt Aufschluss.
Es stimmt aber, der Hedonismus passt wunderbar in unser Zeitalter. Und das ist ein Gütezeichen negativer Art über unsere Gesellschaften. Denn wir mögen technisch-wissenschaftlich Fortschritte erzielen, moralisch sind wir unterentwickelt. Und es geht scheinbar immer noch bergab. Dafür haben wir der materialistischen Weltsicht zu danken. Der dunklen Seite der Aufklärung. Er ist die Ethik des Marktes, auf dem man sich Gefühle beschafft und seine Bedürfnisse befriedigt. Aber er unterstützt die Atomisierung der Gesellschaft. Und wird an Ihrem Untergang teilhaben.
Wenn wenigstens Leid mit in die Rechnung käme. Wenn wenigstens die Summe von Schmerz und Leid aller Menschen betrachtet würde und dann wiederum eine Konzeption von Gleichheit als Korrektiv fungieren würde, könnte diese Ethik etwas taugen. Denn Leid ist etwas, das, egal bei welchem Wesen es auftritt, objektiv schlecht ist und dessen Ignoranz schlecht ist. Siehe hierzu T. Nagel. Das ist übrigens ein richtiger Philosoph.
Der Hedonismus ist der Freifahrtschein für gedankenloses Nehmen. Für ein abstoßen von Schwere, von allem was Unlust bereitet. Er lässt keine tiefen Bindungen zu. Es ist kein Zufall, dass die Zahl der Kinder insgesamt abgenommen, aber die derjenigen, die nur bei einem Elternteil aufwachsen, über die Jahrzehnte so zugenommen hat. Gleichwohl bin ich mir im Klaren darüber, dass damit noch längst nicht alles über diese Vorgänge gesagt ist.
Zuletzt möchte ich noch kurz anklagen: Der Hedonismus ist verwandt mit dem Sozialdarwinismus kann ganz schnell in eine Ethik des Stärkeren umschlagen, da manche viel mehr Ressourcen oder viel mehr Talent haben, Ihre Bedürfnisse nicht nur zu befriedigen, sondern sie auf Kosten anderer zu steigern. Denen bleibt dann das Glück versagt, das dieser akkumuliert. Das ist nicht nu ein theoretischer Einwand. Macht einfach im großen wie kleinen Maßstab die Augen auf.
Das Schwächste an diesem Philosophen ist, dass er es nicht versteht oder geflissentlich unterschlägt, was für Gegenargumente gegen seine „ETHIK“ erbracht wurden, um Sie dann mit besseren Gegenargumenten zu bezwingen. Ich vermute, das liegt daran, dass diese Argumente, von denen ich eine Auswahl sehr vereinfacht und in Eile angeschnitten habe, seinen Hedonismus beerdigen würden.
Mehr Zeit habe ich nicht, um die grundlegenden Schwierigkeiten, die Hintergrundannahmen dieser Philosophie offen zu legen und die Widersprüche zwischen einer Gleichsetzung des guten Lebens und der Maximierung des eigenen Glückes darzulegen und auch nicht, um die Frage zu beantworten, worin begründet liegt, dass der Hedonismus allein und ohne Korrektiv zerstörerisch wirken muss. Und ich komme auch nicht dazu, die Frage diesseits jenseits zu besprechen. Aber eines noch: Warum soll aus dem Faktum, das Diesseits als Wichtigstes zu nehmen, eine Ethik des Hedonismus und nicht eine der Fürsorge folgen? Da haben Sie keine Antwort.
Wenn der Einzelne nicht davon ausgehen kann, dass Irgendetwas von ihm über seinen Tod hinaus Bestand haben wird, gibt es für ihn keinen Anlass, für die Zeit nach seinem Tod zu sorgen.
Generationenübergreifendes Denken ist dem Hedonisten damit fremd. Die großen Religionen setzen aber genau an diesem Punkt an: "Seid fruchtbar und mehret euch."
(Der Hedonist würde antworten: Wozu? Ich bin doch schon da!)
Der im Artikel geäußerte Satz:
"Im ernsthaften philosophischen Sinn enthält diese Ethik den Auftrag, mit der einzigen irdischen Welt sorgsam umzugehen, denn es gibt keine weitere, in der wir und unsere Kinder glücklich werden können."
enthält dann auch zwangsläufig Moralvorstellungen, die sich nicht aus dem Hedonismus entwickeln lassen, denn sowohl die Fürsorge für eigene Kinder als auch der sorgsame Umgang mit der Welt für diese Kinder lassen sich zwar als Pflichterfüllung deuten, dienen aber primär nicht dem eigenen, sondern deren Glück.
Kein Wunder also, dass religiöse Menschen im Schntt mehr Kinder haben!
Oder anders ausgedrückt: Es besteht die Hoffnung, dass sich der Hedonismus auf längere Sicht von ganz allein erledigt.
ist dem Hedonisten damit fremd"
Falsch.
Es ist meine höchste Freude, meine Kinder (Generationen) glücklich aufwachsen zu sehen und ihnen die besten Chancen für ihr Leben zu geben. Ganz ohne Gott.
ist dem Hedonisten damit fremd"
Falsch.
Es ist meine höchste Freude, meine Kinder (Generationen) glücklich aufwachsen zu sehen und ihnen die besten Chancen für ihr Leben zu geben. Ganz ohne Gott.
Andrew Clark von der School of Economics in Paris und Orsolya Lelkes vom European Centre for Social Welfare Policy and Research kamen durch Studien zu dem Schluss, dass gläubige Katholiken und Evangelen glücklicher sind. Diese Studien sind hierbei mitnichten von der katholischen oder der evangelischen Kirche gesponsert. Wenn bei den Hedonisten die Freude nun also einen solchen Stellenwert einnimmt, müssten diese sich dann nicht um einen Glauben bemühen, um Lebensglück zu erlangen?
aber Ihr Punkt ist gut angebracht, denn wenn ein Individuum oder eine Gemeinschaft (Freunde) im Glauben Freude und Glück finden, dann ist der Glaube auch hedonistisch in Ordnung. Für die einen Bergsteigen, für die anderen Glaube an die Unsterblichkeit, an die ich persönlich nicht glaube. Aber unser Philosoph meint, Glaube an die Unsterblichkeit sei nicht in Ordnung. Wie kann seine Hirnbiologie denn Paradoxien auflösen? Würde ich gerne wissen.
aber Ihr Punkt ist gut angebracht, denn wenn ein Individuum oder eine Gemeinschaft (Freunde) im Glauben Freude und Glück finden, dann ist der Glaube auch hedonistisch in Ordnung. Für die einen Bergsteigen, für die anderen Glaube an die Unsterblichkeit, an die ich persönlich nicht glaube. Aber unser Philosoph meint, Glaube an die Unsterblichkeit sei nicht in Ordnung. Wie kann seine Hirnbiologie denn Paradoxien auflösen? Würde ich gerne wissen.
ist immernoch brillant zu lesen in seiner Demontage des Epikur in seiner Schrift de finibus bonorum et malorum, deutsch: Vom höchsten Gut und vom größten Übel", die er aus der Position eines skeptischen Peripatetikers geschrieben hat.
ist dem Hedonisten damit fremd"
Falsch.
Es ist meine höchste Freude, meine Kinder (Generationen) glücklich aufwachsen zu sehen und ihnen die besten Chancen für ihr Leben zu geben. Ganz ohne Gott.
...und "anderen Wissenschaften" beschäftigt...
...kommt halt so einiges allgemeines und langweiliges heraus.
Ich finde philosophierende Mathematiker oder Physiker, die sich auch langfrstig mit schwierigen Themen auseinandersetzen haben interessanteres zu erzählen als ein Philosoph, der sich die eingängigsten Sahnehäuptchen herauspickt und zu heißer Luft zusammenfügt.
Wenn ein Mensch mit dem Glauben an ein irgendwie geartetes Leben nach dem Tod glücklich ist und ihm der Glauben an eine Belohnung im Jenseits die Mühsal und die Entbehrungen seines diesseitigen Lebens erträglich machen, ist das völlig in Ordnung.
Wenn jemand nicht davon überzeugt ist, das es nach dem biologischen Tod noch irgendwie weitergeht und er einen Weg findet, im Diesseits sein Glück und seine Zufriedenheit zu finden, ist das auch völlig in Ordnung.
Jeder muß für sich selbst nach dem Weg suchen, der ihn Zufrieden stellt. Es gibt ja schließlich auch nicht eine Schuhgröße, in der sich alle Füße wohl fühlen.
Ich habe bei allen Alleinvertretungsansprüchen auf Glückseligkeit den Verdacht, das es mit der Glückseligkeit der Vertreter nicht weit her ist und sie sich durch eine möglichst große Zahl von "Mitgläubigen" der Richtigkeit ihres Glauben versichert sehen wollen.
Keinen Schrecken mehr erregt der Gott,
keine Angst der Tod,
das Gute ist leicht zu beschaffen,
das Bedrohliche ist leicht zu ertragen,
so lautet die Glücksformel Epikurs
Ataraxis (mein Nickname) ist im Sinne Epikurs
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren