MINT-FächerMehr TV-Rollen für Frauen, die sich dreckig machen

Ingenieurinnen und Physikerinnen – zu kalt und unattraktiv, um im TV als Rollenvorbild zu dienen? Naturwissenschaftlerinnen gewinnen langsam mehr Raum im Fernsehen.

Sie jagen als Kommissarin Verbrecher, retten als Ärztin Leben oder leiten eine Werbeagentur: Die Zeiten, da Frauen in Fernsehfilmen dem Chef nur den Kaffee servieren, sind vorbei. Attraktive Ingenieurinnen oder Biochemikerinnen, die ihre Abenteuer im Labor bestehen, kommen im Fernsehen jedoch kaum vor – zum Kummer von Experten in Politik und Wirtschaft. Sie befürchten einen Mangel an Fachkräften in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (abgekürzt MINT), sollten nicht auch Frauen in die entsprechenden Studiengänge und Berufe streben.

Sind die Gründe für den Frauenmangel in den MINT-Fächern und -Berufen auch zahlreich: Als sicher gilt, dass es jungen Frauen und Mädchen an geeigneten Rollenvorbildern fehlt. Spielfilme und Serien inspirieren junge Menschen bei der Berufswahl aber durchaus, und zwar mehr als der Schulunterricht, lautet ein zentrales Ergebnis des Forschungsprojekts Berufsorientierung im Unterhaltungsformat, an dem sich Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen, darunter der TU Berlin, beteiligten und die vom Bundesforschungsministerium und dem Europäischen Sozialfonds gefördert wurde.

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Wie also lassen sich fiktionale Fernsehformate nutzen, um besonders bei Mädchen Interesse für MINT-Berufe zu wecken?, fragen die Wissenschaftler in der jetzt erschienenen Broschüre MINT und Chancengleichheit in fiktionalen Fernsehformaten. Das Cover des Hefts zeigt eine Frau mit sinnlichen Lippen und romantischen Stirnlocken, die im halbdunklen Labor lässig eine chemische Lösung in einen Kolben träufelt. Das Bild, das sich Gymnasiastinnen von Frauen in MINT-Berufen machen, ist hingegen ein anderes. Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen gelten als ähnlich unattraktiv wie Politikerinnen und Hausfrauen, zeigt die Studie. Noch schlechter kommen nur Mathematikerinnen und Informatikerinnen weg – im Gegensatz etwa zu Ärztinnen, Managerinnen und Spitzensportlerinnen.

Ingenieurinnen gelten als unattraktiv

Will das Fernsehen zur Attraktivitätssteigerung dieser Berufe beitragen, dann werden Autoren und Produzenten viel zu tun haben. Und sie müssten fast bei null anfangen. Denn auch Männer werden kaum je als Ingenieur oder Biochemiker gezeigt, sondern als Pfarrer, Förster oder Lehrer. Sender und Produktionsfirmen haben Vorbehalte. Wie soll ein Ingenieur, der vorm Rechner sitzt oder ein Wissenschaftler, der in "irgendwelchen Kolben rührt", spannend sein?, wird gefragt. Ein Produzent einer Daily Soap gab an, wenn er dem Sender eine Biochemikerin als neue Figur vorschlagen würde, würden die "wohl wortlos den Raum verlassen, weil die sich darunter nichts vorstellen können".

Ein befragter Redakteur oder eine befragte Redakteurin, das Geschlecht ist nicht genannt, machte gar die Frauen selbst verantwortlich für den Missstand. Schließlich seien sie Redakteurinnen geworden, weil sie sich so wenig für die Naturwissenschaften interessierten. Darum würden sie das Thema jetzt natürlich nicht ins Fernsehen bringen. Allerdings lässt sich einwenden, dass sicherlich auch die meisten Männer in Redakteursberufen keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund haben. Die Frauen alleine können also nicht schuld sein. Andere Fernsehmacher sagen, dass weibliches Publikumsinteresse nur durch "Liebe, Drama, Tragik" zu erzeugen sei. Eine Ingenieurin an einer Turbine kann solche großen Gefühle nicht wecken, befürchten sie.

Dass Frauen in den Naturwissenschaften durchaus als narrative Figuren taugen und das sogar messbare positive Auswirkungen im realen Leben haben kann, beweist jedoch der große Erfolg der amerikanischen Krimiserie CSI: Crime Scene Investigation in den USA und Europa. Im Mittelpunkt stehen dabei "Frauen, die sich auch mal dreckig machen, ihr Hirn benutzen und jede Menge Krimineller zur Strecke bringen", wie Corinne Marrinan auf der Abschlusskonferenz des MINT-Projekts erklärte. Marrinan arbeitete zehn Jahre lang als Associate Producer und Autorin für die Serie.

Leserkommentare
    • Akka1
    • 12.04.2012 um 17:03 Uhr

    Liebe Frau Fries,
    vielleicht sollten Sie noch einmal über den Titel "Mehr TV-Rollen für Frauen, die sich dreckig machen" nachdenken.

    Da ich unter Schlaflosigkeit leide, kommen mir gelegentlich Nachts bestimmte "Werbeclips" unter, die ähnliche "Titel" haben.
    Mit humorvollen Grüßen ;)

    PS: Ich weis: "Honi soit qui mal y pense"

    3 Leserempfehlungen
  1. Ich kann mich nicht entscheiden:

    Ist es die traurige Erkenntnis, dass der Genderwahn allmählich in allen Bereichen unseres Lebens eingepresst wird?

    Oder die Tatsache, dass hier unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung Werbung für Fernsehserien gemacht wird?

    Ist es der Umstand, dass mit diesem Vorhaben eigentlich unsere ohnehin schon oberflächliche Gesellschaft noch oberflächlicher wird, das Aussehen (!) das entscheidende Kriterium ist?

    Ist das nicht eigentlich diskrimierend, dass gutaussehende Frauen in unpopulären Berufen erwünscht sind, um das Gesellschaftinteresse zu fördern?

    Sex sells in der Wissenschaft?

    Was ist mit den Männern? Sind wir mittlerweile überflüssig?

    Was ist mit nicht-hübschen Menschen? Werden diese nicht mehr eingestellt, unabhängig ihrer Qualifikation, nur aufgrund von Quoten, Einschaltquoten und schlechtere Vermarktungsmöglichkeiten der jeweiligen Berufssparte?

    Unfassbar....

    12 Leserempfehlungen
  2. heute so: Man bittet um kritische Selbstreflexion und erntet eine Bemerkung ad personam.

    Immer noch sanfter als Zensur mit Gesetz und Prügel, vielleicht sogar wirkungsvoller.

    Antwort auf "Super"
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    • malera
    • 12.04.2012 um 21:19 Uhr

    Selbstreflexion - ad personam

    Manchaml verkörpert man als Person mit einem kleinen Scherz schon die Funktionsweise eines pauschalisierten Deutschland.

    ad personam - Selbstrelfexion

    • malera
    • 12.04.2012 um 21:19 Uhr

    Selbstreflexion - ad personam

    Manchaml verkörpert man als Person mit einem kleinen Scherz schon die Funktionsweise eines pauschalisierten Deutschland.

    ad personam - Selbstrelfexion

  3. Was ist denn mit den ganzen durchtrainierten Männervorbildern in den Werbungen und in den Filmen, die heldenhaft jeden Bereich ihres Lebens unter Kontrolle kriegen und gleichzeitig noch in einer Beziehung mit einer bildhübschen Frau leben während ein Großteil der Männer in Wahrheit keine Zeit hat um sich so einen Körper zu beschaffen, da sie als Angestellte zu Niedriglöhnen schuften müssen?

    Was ist denn mit den ganzen hochgestylten Frauen während auf der Straße in Wahrheit die meisten Frauen ihre einen oder anderen Makel haben und nur die wenigsten wirklich auch psychisch so drauf sind wie die Frauen im Film den Anschein geben?

    Das Problem ist kein Gender-Problem, sondern das Problem ist ein fundamentales Problem: Die irrealistische Darstellung im Fernsehen ist doch wohl eher der ausschlaggebende Grund als irgendeine Form von vermeintlicher Benachteiligung.

    Was würde es denn nützen wenn es nun Ingenieurinnen sind die aber genauso unecht und retuschiert sind wie vorher?

    Aber wer allgemein verkennt, das Fernsehen Fiktion ist dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen...
    Es ist schon schlimm genug, dass das Fernsehen fast nur für Propaganda missbraucht wurde!

    9 Leserempfehlungen
  4. "Spielfilme und Serien inspirieren junge Menschen bei der Berufswahl aber durchaus, und zwar mehr als der Schulunterricht"

    Nicht nur bei der Berufswahl. Auch Partnerwahl, Lebenswege und v.a. die sie bestimmenden Werte und Normen werden durch Filme und Serien geprägt. In Hollywood-Liebesfilmen verlieben sich immer nur optisch perfekte Menschen ineinander - oder schon mal eine Liebesromanze mit einem Mann mit Bierbauch oder einer dicken Frau gesehen? Ergo wählen v.a. junge Menschen ihren Partner dahingehend, ob er dem vermittelten Idealbild entspricht. Ebenso ist es bei der Berufswahl.

    "Das Cover des Hefts zeigt eine Frau mit sinnlichen Lippen und romantischen Stirnlocken, die im halbdunklen Labor lässig eine chemische Lösung in einen Kolben träufelt."

    Toll, das Idealbild einer Frau: Hauptsache sie sieht gut aus und entspricht dem aktuellen Styling-Mainstream. Soviel zum Thema Individualität und Freiheit.

    7 Leserempfehlungen
  5. aber diese Zeile können nur von jemandem kommen, der selber keinen "naturwissenschaftlichen Hintergrund" hat.

    In allen Serien, die im Fernsehen gezeigt werden, wird egal welche (Natur-)wissenschaft unrealistisch dargestellt. Weil sich Wissenschaft nicht fürs Fernsehen eignet. Denn sie ist zu allererstmal harte, unspektakuläre Arbeit. Da gibt es keine Action für den nicht Fachkundigen. Und "Explosionen" schon gar nicht.

    Vokabeln lernen ist eher typisch für einen Archäologen als Idiana Jones zu spielen.

    Wichtig ist eher zu Fragen, wieviele _fertige_ Absolventen denn von einer Serie zu ihrem Studium gebracht wurden. Da wird die Zahl sehr klein ausfallen. Unter den Erstsemestern ist sie natürlich höher, weil eben viele mit unrealistischen Erwartungen an die Sache herangehen. Aber das ist nicht weiter wichitg, denn man merkt schnell, ob ein Studium zu jemandem passt oder nicht.

    Eine Leserempfehlung
    • xy1
    • 12.04.2012 um 17:58 Uhr

    Ich finde, das öffentlich-rechtliche Fernsehen sollte intensiver versuchen über Dokumentationen, (auch Doku-Soaps oder Fiktionen)) oder auch durch Biografien bekannter Erfinder/Gelehrter dem jungen Publikum die Schönheit, aber auch Schwierigkeit des Erkenntnisgewinnes zu vermitteln.
    Die breite Masse der Bevölkerung lebt doch mit dem Eindruck, dass all die schönen Sachen und der Wohlstand dessen sie sich erfreuen, irgendwie vom Himmel gefallen sind und nicht das Ergebnis eines sehr langen und schwierigen Entwicklungsprozesses, an dem unzählige Personen in allen Zeitaltern teilgenommen haben.
    Vielleicht wird das so manche ermutigen sich auch auf dieses Abenteuer einzulassen.

    Nebenbei - das mit "dreckig machen" ist wegen der Zweideutigkeit deplaciert und kontraproduktiv (im Sinne des Artikels). Warum nicht z.B. Frauen die neugierig sinden?

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    • sengi
    • 12.04.2012 um 18:08 Uhr

    der genderwahn zeigt ja sehr deutlich das frauen es einfach nicht von alleine in die fußstapfen des mannes schaffen (mir scheint sie wollen es, bitte berichtigt mich wenn ich falsch liege). wir schreiben das jahr 2012 und immer noch ist es einen artikel wert wenn mal ein tv-kommissar eine frau ist.

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    Sie wollen eigene Stapfen, in die sie treten können und dabei auch weibliche Vorbilder.

    Das Frauchen, das immer die kleinen Ärmchen hilflos in die Luft streckt, um von Männerhand gerettet zu werden, das Mutti, das sich aufopfernd um die Lieben kümmert, der Hausdrache und die ewig schöne aber untalentierte Frau, die natürlich jung sein muss, reichen als Rollenmuster nicht aus.

    Wenn sich da endlich mehr tut, ist es für junge Frauen mit Sicherheit eine Erleichterung zu sehen, dass es zumindest die Idee bereits gibt und vor allem brauchen sie nicht versuchen in Männerstapfen größe 45 zu laufen, wenn sie selbst nur Größe 37 aufzuweisen haben.

    Selbst ist die Frau - das wäre für mich ein gutes Motto gerade auch für Serien, Spielfilme und all den Kram, den wir zu sehen bekommen, wenn wir die Medien nutzen.

    Sie wollen eigene Stapfen, in die sie treten können und dabei auch weibliche Vorbilder.

    Das Frauchen, das immer die kleinen Ärmchen hilflos in die Luft streckt, um von Männerhand gerettet zu werden, das Mutti, das sich aufopfernd um die Lieben kümmert, der Hausdrache und die ewig schöne aber untalentierte Frau, die natürlich jung sein muss, reichen als Rollenmuster nicht aus.

    Wenn sich da endlich mehr tut, ist es für junge Frauen mit Sicherheit eine Erleichterung zu sehen, dass es zumindest die Idee bereits gibt und vor allem brauchen sie nicht versuchen in Männerstapfen größe 45 zu laufen, wenn sie selbst nur Größe 37 aufzuweisen haben.

    Selbst ist die Frau - das wäre für mich ein gutes Motto gerade auch für Serien, Spielfilme und all den Kram, den wir zu sehen bekommen, wenn wir die Medien nutzen.

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