Vielleicht sind die Plüschtier-Dinos in vielen Kinderzimmern gar nicht so weit von der Realität entfernt: Flauschige Räuber gab es selbst unter den Tyrannosauriern. Paläontologen haben im Nordosten Chinas fossile Skelette ausgegraben, die erstmals belegen, dass selbst große Raubsaurier gefiedert sein konnten.

Die Überreste stammen von einer bisher unbekannten Art, die mit dem Tyrannosaurus rex verwandt gewesen ist. Ihre chinesischen und kanadischen Entdecker tauften den Fleischfresser auf den Namen Yutyrannus huali , eine Kunstform aus Latein und Mandarin, die übersetzt so viel bedeutet wie "schön gefiederter Tyrann". Das Tier lebte in der Unterkreide, vor mehr als 100 bis 145 Millionen Jahren.

Der massige Saurier brachte ausgewachsen geschätzte 1,4 Tonnen auf die Waage und maß von Kopf bis zur Schwanzspitze gut neun Meter, schreiben die Forscher um Xu Xing und Corwin Sullivan im Magazin Nature . Ganz so mächtig wie sein berühmter Verwandter wurde er also nicht: Tyrannosaurus rex war ein Sieben-Tonnen-Jägerkoloss.

In ihrer Statur ähnelten sich beide Saurier aber sehr, bis hin zu den verkümmerten Stummelärmchen, über deren Funktion Paläontologen bis heute rätseln. Vielleicht halfen sie beim Aufstehen nach Stürzen.

Eine Äußerlichkeit unterscheidet die Tyrannosaurier-Arten aber dramatisch: Yutyrannus trug ein Federkleid. "Das waren einfache Filamente", erklärt sein Entdecker Xu Xing vom Pekinger Institut für Wirbeltier-Paläontologie und Paläoanthropologie . "Sie ähnelten wohl mehr dem flockigen Flaum heutiger Hühnerküken als den stabilen Federn eines ausgewachsenen Vogels." Yutyrannus ist damit das bisher größte bekannte gefiederte Tier, dass jemals die Erde bevölkerte.

Wozu das Federkleid?

"Man möchte geradezu von einem Fell oder gar einer Wolle sprechen", sagt der Forscher Markus Moser von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München . Er hält den Fund Xu Xings "für eine beinahe erwartbare Sensation". Dass zumindest einige Dinosaurier teilweise gefiedert waren, sei bereits Lehrbuchwissen.

2004 hatte Xu Xing bereits einen relativ kleinen Tyrannosaurier erstmals beschrieben, der eine haarähnliche Körperbedeckung trug, die aus dem gleichen Material wie Vogelfedern bestand. Dilong paradoxus wurde bis zu zwei Meter lang und stammt wie auch die drei nun entdeckten Skelette von Yutyrannus huali aus der reichen fossilen Schatzkammer der Yiaxin-Gesteinsformation in der chinesischen Provinz Liaoning. "Das war ein wichtiger Fingerzeig, dass Dinosaurier möglicherweise in viel weiterem Umfang mit Protofedern ausgestattet waren, als gedacht", sagt Moser.

Der struppige Yutyrannus deutet nun ebenfalls darauf hin und überrascht: Bisherige fossile Hautabdrücke zeugten lediglich von schuppigen und nackten großen Sauriern. "Auch von einigen heute lebenden Großsäugern kennen wir das Phänomen, dass die größten nackt sind – wie Nashorn oder Elefant – und kleinere Tiere dagegen ein Fell haben", sagt Moser. Allerdings scheint dies eine Frage des Klimas zu sein: "Es gab zu den Kalt- und Eiszeiten schließlich auch das Wollnashorn und das Mammut ."