FossilienfundEin T. Rex mit plüschigem Vogelflaum

Paläontologen haben in China einen überraschenden Fund gemacht. "Yutyrannus" war ein Verwandter des T. Rex und belegt erstmals: Auch große Saurier trugen Federschmuck. von 

Vielleicht sind die Plüschtier-Dinos in vielen Kinderzimmern gar nicht so weit von der Realität entfernt: Flauschige Räuber gab es selbst unter den Tyrannosauriern. Paläontologen haben im Nordosten Chinas fossile Skelette ausgegraben, die erstmals belegen, dass selbst große Raubsaurier gefiedert sein konnten.

Die Überreste stammen von einer bisher unbekannten Art, die mit dem Tyrannosaurus rex verwandt gewesen ist. Ihre chinesischen und kanadischen Entdecker tauften den Fleischfresser auf den Namen Yutyrannus huali , eine Kunstform aus Latein und Mandarin, die übersetzt so viel bedeutet wie "schön gefiederter Tyrann". Das Tier lebte in der Unterkreide, vor mehr als 100 bis 145 Millionen Jahren.

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Sven Stockrahm
Sven Stockrahm

Sven Stockrahm ist Redakteur im Ressort Wissen bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Der massige Saurier brachte ausgewachsen geschätzte 1,4 Tonnen auf die Waage und maß von Kopf bis zur Schwanzspitze gut neun Meter, schreiben die Forscher um Xu Xing und Corwin Sullivan im Magazin Nature . Ganz so mächtig wie sein berühmter Verwandter wurde er also nicht: Tyrannosaurus rex war ein Sieben-Tonnen-Jägerkoloss.

In ihrer Statur ähnelten sich beide Saurier aber sehr, bis hin zu den verkümmerten Stummelärmchen, über deren Funktion Paläontologen bis heute rätseln. Vielleicht halfen sie beim Aufstehen nach Stürzen.

Eine Äußerlichkeit unterscheidet die Tyrannosaurier-Arten aber dramatisch: Yutyrannus trug ein Federkleid. "Das waren einfache Filamente", erklärt sein Entdecker Xu Xing vom Pekinger Institut für Wirbeltier-Paläontologie und Paläoanthropologie . "Sie ähnelten wohl mehr dem flockigen Flaum heutiger Hühnerküken als den stabilen Federn eines ausgewachsenen Vogels." Yutyrannus ist damit das bisher größte bekannte gefiederte Tier, dass jemals die Erde bevölkerte.

Wozu das Federkleid?

"Man möchte geradezu von einem Fell oder gar einer Wolle sprechen", sagt der Forscher Markus Moser von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München . Er hält den Fund Xu Xings "für eine beinahe erwartbare Sensation". Dass zumindest einige Dinosaurier teilweise gefiedert waren, sei bereits Lehrbuchwissen.

Zeitalter

Die Saurier entwickelten sich nach neuesten Erkenntnissen vor etwa 243 Millionen Jahren im Mesozoikum (Erdmittelalter). Es wird in drei Perioden unterteilt: die Trias, der Jura und die Kreide. Die Trias, in dem fast die gesamte Landmasse im Superkontinent Pangea zusammengefasst war, bezeichnet die Zeit von 251 Millionen bis 200 Millionen Jahre. Auf die Trias folgte der Jura von 200 bis 145 Millionen Jahren, in dem der Urkontinent auseinanderbrach und sich langsam in die heutigen Kontinente aufteilte.

Infografik
Warum starben die Dinosaurier aus? Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF herunterzuladen.

Warum starben die Dinosaurier aus? Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF herunterzuladen.  |  © Niels Schröder

Anschließend folgte die Zeit der Kreide vor 145 bis 65 Millionen Jahren. Mit dem Ende der Kreide wurden fast alle Saurier ausgerottet. Da man die Vögel als Nachfahren einer Gruppe der Saurier ansieht, sind sie jedoch streng genommen nicht vollständig ausgestorben.

Von den Reptilien, die damals auf der Erde vorkamen, überlebten zum Beispiel die Krokodile, Schlangen, Eidechsen und die Schildkröten.

Die Pflanzenwelt veränderte sich während dieser Zeit dramatisch. Von einstigen Landschaften mit Nadelwäldern und Ginkobäumen wandelte sich das Bild in der Kreidezeit zu Laubwäldern und Buschlandschaften. Dafür verantwortlich war die Entwicklung der Blütenpflanzen in der frühen Kreidezeit.

Systematik

Zu den Sauriern zählt man die Saurischia (Echsenbeckendinosaurier), zu denen die meist fleischfressenden Theropoden und die zumeist pflanzenfressenden Sauropoden gehören, sowie die Ornithischia (Vogelbeckendinosaurier), deren Gruppe hauptsächlich Pflanzenfresser umfasst. Die meist in Büchern abgebildeten Meeressaurier und Flugsaurier gehören systematisch nicht zu den Dinosauriern.

Erscheinungsbild

Über das Aussehen der Saurier sind die Wissenschaftler sich größtenteils einig. Die Rekonstruktionen aus versteinerten Knochen und Hautfetzen lassen ein ziemlich genaues Bild der damaligen Bewohner entstehen. Allerdings gibt es keine Sicherheit über mögliche Haare, Federn und Farbe. Neueste Erkenntnisse lassen vermuten, dass viele Arten Borsten oder Federn besaßen, die teilweise interessante Färbungen aufwiesen. Pigmentzellen wurden in Borsten- und Federversteinerungen gefunden.

Verhalten

Über die Physiologie, das Verhalten und die Entwicklung kann meist nur spekuliert werden. Hier müssen sich die Wissenschaftler häufig auf Vergleiche mit heutigen Tierarten verlassen. Eine strittige Frage war, ob die Saurier wechselwarme Tiere waren oder nicht. Nach Vergleichen der Anatomie und der aufrechten Körperhaltung der Saurier, die den der warmblütigen Säugetiere und Vögel entspricht, gehen die meisten Forscher davon aus, dass die Saurier aktiv ihre Körpertemperatur über der Umgebungstemperatur halten konnten. Ihre aufrechte Haltung sei ein Indiz für eine Anpassung an dauerhaftes Laufen, was nur mit einer erhöhten Stoffwechselrate zu bewerkstelligen gewesen wäre.

Ob die Saurier Herdentiere waren, lässt sich ebenfalls nicht eindeutig feststellen. Wissenschaftler vermuten, dass die großen Räuber eher Einzelgänger waren, Pflanzenfresser sich lieber in größeren Gruppen aufhielten, um sich gegenseitig Schutz zu bieten. Es gibt aber auch Hinweise, dass kleinere Raubsaurier in Gruppen gejagt haben könnten.

Brutpflege betrieben aber offenbar die wenigsten der Ur-Echsen. Paläontologen entdeckten zwar Nester mit versteinerten Eiern, fanden aber keine Belege dafür, dass sie von den adulten Tieren betreut wurden.

Aussterben

Zum Aussterben der Saurier gibt es mehrere Theorien. Eine geht davon aus, dass ein großer Asteroid die Erde traf und die Folgen das Schicksal der Urzeittiere besiegelte. Die Tiere, die nicht sofort starben, fielen der Veränderung des Klimas zum Opfer.

Einer anderen Theorie zufolge hätte der Ausbruch mehrerer Vulkane das weltweite Klima so stark verändert, dass die Saurier nicht mehr überlebensfähig waren. Durch die Verdunkelung der Atmosphäre durch Staub und Asche könnte auch die Nahrung der Pflanzenfresser verschwunden sein. Die Fleischfresser verhungerten ohne ihre Beutetiere.

Eine weitere Theorie besagt, dass eine weltweite Epidemie die Saurier auslöschte. Diese These ist allerdings stark umstritten, da ein solches Virus für praktisch alle Arten fatale Folgen hätte haben müssen.

Auch die Säugetiere könnten zum Aussterben der Saurier beigetragen haben, indem sie in Konkurrenz um die Nahrung traten und somit die ökologische Nische der Saurier besetzte. Das vermehrte Auftreten von Blütenpflanzen könnte die Nahrung verknappt haben. Daher könnten die Saurier trotz des üppigen Nahrungsangebots verhungert sein.

Die letzten drei Theorien sind allerdings als einzige Ursache sehr umstritten. Mehrere Gründe könnten auch zusammen verantwortlich sein. Dies ist anzunehmen, denn die Saurier hatten bereits die gesamte Erde und viele verschiedene Lebensräume besiedelt und sich angepasst.

Rekorde

Die Urechsen haben erstaunliche Eigenschaften besessen. Der größte unter ihnen, der Argentinosaurus, war an die 45 Meter lang und wog bis zu 80 Tonnen.

Die Schnellsten, zu denen auch der Ornithomimus gehört, erreichten möglicherweise Geschwindigkeiten von mehr als 60 Stundenkilometern.

Die längsten Krallen hatte der Deinocheirus mit etwa 30 Zentimetern. Von ihm gibt es allerdings kein komplettes Skelett. Nur die vorderen Extremitäten sind als Fossilien gefunden worden.

Das größte bekannte Saurier-Ei gehört der Spezies Hypselosaurus. Es war bis zu 30 Zentimeter groß.

Einer der besten gepanzerten Saurier war der berühmte Triceratops, ein etwa neun Meter langer Vierbeiner mit einem Kopf, auf dem eine Knochenplatte und drei Hörner saßen.

2004 hatte Xu Xing bereits einen relativ kleinen Tyrannosaurier erstmals beschrieben, der eine haarähnliche Körperbedeckung trug, die aus dem gleichen Material wie Vogelfedern bestand. Dilong paradoxus wurde bis zu zwei Meter lang und stammt wie auch die drei nun entdeckten Skelette von Yutyrannus huali aus der reichen fossilen Schatzkammer der Yiaxin-Gesteinsformation in der chinesischen Provinz Liaoning. "Das war ein wichtiger Fingerzeig, dass Dinosaurier möglicherweise in viel weiterem Umfang mit Protofedern ausgestattet waren, als gedacht", sagt Moser.

Der struppige Yutyrannus deutet nun ebenfalls darauf hin und überrascht: Bisherige fossile Hautabdrücke zeugten lediglich von schuppigen und nackten großen Sauriern. "Auch von einigen heute lebenden Großsäugern kennen wir das Phänomen, dass die größten nackt sind – wie Nashorn oder Elefant – und kleinere Tiere dagegen ein Fell haben", sagt Moser. Allerdings scheint dies eine Frage des Klimas zu sein: "Es gab zu den Kalt- und Eiszeiten schließlich auch das Wollnashorn und das Mammut ."

Leserkommentare
  1. Dinosaurier schmeckten wie Hühnchen.

    Aber ernsthaft, schöner Fund. Ein Grund mehr Leute, die an der Evolution zweifeln, auszulachen.

    • Varech
    • 04. April 2012 21:20 Uhr

    Ja, wie warm ist es in einer Schublade voller warmer Socken? Wolle und Federn isolieren das Innen vom Aussen. Wenn die Urviecher Isoliermaterial auf der Haut trugen, wirft das die Frage nach ihrer Körpertemperatur-Regelung auf. Aber heisse Fossilien? Tatsächlich ist doch zu bedenken, dass auch heutzutage ganz "unwahrscheinliche" Lebewesen (Pflanzen und Insekten z.B.) reichlich eigene Wärme produzieren können; ich würde also das Saurier-"Fell" als weiteren Beweis für die Warmblütigkeit der Dinos werten.

    Und was die Stummelärmchen angeht, haben die den Tyrannos wohl kaum beim Reden zum Gestikulieren gedient. Die Vorderfüsse, wenn sie nicht zur Arbeit taugen, helfen ganz allgemein im Tierreich bei der vitalsten aller Tätigkeiten nicht schmählich seitlich runterzurutschen.

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    • Varech
    • 05. April 2012 1:25 Uhr

    ... wird es damal bei den Sauriern vermutlich gewesen sein. Wer den Wintermorgen dank Standheizung und warmer Jacke gut vorgewärmt anfängt, hat den coolen langsam startenden Schlaffies gegenüber natürlich einen ganz anderen Biss. Wir müssten uns nicht wundern, wenn das heisse Blut und die effiziente Wärmeregelung mit der Entwicklung der grossen Prädatoren einhergegangen wäre. Einfach nur Gras fressen, geht auch noch in der Mittagssonne, braucht keine Frühaufsteher mit Daunenjacken.

  2. ... als engste Verwandte mit den Federn fliegen können, sollte auch klar sein, dass die Entwicklung der Federn eine geraume Zeit vorher begann und dass wie so häufig, womöglich der Ursprung in einem Effekt lag, den wir zwar heute noch sehen können ( Isolierung, Entsorgung, Signalwirkung ), aber in seiner damaligen Tragweite nicht so recht würdigen.
    Ich stelle mir ferner vor, dass entgegen der darstellungen in den Animationen der T-Rex nicht so gewaltig geröhrt, sondern blutrünstig gezwitschert hat wie heutzutage eine Amsel ...

  3. Gewöhnt Euch daran! Dinosaurier waren Vögel, sie hatten Federn, sie bauten Nester, sie legten Eier. Vögel tun dies auch heute noch, nur sind sie jetzt kleiner. Die Idee, dass sie damals alle schmutzig braun waren, ist nur eine idiotische Fantasie moderner Illustratoren. Warum sollten sie denn erst in moderner Zeit bunt geworden sein? Selbstverständlich waren sie damals schon genau so kunterbunt wie alle Vögel heute noch.

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    der unterschied ist, das der vogel davonfliegen kann wenn ein raubtier kommt, der dinosaurier nicht. ein fluchttier dass grelle farben besitzt, wird leichter von raubtieren entdeckt. auch für die raubtiere wäre es wohl sehr unvorteilhaft sich in grellen farben an das opfer anzuschleichen.
    aber wer weiß, vieleicht waren die taktiken der evolution damals noch nicht so ausgeklügelt wie heute. Aber von "selbstverständlich" kann auf jeden fall keine Rede sein.

    • Varech
    • 05. April 2012 1:25 Uhr

    ... wird es damal bei den Sauriern vermutlich gewesen sein. Wer den Wintermorgen dank Standheizung und warmer Jacke gut vorgewärmt anfängt, hat den coolen langsam startenden Schlaffies gegenüber natürlich einen ganz anderen Biss. Wir müssten uns nicht wundern, wenn das heisse Blut und die effiziente Wärmeregelung mit der Entwicklung der grossen Prädatoren einhergegangen wäre. Einfach nur Gras fressen, geht auch noch in der Mittagssonne, braucht keine Frühaufsteher mit Daunenjacken.

  4. Wenn jetzt diese Dinos also warmblütig waren und bei Temperaturen von 10 Grad rumgerannt sind ist sicher zu bestimmten Zeiten ihr Atem kondensiert. Und dann waren die Dinos doch die Drachen aus den Legenden, nur dass man bei dem kondensierenden Atem aus Dampf eben gleich Feuer gemacht hat ;-)

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    mit Ihrem launigen Kommentar aber hoffentlich nicht implizieren, daß Menschen und Dinosaurier zur gleichen Zeit gelebt hätten. Das würde dann nämlich auf die Evolutionsleugnung der Kreationisten hinauslaufen.

    Nein, aber falls irgendwann drachenähnliche Wesen zur Zeit der Menschen gelebt haben sollten und nicht alles bloß Erfindung war dann könnten das durchaus Nachfahren von Dinos gewesen sein, und es wäre typisch für den menschlichen Erzählgeist aus einem kondensierenden Atem bei bedrohlich wirkenden Tieren gleich einen Feueratem zu erdichten.

  5. mit Ihrem launigen Kommentar aber hoffentlich nicht implizieren, daß Menschen und Dinosaurier zur gleichen Zeit gelebt hätten. Das würde dann nämlich auf die Evolutionsleugnung der Kreationisten hinauslaufen.

    Antwort auf "Wenn jetzt..."
  6. der unterschied ist, das der vogel davonfliegen kann wenn ein raubtier kommt, der dinosaurier nicht. ein fluchttier dass grelle farben besitzt, wird leichter von raubtieren entdeckt. auch für die raubtiere wäre es wohl sehr unvorteilhaft sich in grellen farben an das opfer anzuschleichen.
    aber wer weiß, vieleicht waren die taktiken der evolution damals noch nicht so ausgeklügelt wie heute. Aber von "selbstverständlich" kann auf jeden fall keine Rede sein.

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  • Schlagworte Dinosaurier | Geologie | Paläontologie | Saurier | Tier | China
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