Antike SchätzeÄgyptens Archäologen versuchen wieder Tritt zu fassen

Seit dem Sturz des Mubarak-Regimes ist die Antikenverwaltung in Geldnot. Die Wächter über Ägyptens Altertümer setzen nun auf Großprojekte – auch mit deutscher Hilfe. von 

Sieben Mal hat Hosni Mubarak den Grundstein bereits gelegt, erzählen sich Kairos Spötter gerne. Und gut ein Jahr nach der Revolution versammelten sich unlängst seine politischen Nachfolger erneut auf dem Giza-Plateau in Sichtweite der Pyramiden. Wieder gab es festliche Reden und feierliche Schwüre. Nach August 2012 und 2013 hieß es diesmal, das ehrgeizige Projekt Großes Ägyptisches Museum solle nun wirklich bis zum August 2015 stehen.

Mit 32.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und 120.000 Exponaten soll es eine der größten Sammlungen der Welt werden. Es werde "keine weiteren Verzögerungen mehr geben", schwor Antikenminister Mohamed Ibrahim, bevor er im Beisein der beiden Baukonzerne aus Belgien und Ägypten seine Unterschrift unter den 620-Millionen-Euro-Vertrag setzte.

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Zwei Drittel der Kosten steuert Japan mit einem zinslosen Kredit bei, den Kairo erst zehn Jahre nach der Eröffnung in Raten zurückzahlen muss. Wo das übrige Drittel herkommen soll, darüber schwieg sich der Minister aus. Kein Wunder, im ersten Haushaltsjahr nach Mubarak klafft ein 20-Milliarden-Euro-Loch im Staatsetat. Und die in Aussicht gestellten Finanzhilfen der reichen Golfstaaten und des Internationalen Währungsfonds stopfen nicht einmal einen Bruchteil.

Die Forschung hat wieder Tritt gefasst

Entsprechend fehlt das Geld auch in der Antikenverwaltung (SCA) mit ihren 30.000 Angestellten an allen Ecken und Enden. Seit dem Abgang des allmächtigen und umtriebigen Matadors Zahi Hawass im Juli 2011 befindet sich die Großbehörde in einem chronischen Strudel. Vier Nachfolger sind seither gekommen und bald wieder gegangen. Da sich die Administration allein aus Tantiemen, Grabungsgebühren und Eintrittsgeldern finanziert, macht ihr vor allem der Einbruch im Tourismus schwer zu schaffen. "Der Geldmangel ist unser größtes Problem", sagt der gegenwärtige Chef Mohamed Ibrahim  – und kündigte an, er werde die bislang relativ niedrigen Eintrittspreise für ausländische Besucher bald drastisch erhöhen.

Die Forschung dagegen hat wieder Tritt gefasst, auch wenn die Archäologen mit Sorge die wachsende Gesetzlosigkeit am Nil beobachten. Im ganzen Land gibt es einem Boom von illegalen Neubauten, der auch vor sensiblen Grabungsplätzen nicht Halt machte. Der Antikenverwaltung aber fehlen die Mittel und die Kraft, den Abriss solcher Schwarzbauten durchzusetzen.

Die Diebstähle dagegen, in den ersten Monaten nach dem Sturz von Hosni Mubarak eine regelrechte Plage, sind seltener geworden. Im Prinzip blieben alle großen, bewachten Magazine unangetastet. In kleineren Lagerräumen, die sich in Grabungshäusern oder Grabkammern befanden, kam dagegen manches abhanden, genauso wie am 28. Januar 2011 bei dem nächtlichen Masseneinbruch im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz von Kairo.

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