Raumfrachter "Dragon": Riskanter Liftoff für die private Raumfahrt
Der Start der privaten Raumkapsel "Dragon" markiert einen Umbruch. Gut so! Die Nasa geht eine gewagte Allianz ein, um ihr Raumfahrtprogramm zu retten.
© SpaceX/Nasa

Eine Animation zeigt, wie sich die Raumkapsel "Dragon" des Unternehmens SpaceX der internationalen Raumstation ISS nähert.
Die ruhmreichen Tage der Nasa sind gezählt. Die amerikanische Weltraumagentur muss künftig Glanz und Gloria ihres Raumfahrtprogramms teilen – mit Unternehmern wie Elon Musk. Der ungewöhnliche Raketenpionier feierte am Dienstagmorgen seinen bislang größten Triumph. In Florida hob in gleißendem Licht der Triebwerke seine "Falcon-9"-Rakete mit der Raumkapsel Dragon an Bord zur Raumstation ISS ab.
Der Kapitalismus hat gesiegt über das kostspielige und siechende staatliche Raumfahrtprogramm der USA. Das ist ebenso chancenreich wie riskant.
Die Nasa steht unter Druck. Mit der letzten Spaceshuttle-Mission endete vergangenen Juli auch ein finanzielles Desaster. Das recyclebare Taxi ins All überstieg alle zuvor kalkulierten Kosten, seine Technik war so komplex wie anfällig. Die Nasa sah sich in einer Sackgasse.
Seither kauft die Behörde ihren Astronauten teure Mitfluggelegenheiten in der Sojus-Kapsel. Die russische Technik ist die einzig verbliebene Möglichkeit, um Raumfahrer noch zur ISS und zurück zur Erde zu manövrieren.
Das könnte sich nun ändern. Noch trägt der Drache von Elon Musks Firma SpaceX nur rund eine halbe Tonne Versorgungsgüter und Nahrungsmittel ins All. Künftig soll er aber auch Astronauten chauffieren. Frühestens zwar von 2017 an, aber immerhin.
Private Raumfahrtunternehmen könnten der Nasa also einen Ausweg aus ihrer prekären Finanzlage im Weltraumgeschäft weisen. Die Allianz war bitter nötig und ist mitnichten revolutionär. Die Nasa baute ihr Raumfahrtprogramm schon seit jeher mit Aufträgen an externe Unternehmen auf, darunter etwa mit den Partnern Lockheed und Boeing.
Musste die Behörde früher jedoch beim Bau und der Entwicklung neuer Raumschiffe für Rückschläge und Verzögerungen selbst bezahlen, tritt sie das Kostenrisiko nun an Firmen wie SpaceX ab. Die Nasa investiert lediglich in den Start der Raumfahrtprojekte.
Bewähren sich die privaten Raketen- und Raumschiffentwickler, dürfen sie dafür auf Milliardensummen hoffen, um den Betrieb ihrer Fähren und Frachter abzuwickeln. Die Dragon und ein zweiter fast fertig konzipierter Frachter der Firma Orbital Sciences könnten dann bald schon dem amerikanischen Raumfahrtprogramm das Überleben sichern.

Sollte der Dragon-Frachter in den kommenden Tagen an der ISS festmachen und sicher zur Erde zurückkehren, ist das also ein Erfolg. Der Nasa bietet sich damit auch eine von Wissenschaftlern ersehnte Chance: Wer sich nicht mehr um kostspielige Raketenstarts kümmern muss, kann die bislang eher maue Forschung auf der Raumstation ISS intensiver fördern.
Allerdings ist auch das Ende des Labors im Weltraum schon terminiert, auf das Jahr 2020. Danach stellt sich deshalb für die privaten Unternehmen die Kostenfrage neu. Satelliten ins All zu schießen, lohnt sich. Die große Unbekannte aber wird sein, ob es gelingt, gut betuchte Touristen auf eine Reise ins All oder zumindest in den Orbit zu schicken.
Das übernächste Kapitel sind Jungsträume, wie sie Elon Musk pflegt. "Die Menschheit muss zum Mars, so oder so", sagt der 40-Jährige, der unter anderem mit dem Verkauf der Firma PayPal zum Milliardär wurde. In spätestens 20 Jahren sei dies möglich, mit oder ohne die Nasa.
Musk sollte den Mund nicht zu voll nehmen. Gerade er sollte wissen, dass die Raumfahrt ein riskantes Unterfangen ist und mehr Fehlschläge als Erfolge mit sich bringt. Allein der Start der Dragon-Kapsel musste bis heute dreimal verschoben werden – wegen technischer Probleme.








@ Angus Parvis:
War dieses Projekt http://de.wikipedia.org/w... gemeint?
In Peenemünde wurden übrigens noch bis zur Wende (und teilweise sogar noch im wiedervereinigten Deutschland) Raketen bis in knapp 80 km Höhe geschossen.
Und dann gab es ja noch die "Bastlerrakete" auf V2 Basis, die vor einiger Zeit von der Ostsee aus erfolgreich gestartet wurde.
Aber, wie gesagt, es waren alles nur Hüpfer im Vergleich zum orbitalen Flug.
Lieber Herr Stockrahm,
ich stimme Ihnen zu: Bisher überwiegen die Vorteile einer Privatisierung, zumal ich diese als eine notwendige Folge der aktuellen wirtschaftspolitischen Situation vieler (wenn nicht aller) Nationen ist. Es wird immer schwerer, dem Bürger zu vermitteln, warum immer kostspieligere Raumfahrtprojekte notwendig sein sollten. Die wenigsten wird interessieren, was mit der Menschheit passiert, wenn die Sonne sich in vielen Millionen Jahren zu einem roten Riesenstern entwickelt. Und soweit es die augenblickliche Situation anbelangt, scheint es wichtigere Probleme als die Erkundung des Mars oder Mondes zu geben. Im Zuge dieser Privatisierung muss aber (zB durch gesetzliche Rahmenbedingungen) gewährleistet werden, dass vor allem die Sicherheit der Menschen, die an bemannten Raumflügen teilnehmen (ob nun "nur" im Orbit oder auch zum Mars) nicht zugunsten von rein wirtschaftlichen Interessen zurücktritt.
Abgesehen davon kann ich eine Privatisierung der Raumfahrt nur befürworten, bevor die Erforschung des Weltalls möglicherweise stillstehen muss, weil von den Nationen dafür keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung gestellt werden. Und ich persönlich finde auch den Gedanken an den Raumfahrttourismus sehr reizvoll. Wer würde nicht gerne unseren blauen Planeten mal von oben sehen?
Am sinnvollsten wäre sicherlich zusätzlich eine Zusammenarbeit aller Nationen, so dass parallel zu privaten Unternehmungen auch ein staatlich gefördertes Raumfahrtprogramm entstehen würde. Die Privatisierung wird früher oder später ihren Schwerpunkt auf den Raumfahrttourismus verlagern, so dass vielleicht die Wissenschaft zu kurz kommen könnte. Und der wissenschaftliche Fortschritt wird ohnehin sehr viel schneller eintreten, wenn sich die Raumfahrtnationen nicht gegenseitig blockieren, sondern Hand in Hand arbeiten.
Herzliche Grüße!
Wenn staatliche Institutionen Dinge tun, dann sind sie dabei meist ihrem Budget aber auch dem jeweiligen Staat gegenüber verpflichtet.
Wenn diese Tätigkeit (was auch immer es ist) an private Konzerne übergeben wird, dann bestimmt vor allem Profitmaximierung das Streben. Profite kann ich maximieren indem ich meine Einnahmen immer weiter steiger und am Besten dabei meine Kosten immer weiter minimiere. In jüngster Vergangenheit hatten wir explodierende oder auslaufende Ölplattformen aber auch Sicherheitsmängel in Atomkraftwerken sind uns nicht unbekannt. Fast immer geht es hierbei um eingesparte Wartungskosten.
Der Staat kann dem begegnen, indem er eine strenge Regulierung fährt. Die Unternehmen begegnen dem mit Korruption.
Die Frage stellt sich also: Was passiert im schlimmsten Fall? Ölpest? Radioaktive Verseuchung? Glühende Trümmerteile die im Wohngebiet niedergehen? Wenn man einen guten Weg findet, wie die Unternehmen jederzeit mit in der Verantwortung sind, dann seh ich keinen Grund, warum man es nicht tun sollte.
...sehr geehrter Herr Stockrahm,
zum Beispiel: die weitgehende Unabhängigkeit von Regierungen und der Politik, die Entlastung der Steuerzahler, die Effizienz der freien Wirtschaft gegenüber staatlicher beeinflusster- oder geführter Unternehmen, die Innovationspotentiale der privaten Unternehmen für Forschung und Technik und schließlich auch der freie Wettbewerb,
usw., usw. ..............
Ja es gibt sicherlich auch Risiken, aber kalkulierbar meine ich.
Viel Erfolg für Ihre Arbeit wünsche ich,
B.B.
Das Problem der Staatsbetriebe ist, dass sie mit zunehmendem Alter immer ineffizienter werden.
Dies liegt zum Teil an der staatlichen Grundeinstellung nicht nach Eignung sondern nach Parteizugehörigkeit, Dienstalter u. Geschlecht zu befördern. Teilweise auch daran, dass Spitzenleute in der Privatwirtschaft bessere Arbeitsbedingungen haben um ihre Visionen umzusetzen.
Was für eine Frage.
Mais oui! Natürlich überwiegen die Vorteile. C.
Die Aussage eines Herrn Stockrahm (selber ein unbedeutender Redakteur) "Musk sollte den Mund nicht zu voll nehmen" ist doch sehr anmaßend. Wer mit 40 Jahren Paypal (Internet), Tesla (Automobil) und SpaceX (Raketen)(mit-)gegründet hat und hunderte Millionen verdient und wieder investiert hat sicher etwas Kredit bei seinen Aussagen verdient: Paypal verdient, die Autos surren und die Raketen fliegen tatsächlich. Jemand der dies vollbringt ist eben keine Schwätzer (wie vom Redakteur behauptet) sondern ein Visionär, die im übrigen zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt zählt (Time Magazin).
... Um es sinngemäß wie Helmut Schmidt zu sagen.
Liebe(r) Ramses10, die Leistungen und Erfolge des Elon Musk in allen Ehren. Es braucht sicher auch Menschen wie ihn. Aber es ist durchaus gewagt zu behaupten, dass derart ambitionierte Projekte wie ein bemannter (!) Marsflug so kurzfristig zu realisieren sind.
Das hat wenig mit Arroganz zu tun. Natürlich liebt Herr Musk auch die großen Worte - geschenkt.
Im übrigen lautete sein Zitat wie folgt:
“I think humanity needs to get to Mars, one way or another,” said Elon Musk, the founder and chief executive of SpaceX, who vows that his company will send people to Mars in as little as 10 years — more likely 15 years, and certainly within 20.
Ich finde schon, dass man fragen kann, ob Herr Musk hier übers Ziel hinausschießt.
... Um es sinngemäß wie Helmut Schmidt zu sagen.
Liebe(r) Ramses10, die Leistungen und Erfolge des Elon Musk in allen Ehren. Es braucht sicher auch Menschen wie ihn. Aber es ist durchaus gewagt zu behaupten, dass derart ambitionierte Projekte wie ein bemannter (!) Marsflug so kurzfristig zu realisieren sind.
Das hat wenig mit Arroganz zu tun. Natürlich liebt Herr Musk auch die großen Worte - geschenkt.
Im übrigen lautete sein Zitat wie folgt:
“I think humanity needs to get to Mars, one way or another,” said Elon Musk, the founder and chief executive of SpaceX, who vows that his company will send people to Mars in as little as 10 years — more likely 15 years, and certainly within 20.
Ich finde schon, dass man fragen kann, ob Herr Musk hier übers Ziel hinausschießt.
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