Computergrafik des Asteroiden-Einschlages vor rund drei Milliarden Jahren © Carsten Egestal Thuesen/GEUS

Ein Forscherteam um Adam A. Garde vom Geologischen Vermessungsamt für Dänemark und Grönland (GEUS) stieß auf Grönland auf die Überreste eines riesigen Einschlagkraters, der vor rund drei Milliarden Jahren im Erdaltertum entstand. Die Forscher schätzen den ursprünglichen Kraterdurchmesser auf 500 bis 600 Kilometer. Damit wäre die so genannte Maniitsoq-Struktur in Südwestgrönland der älteste und größte derzeit bekannte irdische Einschlagkrater. Der bisherige Rekordhalter ist der Vredefort-Krater in Südafrika mit 300 Kilometer Durchmesser und einem Alter von zwei Milliarden Jahren. Derzeit sind rund 180 Einschlagkrater auf der Erde sicher nachgewiesen.

Die Forscher nehmen an, dass der einschlagende Körper bis zu 30 Kilometer groß war, also etwa dem Marsmond Phobos entsprach. Würde ein derartiges Objekt heutzutage einschlagen, so wären die Folgen global und für höheres Leben fatal, denn der Impakt ist um ein Vielfaches intensiver als der Einschlag von Chixculub an der Kreide-Tertiär-Grenze vor rund 65 Millionen Jahren. Dieser wird von vielen Geowissenschaftlern für das Aussterben der Dinosaurier und vieler anderer Lebensformen verantwortlich gemacht.

Nachgewiesen wurde der Krater durch indirekte Verfahren, etwa die Suche nach Hochdruckmineralen, die nur durch heftige Asteroideneinschläge entstehen. Erschwert wird die Beweisführung allerdings dadurch, dass wir heute keine Gesteine der eigentlichen Kraterstruktur mehr sehen, sondern Material des Untergrunds, das sich nach dem Einschlag rund 25 Kilometer unter der ursprünglichen Oberfläche des Kraters befand. Es wurde über die lange Zeit allmählich durch die Erosion freigelegt. Besonders viel dazu trug der Beginn des Eiszeitalters vor rund drei Millionen Jahren bei, als durch die mächtigen Eismassen des grönländischen Eisschilds die Kruste in dieser Region regelrecht "abgehobelt" wurde.

Ort des Einschlagkraters auf Grönland © GEUS

Die heutige Struktur, die sich am tiefsten unter dem Krater befand, hat einen Durchmesser von 100 Kilometern. Spuren von ausgeworfenem Gestein, das beim Einschlag über die ganze Erde verteilt worden sein muss, wurden bislang nicht gefunden, was bei dem hohen Alter jedoch nicht verwunderlich ist. Nur wenige irdische Gesteine sind um die drei Milliarden Jahre alt, die meisten Gesteine aus dieser Zeit wurden mehrfach durch geologische Prozesse immer wieder umgewandelt und sind heute nicht mehr erkennbar.

Zur Zeit des Einschlags, der mittels radiometrischer Verfahren auf rund drei Milliarden Jahre datiert wurde, erinnerte die Region, die heute an der südwestlichen Küste Grönlands liegt, einem vulkanischen Inselbogen ähnlich Japan. Möglicherweise traf der riesige Meteorit im Meer auf, da die Gesteine der Maniitsoq-Struktur deutliche Zeichen chemischer Veränderungen durch zirkulierende heiße wässrige Lösungen zeigen. Diese Fluide gingen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Meerwasser hervor, dass durch die zerrütteten Gesteine des Kraters sehr tief in die Erdkruste eindringen konnte. Es wurde dort aufgeheizt, reagierte mit den umgebenden Gesteinen,und löste dabei große Mengen an Stoffen heraus. Diese fielen in der Nähe zur Oberfläche unter den stark schwankenden Druck- und Temperaturbedingungen wieder aus und veränderten dabei die Gesteine.

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An der Einschlagstruktur von Maniitsoq gibt es handfeste wirtschaftliche Interessen. Häufig finden sich solchen Regionen reiche Lagerstätten von Rohstoffen wie seltene Erden, Erdöl oder Erdgas. Daher hat die US-Prospektionsfirma und Minenbetreiber North American Nickel bei der grönländischen Verwaltung einen Antrag auf Erkundung möglicher Vorkommen gestellt. Sie möchte in diesem Jahr weiter nach Nickel suchen, das für die Veredlung von Stahl besonders wichtig ist. Ein wichtiges Nickelvorkommen befindet sich in der Sudbury-Struktur in Kanada, ebenfalls ein alter Einschlagkrater. Er entstand vor rund 1,8 Milliarden Jahren.

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