Bemannte RaumfahrtMit Neil Armstrong stirbt der wahre Mann im Mond

Mit ihm stand 1969 die ganze Menschheit auf dem Mond. Nun ist Neil Armstrong tot. Er folgte stets seiner inneren Stimme, die ihn eher zufällig Astronaut werden ließ. von 

Am 20. Februar 2012 erinnerte Neil Armstrong noch in einer Rede an John Glenn anlässlich des 50. Jahrestages des ersten Fluges eines Amerikaners im Erdorbit.

Am 20. Februar 2012 erinnerte Neil Armstrong noch in einer Rede an John Glenn anlässlich des 50. Jahrestages des ersten Fluges eines Amerikaners im Erdorbit.  |  © Bill Ingalls/Nasa via Getty Images

Am 21. Juli 1969 wird Neil Armstrong unsterblich. Seit ein paar Stunden steht der Eagle, die Landefähre der Apollo-11-Mission, auf der Mondoberfläche. Um kurz vor drei Uhr nachts irdischer Standardzeit setzt der Astronaut aus Ohio als erster Mensch seinen Fuß – den linken – in den Staub des Erdtrabanten.

Rund 20 Minuten lang genießt er dieses Alleinstellungsmerkmal, dann klettert auch Edwin "Buzz" Aldrin die Leiter hinunter. Als zweiter Mann auf dem Mond wird er schon weit weniger berühmt. Michael Collins bleibt im Raumschiff, sein Name ist fast vergessen.

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Zu Armstrongs Ruhm trägt sein legendärer Spruch bei: "Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer für die Menschheit". Der Astronaut trifft mit seinen Worten, was viele der knapp 500 Millionen Zuschauer und Zuhörer in aller Welt in diesem Moment empfinden: Er steht stellvertretend für sie alle auf dem vernarbten grauen Ball, der von der Erde aus gesehen so warm und vertraut leuchtet. Sein kleiner Schritt krönt den Ende der sechziger Jahre noch herrschenden Glauben an den Fortschritt.

Besonders in der westlichen Welt ist die Erleichterung über die gelungene Landung groß. Endlich sind die Scharten ausgewetzt, die die Sowjetunion den USA mit Sputnik, Laika und Juri Gagarin geschlagen hat. Die Kommunisten haben den ersten Satelliten, das erste Lebewesen und sogar den Menschen ins All geschickt – doch auf dem Mond weht nun das Sternenbanner.

Armstrong selbst allerdings hält wenig von dem Rummel: "Ich möchte keine Anerkennung für eine einzelne Sache, sondern für das, was ich tagein, tagaus getan habe." Nicht für die Zufälligkeit, im Dienstplan der Nasa auf den Platz des ersten Menschen auf dem Mond gerutscht zu sein, will der Mann geachtet werden, der sich als "weißsockigen, hemdtaschenschoner-tragenden, nerdigen Ingenieur" bezeichnet, sondern für seine Arbeit. 

Die beginnt er als Pilot. Als Nachkomme von Schotten, Iren und Deutschen wird Neil Alden Armstrong am 5. August 1930 auf der Farm der Großeltern in Wapakoneta, Ohio, geboren. Neil hat seinen ersten Flugschein, bevor er Autofahren darf. Sein Studium – er will Luftfahrtingenieur werden – bezahlt die Navy, im Gegenzug muss er sich zu drei Jahren Dienst bei der Marine verpflichten.

Im Korea-Krieg fliegt Armstrong 78 Kampfeinsätze als Marineflieger. Nach dem Krieg macht er seinen Bachelor; den Master erwirbt er erst 1970. Er heuert 1955 als Testpilot an, erprobt 50 verschiedene Flugzeugtypen. Seine Kollegen beschreiben ihn als fleißig, kontrolliert und besonnen. Er überlebt mehrere gefährliche Zwischenfälle.

Andere Raumfahrer haben sich schon als Studenten für die unendlichen Weiten begeistert. Der Pilot Armstrong gerät eher zufällig in das Astronautentraining der Nasa. Er ist der erste Zivilist, den die Amerikaner hinaufschießen. Als kommandierender Pilot der Kapsel Gemini 8 verantwortet er auch das erste Weltraum-Rendezvous der Geschichte: Die Gemini-Kapsel dockt an die unbemannte Agena-Raketenoberstufe an. Armstrong muss die Mission allerdings abbrechen, weil sein Raumschiff unkontrolliert zu rotieren beginnt.

Für seine Frau Janet und die Kinder hat Armstrong wenig Zeit, das Training der Astronauten ist hart, die Dienstzeiten sind lang. Zwei Söhne hat das Paar. Tochter Karen stirbt mit zwei Jahren an einem Hirntumor – ein Schlag, den der Astronaut mit noch mehr Arbeit zu vergessen versucht.

Und dann kommen Apollo 11, der Spaziergang auf der Oberfläche, die er als "fein wie Puder" beschreibt, und die Unsterblichkeit. Denn die Landung auf dem Trabanten der Erde ist nicht nur irgendein Raumfahrtereignis. Schon immer fasziniert der Mond die Menschen. Manche wollen die Entzauberung nicht hinnehmen und halten die Landung bis heute für im Studio gedreht.

Leserkommentare
  1. Einer der wenigen prominenten Menschen, der als Verlust für die Menschen angesehen werden kann.
    Gute Reise Neil

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    Es waren bisher 12 Menschen auf dem Mond:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Armstrongs wahre Worte waren natürlich:
    „Dies ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.“
    („That’s one small step for man, one giant leap for mankind.“)

    http://de.wikipedia.org/w...

  2. Mögest Du eine sichere Reise haben und gut dort ankommen.

    Farewell Neil, Du warst Teil meiner Jugend-Träume!

  3. Ruhe in Frieden, Neil - Mr. Moon - Armstrong!

  4. "Die Zeit der großen Menschheitsschritte ist wohl vorbei." Erstmal wissen Sie nicht was noch kommt und dann stehen wir auch grad erst am Anfang. Die Erfindung des Internet war übrigens auch ein grosser Schritt.

    • FLH80
    • 26. August 2012 6:15 Uhr

    Als ich die Schlagzeile mit Obamas Erklärung bzgl. Armstrong sah, dachte ich zunächst, es handle sich um einen Nachruf auf Lance - und fand es dann doch ein wenig übertrieben...
    Trauer erfasste mich, als ich feststellte, es ist Neil!
    Am 21.07.1969 war mein 6. Geburtstag, den ich mit den vielen Fernsehbildern vom Mond feierte.
    Bis heute bin ich "mondsüchtig"...
    Ein "guter Freund" meiner Kindheit ist nun abgetreten.
    R.I.P., Neil!

  5. In den USA soll es ja noch Millionen Menschen geben, die nicht daran glauben, dass die Mondlandung wirklich statt gefunden hat. Ist mir egal. Auch wenn die Fernsehbilder verwackelt waren, es furchtbar geknackt und gerauscht hat, werde ich den Moment der Mondlandung nie vergessen. Ich war 17 und schon die Bilder des aufgehenden Planeten Erde über dem kahlen Mond, die Apollo 8 gemacht hatte, waren ein Beweis, den man nicht fälschen konnte. Seitdem hat sich Welt total verändert, wir können in Echtzeit in jeden Winkel der Erde schauen und bis in die letzten Teilchen des Universums. Aber unsere Augen sind von all den Bildern so müde, und wir wissen, dass dieser Planet nie wieder so schön sein wird, wie Neil Armstrong ihn gesehen hat. Es gibt noch Helden, aber keine Legenden mehr. Der Mann war eine. Flieg weiter!

  6. ..Schauspieler, der heute noch höchste Glaubwürdigkeit erntet für seine größte Rolle die er jemals spielen durfte. An ihm sollen sich die RTL-Nachmittags-Chargen doch bitte ein Beispiel nehmen.

    Nun gut, jetzt ist der Vorhang geschlossen und das Spiel ist aus, für ihn... doch leider noch nicht für das US-goverment und seinem Publikum.

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    Wenn man keine Ahnung hat einfach mal ... na Sie wissen schon.

    Die ERde, der Mond und Sie - alles nur eine Matrix der CIA.

    ...und mancher noch später. Man wäre halt so gern selber ein Held, nicht wahr?

    • FahadA
    • 26. August 2012 7:10 Uhr

    .. one giant leap for mankind".

    PhD-Studenten habe ich immer gesagt, eine Diss zu schreiben ist das genaue Gegenteil.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Mond | Nasa | John F. Kennedy | Raumfahrt | Apollo
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