Am 20. Februar 2012 erinnerte Neil Armstrong noch in einer Rede an John Glenn anlässlich des 50. Jahrestages des ersten Fluges eines Amerikaners im Erdorbit. © Bill Ingalls/Nasa via Getty Images

Am 21. Juli 1969 wird Neil Armstrong unsterblich. Seit ein paar Stunden steht der Eagle, die Landefähre der Apollo-11-Mission, auf der Mondoberfläche. Um kurz vor drei Uhr nachts irdischer Standardzeit setzt der Astronaut aus Ohio als erster Mensch seinen Fuß – den linken – in den Staub des Erdtrabanten.

Rund 20 Minuten lang genießt er dieses Alleinstellungsmerkmal, dann klettert auch Edwin "Buzz" Aldrin die Leiter hinunter. Als zweiter Mann auf dem Mond wird er schon weit weniger berühmt. Michael Collins bleibt im Raumschiff, sein Name ist fast vergessen.

Zu Armstrongs Ruhm trägt sein legendärer Spruch bei: "Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer für die Menschheit". Der Astronaut trifft mit seinen Worten, was viele der knapp 500 Millionen Zuschauer und Zuhörer in aller Welt in diesem Moment empfinden: Er steht stellvertretend für sie alle auf dem vernarbten grauen Ball, der von der Erde aus gesehen so warm und vertraut leuchtet. Sein kleiner Schritt krönt den Ende der sechziger Jahre noch herrschenden Glauben an den Fortschritt.

Besonders in der westlichen Welt ist die Erleichterung über die gelungene Landung groß. Endlich sind die Scharten ausgewetzt, die die Sowjetunion den USA mit Sputnik, Laika und Juri Gagarin geschlagen hat. Die Kommunisten haben den ersten Satelliten, das erste Lebewesen und sogar den Menschen ins All geschickt – doch auf dem Mond weht nun das Sternenbanner.

Armstrong selbst allerdings hält wenig von dem Rummel: "Ich möchte keine Anerkennung für eine einzelne Sache, sondern für das, was ich tagein, tagaus getan habe." Nicht für die Zufälligkeit, im Dienstplan der Nasa auf den Platz des ersten Menschen auf dem Mond gerutscht zu sein, will der Mann geachtet werden, der sich als "weißsockigen, hemdtaschenschoner-tragenden, nerdigen Ingenieur" bezeichnet, sondern für seine Arbeit. 

Die beginnt er als Pilot. Als Nachkomme von Schotten, Iren und Deutschen wird Neil Alden Armstrong am 5. August 1930 auf der Farm der Großeltern in Wapakoneta, Ohio, geboren. Neil hat seinen ersten Flugschein, bevor er Autofahren darf. Sein Studium – er will Luftfahrtingenieur werden – bezahlt die Navy, im Gegenzug muss er sich zu drei Jahren Dienst bei der Marine verpflichten.

Im Korea-Krieg fliegt Armstrong 78 Kampfeinsätze als Marineflieger. Nach dem Krieg macht er seinen Bachelor; den Master erwirbt er erst 1970. Er heuert 1955 als Testpilot an, erprobt 50 verschiedene Flugzeugtypen. Seine Kollegen beschreiben ihn als fleißig, kontrolliert und besonnen. Er überlebt mehrere gefährliche Zwischenfälle.

Andere Raumfahrer haben sich schon als Studenten für die unendlichen Weiten begeistert. Der Pilot Armstrong gerät eher zufällig in das Astronautentraining der Nasa. Er ist der erste Zivilist, den die Amerikaner hinaufschießen. Als kommandierender Pilot der Kapsel Gemini 8 verantwortet er auch das erste Weltraum-Rendezvous der Geschichte: Die Gemini-Kapsel dockt an die unbemannte Agena-Raketenoberstufe an. Armstrong muss die Mission allerdings abbrechen, weil sein Raumschiff unkontrolliert zu rotieren beginnt.

Mondlandung - Zusammenfassung des Apollo-11-Fluges zum Mond Dieses Video zeigt die Highlights der Apollo-11-Mission, vom Abflug in Florida bis zum Abflug vom Mond. © NASA

Für seine Frau Janet und die Kinder hat Armstrong wenig Zeit, das Training der Astronauten ist hart, die Dienstzeiten sind lang. Zwei Söhne hat das Paar. Tochter Karen stirbt mit zwei Jahren an einem Hirntumor – ein Schlag, den der Astronaut mit noch mehr Arbeit zu vergessen versucht.

Und dann kommen Apollo 11, der Spaziergang auf der Oberfläche, die er als "fein wie Puder" beschreibt, und die Unsterblichkeit. Denn die Landung auf dem Trabanten der Erde ist nicht nur irgendein Raumfahrtereignis. Schon immer fasziniert der Mond die Menschen. Manche wollen die Entzauberung nicht hinnehmen und halten die Landung bis heute für im Studio gedreht.