ZEIT ONLINE: Die irdischen Archäologen haben Bodenfunde, die sie im Labor untersuchen können. Mit Sternen geht das nicht. Wie gehen Sie vor?

Anna Frebel: Wir benutzen große Teleskope, um Spektren aufzunehmen, das heißt: Wir spalten das Licht eines Sterns in die Regenbogenfarben auf. Dabei sehen wir in diesem Farbband, dem Spektrum, dunkle Linien auftauchen. Diese Fraunhoferschen Absorptionslinien sind die 'Fingerabdrücke' der chemischen Elemente, aus denen der Stern besteht. Und dank der Atomphysik wissen wir genau, wo jedes Element im Spektrum seinen 'Fingerabdruck' hinterlässt, und wie er aussieht. Das können wir dann mit verschiedenen Analysemethoden rekonstruieren und bestimmen. So erfahren wir aus welchen Elemente ein Stern besteht. Daran, wie viel wovon enthalten ist,  lässt sich auf das Alter des Sterns und seine Entwicklung schließen.

ZEIT ONLINE: Um Ausgrabungsfunde aus dem Altertum zu datieren, nutzen Archäologen die C-14-Analyse. Gibt es etwas Ähnliches in der stellaren Archäologie?

Frebel: Wir benutzen keine Kohlenstoff-Isotope, sondern radioaktive Elemente, wie Thorium und Uran. Beide haben sehr lange Halbwertzeiten, weshalb sie sich gut für kosmische Zeitskalen eignen. Ähnlich wie die Archäologen berechnen wir, wie viel eines Elements ursprünglich vorhanden war und ermitteln anhand des Zerfalls, wie viel Zeit seit der Geburt des Sternes vergangen ist.

ZEIT ONLINE: Die Erde ist 4,6 bis 4,8 Milliarden Jahre alt. Für kosmische Maßstäbe also blutjung. Was ist für Sie ein uralter Himmelskörper?

Frebel: Ich suche nach Sternen, die fast so alt sind wie das Universum, also rund 13,7 Milliarden Jahre. Ich habe Glück gehabt und einen der ältesten Sterne gefunden: 13,2 Milliarden Jahre alt. Diese frühen Sterne sind aus einer Gaswolke entstanden, die ganz wenig Eisen und Kohlenstoff enthielt. Das ist ein typisches Kennzeichen dieser alten Sterne.

ZEIT ONLINE: Weshalb ist das für die Astronomie so bedeutsam?

Frebel: Diese Erkenntnis hilft bei der Suche nach Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Es scheint, als ob es besser ist, sich bei der Planetensuche auf Sterne zu konzentrieren, die besonders viele schwere Elemente aufweisen. Denn offenbar braucht es davon viele, um überhaupt einen Planeten "zusammenzubacken". Uralte Sterne werden jedoch nicht von Planeten umkreist. Diese Sonnen enthielten kein geeignetes Material, aus dem sich Planeten hätten bilden können.