Diese Illustration zeigt das Robotergefährt Curiosity bei der Arbeit: Mit einem Speziallaser kann der Rover die Beschaffenheit von Mars-Gesteinen analysieren. © Nasa/JPL-Caltech

Der Mars-Roboter Curiosity, der am Montag auf unserem Nachbarplaneten gelandet ist , erwacht langsam zum Leben. Am Dienstag veröffentlichte die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa die ersten Farbfotos , die der Rover von seinem Landeplatz aus gemacht hat. Bis er mit seiner eigentlichen Forschungsarbeit beginnt, werden aber noch Tage, wenn nicht sogar Wochen vergehen. Denn zuerst müssen die zehn komplexen Messapparate und alle weiteren technischen Systeme genau überprüft werden.

Noch ist nicht sicher, dass der Hightech-Roboter die Reise und vor allem die Landung völlig schadlos überstanden hat. Nach allem, was bisher bekannt ist, war das riskante Manöver jedoch erfolgreich: Völlig automatisch hat die Landeeinheit des Rovers ihr Zielgebiet im "Gale"-Krater angesteuert, mithilfe eines Fallschirms und Raketen gebremst, bis das Modul über dem Marsboden schwebte, und dann an mehreren Seilen den Roboter sanft herabgelassen. Im Gegensatz zu den bisher praktizierten "Airbag-Landungen", die nur für kleine Rover eingesetzt werden, konnte so auch der fast eine Tonne schwere Curiosity auf den Boden gestellt werden.

"Ehrlich gesagt hatte ich nicht geglaubt, dass das klappt", sagt Ralf Jaumann vom Institut für Planetenforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof. "Das ist eine immense Leistung und öffnet eine große Tür in der Planetenforschung." Nun sei es möglich, große und damit bessere Roboter auch auf anderen Himmelskörpern abzusetzen – etwa auf dem Mond oder einem Asteroiden, an denen die Forscher seit Jahrzehnten genauso interessiert sind.

Schließlich enthalten diese jahrmilliardenalten Gesteinshaufen Informationen über die Frühzeit unseres Sonnensystems, die auf der Erde infolge von Plattentektonik und Verwitterung längst zerstört sind. Vor allem aber, und diese Frage wird besonders an den Mars gestellt, wollen die Forscher herausfinden, ob sich auch jenseits der Erde Leben entwickelt hat, vielleicht sogar bis heute erhalten hat.

Die Antwort darauf hat für unseren Alltag keinerlei praktische Auswirkungen. Und doch ist es zutiefst menschlich, diese Frage zu stellen. Sind wir allein?

Erfahren Sie alles zu den Hintergründen der Mission und zum Planeten Mars. © Nasa/JPL-Caltech

"Zumindest in der Frühzeit des Mars waren die klimatischen Bedingungen günstiger für die Entwicklung von Leben als heute", sagt Jaumann. "Ich halte es für wahrscheinlich, dass das auch tatsächlich passiert ist." Er meint natürlich keine grünen Männchen, sondern kleine einzellige Mikroben. "Wenn das tatsächlich so war, dann hat Curiosity gute Chancen, Spuren davon zu finden." Kohlenstoffverbindungen etwa oder Stickstoff und Phosphat nennt er als Beispiele – alles, was man nach gegenwärtigem Wissensstand mit biologischer Aktivität in Verbindung bringe. Womöglich kann der neugierige Roboter sogar Abdrücke der fossilen Mikroben in den alten Tonschichten des Gale-Kraters finden, mutmaßt der Wissenschaftler. "Aber ob all diese Spuren eindeutig und nicht auch durch andere, nichtbiologische Prozesse entstanden sind, diese Frage wird bleiben", macht er das Dilemma der Forscher deutlich.

Um sie zu beantworten, seien noch bessere Analysegeräte vonnöten, über die Curiosity nicht verfüge. Aber vielleicht künftige Roboter.

Die Rolle des Menschen als möglicher Helfer vor Ort sieht Jaumann zunehmend schwinden – auch wenn sie als ein maßgeblicher Treiber für eine bemannte Marsmission gehandelt wird, die nach Plänen der Nasa Mitte der 2030er Jahre starten soll, wie der Chef der Raumfahrtbehörde, Charles Bolden, auch jetzt wieder bekräftigt hat. "Die Robotik wird immer besser ", sagt Jaumann. In einigen Jahrzehnten werde sie so ausgefeilt sein, dass kein Mensch auf den Mars fliegen müsse, um zu seiner Erforschung wesentlich beitragen zu können. "Ein solcher Flug hätte andere Gründe, vor allem die menschliche Neugier, seinen Entdeckerdrang."

In den nächsten Tagen geht es aber zunächst um die Neugier der 2,5 Milliarden Dollar teuren Forschungsmaschine. Am gestrigen Dienstag sollten zwei weitere Antennen eingeschaltet werden, um die Kommunikation mit der Erde zu verbessern. Die Forschungsgeräte werden voraussichtlich in einer Woche in Betrieb gehen, bis erste Proben aus dem Marsgestein gebohrt werden, dürfte rund ein Monat vergehen. Insgesamt ist die Mission für eine Laufzeit von zunächst zwei Jahren geplant. Eine Verlängerung ist durchaus möglich. Zumindest die Energieversorgung wird deutlich länger funktionieren: Sie speist sich aus der Wärme, die beim radioaktiven Zerfall von knapp fünf Kilo Plutoniumdioxid frei wird.

Erschienen im Tagesspiegel