EvaluationUnis fühlen sich durch Erbsenzähler am Forschen gehindert

Ein Hochschulverbund kritisiert exzessive Begutachtungen von Politik und Wissenschaft. Um in Ruhe forschen zu können, müssten Unis zu kostspieligen Mitteln greifen. von 

Politik und Wissenschaft sollen der immer weiter ausufernden Evaluation von Forschung ein Ende setzen. Das fordern mehrere große europäische Universitäten.  Begutachten, Auswerten und Steuern von Wissenschaft habe sich zu "einer ungesunden Obsession" entwickelt, die zu einer "Kultur der Erbsenzählerei" führe, wie es in einer Mitteilung der " League of European Research Universities " heißt. In dem Verbund sind 21 Unis zusammengeschlossen, darunter Oxford , Cambridge , Leiden und die Unis Zürich und Mailand sowie aus Deutschland die LMU München, Heidelberg und Freiburg .

Die Evaluationen hätten "unerwünschte Konsequenzen", heißt es. Universitäten müssten "exzessive Mengen an Daten produzieren, was an die Grenze personeller und finanzieller Ressourcen geht". Oft würden sich Begutachtungen doppeln, was zu zusätzlichen Belastungen führe. "Hochwertige Forschung wird so nicht unterstützt, sondern behindert."

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Zwar erkennen die Unis an, dass Politik und Gesellschaft ein berechtigtes Interesse daran haben zu erfahren, was Hochschulen leisten – schließlich investiert die öffentliche Hand viel Geld in die Wissenschaft. Auch Universitäten selbst würden dazu tendieren, die eigenen Leistungen immer umfassender zu analysieren, um institutionelle und individuelle Stärken und Schwächen herauszufinden oder neue Forschungsfelder zu generieren. Es sei daraus ein richtiges Geschäftsfeld entstanden, weil wegen der Menge der Evaluationen viele Aufgaben an externe Agenturen abgegeben würden.

Leider sei auch nicht allen klar, dass die Methoden der Begutachtungen "ihre Grenzen haben", wie es heißt. "Peer Review" – wenn Wissenschaftler andere Wissenschaftler begutachten – sei zwar weit verbreitet, aber auch "teuer, zeitintensiv und manchmal subjektiv". Viele bibliometrische Datenbanken würden verwendet, obwohl deren Qualität zu wünschen übrig lasse. Die Unis fordern daher zentrale Datenbanken, über die "feinkörnige" Auswertungen möglich seien.

Wie sehr gerade die weltweiten Unirankings auch von Geschäftsinteressen getrieben sind, zeigt sich in Großbritannien . Dort wurde laut "University World News" bekannt, dass Hochschulen mit viel Geld eine positive Bewertung im "QS World University Ranking" quasi erkaufen können. Bei QS werden die Unis nicht nur auf einer Rangliste eingeordnet. Sie werden seit kurzem auch zusätzlich mit Sternen ausgezeichnet, die eine besondere Qualität in bestimmten Bereichen signalisieren sollen.

Weniger bekannte Unis wie das University College Cork hätten für diese Sterne "mehrere zehntausend Euro bezahlt", wie es heißt. QS verteidigte das mit dem Argument, der Auswertungsprozess für die Sterne koste sehr viel mehr Geld als die herkömmliche Rangliste. Renommierte Unis wie Cambridge und Harvard mussten allerdings kein Geld für ihre Sterne zahlen.

Erschienen im Tagesspiegel.

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Leserkommentare
  1. Was Lehrende den Lernenden antun ist wohl solange gerechtfertigt solange es die Lehrenden nicht selbst betrifft. Aber das im angelsächsischen Raum mal wieder Schindluder getrieben wird war ja klar. Die können auch nie fair spielen - traurig...

  2. Das Problem besteht auch darin, dass die Forschungsprojekte mehrmals und unter unterschiedlichen Gesichtspunkten beschrieben und begutachtet werden müssen. Die Voraussetzung für ein Forschungsprojekt ist ein Antrag, der das Vorhaben schon sehr konkret beschreibt. Damit sollte die finanzielle Seite abgehandelt sein. Das ist sie aber nicht. Weitere Berichte müssen folgen, die den Wissenschaftler aber nicht in seiner Karriere unterstützen. Der Erfolg des Wissenschaftlers wird in seinen Veröffentlichungen, Vorträgen und wissenschaftlichen Niederschriften gemessen, die in den Berichten, die die Evaluation und finanzielle Förderung begründen, aber nur eine Fußnote ausmachen. Warum sind die wissenschaftlichen Niederschriften nicht gut genug für eine Evaluation? Es würde ausreichen, wenn weitere Berichte nur beim Scheitern der Projekte erforderlich wären.

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