Eine Libelle, aufgenommen in Kathmandu. Geflügelte Insekten gibt es heute unzählige. Das Fossil aus Belgien trägt dazu bei, ihre Evolution zu verstehen. © Prakash Methema/AFP/Getty Images

In einem belgischen Steinbruch haben Wissenschaftler möglicherweise das älteste bekannte geflügelte Insekt gefunden. Das Team um Romain Garrouste vom Muséum National d’Histoire Naturelle in Paris vermutet in dem kaum mehr als einen Zentimeter langen Fossil von Strudiella devonica das Nymphenstadium eines frühen fliegenden Insekts, das vor 370 Millionen Jahren lebte. In der aktuellen Ausgabe des Magazins Naturebeschreiben die Forscher ihren Fund.

Er fällt fast in die Mitte der Hexapoden-Lücke, ein Zeitraum ohne nennenswerte Insektenfossilien, in dem sich vermutlich aus den ersten Frühformen die Insektenvielfalt der Wälder des Karbons entwickelten.

Die Entdeckung stellt die bisherige Hypothese einer verzögerten Insektenevolution infrage und deutet darauf hin, dass die entsprechenden Fossilien aus der Hexapoden-Lücke schlicht noch nicht gefunden wurden.

Aus den Überresten schließen die Forscher, dass es sich um ein Landlebendes Insekt im Nymphenstadium handelte © Nature/dpa

Die ursprünglichsten Arten dieser großen Gruppe entstanden zusammen mit den frühesten terrestrischen Lebensräumen in der ersten Hälfte des Devon zwischen 425 und 385 Millionen Jahren vor unserer Zeit.

Danach findet man erst einmal praktisch gar nichts, 60 Millionen Jahre lang. Das ist kaum weniger als der Zeitraum, der uns von den Dinosauriern trennt. Erst nach dieser Durststrecke, in etwa 325 Millionen Jahre alten Gesteinen, taucht plötzlich eine enorme Vielfalt an nahezu modern anmutenden geflügelten Insekten auf.

Woher der Formenreichtum der Insekten im Oberkarbon stammt und wer die Vorläufer dieser Arten waren, beantwortet auch Strudiella nicht. Allerdings lässt sie die Hexapoden-Lücke nun in neuem Licht erscheinen.

Erschienen auf spektrum.de © Screenshot ZEIT ONLINE

Stand bisher die Möglichkeit im Raum, dass ein niedriger Sauerstoffanteil in der Atmosphäre die Entwicklung geflügelter Insekten bis ins Karbon hinein bremste, so muss dies nun angezweifelt werden.

Die Entdeckung von Strudiella mitten in der Fundlücke deutet darauf hin, dass sich die geflügelten Insekten schon zu dieser Zeit entwickelten – und dass Forscher ihre Fossilien nur noch finden müssen.

Erschienen auf spektrum.de