RaumfahrtmissionLive: Marsrover Curiosity erfolgreich gelandet

Er ist der teuerste und vielseitigste Roboter, der jemals ins All gestartet ist: Curiosity ist planmäßig auf dem Mars gelandet. Seien Sie jetzt per Videostream dabei. von Christina Horsten



Update: Der Rover ist erfolgreich auf dem Mars gelandet.

Sieben Minuten sind es, die Nasa-Ingenieure heute früh zittern lassen. Sieben Minuten, in denen das Roboterfahrzeug Curiosity (Neugier) in die Mars-Atmosphäre eintreten und nach allerlei komplizierten Manövern auf dem Planeten aufsetzen soll. Nebenbei muss es in dieser Zeit noch von rund 21.000 Kilometern pro Stunde auf Null abbremsen. Wenn alles gut geht. Die Wissenschaftler der amerikanischen Weltraumbehörde können nur abwarten. Alles ist vorprogrammiert und nichts lässt sich während der Landung des Roboters von der Größe eines Kleinwagens mehr ändern.

"Erst wenn der Rover sicher auf dem Mars ist, werde ich mich zurücklehnen können", sagte der Nasa-Manager John Grunsfeld. Allerdings ist es auch nicht leicht zu prüfen, ob die Landung geglückt ist. Curiosity selbst kann aus der Atmosphäre des Roten Planeten zunächst nur wenige Informationen zur Erde schicken.

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Nach jedem erfolgreichen Teil des Landemanövers sendet er Ultrahochfrequenz-Töne an die Raumsonde Odyssey, die den Mars umkreist. Odyssey leitet die Signale weiter zur Erde, wo die Antennen des Deep Space Network sie empfangen, unter anderem in der  australischen Hauptstadt Canberra. Von dort aus gelangen die Daten schließlich ins Kontrollzentrum der Nasa in Kalifornien.

Rover Curiosity

Das Mars Science Laboratory (MSL) ist die erste astrobiologische Mission seit Viking in den 1970er Jahren. Mit ihr unternimmt Marsrover Curiosity seit August 2012 auf dem Roten Planeten Forschungsfahrten.

Infografik: Curiosity
Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF herunterzuladen.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF herunterzuladen.  |  © Aurel Märki

Gut drei Meter misst das Geländefahrzeug in Länge und Breite, zwei in der Höhe – damit ist er fast so groß wie ein Kleinwagen. 900 Kilogramm bringt der Rover auf die Waage. Damit ist er doppelt so lang und fünf Mal so schwer wie seine Kollegen Spirit und Opportunity aus dem Jahr 2003.

Zudem ist das fahrende Labor weitaus besser ausgestattet: Zehn wissenschaftliche Instrumente hat Curiosity an Bord, darunter das Probenanalyse-Modul SAM und das Chemielabor CheMin.

Via einer UHF-Antenne werden Daten an die Erde übertragen. Auch kann die Mars-Odyssey-Sonde der Nasa als Relais verwendet werden.

Die Energie zum Fahren und Forschen liefert wie schon bei Viking ein Radioisotopen-Generator. So ist der Rover auch ohne Sonne funktionstüchtig.

Planet Mars

Der Mars gilt zwar als erdähnlich. Doch der Rote Planet ist bei Weitem nicht so einladend wie unser Heimatplanet. Die dünne Atmosphäre des Himmelskörpers besteht zu etwa 95 Prozent aus CO2, dazu kommen Stickstoff, Sauerstoff und Argon.

Seine Oberfläche ist trocken, felsig, kalt, die Durchschnittstemperatur liegt bei minus 63 Grad Celsius. Zudem schwankt die Temperatur stark und beeinflusst das Wetter. So treten im Frühjahr oft heftige Staubstürme auf, die große Teile der Marsoberfläche verhüllen.

Aufgrund der längeren Umlaufdauer um die Sonne – der Planet ist im Durchschnitt rund 230 Millionen Kilometer von ihr entfernt, die Erde im Vergleich rund 150 Millionen Kilometer – dauert ein Marsjahr 687 Erdentage. Ein Marstag wiederum dauert 24 Stunden und 37 Minuten.

Video: Die Mission

 Diese Animation stammt vom Jet Propulsion Laboratory der Raumfahrtbehörde Nasa.

Klappt die Übertragung, wissen Ingenieure und Forscher pünktlich gegen 7.31 Uhr deutscher Zeit, ob das rund 900 Kilogramm schwere, sechsrädrige Forschungslabor sicher auf dem Planeten aufgesetzt hat. Im schlimmsten Fall könne es auch Tage dauern, bis die ersten Signale die Erde erreichen, sollte es an einer der Schnittstellen Probleme geben. Frühestens 15 Stunden nach der Landung könnten die ersten von Curiosity geknipsten Fotos auf der Erde eintreffen, sagte ein Nasa-Sprecher. Ein Video, das eine Kamera am Boden des Rovers während der Landung aufzeichnet, werde wahrscheinlich erst ein paar Tage später eintrudeln.

Für die amerikanische Raumfahrtbehörde ist die etwa 1,9 Milliarden Euro teure Mission "das letzte große Hurra im Planetenprogramm für einige Jahre", schrieb Kenneth Chang in der New York Times. Geht auch nur eine Kleinigkeit schief beim Landemanöver ist Curiosity womöglich nur noch ein Haufen Schrott und die Mission gerät zur Blamage. Nachdem die US-Regierung den Etat der Nasa mittlerweile deutlich zusammengekürzt hat, wäre ein Misserfolg kaum zu verkraften. Viele erhoffte Informationen über mögliche Spuren von Leben auf dem Mars blieben aus. Die Zukunft des Mars-Projekts, das nach dem Willen von Präsident Barack Obama auch zu einer bemannten Mars-Mission in rund 20 Jahren führen soll, stünde auf dem Spiel.

Aber die Nasa gibt sich optimistisch. Das unter anderem einen Fallschirm, Korrekturdüsen und einen Kran einbindende Landemanöver möge abstrus wirken, sagt Nasa-Ingenieur Adam Steltzner. "Aber ich versichere Ihnen: Es ist die am wenigsten verrückte Methode, um einen Rover so groß wie Curiosity zu landen." Das Manöver sei jahrelang geprobt worden, ergänzt sein Kollege Steven Lee. "In der Welt der Simulation sind wir schon Millionen Mal auf dem Mars gelandet."

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Leserkommentare
  1. Wenn wir genug Marssonden auf den Mars senden werden wir eh irgendwann da oben etwas "entdecken", was durch frühere Missionen vom eigenen Planeten "eingeschleppt" wurde.

    • Ymir
    • 06. August 2012 7:35 Uhr

    zum gelungenen Touch Down!

    • 21trr42
    • 06. August 2012 10:54 Uhr
  2. Wäre doch gelacht wenn wir nachdem wir die Erde nun erfolgreich zerstört haben aufbrechen können und andere Planeten weiter zerstören können. Also schickt Raumfahrzeuge auf den Mars und baut Raumstationen wäre doch gelacht wenn wir nicht auch den Mars kaputt kriegen.

    DER MENSCH

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Barack Obama | Nasa | Rover | Etat | Mars | Planet
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