Biber am Ufer eines Teiches © Ralph Schieke / MacroTele-Film

Vor einigen Tagen hat sie wieder begonnen, die massenhafte Jagd auf die Kormorane am Chiemsee . Bis März dürfen die Vögel in weiten Teilen von Bayerns schönstem Gewässer wieder geschossen werden. Zwar sind die Fischbestände in dem Binnengewässer derzeit so üppig wie lange nicht mehr – aus Sicht der bayerischen Regierung und der Fischer ist die Maßnahme dennoch nötig.

Und das nicht nur am Chiemsee. Auch an anderen deutschen Seen werden ankommende Kormorane seit einigen Jahren häufiger mit der Schrotflinte begrüßt. So wurden allein in Baden-Württemberg in der Jagdsaison 2010/2011 fast 2.000 Kormorane mit Billigung der Behörden getötet. In Nordrhein-Westfalen waren es in der Vorsaison sogar mehr als 5.000.

Dabei ist das hierzulande einst sogar ausgerottete Tier laut Europarecht besonders geschützt und seine Bejagung nur ausnahmsweise möglich. "Einen Skandal" nennt deshalb Jörg-Andreas Krüger vom Naturschutzbund (Nabu) die vermehrten Abschüsse: "Wir sollten uns lieber freuen, wenn Wildtiere nach Deutschland zurückkehren", findet der Experte für Umweltpolitik. Zudem seien die Kormorane keineswegs für die in manchen Gewässern gesunkenen Fischbestände verantwortlich.

Doch wie so oft in jüngster Zeit setzten die Regierenden die Interessen der Fischer und Bauern über den Naturschutz. Davon ist Krüger überzeugt: "Egal ob Gänse, Krähen, Kormorane oder Biber – die Politik gibt Wildtiere seit einigen Jahren immer öfter einfach zum Abschuss frei." Anstatt zu versuchen, die Tiere etwa mit Lärm zu vertreiben, werde oft lieber gleich geschossen. "Letale Vergrämung" heißt diese Praxis mitunter im Behördendeutsch.

Der Abschuss von Tieren, beschönigt als "Letale Vergrämung"

Auch Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz (Bund) , empört sich seit Jahren über die wachsende Zahl von Abschüssen. "Die Zeiten, in denen die Tötung von Wildtieren die Ultima Ratio war, sind vorbei." Derzeit entzündet sich der Zorn des bayerischen Tierschützers aber nicht nur an der Kormoranjagd, sondern auch am Umgang des Freistaats mit dem Biber. In einem Schreiben an alle Landratsämter wies das bayerische Umweltministerium im Frühjahr die Kreisbehörden an, flächendeckend "erheblich schadensgeneigte Gebiete" auszuweisen. In diesen Regionen sollen die Pelztiere "schnell und ohne vermeidbaren Verwaltungsaufwand" gejagt werden dürfen. Zuvor war der Abschuss von Bibern im südlichsten Bundesland zwar bereits in absoluten Ausnahmefällen erlaubt – etwa rund um Kläranlagen und Wasserkraftwerke. Doch nun dürfen sie in einem weit größeren Bereich gejagt werden.

Begründet wird die neue Biberpolitik mit den gestiegenen Schadensmeldungen. Bayerns Landwirte sowie die Wald- und Teichbesitzer klagten 2011 Jahr über Schäden in Höhe von fast 600.000 Euro – weit mehr als der Freistaat in seinem Biber-Fonds bereitstellt. Der Bayerische Bauernverband begrüßt deshalb die vermehrten Abschüsse.

Eine Sprecherin des bayerischen Umweltministeriums betont derweil, die in Bayern lebenden 14.000 Biber seien "nach wie vor streng geschützt". Man habe die zuständigen Behörden in dem betreffenden Schreiben lediglich auf gesetzlich bereits bestehende Möglichkeiten des Abschusses hingewiesen.