Genom-Analyse: Biologen ergründen Ursprünge des ältesten Volks der Welt
Die Khoi-San in Afrika sind die engsten Verwandten der ersten modernen Menschen. Ihr Erbgut liefert Hinweise auf die Evolution des Homo Sapiens vor 100.000 Jahren.
© Carina Schlebusch

Ein Mitglied der vielschichtigen Volksgruppe der Khoi-San widmet sich traditioneller Kunst.
Kaum ein Volk ist unseren stammesgeschichtlichen Wurzeln so nah wie die Khoi-San: Genetisch sind die südlichen Afrikaner eng verwandt mit den ersten Homo Sapiens, die einst im heutigen Äthiopien lebten. Die Biologin Carina Schlebusch von der schwedischen Uppsala Universität und ihre Mitarbeiter haben jetzt das Erbgut der Khoi-San untersucht. Es liefert Hinweise auf die evolutionären Prozesse, die sich vor mehr als 100.000 Jahren ereigneten – in einer für die Evolution des anatomisch modernen Menschen entscheidenden Phase.
Das internationale Forscherteam analysierte dafür 2,3 Millionen Erbgutvarianten von 220 Menschen. Das Ergebnis zeige, dass die Khoi-San genetisch einzigartig seien. Keine andere heute bekannte Population habe sich so früh von den Vorfahren aller Menschen abgetrennt, berichten die Forscher im Magazin Science.
"Aus den genetischen Unterschieden zwischen den Populationen des südlichen Afrika geht hervor, dass der moderne Mensch vermutlich nicht an einem einzigen geografischen Ort entstand", schreiben Carina Schlebusch und ihre Kollegen. Stattdessen sei bereits die frühe Menschheitsgeschichte von Vermischungen und Abspaltungen geprägt gewesen. "Es ist daher möglich, dass auch die anatomisch modernen Menschen aus einer nicht homogenen Gruppe von Vorfahren hervorgingen."
- Auf den Spuren des Menschen
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Als Homo sapiens ist der Mensch heute die einzige lebende Art aus der Familie der Hominidae, der Menschenartigen. Die meisten Hominiden sind jedoch keine direkten Vorfahren des Menschen, sondern entwickelten sich als Seitenlinien der Evolution. Ein Überblick nach Alter:
4,4 Millionen Jahre – Ardipithecus ramidus: Der Fund aus Äthiopien zählt zu den Menschenartigen und ist weit mehr von den Affen entfernt, als bislang vermutet.
3,2 Millionen Jahre – Australopithecus afarensis: 1974 wird in Äthiopien "Lucy" ausgegraben, ein Teilskelett, das als letzter gemeinsamer Vorfahr mehrerer Abstammungslinien von Hominiden gilt.
2,5 bis 2,3 Millionen Jahre – Homo rudolfensis: Dieser Mensch hat ein größeres Gehirn als die affenartigen Vormenschen, die Australopithecinen, und nutzte wohl auch schon Werkzeuge. Er könnte einer der direkten Vorgänger des modernen Menschen sein
2,1 bis 1,5 Millionen Jahre – Homo habilis: Alle Knochenfunde stammen aus Ostafrika, dieser Frühmensch könnte zur gleichen Zeit wie Homo rudolfensis und Homo erectus gelebt haben.
- 2.000.000 bis 500.000 Jahre
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1,8 bis 2 Millionen Jahre – Australopithecus sediba: Die in einer Höhle der südafrikanischen Region Sterkfontein gefundenen Fossilien eines Jungen und einer Frau könnten eine Übergangsform zwischen den Australopithecinen und den Frühmenschen darstellen.
1,8 Millionen bis 300.000 Jahre – Homo erectus: Mit dem Homo erectus begann eine Wanderbewegung aus Afrika nach Europa und Asien. 1891 entdeckt der Holländer Eugene Dubois einen Javamenschen, der vor 500.000 Jahren gelebt hat. In Georgien finden Forscher seit 1999 mehrere 1,75 Millionen Jahre alte menschliche Überreste, die dem Homo erectus zugerechnet werden.
500.000/780.000 Jahre – Homo heidelbergensis: Im Oktober 1907 wird im Dorf Mauer bei Heidelberg ein rund 500.000 Jahre alter Unterkiefer dieses Menschen ausgegraben. 1995 werden in Spanien 780.000 Jahre alte Überreste von vier Menschen dieser Art und Werkzeuge gefunden. Sie zählen zu den frühesten Menschen Europas.
- 160.000 bis heute
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120.000 bis 10.000 Jahre – Homo floresiensis: Der als "Hobbit" bekanntgewordene, nur ein Meter große indonesische Urmensch war im Jahr 2004 auf der Insel Flores gefunden worden. Es gilt als umstritten, ob er eine eigene Art ist oder ein kleinwüchsiger Homo sapiens.
40.000 Jahre – Homo neanderthalensis: Ein Fund von 1856 in der Feldhofer-Grotte im Neandertal stellt den Beginn der Forschung zur Evolution des Menschen dar.
30.000 Jahre – Denisovan hominins:In einer Höhle in Sibirien fanden Archäologen 2008 versteinerte Fingerknochen und einen Backenzahn, dessen Erbgut weder zu dem der Neandertaler, noch zu dem der Homo sapiens passte. Forscher nannten diesen neu entdeckten Frühmensch Denisovan - nach seinem Fundort, der Denisovan-Höhle.
160.000 Jahre – Homo sapiens: Die bislang ältesten Überreste des modernen Menschen findet ein internationales Forscherteam 1997 in Äthiopien. Die erst 2003 analysierten Schädelknochen erhärten nach Ansicht der Forscher die Vermutung, dass die modernen Menschen in Afrika entstanden sind und sich von dort in die ganze Welt ausgebreitet haben.
Die neue Analyse deutet nun an, welche genetischen Stellschrauben an diesem Wandel beteiligt gewesen sein könnten. Unter den besonders ursprünglichen Genvarianten der Khoi-San identifizierten die Forscher drei Gene, die für die Entwicklung des Skeletts und Schädels wichtig sind.
Die Geschichte der Khoi-San liegt in ihrem Erbgut
Eines dieser Gene, RUNX2, könnte nach Ansicht der Forscher für einige anatomische Unterschiede zwischen modernen und archaischen Menschentypen verantwortlich sein. Varianten dieses Gens beeinflussen unter anderem die Stirnwölbung, die Form des Brustkorbs und der Schlüsselbeine sowie den Zeitpunkt, zu dem sich der Schädel schließt – ein für die Gehirnentwicklung wichtiges Merkmal. "Eine Selektion nur weniger Gene, darunter vielleicht dieser Kandidaten, könnte daher an der Entwicklung des anatomisch modernen Menschen beteiligt gewesen sein", mutmaßen die Forscher.
Die Wissenschaftler entdeckten auch große Unterschiede innerhalb der Khoi-San. "Es gibt in dieser Gruppe eine erstaunlich große ethnische Vielfalt. Und wir haben anhand der DNA einige Aspekte ihrer Geschichte nachvollziehen können", sagt Schlebusch. So zeigen die Gene, dass sich die heute im Norden Namibias und Angolas lebenden San bereits vor 25.000 bis 43.000 Jahren von den restlichen Khoi-San, wie die gesamte Gruppe dieser Völker bezeichnet wird, abspalteten.
Die Gene verraten auch, warum die Nama, ein in Namibia verbreiteter Volksstamm, im Gegensatz zu vielen anderen Khoi-San nicht als Jäger und Sammler, sondern als sesshafte Bauern leben. "Sie teilen einen kleinen, aber deutlichen Genanteil mit ostafrikanischen Völkern, vor allem mit den Massai", berichten die Forscher. Das deute darauf hin, dass ostafrikanische Einwanderer die Landwirtschaft in den Südwesten Afrikas brachten, lange bevor vor rund 1.500 Jahren Bantu sprechende Farmer aus dem westlichen Zentralafrika einwanderten. Eine der wahrscheinlich von den Massai geerbten Genvarianten sorgt dafür, dass rund die Hälfte der Nama auch als Erwachsene noch Milchzucker abbauen und verdauen können. Bei den anderen Khoi-San-Gruppen komme diese Genvariante nur in zehn Prozent der Bevölkerung vor.









"Biologen ergründen Ursprünge des ältesten Volks der Welt
Die Khoi-San in Afrika sind die engsten Verwandten der ersten modernen Menschen. Ihr Erbgut liefert Hinweise auf die Evolution des Homo Sapiens vor 100.000 Jahren."
Der Untertitel ist leider seltsam zweideutig und wird den sehr selbstbewussten und stets weiter über den schmalen Grat der Überlebensmöglichkeiten in ihrer Heimat gedrängten Khoi-San kaum gerecht. Sie sind nicht die engsten Verwandten der von der Wissenschaft angenommenen ersten modernen Menschen, die Forschungen bestätigen, sie haben die längste erhaltene Linie zu unseren Ursprüngen. Oder verstehe ich das falsch ..
Die Bezeichnung "engste Verwandte" bezeichnet wohl denselben Tatbestand, nämlich die genetisch größte Nähe zu den Vorfahren. In der Sprachwissenschaft spielen die Khoi-San eine ähnliche Rolle. Ihre Sprachen gelten als die ältesten der Welt, was natürlich Unsinn ist. Wie alle Sprachen haben auch ihre Sprachen sich verändert. Aber ihre Sprachen hatten eine weitaus geringere Kontakte zu anderen Sprachen als andere und nahmen deshalb geringere Merkmals in Lexikologie und Struktur auf, sodass man bei ihnen heute noch eine auffällige Häuffung von Merkmalen findet, die man als archaisch bezeichnet, z.B. die Schnalzlaute.
"Die Gene verraten auch, warum die Nama, ein in Namibia verbreiteter Volksstamm, im Gegensatz zu vielen anderen Khoi-San nicht als Jäger und Sammler, sondern als sesshafte Bauern leben."
Von den Genen auf kulturelle Errungenschaften zu schliessen ist für mich äusserst fragwürdig.
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