GeschmackssinnDie Vorliebe für Schimmelkäse steckt im Erbgut
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"Ältere Menschen vertragen bittere oder scharfe Speisen besser als jüngere"

Frage: Welcher Zusammenhang besteht zwischen unseren Genen, dem Geschmacks- und Geruchssinn, der ja erst die Vielzahl an unterschiedlichen Nuancen in unser Essen bringt?

Gasparini: Geschmack und Geruch arbeiten zusammen, sobald wir Nahrung in den Mund aufnehmen. Das Zusammenspiel beider muss aber noch näher untersucht werden. Doch auch hier können wir ein erstes Resultat vorweisen: Wir haben ein Gen nachgewiesen, das womöglich mit einer Vorliebe für Tee zusammenhängt. Gleichzeitig steht es in Verbindung zur Geruchswahrnehmung, was durchaus Sinn macht, denn das Bouquet beziehungsweise Aroma eines Tees gehört zu den entscheidenden Dingen, ob man das Getränk mag oder nicht.

Frage: Wie können Sie zwischen genetischen Ursachen einerseits und den wohl ebenfalls recht starken soziokulturellen Einflüssen andererseits unterscheiden?

Gasparini: Eines unserer Hauptziele ist es, herauszufinden, welche biologischen Komponenten unseren Geruchs- und Geschmackssinn – und damit auch unser Essen – steuern, damit wir sie leichter von den soziokulturellen Hintergründen abgrenzen können. Unser großer Datensatz, kombiniert mit anderen Genomprojekten, ist gut geeignet, um Verbindungen zwischen Genen und Geschmack zu entdecken.

Frage: Lässt sich der Geschmack auch trainieren, etwa indem man regelmäßig scharf isst, und hinterließe dies auf Dauer Spuren im Erbgut?

Gasparini: Prinzipiell vertragen ältere Menschen bittere oder scharfe Speisen besser als jüngere, weil ihre entsprechenden Nervenzellen abgebaut haben und sie daher quasi "abgestumpfter" sind. Und bis zu einem bestimmten Grad kann man auch seinen Geschmackssinn trainieren, so dass man scharfe Speisen besser toleriert. Ein Super-Taster für Bitterstoffe hingegen wird immer größte Schwierigkeiten haben, Kaffee ohne Zucker, dunkles Bier oder Tonic Water zu trinken oder dunkle Schokolade, bestimmte Kohlsorten oder Chicorée zu essen.

Frage: Was planen Sie als Nächstes: Weiten Sie Ihre Studien auch auf andere Gebiete aus?

Gasparini: Ja, zurzeit untersuchen wir relativ isolierte Gemeinschaften in verschiedenen Regionen Italiens, und natürlich wäre es nett, Genproben aus allen Teilen der Welt zu haben. Unser Blick richtet sich daher momentan gen Südamerika, doch die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Die Wirtschaftskrise erschwert auch unsere Arbeit.

Frage: Zurück noch einmal zur Seidenstraße: Hatten Sie selbst besondere Geschmackserlebnisse auf der Reise?

Gasparini: Schaffleisch ist nichts für meinen Gaumen. Am meisten Überwindung kostete mich daher ein Gericht namens Plov (in Deutschland auch als Pilaw bekannt, Anm. d. Red.) – ein traditionelles Gericht aus Reis, Karotten und Stückchen aus gekochtem Hammel oder Schaf. Am schmackhaftesten fand ich hingegen die verschiedenen Brote, die in den Tandur-Öfen auf Holzkohle gebacken werden.

Erschienen auf spektrum.de

 
Leser-Kommentare
  1. von den Ergebnissen dieser Testfahrt! Für die Info, daß es dort so eine Geschmackstestreise gegeben hat, hätten auch ein oder zwei Sätze genügt! Und daß alle, die Bitterstoffe nicht vertragen, Supertaster sind, glaube ich z.B. sowieso nicht.
    Ich befürchte, daß das wieder so eine Testfahrt für die Lebensmittelindustrie ist, die für ihre Produkte nach neuen Absatzmärkten sucht, bzw. ihre Produkte an neue Absatzmärkte anpassen will.

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    Lieber User Wesengleich,

    es handelte sich nicht um eine "Testfahrt", sondern eine wissenschaftliche Forschungsreise. In den meisten Fällen sind dabei die anfallenden Datenmengen so groß, dass die Auswertung länger dauern kann. Desweiteren ist es üblich, Ergebnisse erst in der Presse zu nennen, wenn auch schon wissenschaftliche Paper veröffentlicht wurden.
    Bei diesem Artikel handelt es sich also tatsächlich nur um die Information, an welchen Thema Herr Professor Paolo Gasparini gerade forscht, die an sich ja auch sehr interessant ist. Es liegt nun mal im Ermessen des Redaktionsteams, diesen Artikel hier zu veröffentlichen. Der einzige Kritikpunkt meiner Seite wäre der unglücklich gewählte Titel hier bei Zeit Online, da er tatsächlich suggerieren kann es würden konkrete Ergebnisse genannt. Bei spektrum.de lautet der Titel nämlich nur "Der Geschmack der Seidenstraße".

    Im übrigen muss in der wissenschaftlichen Forschung Auskunft über die Herkunft der Forschungsgelder gemacht werden. Sie können deshalb gern bei Herrn Professor Gasparini nachfragen, ob er Gelder aus der Lebensmittelindustrie erhalten hat, bevor Sie solche Behauptungen in die Welt setzen.

    Grüße, makemake

    wie welche zuvor? Gibt's ein Beispiel oder einen Beleg? "Wieder"? You're up.

    Lieber User Wesengleich,

    es handelte sich nicht um eine "Testfahrt", sondern eine wissenschaftliche Forschungsreise. In den meisten Fällen sind dabei die anfallenden Datenmengen so groß, dass die Auswertung länger dauern kann. Desweiteren ist es üblich, Ergebnisse erst in der Presse zu nennen, wenn auch schon wissenschaftliche Paper veröffentlicht wurden.
    Bei diesem Artikel handelt es sich also tatsächlich nur um die Information, an welchen Thema Herr Professor Paolo Gasparini gerade forscht, die an sich ja auch sehr interessant ist. Es liegt nun mal im Ermessen des Redaktionsteams, diesen Artikel hier zu veröffentlichen. Der einzige Kritikpunkt meiner Seite wäre der unglücklich gewählte Titel hier bei Zeit Online, da er tatsächlich suggerieren kann es würden konkrete Ergebnisse genannt. Bei spektrum.de lautet der Titel nämlich nur "Der Geschmack der Seidenstraße".

    Im übrigen muss in der wissenschaftlichen Forschung Auskunft über die Herkunft der Forschungsgelder gemacht werden. Sie können deshalb gern bei Herrn Professor Gasparini nachfragen, ob er Gelder aus der Lebensmittelindustrie erhalten hat, bevor Sie solche Behauptungen in die Welt setzen.

    Grüße, makemake

    wie welche zuvor? Gibt's ein Beispiel oder einen Beleg? "Wieder"? You're up.

  2. Lieber User Wesengleich,

    es handelte sich nicht um eine "Testfahrt", sondern eine wissenschaftliche Forschungsreise. In den meisten Fällen sind dabei die anfallenden Datenmengen so groß, dass die Auswertung länger dauern kann. Desweiteren ist es üblich, Ergebnisse erst in der Presse zu nennen, wenn auch schon wissenschaftliche Paper veröffentlicht wurden.
    Bei diesem Artikel handelt es sich also tatsächlich nur um die Information, an welchen Thema Herr Professor Paolo Gasparini gerade forscht, die an sich ja auch sehr interessant ist. Es liegt nun mal im Ermessen des Redaktionsteams, diesen Artikel hier zu veröffentlichen. Der einzige Kritikpunkt meiner Seite wäre der unglücklich gewählte Titel hier bei Zeit Online, da er tatsächlich suggerieren kann es würden konkrete Ergebnisse genannt. Bei spektrum.de lautet der Titel nämlich nur "Der Geschmack der Seidenstraße".

    Im übrigen muss in der wissenschaftlichen Forschung Auskunft über die Herkunft der Forschungsgelder gemacht werden. Sie können deshalb gern bei Herrn Professor Gasparini nachfragen, ob er Gelder aus der Lebensmittelindustrie erhalten hat, bevor Sie solche Behauptungen in die Welt setzen.

    Grüße, makemake

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    Ich frage mich aber dennoch, wem oder was diese Forschung denn nun dient. Was ist die Intention? Immerhin kostet sie ja doch viel Geld!
    Ich möchte wirklich niemanden kränken, aber ich habe nun einmal in meinem Leben mit den Ergebnissen der Medizin-und Ernährungswissenschaft keine guten Erfahrungen gemacht!
    Wozu müssen wir oder irgendjemand genau wissen, warum dem einen dieses und der anderen jenes besser schmeckt?

    Ich frage mich aber dennoch, wem oder was diese Forschung denn nun dient. Was ist die Intention? Immerhin kostet sie ja doch viel Geld!
    Ich möchte wirklich niemanden kränken, aber ich habe nun einmal in meinem Leben mit den Ergebnissen der Medizin-und Ernährungswissenschaft keine guten Erfahrungen gemacht!
    Wozu müssen wir oder irgendjemand genau wissen, warum dem einen dieses und der anderen jenes besser schmeckt?

  3. wie welche zuvor? Gibt's ein Beispiel oder einen Beleg? "Wieder"? You're up.

  4. Ich frage mich aber dennoch, wem oder was diese Forschung denn nun dient. Was ist die Intention? Immerhin kostet sie ja doch viel Geld!
    Ich möchte wirklich niemanden kränken, aber ich habe nun einmal in meinem Leben mit den Ergebnissen der Medizin-und Ernährungswissenschaft keine guten Erfahrungen gemacht!
    Wozu müssen wir oder irgendjemand genau wissen, warum dem einen dieses und der anderen jenes besser schmeckt?

  5. Zwar isst man in Europa Schimmelkäse, in Asien jedoch gibt es *Stinkdoufu* (chou doufu),der steht dem geschmacklich in nichts nach.
    Übrigens habe ich gestern erst gelesen, daß man in Kambodscha und in Vietnam an der Grenze zu Kambodscha Ratten vertilgt - und zwar mit Genuss. Liegt das dann auch in den Genen? Und der Verzehr von Menschenfleisch? Das könnte man den betroffenen Volksgruppen dann kaum austreiben, außer man unterzieht sie einer Gentherapie.

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