Paläogenetik : Mal eben ein Mammut klonen

Eine Expedition hat in Sibirien konservierte Überreste eines Mammuts entdeckt. Jetzt gibt es wieder Spekulationen, dass Forscher das Urzeittier daraus klonen könnten.
Ein Mann berührt in der sibirischen Stadt Khanty-Mansiysk eine gigantische Mammutskulptur. © Natalia Kolesnikova/AFP/Getty Images

Die Menschen der Eiszeit lebten von Mammuts, wie wir heute wohl von Kühen. Seit jeher übt der vor rund 10.000 Jahren ausgestorbene Wollelefant eine besondere Anziehungskraft auf den Menschen aus. Zumindest taucht er regelmäßig in Comics und Animationsfilmen auf. Vielleicht fantasieren deshalb auch Genetiker seit Jahren darüber, diese Tiere wieder zum Leben zu erwecken. Nun stachelt ein neuer Fund im tiefsten Sibirien diese Träume wieder an.

In Jakutien stieß eine Expedition aus internationalen Paläontologen im August auf die gut konservierten Überreste eines Mammuts. In rund 100 Metern Tiefe entdeckten die Forscher im Permafrost konserviertes Fett-, Binde- und Muskelgewebe sowie zotteliges Haar und Knochenmark. Einige Nachrichtenagenturen berichteten, dass die gefrorenen Mammutteile möglicherweise "lebende Zellen" enthalten . Absurd, denn was über Tausende von Jahren auf Eis lag, ist mausetot.

Allerdings wäre es denkbar, dass die Zellen im tiefgekühlten Mammut-Gewebe noch intakt sind, was ihre Struktur und ihr Erbgut anbelangt. Die DNA könnte unter Umständen weder von zerstörerischen Eiskristallen noch von Tauprozessen beschädigt worden sein. Allerdings ist dies unwahrscheinlich, denn bis so ein Mammut komplett einfriert, dürfte es seine Zeit gedauert haben. Währenddessen hat sich vermutlich ein Großteil des Erbguts  zersetzt.

Eine Elefantenkuh mit Mammut-Embryo

Falls nicht, besteht eine theoretische Chance, die pelzige Elefantengattung zurückzuholen. Tatsächlich haben Evolutionsgenetiker 2008 bereits das Erbgut des Mammuts zu großen Teilen sequenziert und rekonstruiert . In den vergangenen Jahrzehnten haben Wissenschaftler zahlreiche gut erhaltene Mammutfunde in Permafrostböden gemacht. Das Tier ist dank zahlreicher Proben eine Art Modellsystem für das Wiederherstellen von Erbgutmaterial geworden.

Zum Klonen eignet sich hingegen wohl höchstens Mammut-DNA, die schockgefrostet wurde und unbeschadet vorliegt. Wobei Klonen im Fall des Mammuts der falsche Begriff ist. Denn dabei werden existierende Lebewesen kopiert. Das Klonschaf Dolly etwa war eine genetische Kopie eines anderen Schafs. Um den Urzeit-Elefanten auferstehen zu lassen, wollen Forscher Zellkerne aus seinem Gewebe extrahieren und in Eizellen indischer Elefanten einsetzen. Die Kuh soll dann austragen, was sich dort zum Embryo entwickelt.

Das hat ausgerechnet der südkoreanische Klonforscher Woo-Suk Hwang vor. Der Mann ist 2004 berühmt geworden – mit einem der größten Forschungsskandale der letzten Jahre. Hwang hatte behauptet, er habe embryonale Stammzellen des Menschen geklont. Was ihm zwei Jahre später wohl tatsächlich glückte, war die genetische Kopie eines Hundes namens Snuppy.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Vielfalt wagen

Das Klonen ist eines der Meilensteine der menschlichen Wissenschaft, und wieso erst etwas entdecken, wenn es direkt geächtet wird.
Zumal Zwilinge ohnehin einen natürlichen Klon bilden.

Und warum nicht ausgestorbene Lebewesen wieder auferstehen lassen, die der Mensch ausgerottet hat, wie der Dodo, Wollnaßhörner oder die Homotherium.

In Anbetracht dessen, das - zählt man die Riesenechsen des Mesozoikums mit - 99% der uns bekannten Tierarten ausstarben, kann man dem Erhalt der Artenvielfalt aufrechthalten.

Die derzeitige Aussterberate liegt heute bei 3-130 Arten pro Tag, das überschreitet den Grenzwert mit 1.000% (nach einer Studie des Stockholm Resilience Centre von 2009).
Artensterben ist ein noch größeres Problem als der Klimawandel, und nun kann der Mensch die Fehler wieder rückgängig machen, aber es ist eine "traurige wissenschaftliche Sensation"?

Man hat in Deutschland schon Wölfe und Bären ausgerottet, nun könnte man die hiesige Fauna aufwerten, es muss gar kein Mammut sein.

Interessante Perspektive

Lieber "Humanist",

Ich bin mir nicht ganz sicher, wieviel Ironie in ihrem Beitrag enthalten ist. Sind Sie wirklich der Meinung, das Klonen von seit Jahrtausenden ausgestorbenen Tieren wäre ein sinnvoller Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt? Warum sterben denn heute so viele Arten aus? Weil wir, die Menschheit, Klima und Umwelt in einem Tempo beeinflussen, das die Tiere nicht durch natürliche Mutation/Anpassung mithalten können. Das Klonen von heutzutage ausgestorbenen Tierarten würde daher nur zu einem riesigen "Freak-Zoo" werden, denn in unserer heutigen Umwelt würden diese Tiere nicht mehr überleben können.

Ich muss Ihnen aber zustimmen: Nicht alles was neu ist, sollte gleich verdammt werden: Gentechnik, Nanotechnik, usw.

Ach, und übrigens: "In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben" ;)

Und das ...

"Ach, und übrigens: "In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben" ;)"

... kann durchaus ein Problem sein/werden.

Neulich ist ein Autofahrer in Deutschland mit einem Elch zusammengestoßen.

Will man in Zukunft wirklich wieder Wölfen im Wald begegnen?

Oder Bären oder gar Mammuts?

Meinetwegen muß das nicht sein. Ich fand es eigentlich bisher ganz angenehm ohne diese Tiere hier zu leben.

Ohne Tiere auskommen.

Klar ist das vordergründig angenehmer wenn man in den Wald gehen kann ohne Angst haben zu müssen von einem Bären angefallen zu werden. Aber wollen wir wirklich eine domestizierte Natur? Was ist daran noch natürlich, wenn wir alles unbequeme und gefährliche in der Natur unserem Gefühl von Sicherheit und Bequemlichkeit opfern? Bienen können stechen und allergische Menschen können daran sterben. Was passieren würde wenn die Bienen von der Bildfläche verschwinden hat schon Albert Einstein um den Schlaf gebracht. Und die wirbellosen Tierbestände gehen schon jetzt bedenklich zurück. Ob es sinnvoll ist, vor Urzeiten ausgestorbene Tiere mit Gewalt aus der Geschichte zurückzuholen steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fauna fördern

"Ach, und übrigens: "In Brandenburg soll es wieder Wölfe geben" ;)"

Wer weiß wie lange noch, in Bayern gab es ja auch wieder Braunbären.
Wölfe werden seit Kindesalter als gefährliche Bestien beschrieben, was nicht der Fall ist, sie sind kaum gefährlicher als Rehe oder Wildschweine.

Und tiere gewöhnen sich schnell an neue Lebensräume, hier werden ja nicht reinrassige Mammuts geklont, sondern mit Elefanten gekreuzt, und Elefanten kommen mit der Umwelt ganz gut klar.
Als Produkt hätte man eine Art sehr haarigen Elefanten.
Und ich denke nicht dass das heutige Klima oder die Umwelt soviel anders ist als vor 10.000 Jahren denn bis vor 8000 v. Chr. lebten in Nord und Osteuropa noch welche.

Aber wie gesagt, halten wir mal nicht am Mammut fest, der Dodo, vor nichtmal 400 Jahren war er noch existent, sein Lebensraum Mauritius oder Reunion sind seit 400 Jahren unverändert.

Nur weil man glaubt etwas zu können...

...heisst das noch lange nicht das man es auch sollte.
Muss man intelligente Wissenschaftler wirklich daran erinnern was man kleinen Kindern schon beibringt (bringen sollte): Tiere sind kein Spielzeug.
Selbst wenn es gelingen sollte, das arme Tier wäre wortwörtlich allein auf dieser Welt und das als Rudeltier.
Wäre es nicht wichtiger kurz vor dem aussterben stehende Tiere zu retten, als die die schon seit Jahrtausenden ausgestorben sind und von denen wir wissen(!), dass die Natur ohne sie auskommt, zurückzuholen?

Austerben der Mammuts

> Ob unsere Vorfahren oder das sich verändernde Klima letztlich das Mammut auslöschten, ist bis heute nicht geklärt.

Ich dachte, die Frage waere geklaert: die Kombination von Klimaveraenderungen und Jagd durch Menschen hat das Mammut ausgerottet. Bevor der Mensch kam gab es zwar auch immer starke natuerliche Reduzierungen des Mammutbestandes, aber es gab immer kleine Herden, die ueberlebt haben. Erst der Mensch hat dann waehrend einer solchen Phase auch die restlichen Mammuts getoetet. (Jedenfalls ist das das, an was ich mich noch von einem Vortrag im British Museum erinnern kann.)