WeltrisikoberichtVanuatu ist das gefährdetste Land der Welt

Welche Länder sind kaum für Naturkatastrophen gerüstet? Hilfsorganisationen haben ein Ranking erstellt. Der Weltrisikoindex stuft ein, wo es sich am gefährlichsten lebt. von dapd

Ein kleines Mädchen am Fuß des Yasur-Vulkans in Vanuatu

Ein kleines Mädchen am Fuß des Yasur-Vulkans in Vanuatu  |  © Torsten Blackwood/AFP/Getty Images

Erdbeben, Überschwemmungen und Wirbelstürme: Die Einwohner des südpazifischen Inselstaates Vanuatu leben mit dem größten Risiko, Opfer einer Naturkatastrophe zu werden. Die Inselgruppe wird zum einen am häufigsten von Naturgewalten erschüttert, zum anderen fehlt es in Vanuatu an dringend notwendigen Sicherheitsvorkehrungen, wie aus dem Weltrisikobericht 2012 des Bündnisses Entwicklung Hilft hervorgeht. Deutschland hat dagegen nur wenig zu fürchten.

Die Bundesrepublik liegt im internationalen Ländervergleich in der niedrigsten Risikogruppe auf Platz 146 von 173 untersuchten Staaten. Besonders gefährdet seien Länder in Ozeanien, Südostasien, Afrika, Mittelamerika und der Karibik , sagte Studienleiter Jörn Birkmann von der Universität der Vereinten Nationen in Bonn. "Dort trifft eine sehr hohe Gefährdung gegenüber Naturgefahren und Klimawandel auf sehr verwundbare Gesellschaften."

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Hinter Vanuatu – allerdings mit großem Abstand – rangieren Tonga , die Philippinen , Guatemala und Bangladesch auf den Rängen 2 bis 5. Das geringste Katastrophenrisiko tragen Malta und Katar .

Malta gilt als sicherstes Land

Für den Weltrisikoindex wurden neben der akuten Katastrophengefährdung durch die geografische Lage des Landes drei weitere Punkte mit einbezogen: die Anfälligkeit in Form von mangelnder Infrastruktur oder Ernährung, die Bewältigungsmöglichkeiten, darunter medizinische Versorgung und Frühwarnung, sowie die Anpassung der Länder an Naturkatastrophen. Aus der Kombination ergaben sich die einzelnen Risikowerte für jedes Land.

So seien die Niederlande wegen ihrer geringen Höhe über dem Meeresspiegel zwar sehr anfällig für Überschwemmungen. Die gute Infrastruktur bessere die Lage aber deutlich auf. Ein Gegensatz zu Haiti : Bei dem schweren Erdbeben 2010 kamen 220.000 Menschen ums Leben . Bei einem vergleichbar schweren Erdbeben in Neuseeland seien es 187 Todesopfer gewesen, sagte Birkmann.

Die Politik hat Umweltzerstörungen lange ignoriert

Nach Ansicht des Bündnisses Entwicklung Hilft bekommen Umweltzerstörungen einen immer größeren Einfluss . "Denn wo Hänge entwaldet sind, wo schützende Riffe Mangroven und Feuchtgebiete degeneriert oder sogar komplett verschwunden sind, treffen Naturgewalten mit ungleich größerer Wucht auf die bewohnten Gebiete", sagte der Geschäftsführer des Bündnisses, Peter Mucke. Dieser Zusammenhang werde von der Politik zu wenig beachtet.

Als Konsequenz aus dem Bericht verlangt das Bündnis Entwicklung Hilft, zu dem die fünf Hilfswerke Brot für die Welt, Medico International, Misereor, Terre des hommes und Welthungerhilfe zählen, mehr Katastrophenvorsorge und eine verstärkte Bekämpfung von Armut und Hunger.

Der Klimawandel müsse eingedämmt und in gefährdeten Regionen mehr auf Bildung und Forschung gesetzt werden.

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Leserkommentare
  1. Seite nur empfehlen. Vor allem den Methodenteil lesen!

    Ein Lehrstück wie man aus zwei Schlagworten "Meeresspiegelansteig" und "Klimawandel" ziemlich irrsinnige Bedrohungsparmeter ableitet!

    Jeder Mensch ohne solchen Realitätsverlust beginnt eine Risikostudie auch mit der Gesamtheit der Georisiken, diese wurden aber in wesentlichen Teilen, zugunsten unsinniger Schlagworte, gekonnt ignoriert......

    Ach ja, die unkontrollierte Vermehrung von Hominiden in sehr ungeeigenten Gebieten gehört auch zu den so nicht erwähnten Risiken.

    Viel Freude bei der Lektüre!

    MfG KM

    4 Leserempfehlungen
  2. Der östliche Teil des Mittleren Ostens sowie Arabien sind also sehr sicher, während Griechenland extrem gefährdet ist?

    Irgendwie kann ich mir das nicht so recht vorstellen. Es passieren doch allenthalben irgendwelche Erdbeben im Irak.

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  3. Das Vanuatu aufgrund der geringen Entwicklungshilfe und des steigenden Meeresspiegel stark gefaehrdet ist, kann ich nachvollziehen.

    Aber dass Malta so besonders sicher ist, kann ich nicht so recht glauben, schliesslich gab es im Mittelmeer schon einige Tsunami (siehe z.B. http://en.wikipedia.org/w... ) und das koennte die dicht besiedelte Kueste Maltas erheblich gefaehrden.

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  4. angesichts der Ranking-Ergebnisse. Bis ich wahrgenommen habe, dass sehr stark die "Naturgefährdungs-Brille" aufgesetzt wurde. Der Untertitel "Schwerpunkt Umweltgefährung und Katastrophen" soll dies wohl verdeutlichen.

    Ich finde jedenfalls den Titel "Weltrisikobericht" etwas dick aufgetragen. Um dieses Rubrum tragen zu dürfen, müssten noch mindestens die Facetten soziale/politische Stabilität in das Bild aufgenommen werden. Das sähe dann erheblich anders aus.

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  5. "Eine Studie der britischen New Economics Foundation (NEF) bewertet das Glück der Einwohner Vanuatus im weltweiten Vergleich am höchsten. Untersucht wurden Zufriedenheit, Lebenserwartung und der Umgang mit der Umwelt." Quelle: http://de.wikipedia.org/w...

    Soso, na das muss sich doch ändern lassen, ausserdem kann man damit verdienen. ;(

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    • Azenion
    • 12. September 2012 18:33 Uhr

    Auf die Politik sollten die Bürger der betroffenen Staaten nicht hoffen:

    Erstens ist es die Eigenheit von Politikern, daß sie nicht notwendigerweise die Interessen ihres Volkes im Sinne haben, sondern ihre eigenen. Je korrupter der Staat, desto mehr.

    Zweitens ist die Macht von Politikern ohnehin begrenzt. Gegen starke Interessen der Eliten (die nicht einmal unbedingt im eigenen Land leben müssen, wo sie eventuell von Katastrophen mit betroffen wären) kommen selbst in gut organisierten Staaten Politiker nicht an.
    Wenn die maßgeblichen Eliten kein Interesse an Umweltschutz und Katastrophenvorsorge haben, kann die Politik kaum etwas dagegen tun.

    Es empfiehlt sich also: Selbsthilfe organisieren!

    In flutgefährdeten Gebieten müßten sich z.B. die Dorfgemeinschaften selbst Deich- oder Warft-Baumannschaften zusammenstellen -- und zuerst einmal ihren Fatalismus überwinden. Denn alles ist vergebens, wenn das Volk selbst die Katastrophen einfach so hinnimmt, wie sie kommen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd
  • Schlagworte Erdbeben | Grafik | Klimawandel | Meeresspiegel | Naturkatastrophe | Riff
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