Jungsteinzeit: Bienenwachs statt Amalgam im Zahn
Wie linderten Jungsteinzeitler vor 6.500 Jahren ihre Zahnschmerzen? Sie könnten Löcher mit Bienenwachs gefüllt haben. Das belegt die womöglich älteste Plombe Europas.
© Bernardini F, Tuniz C, Coppa A, Mancini L, Dreossi D, et al.

Die natürliche Krone des jungsteinzeitlichen Eckzahns. Der gepunktete Kreis deutet die Fläche der Bienenwachsfüllung an, die sich im Computertomografen offenbarte.
Ob Amalgam, Gold oder Kunststoff – die Geschichte der Zahnmedizin kennt so einige Füllstoffe für schmerzende Kauleisten. Doch seit wann stopfte der Mensch die Löcher in seinen Zähnen? In einer Höhle nahe Lonche in Slowenien haben Archäologen bereits vor einiger Zeit Teile eines menschlichen Kiefers ausgegraben. Die Analyse der darin erhaltenen Zähne offenbarte eine Plombe aus Bienenwachs.
"Diese Entdeckung ist vielleicht das älteste Beweisstück für vorgeschichtliche Zahnmedizin in Europa und das früheste bekannte Beispiel für eine therapeutisch-schmerzlindernde Zahnfüllung", sagt der Leiter der Untersuchungen, Federico Bernardini vom Internationalen Zentrum für Theoretische Physik in Triest. Gemeinsam mit Archäologen hat er die Diagnoseergebnisse des jungsteinzeitlichen Zahns im Online-Magazin Plos One veröffentlicht.
Ob es sich tatsächlich um einen zahnärztlichen Eingriff handelt, ist nicht ganz gewiss. Das Bienenwachs könne kurz vor oder kurz nach dem Tod des Menschen in den Zahn eingearbeitet worden sein, schreiben die Forscher. Der fossile Kiefer gehörte vermutlich einem 24- bis 30-jährigen Mann. Sollte der Patient behandelt worden sein, ehe er starb, habe die Füllung wohl einen naheliegenden Zweck gehabt: Schmerzen lindern und einen empfindlichen Riss im Zahnschmelz schützen. Dieser zieht sich nämlich durch den Eckzahn, der mit dem Wachs bearbeitet worden ist.
In weiteren Zähnen des Kiefers fanden die Forscher keine Füllungen, obwohl auch sie stark verschlissen waren. Das Team untersuchte das Fundstück unter anderem mit einer Mikro-Computertomographie und Infrarotspektroskopie. Frühere Studien belegen, dass bereits vor 9.000 Jahren Zahnärzte im heutigen Pakistan tätig wurden. Im Gräberfeld von Mehrgarh in Belutschistan hatte ein internationales Team um Roberto Macchiarelli von der französischen Universität Poitiers Backenzähne mit eindeutigen Bohrlöchern gefunden. Zahnfüllungen waren nach der langen Zeit nicht nachweisbar, wurden aber nicht ausgeschlossen.








Besser als Amalgam allemal.
konnte man damit jedenfalls nicht mehr.
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