Die Suche nach der zweiten Erde und damit einem bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems zählt zu den spannendsten Forschungszielen der modernen Astronomie. Nun haben Wissenschaftler einen Planeten mit ungefähr der Masse unserer Erde entdeckt – im uns nächsten Sonnensystem Alpha Centauri. Dass dies Astronomen des Großobservatoriums La Silla gelang, ist wohl eines der schönsten Geburtstagsgeschenke der Europäischen Südsternwarte Organisation (ESO), die am 5. Oktober 50 Jahre alt geworden ist. Sie betreibt das Teleskopzentrum.

Alpha Centauri ist einer der hellsten Sterne nahe dem berühmten Kreuz des Südens, das am südlichen Sternhimmel zu beobachten ist. Am Nachthimmel wird er als dritthellstes Gestirn wahrgenommen. Es ist uns so nahe wie kein zweites Sternensystem, obwohl es noch 4,3 Lichtjahre entfernt liegt (1 Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht bei einer Geschwindigkeit von 300.000 Kilometer pro Sekunde in einem Jahr zurücklegt, also 9,5 Billionen Kilometer). Vielleicht wird Alpha Centauri damit einst das erste Ziel zukünftiger interstellarer Raumfahrer sein.

Kein Wunder, dass Alpha Centauri A und der ihn begleitende Stern Alpha Centauri B ganz oben auf der Top-100-Zielliste des geplanten Terrestrial Planet Finders stand. Der Bau des Weltraumteleskops der amerikanischen Behörde Nasa wurde allerdings wegen Budgetkürzungen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Alpha und Beta Centauri – ein Dreifachsystem

Zusammen mit Beta Centauri bezeichnen Astronomen die Sterne als Dreifachsystem: drei Sterne, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Es besteht aus zwei sonnenähnlichen Sternen (dem helleren gelben Alpha Centauri A und dem orangefarbenen Alpha Centauri B), die sich in nur geringem Abstand umkreisen. Hinzu kommt ein weiter außen liegender, lichtschwacher roter Begleiter namens Proxima Centauri. Er ist der sonnennächste Stern, auch wenn noch nicht sicher geklärt ist, ob er überhaupt zu Alpha Centauri A gehört.

Über die Hälfte aller Sterne unserer Milchstraße sind Doppel - oder Mehrfachsternsysteme (60 bis 70 Prozent). Seit dem 19. Jahrhundert haben Astronomen, später auch Science-Fiction-Autoren, spekuliert, ob um diese Sterne Planeten existieren. Es wären die außerhalb unseres Sonnensystems nächstgelegenen Orte im Universum, an denen Leben möglich wäre.

Vorausgesetzt, es handelt sich nicht um Riesenplaneten und Gaswelten wie Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Solche Planeten haben die Astronomen bisher gefunden. Bezieht man die noch unbestätigten Objekte mit ein, so waren im Juni 2012 in 624 extrasolaren Planetensystemen 778 Exoplaneten und Exoplaneten-Kandidaten bekannt. 101 Systeme mit mehreren Planeten wurden entdeckt.

Eine direkte Beobachtung, das heißt Fotografie, eines Exoplaneten ist schwierig. Das Licht ihres Muttergestirns, das sie reflektieren, wird wegen der großen Entfernung zur Erde überstrahlt. Es ist ungefähr so, als ob man eine Taschenlampenbirne neben einem Filmscheinwerfer postiert. Das Leuchten der Birne geht unter. Die Astronomen müssen sich deshalb anderer indirekter Nachweismethoden bedienen. Eine davon ist die Spektrografie , die Zerlegung des ausgesandten Lichtes eines Sterns in seine farbigen Bestandteile. Dabei werden auch dunkle Linien ( Fraunhofer'sche Absorptionslinien ) sichtbar. Das Bild ähnelt ein wenig dem Barcode auf den Waren im Supermarkt. Zeigen sie Schwankungen, lässt das auf einen "unsichtbaren" Begleiter – einen weiteren Stern oder gar Planeten – schließen.