AstronomieDer erdähnliche Planet von nebenan

In unserem benachbarten Sonnensystem Alpha Centauri sind Forscher erstmals auf einen Planeten gestoßen. Eine heiße Spur für bewohnbare Himmelskörper von Bernhard Mackowiak

Leuchtendes Sternsystem Alpha Centauri

Leuchtendes Sternsystem Alpha Centauri   |  © ESO/Digitized Sky Survey 2/Davide De Martin

Die Suche nach der zweiten Erde und damit einem bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems zählt zu den spannendsten Forschungszielen der modernen Astronomie. Nun haben Wissenschaftler einen Planeten mit ungefähr der Masse unserer Erde entdeckt – im uns nächsten Sonnensystem Alpha Centauri. Dass dies Astronomen des Großobservatoriums La Silla gelang, ist wohl eines der schönsten Geburtstagsgeschenke der Europäischen Südsternwarte Organisation (ESO), die am 5. Oktober 50 Jahre alt geworden ist. Sie betreibt das Teleskopzentrum.

Alpha Centauri ist einer der hellsten Sterne nahe dem berühmten Kreuz des Südens, das am südlichen Sternhimmel zu beobachten ist. Am Nachthimmel wird er als dritthellstes Gestirn wahrgenommen. Es ist uns so nahe wie kein zweites Sternensystem, obwohl es noch 4,3 Lichtjahre entfernt liegt (1 Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht bei einer Geschwindigkeit von 300.000 Kilometer pro Sekunde in einem Jahr zurücklegt, also 9,5 Billionen Kilometer). Vielleicht wird Alpha Centauri damit einst das erste Ziel zukünftiger interstellarer Raumfahrer sein.

Anzeige

Kein Wunder, dass Alpha Centauri A und der ihn begleitende Stern Alpha Centauri B ganz oben auf der Top-100-Zielliste des geplanten Terrestrial Planet Finders stand. Der Bau des Weltraumteleskops der amerikanischen Behörde Nasa wurde allerdings wegen Budgetkürzungen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Alpha und Beta Centauri – ein Dreifachsystem

Zusammen mit Beta Centauri bezeichnen Astronomen die Sterne als Dreifachsystem: drei Sterne, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen. Es besteht aus zwei sonnenähnlichen Sternen (dem helleren gelben Alpha Centauri A und dem orangefarbenen Alpha Centauri B), die sich in nur geringem Abstand umkreisen. Hinzu kommt ein weiter außen liegender, lichtschwacher roter Begleiter namens Proxima Centauri. Er ist der sonnennächste Stern, auch wenn noch nicht sicher geklärt ist, ob er überhaupt zu Alpha Centauri A gehört.

Über die Hälfte aller Sterne unserer Milchstraße sind Doppel - oder Mehrfachsternsysteme (60 bis 70 Prozent). Seit dem 19. Jahrhundert haben Astronomen, später auch Science-Fiction-Autoren, spekuliert, ob um diese Sterne Planeten existieren. Es wären die außerhalb unseres Sonnensystems nächstgelegenen Orte im Universum, an denen Leben möglich wäre.

Vorausgesetzt, es handelt sich nicht um Riesenplaneten und Gaswelten wie Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Solche Planeten haben die Astronomen bisher gefunden. Bezieht man die noch unbestätigten Objekte mit ein, so waren im Juni 2012 in 624 extrasolaren Planetensystemen 778 Exoplaneten und Exoplaneten-Kandidaten bekannt. 101 Systeme mit mehreren Planeten wurden entdeckt.

Eine direkte Beobachtung, das heißt Fotografie, eines Exoplaneten ist schwierig. Das Licht ihres Muttergestirns, das sie reflektieren, wird wegen der großen Entfernung zur Erde überstrahlt. Es ist ungefähr so, als ob man eine Taschenlampenbirne neben einem Filmscheinwerfer postiert. Das Leuchten der Birne geht unter. Die Astronomen müssen sich deshalb anderer indirekter Nachweismethoden bedienen. Eine davon ist die Spektrografie , die Zerlegung des ausgesandten Lichtes eines Sterns in seine farbigen Bestandteile. Dabei werden auch dunkle Linien ( Fraunhofer'sche Absorptionslinien ) sichtbar. Das Bild ähnelt ein wenig dem Barcode auf den Waren im Supermarkt. Zeigen sie Schwankungen, lässt das auf einen "unsichtbaren" Begleiter – einen weiteren Stern oder gar Planeten – schließen.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/jp

    • Kelsi
    • 17. Oktober 2012 21:21 Uhr

    ... und Tee trinken. Natürlich wäre es eine Sensation wenn im von uns nächst gelegenen Alpha-Centauri Sternensystem eine sogenannte zweite Erde gibt. Wahrscheinlich ist es ein lebloser Fels ohne Atmosphäre.

    Ein Erdähnlicher Planet existiert mit mit hoher Wahrscheinlichkeit. Vielleicht ist der nächste am anderen Ende des Universums?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Acrux
    • 17. Oktober 2012 21:43 Uhr

    ist es ein lebloser Fels, mit einer Umlaufzeit von 3-und-was Tagen. Wenn er Atmosphaere hat, besteht die vielleicht aus verdampftem Blei, aber wahrscheinlich hat er gar keine.

    Oder aber, das ist auch moeglich, es ist ein normaler "heisser Jupiter". Die Masse, die angeben wird ist naemlich nur die Mindestmasse, falls man die Umlaufbahn von der Seite sieht. Wenn man sie von oben sieht, koennte die Masse deutlich groesser sein. Das duerfte aber 'rauszubringen sein, mit anderen Beobachtungstechniken

    • Varech
    • 17. Oktober 2012 22:01 Uhr

    ... ja, wer das denken kann, der könnte es vielleicht auch schaffen, unsere eigene alte Erde mit anderen Augen, sozusagen neu zu sehen.

    • Acrux
    • 17. Oktober 2012 21:43 Uhr

    ist es ein lebloser Fels, mit einer Umlaufzeit von 3-und-was Tagen. Wenn er Atmosphaere hat, besteht die vielleicht aus verdampftem Blei, aber wahrscheinlich hat er gar keine.

    Oder aber, das ist auch moeglich, es ist ein normaler "heisser Jupiter". Die Masse, die angeben wird ist naemlich nur die Mindestmasse, falls man die Umlaufbahn von der Seite sieht. Wenn man sie von oben sieht, koennte die Masse deutlich groesser sein. Das duerfte aber 'rauszubringen sein, mit anderen Beobachtungstechniken

    Antwort auf "Mal abwarten..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Ambi
    • 18. Oktober 2012 0:24 Uhr

    Wenn sich der Planet in der Bahnebene der beiden Sonnen bewegt, dann ist die tatsächliche Masse nicht viel größer als die Mindestmasse. Von der Erde aus sieht man das Alpha Centauri-System fast von der Seite her.

    Ein höhere Masse ist sogar wahrscheinlich. Bei so einem nahen Objekt hätte der Planet längst in Transitstudien gefunden werden müssen. Da das aber nicht so ist, ist eine Blickrichtung exakt entlang der Planetenbahnebene sehr unwahrscheinlich.

    • Varech
    • 17. Oktober 2012 22:01 Uhr

    ... ja, wer das denken kann, der könnte es vielleicht auch schaffen, unsere eigene alte Erde mit anderen Augen, sozusagen neu zu sehen.

    Antwort auf "Mal abwarten..."
  2. Einen Stern und seinen Exoplaneten mit einem Filmscheinwerfer, der eine Taschenlampenbirne überstrahlt, zu vergleichen, ist einfach faktisch falsch. Ein Exoplanet leuchtet nicht von selbst, man müsste ihn daher eher, statt mit einer schwachen Taschenlampe, mit einer Erbse oder ähnlichem vergleichen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... eine in Alufolie eingepackte Erbse :)

    • Ambi
    • 18. Oktober 2012 0:24 Uhr

    Wenn sich der Planet in der Bahnebene der beiden Sonnen bewegt, dann ist die tatsächliche Masse nicht viel größer als die Mindestmasse. Von der Erde aus sieht man das Alpha Centauri-System fast von der Seite her.

    Antwort auf "Mit Sicherheit sogar"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Acrux
    • 18. Oktober 2012 0:58 Uhr

    wir kennen nur den Drehimpulsvektor des Doppelsterns. Ob und wieviel Ruckschluesse der auf die Ebene eines Planetenorbits zulaesst ist fraglich. Durch Resonanzeffekte in solchen Mehrkoerpersystemen koennen die Bahnen sehr wild uerball hin variieren. Deswegen werden sie ja auch instabil, wenn man etwas weiter weg vom Stern geht.

    • Acrux
    • 18. Oktober 2012 0:58 Uhr

    wir kennen nur den Drehimpulsvektor des Doppelsterns. Ob und wieviel Ruckschluesse der auf die Ebene eines Planetenorbits zulaesst ist fraglich. Durch Resonanzeffekte in solchen Mehrkoerpersystemen koennen die Bahnen sehr wild uerball hin variieren. Deswegen werden sie ja auch instabil, wenn man etwas weiter weg vom Stern geht.

    Antwort auf "Blick von der Seite"
  3. Ein höhere Masse ist sogar wahrscheinlich. Bei so einem nahen Objekt hätte der Planet längst in Transitstudien gefunden werden müssen. Da das aber nicht so ist, ist eine Blickrichtung exakt entlang der Planetenbahnebene sehr unwahrscheinlich.

    Antwort auf "Mit Sicherheit sogar"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Ambi
    • 18. Oktober 2012 8:51 Uhr

    Ein Transit kommt nur dann vor, wenn der Planet zwischen Erde und aCen B steht. Auch bei einem so nahen Planeten (10*Sternradius) reichen ein paar Grad Abweichung von der Sichtlinie, um sicherzustellen, dass es nicht zu einem Transit kommt.

    Diese Bahn kann sich natürlich durch aCen A im Laufe der Zeit ändern, das geht aber sehr langsam.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Planet | Astronomie | Jupiter | Saturn | Sonnensystem | Stern
Service