Ein Darsteller posiert als eine Figur aus dem Film "Avatar". © Mark Metcalfe/Getty Images

Die Freude war besonders groß. Ein Exoplanet, direkt vor der Haustür ! Genauer gesagt im Orbit von Alpha Centauri B , einem nur 4,4 Lichtjahre entfernen Nachbarstern der Sonne. Kein Wunder, dass sich letzten Dienstag über 70 Journalisten in die geheime Online-Pressekonferenz der Europäischen Südsternwarte (ESO) einloggten. Kein Wunder, dass ein Kroate den Fund um die Welt schrie, noch ehe die Pressesperrfrist aufgehoben war. Alpha Centauri ist ein Synonym für die Sehnsucht nach außerirdischem Leben, spätestens seit James Cameron in Avatar dort blauhäutige Aliens von Baum zu Baum hüpfen ließ.

Aber leben im Doppelsternsystem Alpha Centauri auch in der Realität wilde Schlümpfe? Komplett ausschließen kann man das bisher nicht. Zwar ist der neue Planet so nah an seinem Stern, dass auf seiner Oberfläche Lava statt Wasser fließen dürfte. Aber an anderen Orten im All haben sich in der Schwerkraft zweier Sonnen gleich mehrere Planeten gebildet. Bis Astronomen wissen, ob das auch in Alpha Centauri der Fall ist, wird jedoch noch viel Zeit vergehen: Um dort einen erdähnlichen Planeten mit guten Bedingungen für Leben nachzuweisen, müsste man den Stern über mindestens acht weitere Jahre beobachten, schätzt die Astronomin Sara Seager vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Bis dahin könnte man schon an ganz anderer Stelle einen Zwilling der Erde entdeckt haben. Der Nasa-Satellit Kepler unternimmt dieser Tage die größte Planeten-Inventur der Geschichte. Seit über dreieinhalb Jahren späht das Weltraumteleskop auf einen kleinen Himmelsausschnitt im Sternbild Schwan. 100.000 Sterne haben die Forscher auf einmal im Blick. Zieht ein Planet vor einem von ihnen vorbei, verdunkelt sich der jeweilige Stern minimal.

Vier Jahre sind die magische Grenze für Kepler. Nach dieser Zeit können die Forscher sagen, ob einige der Sternfinsternisse von einem Zwilling der Erde hervorgerufen werden. Um einen Planeten nachzuweisen, muss er dreimal seinen Stern verdunkelt haben. Um einen Planeten wie die Erde zu entdecken, der innerhalb eines Jahres einen Stern wie die Sonne einmal umrundet, müssen die Forscher also vier Jahre lang Beobachtungsdaten auswerten. Vermutlich haben sie bereits eine gute Ahnung davon, ob sich eine Zwillingserde in ihren Daten versteckt.

In ein oder zwei Jahren könnten die Ergebnisse veröffentlicht werden. Dann werden Astronomen sagen können, ob es auch woanders im All lebensfreundliche Bedingungen gibt. Zwar könnte das auch auf einem der vier bisher entdeckten Exoplaneten in einer habitablen Zone der Fall sein. Sie umrunden ihr Zentralgestirn gerade in jenem Abstand, der flüssiges Wasser auf der Oberfläche möglich macht. Da sich Gliese 581d, HD 85512b, Gliese 667Cc und Kepler-22b aber stark von der Erde unterscheiden, müssen Forscher ein großes Maß an Fantasie aufbringen, wenn sie dort ein Ökosystem postulieren. Von dem Vorwurf des Wunschdenkens werden sich diese Überlegungen nie lösen können.

Bisher lassen sich nur Masse und Durchmesser von Exoplaneten abschätzen

Bei einem erdgroßen Planeten in der habitablen Zone einer Zwillingssonne sähe die Sache allerdings anders aus. Erst recht, wenn Kepler um mehr als einen Stern solch eine Zwillingserde findet. Bei maximal 30 der sonnenähnlichen Sterne vom Typ G2V könnten die Instrumente der Sonde solch eine Zwillingserde nachweisen, schätzen die Forscher. Hochgerechnet auf die gesamte Galaxie hießen also auch 10 entdeckte Zwillingserden noch, dass es vermutlich Millionen von ihnen in der Milchstraße gibt.

Allerdings wäre auch dann die Alienfrage noch nicht beantwortet. Bisher können Forscher nur die Masse und den Durchmesser eines Planeten abschätzen. Ein Ökosystem auf der Oberfläche ließe sich aber nur nachweisen, wenn man Wasserdampf, Sauerstoff und Methan in einer Exoatmosphäre nachweist. Erst damit könnte man die Anhänger der "Rare Earth"-Hypothese zum Schweigen bringen. Sie argumentieren, dass höheres Leben auf der Erde nur als Folge einer Verkettung von vielen, extrem unwahrscheinlichen Ereignissen entstanden ist – die sich nirgendwo sonst im All wiederholt haben.

Leider ist es sehr schwierig, die Atmosphäre von kleinen Exoplaneten zu studieren. Denn dazu muss man das dimme Leuchten eines Felskörpers beobachten, der von seinem Mutterstern überstrahlt wird. Die Nasa verweist an dieser Stelle auf den Hubble-Nachfolger, das James Webb Weltraumteleskop (JWST). Es soll immer dann einen Stern ins Blickfeld nehmen, wenn er gerade von einem Planet in seinem Orbit verdunkelt wird. Die Atmosphäre des Planeten würde in diesem Fall das Sternenlicht filtern. Schwache Absorptionslinien könnten dann das Vorhandensein von den Gasen in der Atmosphäre belegen.